Isabeau von Bayern                                   Königin von Frankreich
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1370-24.9.1435
München Paris

Begraben: Abtei Saint-Denis bei Paris
 

Einzige Tochter des Herzogs Stephan III. der Kneißl von Bayern-Ingolstadt aus seiner 1. Ehe mit der Taddaea Visconti, Tochter von Herzog Bernabo
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 668
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Isabella von Bayern (Isabeau de Baviere), Königin von Frankreich
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* 1370, + 24. September 1435

Begraben: Paris Saint-Denis

Tochter Herzog Stephans III. von Bayern-Ingolstadt und der Thaddäa Visconti

 14.7.1385
  oo König Karl VI. von Frankreich
Amiens

12 Kinder, unter ihnen Karl VII.

Ein Hauptmotiv der Heirat war der Wunsch Frankreichs nach einem Bündnis mit den WITTELSBACHERN als mächtiger Dynastie im Reich und seinen westlichen Gebieten. 1389 hielt Isabella ihren feierlichen Einzug in Paris und empfing Krönung und Weihe. Ihre großen, kontinuierlich steigenden Einkünfte (um 1400: 120.000 Francs jährlich) sicherte sie durch umsichtige Verwaltung ihrer Güter (St-Omer, Hotel Barbette zu Paris und andere). Infolge der Geisteskrankheit ihres Mannes (seit 1392) geriet sie in eine zunehmend schwierige Position. Durch Ordonnanz von 1403 zur Regentin „in Abwesenheit des Königs“ erklärt, schloß sie sich als politisch nicht aktive Persönlichkeit dem jeweils mächtigsten unter ihren Schwägern an (zunächst Herzog Ludwig von Orleans, nach dessen Ermordung dann Herzog Jean von Burgund). Wichtigster Vertrauter am französischen Hof war ihr Bruder, Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt, der den Orleans-Armagnacs eng verbunden war. Die Königin, die während des Bürgerkrieges Exil in Tours gesucht hatte, wurde von Herzog Jean entführt und als Regentin eingesetzt, bis die Truppen des Burgunders Paris einnahmen. Nach Montereau stimmte Isabella 1420 dem Vertrag von Troyes zu, der ihren Sohn Karl VII. vom Erbe ausschloß. Dieser hat sich nie mit seiner Mutter ausgesöhnt. – Die Legende dass Karl VII. ein Bastard gewesen sei, wurde wohl von Engländern in Umlauf gesetzt und von Enea Silvio Piccolomini (Pius II.) verbreitet.

Literatur:
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M. Thibault, I. de B., reine de France. La jeunesse (1370-1405), 1903 – Y. Grandeau, Itineraire d’I. de B., Bull. Philol. Et hist., 1964, 569-670 – H. Kimm, I. de B. reine de France (1370-1435), Misc. Bavaria Monacensia 13, 1969 – R. C. Famiglietti, Royal intrigue Crisis at the Court of Charles VI., 1392-1420, 1986.
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Bosl‘s Bayerische Biographie: Seite 387
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Isabeau (Isabella, Ysabel, Elisabeth), Königin von Frankreich
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* 1370, + 30.9.1435
München  Paris

Begraben: Saint Denis

Vater:
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Herzog Stephan III. (um 1338-1413)

Mutter:
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Thaddäa Visconti (+ 1381)

  oo 1385 König Karl VI. von Frankreich (1368-1422)

Erziehung in München.
Führte in Frankreich unbestritten den Vorsitz im Staatsrat, nachdem ihr Gatte zeitweilig wahnsinnig und krank geworden war. 1393-1404 de facto-Regierung Herzog Philipps von Burgund.
Isabeau war der Vormund des Dauphins und Vorsitzende des Familienrates.
Später wurde sie noch Präsidentin des Kronrates und erhielt die Oberaufsicht über die gesamte Finanzverwaltung.
Nach schweren Machtkämpfen 1417 Verbannung nach Tours durch die orleanistische Partei (Armagnaken).
Sie erlebte noch die Krönung ihres Sohnes Karl VII. durch Jeanne d’Arc und verbrachte die letzten Lebensjahre in großer Armut. Schickte Schätze nach Bayern, darunter das „Goldene Rößl“ (Heute Schatzkammer von Altötting).

