Weinfurter, Stefan: Seite 227-234,237,241
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"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten"

Arduin von Ivrea war zu diesem Zeitpunkt bereits König von Italien. Drei Wochen nach dem Tod OTTOS III. war er, der mächtige Markgraf, am 15. Februar 1002 in Pavia, der alten Königsstadt der Lombardei, von seinen Anhängern zum König gewählt und in S. Michele mit der Eisernen Lombardenkrone gekrönt worde. Er war der Sohn des Grafen Dado "von Mailand"[comes Mediolanensis] und vielleicht verwandt  mit König Berengar II. von Italien. Diese verwandtschaftliche Verbindung würde bedeuten, daß sich Arduin von karolingischer Abstammung herleiten konnte.
Von Arduin sind einige Urkunden überliefert, und die Verfügungen, die er darin trifft, zeigen, daß er sich als legitimer Rechtsnachfolger Kaiser OTTOS III. in Italien sah. Den Bischofsstädten bestätigte er ihre Privilegien. Wie Kunigunde erscheint auch seine Gemahlin Berta als Intervenientin und als consors regni. Seine Verfügungen traf er aus "königlicher Herrschaftsgewalt" heraus. Das Formular seiner Urkunden entsprach demjenigen der Königs- und Kaiserurkunden im Reich, und Arduins Notare stammten zum Teil aus der Kanzlei OTTOS III. Sogar den Erzkanzler OTTOS III. für Italien, Bischof Peter von Como, konnte er sogleich für sich gewinnen. Bereits im Februar 1002, als HEINRICH II. noch ein weites Stück von seinem Königtum entfernt war, konnte sich Arduin auf eine Königskanzlei stützen. Die erste erhaltene Urkunde von ihm stammt vom 20. Februar 1002. Am 25. März 1002 machte er der Bischofskirche von Como eine Schenkung in der Hoffnung, daß damit seine Königsherrschaft sich festigen und ausbreiten möge.
Am 28. Januar 1005 bestätigte und unterstützte er das Werk des großen Klosterreformers Wilhelm von Dijon, der 1003 damit begonnen hatte, in Fruttuaria (am Po nördlich von Turin) ein Kloster zu gründen. Es wurde zum Hauskloster Arduins - er selbst, seine Frau und seine Kinder fanden dort ihre letzte Ruhe - und zu einem der wichtigsten Reformklöster des 11. Jahrhunderts überhaupt.
Für nicht wenige Bischöfe Reichsitaliens war Arduin dagegen der verhaßte Gegner. Schon zu Zeiten OTTOS III. hatten sie ihn heftig bekämpft. Die Auseinandersetzungen gingen im Kern um die Frage, inwieweit die Bischöfe verliehen oder verpachtete Güter nach dem Tod der Vertragspartner wieder zurückfordern und einziehen könnten. Arduin und seine Anhänger, die meisten von ihnen mächtige Grundherren und Vasallen (milites) der Bischöfe von Novara, Vercelli und Ivrea, wehrten sich gegen jede Beschränkung. Die Rekuperation von Kirchengut und die angestrebte Konzentration der öffentlichen Gewalt in der Hand der Bischöfe wurden von ihnen erbittert bekämpft. In diesem Zusammenhang war es am 17. März 997 sogar zur Ermordung des Bischofs Petrus von Vercelli gekommen. Arduin selbst, so sahen es seine Gegner, ließ ihn umbringen und seinen Leichnam verbrennen.
Kaiser OTTO III. versuchte auf einer Synode im Kloster San Pietro in Ciel d'Oro vor Pavia im September 998 die Sache zu entscheiden. Die Kirche dürfe solche Güter zurückfordern, so lautete der Beschluß. Und wegen der Ermordung des Petrus wurde Arduin auf einer römischen Synode im Januar 999 verurteilt. Er solte die Waffen ablegen und künftig kein Fleisch mehr essen, weder einen Mann noch einer Frau einen Kuß geben, kein Leinengewand mehr tragen, sich nicht länger als zwei Nächte an einem Ort aufhalten und den Leib Christi nicht zu sich nehmen. Man stellte ihm aber frei, statt dessen in ein Kloster einzutreten und Mönch zu werden.
Arduin entschied sich gegen das Mönchsgewand  und bestieg 1002 den Königsthron. Für die Bischöfe, die ihn vorher bekämpft hatten, allen voran Leo von Vercelli, Petrus von Novara und Warmund von Ivrea, bedeutete dies einen schweren Schlag.
Wie man in Bischofskreisen das Königtum Arduins einstufte, wird in der Historia von Mailand zum Ausdruck gebracht: "Der edle Arduin und mächtige Markgraf, reich an Gold, aber dürftig an Wissen, klug mit den Waffen, arm im Geiste, hat mit wenigen verschworenen Großen Italiens gleich nach dem Tod OTTOS III. mehr oder weniger heimlich sich zum König erhoben." Im Reich sah man die Dinge ähnlich.
