Erst im Jahre 1300 folgte er der feierlichen Einladung
polnischer Fürsten und Barone, die königliche Würde in Polen
gegen diesen Wladislaw
anzunehmen, und zur Stärkung seines Rechtes dazu, mit der
einzigen Tochter des letzten Königs Przemysl,
Namens Richsa oder
Elisabeth, sich zu vermählen.
Seine neue Verlobte, Elisabeth,
die am brandenburgischen Hofe erzogen wurde, ließ er durch den Abt
Heinrich von Sedlec und den Baron Benes von Wartenberg nach Prag bringen,
wo er die erst vierzehnjährige Braut seiner Tante Griffina,
der Herzogin-Witwe von Krakau, auf drei Jahre zur Pflege übergab,
bevor er seine Ehe mit ihr vollzog.
Das königliche Haus der PREMYSLIDEN
bestand, beim Erlöschen des Mannesstamms, aus folgenden Mitgliedern:
1) zwei jungen königlichen Witwen, Elisabeth
von Polen nach Wenzel II.
und Viola
von Teschen
nach Wenzel
III.
2) fünf Prinzessinnen, darunter vier Schwestern
des ermordeten Königs, Anna von
16, Elisabeth
von
14, Margarethe
von 10 und Agnes von 2 Jahren; die
fünfte Prinzessin, die älteste des Hauses, war
Ottokars
II. noch lebende Tochter Kunigunde,
seit 1302 Äbtissin des Jungfrauenklosters zu St.
Georg auf dem Prager Schlosse.
Nun zogen die Könige, ALBRECHT
und
Rudolf, in Prag ein, wo sie mit großen
Ehren aufgenommen wurden. Feste auf Feste folgten in der noch kurz vorher
so geängstigten Stadt. Rudolf
wählte sich König Wenzels II.
Witwe, Elisabeth von Polen, zur Gemahlin,
und wurde ihr, um den 16. Oktober 1306, von dem Erzbischof Konrad von Salzburg
in der Prager Domkirche feierlich angetraut; bald umschlang das Band der
innigen Liebe die neue Ehe.
Der Domherr Franz erzählt im 19. Kapitel seiner
Chronik überhaupt von Rudolf:
Er hätte dem Prager Bischof Johannes manche Unbill zugefügt,
den Schatz der Prager Kirche, und unter anderem das haupt der heiligen
Margareth entfremdet; die böhmische Nation auf so mancherlei Art bedrückt,
daß, gleichwie König Wenzel
ein getreuer Eiferer für das Beste derselben, so wäre Rudolf
ein grausamer Verfolger gewesen; auch hätten ihm die Böhmen wegen
seiner Schläfrigkeit und Feigheit den Beinamen Kasche, soviel
als Kinderbreu gegeben. Hagek schreibt auch: Rudolf
habe
Wein, Getreide und Malz aus Österreich einführen lassen und dafür
sehr vieles Geld erpreßt. Und der Verfasser der Bunzlauer Geschichte
behauptet am 63. Kapitel: der Kaiser selbst habe seinem Sohn den verderblichen
Rat gegeben, keinem der von ihm etwas verlangen würde, etwas zu versagen,
bald darauf aber alles wieder zurückzufordern.
Da sich aber die Belagerung von Horazdieowicz in die
Länge verzog, erkrankte Rudolf
an einem heftigen Abweichen, daß er sich durch unmäßigen
Genuß von Melonen zugezogen hatte. Heinrich von Rosenberg riet ihm,
sich der besseren Pflege wegen sogleich nach Prag bringen zu lassen, was
er aber zu seinem Unglück nicht tat und am dritten Heumonat im 26.
Jahr seines Alters starb, nachdem er zuvor, damit der Verdacht irgendeiner
Vergiftung nicht stattfände, öffentlich erklärte: niemand
wäre an seinem frühzeitigen Tod Schuld als er selbst.
Rudolf hatte kein
ganzes Jahr über Böhmen geherrscht und ward von ihnen wenig beklagt.
Der Verfasser der Bunzlauer Geschichte glaubte auch, sie hätten unter
seiner längeren Regierung bürgerliche Kriege mit Grund zu fürchten
gehabt. Seine Leiche ward in der Prager Hauptkirche beigesetzt und in derselben
eine einjährige Seelenmesse für ihn gestiftet.