Literatur:
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NDB 10; H. Kimm, Isabeau de Baviere, Reine de France (1370-1435) (= MGM 13), 1969, R. J. Praetorius, Wittelsbacher Prinzessinnen auf fremden Thronen, 1975.
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Rall, Hans und Marga: Seite 77
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"Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I."

2. ELISABETH (Isabeau de Baviere)
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   * 1371, + 30.9.1435
                Paris

Grabstätte: St. Denis bei Paris

  oo 17. (10.?) 7.1385 in Amiens
       KARL VI., König von Frankreich
       * 3.12.1368, + 22.10.1422

Grabstätte: St. Denis bei Paris

Eltern: Karl V., König von Frankreich, und Johanna, Tochter Peters I., Herzogs von Bourbon
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Isabeau heiratete 1385 den französischen König Karl VI. Nicht nur die Geisteskrankheit ihres Gemahls, auch die korrupten Zustände am Königshof übten auf die Königin einen denkbar schlechten Einfluß aus, so dass sie einem leichten Leben und dem Ränkespiel verfiel. Schön, sittenlos und intrigant, überließ sie sich, nachdem ihr Gemahl 1392 in Wahnsinn gefallen war, einem ausschweifenden Lebenswandel. Nach der Ermordung ihres Schwagers, des Herzogs Ludwig von Orleans, dessen Geliebte sie war, im Jahre 1407, verließ sie die königliche Partei der Armagnacs zugunsten der Burgunder. Schließlich wurde sie sogar von den Armagnacs verhaftet und in Tours eingekerkert. Der burgundische Herzog Johann Ohnefurcht befreite sie jedoch und brachte sie nach Troyes in Sicherheit. Seitdem stand Isabeau in leidenschaftlicher Opposition zu den Armagnacs. 1418 zog sie in Paris ein und zögerte keinen Augenblick mehr, mit den Engländern zu paktieren, indem sie ihre Tochter Katharina dem englischen König Heinrich V. zur Gemahlin gab. Damit lieferte sie Frankreich an England aus, erst recht, als mit dem Vertrag von Troyes im Jahre 1420 der Sohn Heinrichs V. als rechtmäßiger Erbe der Krone anerkannt wurde, nicht aber ihr leiblicher Sohn, der Dauphin Karl (VII.). Dieser Vertrag erschien im ersten Augenblick als eine Krönung ihres Intrigenspiels. Isabeau ließ sich in Paris nieder, ganz in der Nähe ihrer Tochter und ihres Schwiegersohnes. Bald jedoch starben Heinrich V. und auch Isabeaus Gemahl, der französische König Karl VI. Die englische Herrschaft in Frankreich wurde durch die Erfolge der Jungfrau von Orleans erschüttert. Allein und isoliert blieb die Witwe Karls VI. in der Hauptstadt, deren englische Besatzung in den letzten Zügen lag, zurück, von ihren Beschützern verachtet und von der Pariser Bevölkerung verhöhnt. Ihr Tod im Jahre 1435, ein Jahr vor der Befreiung der Hauptstadt durch die Truppen ihres Sohnes Karl VII., bewahrte sie vor der Schmach, als Verräterin verurteilt zu werden.

