Arduin von Ivrea war
zu diesem Zeitpunkt bereits König von Italien. Drei Wochen
nach dem Tod OTTOS
III. war er, der mächtige Markgraf, am 15. Februar
1002 in Pavia, der alten Königsstadt der Lombardei, von seinen Anhängern
zum König gewählt und in S. Michele mit der Eisernen Lombardenkrone
gekrönt worde. Er war der Sohn des Grafen
Dado "von Mailand"[comes Mediolanensis] und vielleicht verwandt
mit König
Berengar II. von Italien. Diese verwandtschaftliche Verbindung
würde bedeuten, daß sich Arduin von
karolingischer
Abstammung
herleiten konnte.
Von Arduin sind einige
Urkunden überliefert, und die Verfügungen, die er darin trifft,
zeigen, daß er sich als legitimer Rechtsnachfolger Kaiser
OTTOS III. in Italien sah. Den Bischofsstädten bestätigte
er ihre Privilegien. Wie Kunigunde
erscheint auch seine Gemahlin Berta
als Intervenientin und als consors regni. Seine Verfügungen
traf er aus "königlicher Herrschaftsgewalt" heraus. Das Formular seiner
Urkunden entsprach demjenigen der Königs- und Kaiserurkunden im Reich,
und Arduins Notare stammten zum Teil
aus der Kanzlei OTTOS III. Sogar den
Erzkanzler OTTOS III. für Italien,
Bischof Peter von Como, konnte er sogleich für sich gewinnen. Bereits
im Februar 1002, als HEINRICH
II. noch ein weites Stück von seinem Königtum
entfernt war, konnte sich Arduin auf
eine Königskanzlei stützen. Die erste erhaltene Urkunde von ihm
stammt vom 20. Februar 1002. Am 25. März 1002 machte er der Bischofskirche
von Como eine Schenkung in der Hoffnung, daß damit seine Königsherrschaft
sich festigen und ausbreiten möge.
Am 28. Januar 1005 bestätigte und unterstützte
er das Werk des großen Klosterreformers Wilhelm von Dijon, der 1003
damit begonnen hatte, in Fruttuaria (am Po nördlich von Turin) ein
Kloster zu gründen. Es wurde zum Hauskloster Arduins
- er selbst, seine Frau und seine Kinder fanden dort ihre letzte Ruhe -
und zu einem der wichtigsten Reformklöster des 11. Jahrhunderts überhaupt.
Für nicht wenige Bischöfe Reichsitaliens war
Arduin
dagegen der verhaßte Gegner. Schon zu Zeiten OTTOS
III. hatten sie ihn heftig bekämpft. Die Auseinandersetzungen
gingen im Kern um die Frage, inwieweit die Bischöfe verliehen oder
verpachtete Güter nach dem Tod der Vertragspartner wieder zurückfordern
und einziehen könnten. Arduin
und seine Anhänger, die meisten von ihnen mächtige Grundherren
und Vasallen (milites) der Bischöfe von Novara, Vercelli und Ivrea,
wehrten sich gegen jede Beschränkung. Die Rekuperation von Kirchengut
und die angestrebte Konzentration der öffentlichen Gewalt in der Hand
der Bischöfe wurden von ihnen erbittert bekämpft. In diesem Zusammenhang
war es am 17. März 997 sogar zur Ermordung des Bischofs Petrus von
Vercelli gekommen. Arduin selbst, so
sahen es seine Gegner, ließ ihn umbringen und seinen Leichnam verbrennen.
Kaiser OTTO III. versuchte
auf einer Synode im Kloster San Pietro in Ciel d'Oro vor Pavia im September
998 die Sache zu entscheiden. Die Kirche dürfe solche Güter zurückfordern,
so lautete der Beschluß. Und wegen der Ermordung des Petrus wurde
Arduin
auf einer römischen Synode im Januar 999 verurteilt. Er solte die
Waffen ablegen und künftig kein Fleisch mehr essen, weder einen Mann
noch einer Frau einen Kuß geben, kein Leinengewand mehr tragen, sich
nicht länger als zwei Nächte an einem Ort aufhalten und den Leib
Christi nicht zu sich nehmen. Man stellte ihm aber frei, statt dessen in
ein Kloster einzutreten und Mönch zu werden.
Arduin entschied
sich gegen das Mönchsgewand und bestieg 1002 den Königsthron.
Für die Bischöfe, die ihn vorher bekämpft hatten, allen
voran Leo von Vercelli, Petrus von Novara und Warmund von Ivrea, bedeutete
dies einen schweren Schlag.
Wie man in Bischofskreisen das Königtum Arduins
einstufte, wird in der Historia von Mailand zum Ausdruck gebracht: "Der
edle Arduin und mächtige Markgraf,
reich an Gold, aber dürftig an Wissen, klug mit den Waffen, arm im
Geiste, hat mit wenigen verschworenen Großen Italiens gleich nach
dem Tod OTTOS III. mehr oder weniger
heimlich sich zum König erhoben." Im Reich sah man die Dinge ähnlich.
