Palacky Franz: Band I/Buch 4 Seite 381,382/Band I Buch 5 Seite 4,51,55,61,65,116,117,133,177
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"Geschichte von Böhmen"

Erst im Jahre 1300 folgte er der feierlichen Einladung polnischer Fürsten und Barone, die königliche Würde in Polen gegen diesen Wladislaw anzunehmen, und zur Stärkung seines Rechtes dazu, mit der einzigen Tochter des letzten Königs Przemysl, Namens Richsa oder Elisabeth, sich zu vermählen.
Seine neue Verlobte, Elisabeth, die am brandenburgischen Hofe erzogen wurde, ließ er durch den Abt Heinrich von Sedlec und den Baron Benes von Wartenberg nach Prag bringen, wo er die erst vierzehnjährige Braut seiner Tante Griffina, der Herzogin-Witwe von Krakau, auf drei Jahre zur Pflege übergab, bevor er seine Ehe mit ihr vollzog.
Das königliche Haus der PREMYSLIDEN bestand, beim Erlöschen des Mannesstamms, aus folgenden Mitgliedern:
1) zwei jungen königlichen Witwen, Elisabeth von Polen nach Wenzel II. und Viola von Teschen
    nach Wenzel III.
2) fünf Prinzessinnen, darunter vier Schwestern des ermordeten Königs, Anna von 16, Elisabeth von
    14, Margarethe von 10 und Agnes von 2 Jahren; die fünfte Prinzessin, die älteste des Hauses, war
    Ottokars II. noch lebende Tochter Kunigunde, seit 1302 Äbtissin des Jungfrauenklosters zu St.
    Georg auf dem Prager Schlosse.
Nun zogen die Könige, ALBRECHT und Rudolf, in Prag ein, wo sie mit großen Ehren aufgenommen wurden. Feste auf Feste folgten in der noch kurz vorher so geängstigten Stadt. Rudolf wählte sich König Wenzels II. Witwe, Elisabeth von Polen, zur Gemahlin, und wurde ihr, um den 16. Oktober 1306, von dem Erzbischof Konrad von Salzburg in der Prager Domkirche feierlich angetraut; bald umschlang das Band der innigen Liebe die neue Ehe.
Der Domherr Franz erzählt im 19. Kapitel seiner Chronik überhaupt von Rudolf: Er hätte dem Prager Bischof Johannes manche Unbill zugefügt, den Schatz der Prager Kirche, und unter anderem das haupt der heiligen Margareth entfremdet; die böhmische Nation auf so mancherlei Art bedrückt, daß, gleichwie König Wenzel ein getreuer Eiferer für das Beste derselben, so wäre Rudolf ein grausamer Verfolger gewesen; auch hätten ihm die Böhmen wegen seiner Schläfrigkeit und Feigheit den Beinamen Kasche, soviel als Kinderbreu gegeben. Hagek schreibt auch: Rudolf habe Wein, Getreide und Malz aus Österreich einführen lassen und dafür sehr vieles Geld erpreßt. Und der Verfasser der Bunzlauer Geschichte behauptet am 63. Kapitel: der Kaiser selbst habe seinem Sohn den verderblichen Rat gegeben, keinem der von ihm etwas verlangen würde, etwas zu versagen, bald darauf aber alles wieder zurückzufordern.
Da sich aber die Belagerung von Horazdieowicz in die Länge verzog, erkrankte Rudolf an einem heftigen Abweichen, daß er sich durch unmäßigen Genuß von Melonen zugezogen hatte. Heinrich von Rosenberg riet ihm, sich der besseren Pflege wegen sogleich nach Prag bringen zu lassen, was er aber zu seinem Unglück nicht tat und am dritten Heumonat im 26. Jahr seines Alters starb, nachdem er zuvor, damit der Verdacht irgendeiner Vergiftung nicht stattfände, öffentlich erklärte: niemand wäre an seinem frühzeitigen Tod Schuld als er selbst.
Rudolf hatte kein ganzes Jahr über Böhmen geherrscht und ward von ihnen wenig beklagt. Der Verfasser der Bunzlauer Geschichte glaubte auch, sie hätten unter seiner längeren Regierung bürgerliche Kriege mit Grund zu fürchten gehabt. Seine Leiche ward in der Prager Hauptkirche beigesetzt und in derselben eine einjährige Seelenmesse für ihn gestiftet.