Markale Jean:
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„Isabeau de Bavarie“

Seite 90
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Der neue Krankheitsfall des Königs zog sich, unterbrochen von Phasen gewisser Besserung, über 10 Monate hin. Vor allem aber wurde ihm die Gegenwart der Königin unerträglich. Wahrscheinlich hatte er nicht den geringsten Grund ihr böse zu sein. Es handelte sich um eine jener unerklärlichen Aversionen, die in dem kranken Hirn eines Umnachteten keimen können. Es steht jedoch fest, dass von 1394 an zwischen Karl VI. und Isabeau de Bavarie „nichts mehr lief“. Wenn sie von ihrem Gemahl trotzdem noch 7 Kinder bekam – und wir haben keinerlei sicheren Beweis dafür, dass sie nicht vom König stammten -, so deshalb, weil man seine wenigen Momente geistiger Klarheit dazu nutzte, ihm die Königin zuzuführen. Dies war notwendig, um die Thronfolge zusichern, und Isabeau sah sich daher gezwungen, ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen.
Letzten Endes führte man die Kuh zum Stier, nicht mehr und nicht weniger. Und dies war nicht das reinste Vergnügen, denn Karl VI. ließ sich im abstoßenden Dreck verkommen. Er lehnte es ab, sich zu waschen, er erging sich in Verwünschungen, wenn man ihm deshalb Vorhaltungen machte, und zerriß sich die Gewänder. Er vegetierte in Sack und Asche dahin, wobei er sich zuweilen jedoch beklagte, man ließe ihn nackt du bloß im Stich. Man kann sich also denken, wieviel Geduld Isabeau aufbringen mußte, um der Staatsraison Genüge zu tun. Sie, die den König so sehr geliebt hatte, mußte sich nun zwingen, ihn zu erdulden, um sich schwängern zu lassen. Doch dies war ja ohnehin der einzige wahre Nutzen einer Königin von Frankreich. Auch wenn der König Isabeau de Bavarie nicht mehr ausstehen konnte, brauchte er trotzdem noch eine Frau, um seine Sinnenlust zu befriedigen, die trotz seiner Krankheit beileibe nicht abnahm, sondern sich sogar noch gewaltig entfesselte.

Seite 122
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Im Grunde war Isabeau de Bavarie bis dahin nichts anderes gewesen als eine Gebärerin, deren Funktion darin bestand, der französischen Krone einen oder mehrere Erben zu schenken. In jenem entscheidenden Jahr 1403 war sie 33 Jahre alt. Seit ihrer Hochzeit mit Karl VI. und ihrer Ankunft in Frankreich waren inzwischen 18 Jahre vergangen, und während dieser Zeit war sie 8 Jahre lang schwanger gewesen. Aber sie besaß noch viel Charme, und dieser Charme beruhte im wesentlichen auf jener erstaunlichen Mischung aus germanischen Temperament und südländischen Äußeren, denn man darf nicht vergessen dass sie über ihre Mutter, eine VISCONTI Mailänderin war. Sie wird beschrieben als eine Frau mit glühenden Augen, dunklem Teint, tiefschwarzem Haar und einer mächtigen Stirn, die in eine majestätische Nase auslief. Sie war von tadelloser Haltung, obgleich klein an Gestalt. Im übrigen trug sie stets Holzpantinen mit hohen Absätzen. Sie war sehr stolz auf ihren Busen, aber durch die zahlreichen Schwangerschaften waren ihre Hüften in die Breite gegangen, und durch übermäßiges Essen hatte sie einen Bauch bekommen, der eines Tages monströse Ausmaße annehmen sollte.