Dieser König sollte vernichtet werden. Das war das
Ziel Leos und seiner Amtsbrüder, die schon bald Verhandlungen mit
HEINRICH
II. aufnahmen. Im November 1002 eilte die Abordnung unter Führung
Leos nach Regensburg, um HEINRICH II.
zum Kriegszug zu bewegen. Doch dieser zögerte. Er beauftragte Herzog
Otto von Kärnten, den SALIER,
der seit Jahren Markgraf der Mark Verona war, mit dieser Aufgabe. Aber
dessen Truppen waren schwach und wurden Anfang 1003 in der Valsugana, im
Tal der Brenta östlich von Trient, von den Leuten
Arduins vernichtend geschlegen. Ein Jahr später ist Herzog
Otto gestorben. Arduin hatte sich fürs
erste durchgesetzt.
Erneut wandten sich die Gegner Arduins
durch
Gesandte an HEINRICH II. Ende März
1004 schließlich war der König bereit, selbst einzugreifen.
Er zog mit einem Heer Richtung Süden, begleitet von den Erzbischöfen
Heribert von Köln und Hartwig von Salzburg, sowie den Bischöfen
Albuin von Brixen, Udalrich von Chur, Gottschalk von Freising und Burchard
von Worms, zu denen noch Otbert von Verona und Adalbero von Brescia stießen.
Am 9. April 1004 erreichte das Heer Trient wo man sich mit den Boten der
italienischen Verbündeten besprach. Auf seinem weiteren Weg in den
Süden umging HEINRICH II. geschickt
die Veroneser Klause, die Arduin besetzt
hielt, durch das Brenta-Tal. Allerdings mußte auch der Einstieg dorthin,
die von Arduins Leuten gehaltenen Brentaklausen
(bei Primolano), freigekämpft werden. In einem Bogen erreichte man
Verona, Ende April Brescia und Anfang Mai Bergamo. Am 14. Mai 1004 krönte
ihn Erzbischof Arnulf von Mailand in Pavia in der Michaelskirche, dort,
wo zuvor Arduin
die Königskrone empfangen hatte, zum König von Italien.
Noch am selben Abend jedoch erhoben sich die Pavesen gegen die Leute des
Königs. Es kam zu Kämpfen und Verwüstungen, Feuer wurde
gelegt, die Pfalz angegriffen. Der König mußte die Stadt verlassen.
Nur mit Mühe konnte derAufstand niedergeschlagen werden, und schließlich
unterwarfen sich die Bürger von Pavia fußfällig der Gande
HEINRICHS
II.
Aber der neue König von Italien hatte es eilig.
Zur großen Bestürzung seiner Anhänger trat er schon kurze
Zeit später, Anfang Juni 1004, wieder den Rückzug über die
Alpen an. Seine Parteigänger in Italien, so hatte es den Anschein,
überließ er ihrem Schicksal. HEINRICH
versprach zwar baldige Rückkehr, aber es sollten fast 10 Jahre vergehen,
bis er wieder italienischen Boden betrat.
HEINRICH II., so
wird man diese Entwicklung zusammenfassen können, war Ende 1013 nicht
nur von den Vorbereitungen her, sondern auch konzeptionell so weit, um
nach Rom zu ziehen und die Kaiserwürde zu erwerben. Daß
dies im Kampf um das Königtum von Italien die Voraussetzungen grundlegend
verändern würde, hat auch Arduin
sofort erkannt. Er habe, so berichtet Thietmar, "aufgestöhnt", als
HEINRICH
II. nun einer "höhren Würde" entgegenzog. Damit war
seine eigene Legitimation für die Königswürde in Italien
grundlegend gefährdet. Nach einigen Überlegungen habe er beschlossen,
HEINRICH
II. seine Krone und auch seine Söhne als Geiseln auszuliefern.
Für sich verlangte er nur noch eine Grafschaft, womit wohl Ivrea gemeint
war. Die Lombardenkrone war gegenüber einem Kaisertum HEINRICHS
nichts mehr wert. So sah es auch HEINRICH II.
selbst und lehnte mit dem Rat seiner Vertrauten den Vorschlag Arduins
ab.
Zu Pfingsten (13. Juni) 1014 befand sich HEINRICH
II. bereits in Bamberg. In Italien aber hielt der Frieden nicht
lange. Sogleich war Arduin mit seinen
Anhängern wieder zur Stelle, eroberte die Städte Vercelli und
Como und belagerte Novara. Wieder waren die lombardischen Bischöfe
auf sich gestellt - Leo von Vercelli mußte sogar an den Hof des Kaisers
flüchten. Aber sie schlugen sich dann doch recht erfolgreich. Arduin
kam in schwere Bedrängnis. "Nur mehr dem Namen nach König", so
Thietmar, verlor er schon nach kurzer Zeit die Stadt Vercelli, erkrankte
und zog sich als Mönch in das Familienkloster Fruttuaria zurück.
Dort ist er am 14. Dezember 1015 gestorben.