Alexandros                                   Kaiser von Byzanz (912-913)
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um 870 6.6.913
 

Jüngerer Sohn des Kaisers Basileios I. von Byzanz aus der Makedonischen Dynastie aus seiner 2. Ehe mit der Eudokia Ingerina
 

Thiele, Andreas: Tafel 196
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ALEXANDER
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   913

Alexander wurde 878 Cäsar und 886 Mit-Kaiser. Er war ein haltloser Säufer und Wüstling, folgte 912 seinem Bruder Leon VI., stand gegen den Senat und bekriegte die Bulgaren.



Alexandros war seit 879 Mit-Kaiser seines Vaters und Bruders Leon VI. Er war ein leichtsinniger Genießer, der sich nicht um Regierungsgeschäfte kümmerte. Nach dem Tode seines Bruders ließ er die Kaiserin Zoe ins Kloster stecken und enthob die Mitarbeiter Leons VI. ihrer Ämter.

Norwich John Julius: Band II Seite 135,146,157-161
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Theoretisch teilte Leon VI. den Thron mit seinem Bruder Alexander, aber dieser war eine vergnügungssüchtige Null ohne jegliche Regierungsambitionen, und daher konnte ihm gar nichts Besseres passieren, als aller Verantwortung enthoben zu sein. Alexander zerstörte sein Leben rasch durch Trunksucht und andere Ausschweifungen und würde wahrscheinlich noch vor Leon sterben.
Das einzige Positive, was sich über die Herrschaft Kaiser Alexanders sagen läßt, ist, dass sie von kurzer Dauer war. Bereits im Alter von 41 Jahren von seinem verngügungs- und trunksüchtigen Leben aufgezehrt, hatte er den Thron weniger als 13 Monate inne. Aber selbst in dieser kurzen Zeit schaffte er es, bemerkenswert viel Schaden anzurichten. Sein übliches Verhalten läßt sich höchstens noch mit dem Michaels III. des Säufers zu seinen schlimmsten Zeiten vergleichen. Das Volk von Konstantinopel mußte die gleichen sinnlosen Grausamkeiten mit ansehen, den gleichen Radau Betrunkener auf öffentlichen Plätzen und die gleichen mutwilligen frevlerischen Handlungen. Es machte sogar den Anschein, als wollte er dem Beispiel Wladimirs in Bulgarien folgen und alte Gottheiten im Reich wieder einführen. Mindestens bei einer Gelegenheit geriet er auf einem dieser heidnischen Abwege an den Rand des Wahnsinns, war er doch voll der Überzeugung, bei der Bronzefigur eines Keilers im Hippodrom handle es sich um sein zweites Ich. Er ließ sie mit neuen Zähnen und Genitalien ausstatten, um damit den außergewöhnlichen Verschleiß zu kurieren, den er seinen eigenen diesbezüglichen Körperteilen hatte angedeihen lassen.
Alexander haßte seinen Bruder Leon seit langem. Es scheint ziemlich sicher, dass er im Jahre 903 an einer gescheiterten Verschwörung beteiligt war, die zum Ziel hatte, Leon während der Messe in der Mokioskirche umzubringen. Möglicherweise wurde er deswegen im folgenden Jahr seines Ranges als Mit-Kaiser beraubt - obwohl seine Position als einziger Thronerbe sicherstellte, dass die Absetzung nur vorübergehenden Charakter haben konnte. Als er endlich an die Macht gelangte, verlor er keine Zeit, seinem Haß offen Ausdruck zu verleihen. Er änderte die politische Linie von Grund auf und stieß alle Anordnungen Leons um. Kurz, er strebte danach, ohne Rücksicht auf die Folgen alles rückgängig zu machen, was sein Bruder je veranlaßt hatte. Kaiserin Zoe wurde mit all ihren Freunden und Beratern ohne viel Federlesens aus dem Palast gewiesen; ihr Oheim Himerios, der dem Reich so nützliche Dienste erwiesen hatte, entehrt und ins Gefängnis gesteckt, wo er sechs Monate später starb.
In der Zweischenzeit war eine bulgarische Gesandtschaft in Konstantinopel eingetroffen. Die von Symeon entsandte Delegation hatte den Auftrag, Alexander zur Thronbesteigung zu gratulieren und ihm vorzuschlagen, den Friedensvertrag von 901 zu erneuern. Für Alexander, der sich nur schwer von einem seiner orgiastischen Trinkgelage losreißen konnte, um sie zu empfangen, war dieser Vertrag ein Werk seines Bruders, und schon allein deshalb mußte er ihn aufhaben. In einem plötzlichen Anfall von Trunkenheit und Größenwahn brüllte er die Gesandten an, er werde keine weiteren Abkommen mehr unterzeichnen, und Byzanz werde zudem auch keine Tribute mehr zahlen. Dann entließ er sie. Vermutlich noch mehr entsetzt über das, was sie gesehen, als das, war sie gehört hatten, kehrten sie mit traurigem Kopfschütteln zu ihrem Herrn zurück. Symeon, dessen dürfen wir sicher sein, kam ihr Bericht nicht ungelegen. Mit dem Vertrauen in die Stärke seines Heeres und in der Annahme, dass er nichts von einem Reich zu befürchten habe, das von einer so traurigen Figur regiert wurde, begann er mit seinen Kriegsvorbereitungen.
Unterdessen hatte Alexander einen Schritt unternommen, der sich auf eine Art als beinahe ebenso katastrophal erweisen sollte wie sein Empfang der bulgarischen Delegation. Einmal mehr aus keinem anderen ersichtlichen Grund, als dem Handeln seines Bruders entgegenzuwirken, hatte er die Absetzung des Patriarchen Nikekaos für ungültig erklärt, ihn aus der Verbannung zurückberufen und wieder in sein früheres Amt eingesetzt. Nachdem er Euthymios in das Kloster von Agathon verbannt und den Kaiser überredet hatte, seinen Namen und den des Papstes von den Diptychen zu entfernen (wodurch er jegliche Verbindung mit Rom abbrach), begann Nikolaos eine großangelegte Säuberung der gesamten Hierarchie.
Theophanes Continuatus berichtet, Kaiser Alexander habe nach einem schweren Mahl unbesonnen in der Mittagshitze Polo gespielt, und dabei habe ihn der Schlag getroffen. Zuverlässigere Quellen erklären jedoch, er sei zusammengebrochen, nachdem er in der Hoffnung, seine Impotenz zu heilen, den Statuen im Hippodrom verschiedene heidnische Opfer dargebracht habe - vermutlich auch dem Keiler. Welche Darstellung zutrifft, spielt keine Rolle. Entscheidend war allein sein Tod, der zwei Tage später eintrat, am Sonntag, dem 6. Juni 913. Das Mosaikporträt in der Nord-Galerie der Hagia Sophia muß noch aus der Zeit seiner Herrschaft stammen, denn nach seinem Tod wollten ihn seine Untertanen nur noch so schnell wie möglich vergessen.
 
 
 
 

Literatur:
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Kashdan A.P.: Byzanz und seine Kultur. Akademie-Verlag Berlin 1968 Seite 45 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II Seite 135,146,157-161 - Liudprands von Cremona: Werke in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Band VIII Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1977 Seite 330,376 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 196 -