Seite 128
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Sobald Philipp der Kühne in seiner Gruft ruhte, fühlte Isabeau die Dämonen von ihr Besitz ergriffen. Sie kam in ein Alter, in dem man weniger das Vergnügen sucht, dafür umso mehr vom Ehrgeiz gefressen wird. Und dann war da noch Ludwig von Orleans, der ausschweifende Lebemann der Jahre um 1390, auch er kam in die Jahre und tauschte einige fleischliche gegen Machtgelüste. War er in Isabeau de Bavarie verliebt? Vielleicht. Fühlte er sich geschmeichelt, er, der so viele Eroberungen sowohl in der Welt der Fürsten als auch im niederen Volk gemacht hatte, wenn er einer Königin von Frankreich gefiel, die noch dazu, - und das verlieh der Sache eine pikante Würze – die Frau seines Bruders war? Der Inzest entsprach ganz dem Geschmack der Zeit, und wenn es eine Liaison zwischen Isabeau und Ludwig gab, dann konnte es sich dabei nach kanonischem Recht nur um Inzest handeln. Das mußte dem Herzog von Orleans gefallen. Kurzum, eine Liaison zwischen Louis d’Orleans und Isabeau de Bavarie wäre nicht verwunderlich gewesen. Wir haben zwar keine Beweise, doch die Zeugnisse aus der damaligen Zeit spielen immer wieder darauf an, und bei näherer Betrachtung sieht es ganz danach aus, als beruhten die Klatschgeschichten doch auf gewissen Tatsachen. Zumindest ab 1404 wäre es denkbar. Denn zuvor liegt alles im Dunkel, obwohl man an der Abstammung des Dauphins, des zukünftigen Karl VII., zweifelte, obwohl auch der Dauphin selbst an der Legitimität zweifelte und obwohl Isabeau durch ihr Verhalten zu verstehen gab, dass sie ihren Sohn haßte. Sicher ist aber, dass die Königin in der ersten Zeit der Krankheit des Königs viel gebetet und geweint hat. Aufgrund ihrer tiefen Zuneigung zu ihrem Gemahl hatte sie sich lange Zeit in ihr Schicksal gefügt, von ihm verstoßen zu werden, wenn er sich im Zustand der Schwachsinnigkeit befand, und wieder so etwa wie eine Eheleben zu führen, sobald er bei klarem Verstand war. Die Hoffnung Karl VI. könne wieder vollkommen genesen, hatte sie sich unerschütterlicher bewahrt als irgend jemand sonst aus der Entourage des Königs. Aber dann war der wahnsinnige König von gemeinen Worten zu Tätlichkeiten gegen seine Frau übergegangen, ja, er schlug sie zuweilen so heftig, dass die Prinzen stets befürchteten, es könnte ein Unglück geschehen.
Da überkam die Königin bereits ein Schaudern, wenn sie den Besessenen nur erblickte, der sie mit einem tödlichen Haß verfolgte, und sie begann sich vor ihm zu ekeln, ohne dass man darüber schockiert sein könnte. Schließlich kam der Moment, wo ihr klar wurde, dass der Verfall des Königs unabänderlich war. Von da an existierte der König in ihren Augen nicht mehr als Gemahl. Isabeau respektierte in ihm nur noch den rechtmäßigen König. Etwa um das Jahr 1404 betrachtete sie sich wahrscheinlich als frei von ihren Verpflichtungen gegenüber dem so tragisch „unabkömmlichen“ Gatten.
Obwohl keinerlei geistige Affinität zwischen Ludwig von Orleans und der Königin herrschte, brachten die Liebe zum Luxus, die Organisation von Festen und Divertissements sowie bestimmte politische oder finanzielle Interessen die beiden einander immer näher. Daher konnte Brantome schreiben: „Ludwig von Orleans fiel es nicht schwer, seine Schwägerin Isabeau de Bavaerie zu lieben.“ Doch auch Brantome führt genau sowenig wie die anderen einen Beweis an. Es war eben öffentlicher Klatsch. Die Königin läßt sich nämlich mit ihrem Schwager auch in der Öffentlichkeit sehen. Im Juli 1405 begaben sich Isabeau und Ludwig nach Poissy, um Marie de France aus dem Kloster zu holen. Juvenal des Ursins, der von dieser Unterredung berichtet, fügt noch jenen etwas rätselhaften Satz hinzu: „Und es geschahen, wie man erzählt, mehrere nicht ehrenhafte Dinge in jener Abtei, und was es auch immer gewesen sein mag, es machte als Gerücht die Runde.“ Es wurde also der Verdacht nahegelegt, dass es im Juni 1405 zu „sonderbaren Dingen“ zwischen der Königin und ihrem Schwager kam. Im übrigen kehrten sie anschließend auch nicht sofort wieder nach Paris zurück.
Tatsächlich versäumte Isabeau nie ihre Familie in Bayern zu bereichern, sooft sie nur konnte, und ihr Bruder Ludwig im Barte, eine sonderbare Person, feig und auf den eigenen Vorteil bedacht, hatte schon manches Mal ihre Freigebigkeit ausgenutzt, das heißt er hatte sich aus der königlichen Schatzkasse bedient.
Dem ist hinzuzufügen, dass Isabeau und Ludwig ihre intime Beziehung nun auch nicht mehr verbargen. Anläßlich einer Fastenmesse nahmen sie gemeinsam an den Gebeten teil. Sie besuchten Hospitäler und verteilten großzügige Almosen, bei denen sie sich jedoch nicht in große Unkosten stürzten, denn sie kamen auf direktem Wege aus der öffentlichen Staatskasse. Böse Zungen sahen in dieser Geste eher den Skandal einer zu intimen Liaison als den Ausdruck echter Nächstenliebe. Massenhaft verbreitete Flugschriften diffamierten, so sehr es irgend ging, jede Aktion, die von den beiden Protagonisten ausging.

