Jüngerer Sohn des Kaisers
Basileios
I. von Byzanz aus der Makedonischen
Dynastie
aus seiner 2. Ehe mit der Eudokia
Ingerina
Thiele, Andreas: Tafel 196
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
ALEXANDER
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† 913
Alexander wurde 878
Cäsar
und 886 Mit-Kaiser. Er war ein haltloser Säufer und Wüstling,
folgte 912 seinem Bruder Leon VI.,
stand gegen den Senat und bekriegte die Bulgaren.
Norwich John Julius: Band II Seite 135,146,157-161
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Theoretisch teilte Leon VI.
den Thron mit seinem Bruder Alexander,
aber dieser war eine vergnügungssüchtige Null ohne jegliche Regierungsambitionen,
und daher konnte ihm gar nichts Besseres passieren, als aller Verantwortung
enthoben zu sein. Alexander zerstörte
sein Leben rasch durch Trunksucht und andere Ausschweifungen und
würde wahrscheinlich noch vor Leon
sterben.
Das einzige Positive, was sich über die Herrschaft
Kaiser
Alexanders sagen läßt, ist, dass sie von kurzer Dauer
war. Bereits im Alter von 41 Jahren von seinem verngügungs- und trunksüchtigen
Leben aufgezehrt, hatte er den Thron weniger als 13 Monate inne. Aber selbst
in dieser kurzen Zeit schaffte er es, bemerkenswert viel Schaden anzurichten.
Sein übliches Verhalten läßt sich höchstens noch mit
dem Michaels III. des Säufers
zu seinen schlimmsten Zeiten vergleichen. Das Volk von Konstantinopel mußte
die gleichen sinnlosen Grausamkeiten mit ansehen, den gleichen Radau Betrunkener
auf öffentlichen Plätzen und die gleichen mutwilligen frevlerischen
Handlungen. Es machte sogar den Anschein, als wollte er dem Beispiel Wladimirs
in Bulgarien folgen und alte Gottheiten im Reich wieder einführen.
Mindestens bei einer Gelegenheit geriet er auf einem dieser heidnischen
Abwege an den Rand des Wahnsinns, war er doch voll der Überzeugung,
bei der Bronzefigur eines Keilers im Hippodrom handle es sich um sein zweites
Ich. Er ließ sie mit neuen Zähnen und Genitalien ausstatten,
um damit den außergewöhnlichen Verschleiß zu kurieren,
den er seinen eigenen diesbezüglichen Körperteilen hatte angedeihen
lassen.
Alexander haßte
seinen Bruder Leon seit langem.
Es scheint ziemlich sicher, dass er im Jahre 903 an einer gescheiterten
Verschwörung beteiligt war, die zum Ziel hatte,
Leon während der Messe in der Mokioskirche umzubringen.
Möglicherweise wurde er deswegen im folgenden Jahr seines Ranges als
Mit-Kaiser
beraubt - obwohl seine Position als einziger Thronerbe sicherstellte, dass
die Absetzung nur vorübergehenden Charakter haben konnte. Als er endlich
an die Macht gelangte, verlor er keine Zeit, seinem Haß offen Ausdruck
zu verleihen. Er änderte die politische Linie von Grund auf und stieß
alle Anordnungen Leons
um. Kurz, er
strebte danach, ohne Rücksicht auf die Folgen alles rückgängig
zu machen, was sein Bruder je veranlaßt hatte.
Kaiserin Zoe
wurde mit all ihren Freunden und Beratern ohne viel Federlesens
aus dem Palast gewiesen; ihr Oheim Himerios, der dem Reich so nützliche
Dienste erwiesen hatte, entehrt und ins Gefängnis gesteckt, wo er
sechs Monate später starb.
In der Zweischenzeit war eine bulgarische Gesandtschaft
in Konstantinopel eingetroffen. Die von Symeon
entsandte Delegation hatte den Auftrag, Alexander
zur
Thronbesteigung zu gratulieren und ihm vorzuschlagen, den Friedensvertrag
von 901 zu erneuern. Für Alexander,
der sich nur schwer von einem seiner orgiastischen Trinkgelage losreißen
konnte, um sie zu empfangen, war dieser Vertrag ein Werk seines Bruders,
und schon allein deshalb mußte er ihn aufhaben. In einem plötzlichen
Anfall von Trunkenheit und Größenwahn brüllte er die Gesandten
an, er werde keine weiteren Abkommen mehr unterzeichnen, und Byzanz werde
zudem auch keine Tribute mehr zahlen. Dann entließ er sie. Vermutlich
noch mehr entsetzt über das, was sie gesehen, als das, war sie gehört
hatten, kehrten sie mit traurigem Kopfschütteln zu ihrem Herrn zurück.
Symeon,
dessen dürfen wir sicher sein, kam ihr Bericht nicht ungelegen. Mit
dem Vertrauen in die Stärke seines Heeres und in der Annahme, dass
er nichts von einem Reich zu befürchten habe, das von einer so traurigen
Figur regiert wurde, begann er mit seinen Kriegsvorbereitungen.
Unterdessen hatte Alexander
einen Schritt unternommen, der sich auf eine Art als beinahe ebenso katastrophal
erweisen sollte wie sein Empfang der bulgarischen Delegation. Einmal mehr
aus keinem anderen ersichtlichen Grund, als dem Handeln seines Bruders
entgegenzuwirken, hatte er die Absetzung des Patriarchen Nikekaos für
ungültig erklärt, ihn aus der Verbannung zurückberufen und
wieder in sein früheres Amt eingesetzt. Nachdem er Euthymios in das
Kloster von Agathon verbannt und den Kaiser überredet hatte, seinen
Namen und den des Papstes von den Diptychen zu entfernen (wodurch er jegliche
Verbindung mit Rom abbrach), begann Nikolaos eine großangelegte Säuberung
der gesamten Hierarchie.
Theophanes Continuatus berichtet, Kaiser
Alexander habe nach einem schweren Mahl unbesonnen in der Mittagshitze
Polo gespielt, und dabei habe ihn der Schlag getroffen. Zuverlässigere
Quellen erklären jedoch, er sei zusammengebrochen, nachdem er in der
Hoffnung, seine Impotenz zu heilen, den Statuen im Hippodrom verschiedene
heidnische Opfer dargebracht habe - vermutlich auch dem Keiler. Welche
Darstellung zutrifft, spielt keine Rolle. Entscheidend war allein sein
Tod, der zwei Tage später eintrat, am Sonntag, dem 6. Juni 913.
Das Mosaikporträt in der Nord-Galerie der Hagia Sophia muß noch
aus der Zeit seiner Herrschaft stammen, denn nach seinem Tod wollten ihn
seine Untertanen nur noch so schnell wie möglich vergessen.
Literatur:
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Kashdan A.P.: Byzanz und seine Kultur. Akademie-Verlag
Berlin 1968 Seite 45 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg
des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band II Seite 135,146,157-161 - Liudprands von Cremona: Werke
in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Band VIII Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 1977 Seite 330,376 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 196 -