Auch dieser König verschrieb seiner Witwe Elisabeth 20.000 Mark Silber in seinem letzten Willen, so wie ihr sein Vorfahr, ihr erster Gemahl eben.
Seine Schwiegertochter, die Königin-Witwe Elisabeth von Polen, die in Prag vielen Kränkungen ausgesetzt war, bat ihn um Schutz und Hilfe. Daher ließ er zu bestimmter Stunde seinen Sohn Herzog Friedrich mit einem bewaffneten Haufen bis in die Nähe des Kreuzherrnstiftes Zderaz rücken; zu diesem floh dann insgeheim die Königin aus der Stadt, ihre dreijährige Tochter Agnes in den Armen tragend, nur von einer Dienerin gefolgt, und wurde zuerst ins deutsche Lager, dann weiter nach Österreich gebracht.
Die Königin-Witwe Elisabeth von Polen sollte wieder in den vollen Genuß ihres Wittums eintreten und allen Anhängern Österreichs in Böhmen und Mähren gänzliche Amnestie für ihr bisheriges Benehmen zustatten kommen.
Die Königin kehrte gleich nach diesem Friedensschlusse nach Böhmen zurück, wo sie schon am 17. August 1308 von Nimburg aus an ihre Städte Grätz, Jaromir, Ehrendim, Hohenmaut und Policka einen Gnadenbrief erließ, und dann ihren Witwensitz zu Grätz aufschlug, das eben nach ihr heutzutage Königsgrätz heißt.
Was jedoch den unheilvollen Bruch am meisten beschleunigte, war der Haß, den die beiden im Lande lebenden Königinnen gegeneinander nährten, Heinrich von Lipa hing der Grätzer Königin, der Witwe Wenzels II. und Rudolfs I. mit einer Neigung an, die von vielen übel gedeutet wurde; um so widerwärtiger war er schon deshalb der regierenden Königin Elisabeth. Als nun in diesem Jahre die Grätzer Königin ihre einzige Tochter Agnes ohne Wissen und gegen den Willen der regierenden Königin, aber mit Zustimmung Lipas und (wie es scheint) durch Vermittlung des mit dem königlichen Hause verschwägerten Herzogs Boleslaw von Liegnitz, dem jungen Herzog Heinrich von Jauer verlobte, wurde dieses dem Reichsverweser als Hochverrat angerechnet und sein Sturz beschlossen.
Ein blutiger innerer Krieg war die Folge dieser Gewalthandlung. Das ganze zahlreiche romnowsche Geschlecht und überdies Truppen aus Schlesien, welchen die Grätzer Königin ihre Leibgedingestädte übbergab, wähhrend sie selbst nach Brünn sich zurückzog, - diese allen erhoben die Waffen gegen den König.
König Johann neigte sich bald selbst zur Partei ihrer Gegnerin, der Grätzer Königin-Witwe hin, und die Reden der Anhänger derselben, zumal Heinrich von Lipa, welcher der regierenden Königin abgeneigt war, fanden bei ihm immer willigeres Gehör, je mehr er, bei seinem angeborenem leichten Temperament sich zugleich Gelüsten hingab, die mit der ehelichen Treue nicht vereinbar waren.
Am 26. August 1329 starb in Brünn der in dieser Geschichte vielgenannte Herr Heinrich von Lipa. Er hatte die letzten Jahre als königlicher Landeshauptmann in Mähren zugebracht, zunächst um der von ihm immer gleich verehrten Königin-Witwe Elisabeth nahe zu sein, welche seit 1319 meist in Brünn bei ihrer Lieblingsstiftung, dem Zisterzienser-Nonnenkloster Maria-Saal (auch Königskloster genannt) zu leben pflegte. Die Königin-Witwe war über den Verlust dieses treusten Freunes und Beschützers lange untröstlich; doch überlebte sie ihn noch um sechs Jahre, ohne durch irgendeine Veranlassung mehr die Ausfmerksamkeit der Zeitgenossen und der Geschichte auf sich zu ziehen.