Seite 281
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Inmitten all dieser Frauen, deren Leben recht bewegt verläuft, macht Königin Isabeau de Bavarie eine eher einsame, wenn nicht gar seßhafte Figur. Gewiß, ab 1413 hatte die Königin infolge ihres unmäßigen Appetits und ihrer 12 Schwangerschaften an Fülle zugenommen und konnte sich so leicht nicht mehr bewegen. Außerdem fühlte sie sich alt werden. In einer Zeit, wo die Lebensmitte bei etwa 30 Jahren lag, hatte sie dieses Kap bereits überwunden und wußte, dass für sie nun die Gnadenfrist begann. Nach den Aussagen ihrer Zeitgenossen stellte sich bei ihr eine tiefe Angst vor dem Tod ein. In den Augen der Königin bot das Leben nur noch Kummer und Elend: Die Zeit der Schönheit und der Genüsse war nun zu Ende. Für Isabeau, die in den Jahren ihrer Jugend wegen ihrer Schönheit gefeiert, umschmeichelt und gerühmt worden, muß diese Erkenntnis besonders schmerzlich gewesen sein.
Im Dezember 1415 kehrte die Königin von Melun nach Paris zurück. Sie ließ sich auf den Schultern von Männern, die einander schichtweise ablösten, in einer Sänfte tragen. Während dieser Reise dürfte sie mit Wehmut den wilden Galoppritte hoch zu Roß in ihrer Jugend nachgetrauert haben, die sie stets so sehr geliebt hatte. Sich in den Sattel zu schwingen, sei es auch nur zu einem Spazierritt in gemächlichem Schritt, daran war nun nicht mehr zu denken. Auf jene schnellen, leichten Reisekutschen, die sie bis dahin benutzte, mußte sie einfach verzichten: Die Erschütterungen der Fahrt wurden ihr unerträglich.
Im April 1416 wurde die Königin vom Podagra, der Fußgicht befallen. Wollte sie sich durch die Räume ihrer Residenz bewegen, war sie gezwungen, sich in einem Rollstuhl schieben zu lassen. Zeitweise konnte sie zwar wieder ihre Beine gebrauchen, doch dies reichte nur zu kurzen Wegen mit langsamen, kraftlosen Schritten. Diese immer größer werdende Schwerfälligkeit in der Bewegung wirkte sich in gewisser Weise auch ihre Psyche aus und verstärkte ihre entsetzliche Angst, man könnte sie angreifen, ohne dass sie zu fliehen imstande wäre.

Seite 383
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Zu jenem Zeitpunkt, da Philipp von Burgund den Vertrag von Arras unterzeichnete, hat Isabeau nur noch 8 Tage zu leben.