Dieser König sollte vernichtet werden. Das war das Ziel Leos und seiner Amtsbrüder, die schon bald Verhandlungen mit HEINRICH II. aufnahmen. Im November 1002 eilte die Abordnung unter Führung Leos nach Regensburg, um HEINRICH II. zum Kriegszug zu bewegen. Doch dieser zögerte. Er beauftragte Herzog Otto von Kärnten, den SALIER, der seit Jahren Markgraf der Mark Verona war, mit dieser Aufgabe. Aber dessen Truppen waren schwach und wurden Anfang 1003 in der Valsugana, im Tal der Brenta östlich von Trient, von den Leuten Arduins vernichtend geschlegen. Ein Jahr später ist Herzog Otto gestorben. Arduin hatte sich fürs erste durchgesetzt.
Erneut wandten sich die Gegner Arduins durch Gesandte an HEINRICH II. Ende März 1004 schließlich war der König bereit, selbst einzugreifen. Er zog mit einem Heer Richtung Süden, begleitet von den Erzbischöfen Heribert von Köln und Hartwig von Salzburg, sowie den Bischöfen Albuin von Brixen, Udalrich von Chur, Gottschalk von Freising und Burchard von Worms, zu denen noch Otbert von Verona und Adalbero von Brescia stießen. Am 9. April 1004 erreichte das Heer Trient wo man sich mit den Boten der italienischen Verbündeten besprach. Auf seinem weiteren Weg in den Süden umging HEINRICH II. geschickt die Veroneser Klause, die Arduin besetzt hielt, durch das Brenta-Tal. Allerdings mußte auch der Einstieg dorthin, die von Arduins Leuten gehaltenen Brentaklausen (bei Primolano), freigekämpft werden. In einem Bogen erreichte man Verona, Ende April Brescia und Anfang Mai Bergamo. Am 14. Mai 1004 krönte ihn Erzbischof Arnulf von Mailand in Pavia in der Michaelskirche, dort, wo zuvor Arduin die Königskrone empfangen hatte, zum König von Italien. Noch am selben Abend jedoch erhoben sich die Pavesen gegen die Leute des Königs. Es kam zu Kämpfen und Verwüstungen, Feuer wurde gelegt, die Pfalz angegriffen. Der König mußte die Stadt verlassen. Nur mit Mühe konnte derAufstand niedergeschlagen werden, und schließlich unterwarfen sich die Bürger von Pavia fußfällig der Gande HEINRICHS II.
Aber der neue  König von Italien hatte es eilig. Zur großen Bestürzung seiner Anhänger trat er schon kurze Zeit später, Anfang Juni 1004, wieder den Rückzug über die Alpen an. Seine Parteigänger in Italien, so hatte es den Anschein, überließ er ihrem Schicksal. HEINRICH versprach zwar baldige Rückkehr, aber es sollten fast 10 Jahre vergehen, bis er wieder italienischen Boden betrat.
HEINRICH II., so wird man diese Entwicklung zusammenfassen können, war Ende 1013 nicht nur von den Vorbereitungen her, sondern auch konzeptionell so weit, um nach Rom zu ziehen und die Kaiserwürde zu erwerben.  Daß dies im Kampf um das Königtum von Italien die Voraussetzungen grundlegend verändern würde, hat auch Arduin sofort erkannt. Er habe, so berichtet Thietmar, "aufgestöhnt", als HEINRICH II. nun einer "höhren Würde" entgegenzog. Damit war seine eigene Legitimation für die Königswürde in Italien grundlegend gefährdet. Nach einigen Überlegungen habe er beschlossen, HEINRICH II. seine Krone und auch seine Söhne als Geiseln auszuliefern. Für sich verlangte er nur noch eine Grafschaft, womit wohl Ivrea gemeint war. Die Lombardenkrone war gegenüber einem Kaisertum HEINRICHS nichts mehr wert. So sah es auch HEINRICH II. selbst und lehnte mit dem Rat seiner Vertrauten den Vorschlag Arduins ab.
Zu Pfingsten (13. Juni) 1014 befand sich HEINRICH II. bereits in Bamberg. In Italien aber hielt der Frieden nicht lange. Sogleich war Arduin mit seinen Anhängern wieder zur Stelle, eroberte die Städte Vercelli und Como und belagerte Novara. Wieder waren die lombardischen Bischöfe auf sich gestellt - Leo von Vercelli mußte sogar an den Hof des Kaisers flüchten. Aber sie schlugen sich dann doch recht erfolgreich. Arduin kam in schwere Bedrängnis. "Nur mehr dem Namen nach König", so Thietmar, verlor er schon nach kurzer Zeit die Stadt Vercelli, erkrankte und zog sich als Mönch in das Familienkloster Fruttuaria zurück. Dort ist er am 14. Dezember 1015 gestorben.