Auch dieser König verschrieb seiner Witwe Elisabeth
20.000
Mark Silber in seinem letzten Willen, so wie ihr sein Vorfahr, ihr erster
Gemahl eben.
Seine Schwiegertochter, die Königin-Witwe Elisabeth
von Polen, die in Prag vielen Kränkungen ausgesetzt war,
bat ihn um Schutz und Hilfe. Daher ließ er zu bestimmter Stunde seinen
Sohn Herzog
Friedrich mit einem bewaffneten Haufen bis in die Nähe
des Kreuzherrnstiftes Zderaz rücken; zu diesem floh dann insgeheim
die Königin aus der Stadt, ihre dreijährige Tochter Agnes
in den Armen tragend, nur von einer Dienerin gefolgt, und wurde
zuerst ins deutsche Lager, dann weiter nach Österreich gebracht.
Die Königin-Witwe Elisabeth
von Polen sollte wieder in den vollen Genuß ihres Wittums
eintreten und allen Anhängern Österreichs in Böhmen und
Mähren gänzliche Amnestie für ihr bisheriges Benehmen zustatten
kommen.
Die Königin kehrte gleich nach diesem Friedensschlusse
nach Böhmen zurück, wo sie schon am 17. August 1308 von Nimburg
aus an ihre Städte Grätz, Jaromir, Ehrendim, Hohenmaut und Policka
einen Gnadenbrief erließ, und dann ihren Witwensitz zu Grätz
aufschlug,
das eben nach ihr heutzutage Königsgrätz heißt.
Was jedoch den unheilvollen Bruch am meisten beschleunigte,
war der Haß, den die beiden im Lande lebenden Königinnen gegeneinander
nährten, Heinrich von Lipa hing der Grätzer Königin,
der Witwe Wenzels II. und Rudolfs
I. mit einer Neigung an, die von vielen übel gedeutet wurde;
um so widerwärtiger war er schon deshalb der regierenden Königin
Elisabeth. Als nun in diesem Jahre die Grätzer Königin
ihre einzige Tochter Agnes ohne Wissen
und gegen den Willen der regierenden Königin, aber mit Zustimmung
Lipas
und (wie es scheint) durch Vermittlung des mit dem königlichen
Hause verschwägerten Herzogs Boleslaw von Liegnitz, dem jungen
Herzog Heinrich von Jauer verlobte, wurde dieses dem Reichsverweser
als Hochverrat angerechnet und sein Sturz beschlossen.
Ein blutiger innerer Krieg war die Folge dieser Gewalthandlung.
Das ganze zahlreiche romnowsche Geschlecht und überdies Truppen aus
Schlesien, welchen die Grätzer Königin ihre Leibgedingestädte
übbergab, wähhrend sie selbst nach Brünn sich zurückzog,
- diese allen erhoben die Waffen gegen den König.
König Johann
neigte sich bald selbst zur Partei ihrer Gegnerin, der Grätzer
Königin-Witwe hin, und die Reden der Anhänger derselben,
zumal Heinrich von Lipa, welcher der regierenden Königin abgeneigt
war, fanden bei ihm immer willigeres Gehör, je mehr er, bei seinem
angeborenem leichten Temperament sich zugleich Gelüsten hingab, die
mit der ehelichen Treue nicht vereinbar waren.
Am 26. August 1329 starb in Brünn der in dieser
Geschichte vielgenannte Herr Heinrich von Lipa. Er hatte die letzten
Jahre als königlicher Landeshauptmann in Mähren zugebracht, zunächst
um der von ihm immer gleich verehrten Königin-Witwe Elisabeth
nahe zu sein, welche seit 1319 meist in Brünn bei ihrer Lieblingsstiftung,
dem Zisterzienser-Nonnenkloster Maria-Saal (auch Königskloster genannt)
zu leben pflegte. Die Königin-Witwe war über den Verlust
dieses treusten Freunes und Beschützers lange untröstlich; doch
überlebte sie ihn noch um sechs Jahre, ohne durch irgendeine Veranlassung
mehr die Ausfmerksamkeit der Zeitgenossen und der Geschichte auf sich zu
ziehen.