Journal d’un Bourgeois de Paris, Nr. 679f
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Item verschied die Königin von Frankreich, Isabeau, Frau Karls VI. selig, am Samstag, dem 29. Septembertag des Jahres 1435 im Hotel Saint-Pol. Und drei Tage lang sah sie jeder, der es wollte; und danach ward alles angeordnet, was einer solchen Dame gebührt, und sie blieb aufgebahrt bis zum 13. Tag (Donnerstag) des Oktober, wo sie um 4 Uhr nach dem diner (= Nachmittag) nach Notre-Dame überführt wurde; und es zogen 14 Totenglöckner vor dem Leichnam einher und 100 Kerzen, und als Geleit folgten an Damen von Stand nur die Dame de Baviere (= Katharina von Alencon, ihre Schwiegertochter) und ich weiß nicht wie viele adlige Demoisellen. Und sie war so kunstvoll gebettet das es schien, als schliefe sie, und sie hielt in ihrer Rechten ein königliches Szepter. An jenem Tag wurden gar feierlich ihre Vigilien gelesen.
Item wurde sie am folgenden Tag nach der Totenmesse auf der Seine in ein Boot gebracht und zur Beisetzung nach Saint-Denis in Frankreich verschifft denn wagte nicht, sie über Land zu transportieren, wegen der Armagnacs, die die Felder und alle Städte um Paris immer noch in Fülle beherrschten.
 
 
 
 

17.7.1385
   oo Karl VI. der Wahnsinnige König von Frankreich
       3.12.1368-21.10.1422
 
 
 
 

12 Kinder:

  Charles
  25.9.1386-28.12.1386
  Vincennes

  Jeanne
  14.6.1388-   1390
  Saint-Ouen

  Isabella
  9.11.1389-13.9.1409
  Louvre

  19.4.1396
  1. oo Richard II. König von England
          6.1.1367-14.2.1400

  29.6.1406
  2. oo Karl I. Herzog von Orleans
          26.5.1391-4.1.1465

  Johanna
  24.1.1391-27.9.1433
  Melun

 19.9.1396
    oo Johann VI. Herzog von der Bretagne
         24.12.1389-29.8.1442

  Dauphin Karl
  5.2.1392-11.1.1400
  Hotel Saint-Paul

  Marie Priorin in Poissy
  22.8.1393-19.8.1438
  Vincennes

  Michaela (Michelle)
  11.1.1395-8.7.1422
  Hotel Saint-Paul Gent

 1409
  oo 1. Philipp I. der Gute Herzog von Burgund
  x       13.6.1396-15.6.1467

  Dauphin Ludwig von Guyenne
  22.1.1397-18.12.1415

 1412
  oo Margarete von Burgund, Tochter des Herzogs Johann; Cousine
       1393-2.2.1441

  Dauphin Johann Graf von Touraine
  31.8.1398-5.4.1417

1414
  oo 1. Jakobäa Gräfin von Bayern-Holland
          25.7.1401-8.10.1436

  Katharina
  27.10.1401-3.1.1438
  Hotel Saint-Paul

   2.6.1420
  1. oo Heinrich V. König von England
          1387-31.8.1422

    1429
  2. oo Owen Tudor
          um 1400-4.2.1461 hingerichtet

  Karl VII. der Siegreiche
  22.2.1403-22.7.1461
  Hotel Saint-Paul

  Philipp
  10.11.1407-10.11.1407
 
 
 
 

Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 70,90,95,101,109,113,117,243,245, 248,158,238 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 303,307,309,311,318,321,323 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 209 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 9-16,19,21-30,32,34-46,57-58,63,75,130,434 - Markale Jean: Isabeau de Baviere. Eine Wittelsbacherin aiuf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1994 - Rall, Hans und Marga: Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1986 Seite 77 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 351-368,370,373 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 197-207 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 374-378,410,466,511 -