Berengar II.                                    König von Italien (950-963)
---------------                                   Markgraf von Ivrea (923-966)
900-4.8.966
      Bamberg
 

Ältester Sohn des Markgrafen Adalbert von Ivrea und der Gisela von Friaul, Tochter von Kaiser BERENGAR I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 1933
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Berengar II., König von Italien 950-961
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* ca. 900, + 6. August 966
                  Bamberg

Sohn des Markgrafen Adalbert von Ivrea und der Gisela, Tochter von Kaiser BERENGAR I., seit 928 selbst als Markgraf bezeugt. Als Anhänger König Hugos und einer der führenden Großen des Regnum Italicum heiratete der Markgraf Hugos Nichte Willa. Nach 936 beherrschte Berengar mit seinem Halbbruder Anskar II. Piemont, das Aostatal, Ligurien, Teile der Lombardei und die Markgrafschaft Spoleto-Camerino. König Hugo sah sich durch diese Machtstellung des Hauses IVREA bedroht und betrieb dessen Sturz; während Anskar umkam, floh Berengar über die Alpen zu König OTTO I. (941). Mit schwäbischer Hilfe und Duldung OTTOS eroberte Berengar 945 Teile N-Italiens und übte hier faktisch die Macht aus. Nach dem Tode des schwachen Königs Lothar ließen sich Berengar und sein Sohn Adalbert 950 in Pavia zu Königen krönen. Das Schutzbedürfnis der Witwe Lothars, Adelheid, gab Anlaß zur Intervention OTTOS I., der 951 diese ehelichte und damit ohne Wahl bzw. Krönung die italienische Königswürde annahm. Es folgte am 7. August 952 in Augsburg ein Ausgleich mit Berengar, der mit seinem Sohn Italien von OTTO als Senior zu Lehen nahm und den Treueid leistete. Aus geostrategischen Gründen wurden die Marken Verona und Aquileja dem Herzogtum Bayern angegliedert. Ein zweiter ottonischer Angriff auf N-Italien 957, geleitet von Herzog Liudolf, zwar erfolgreich, blieb indessen angesichts des jähen Todes des Prinzen Episode. Der Umstand, dass Berengars Sohn Wido 959 das Herzogtum Spoleto eroberte und den Papst bedrohte, trug dazu bei, dass Johannes XII. eine Rückkehr OTTOS I. nach Italien für wünschenswert hielt. Der Schwebezustand fand 961 ein Ende, als OTTO I. dem Ruf der italienischen Großen und des Papstes folgte, erneut in Italien eingriff und das regnum Italicum dem Reiche sicherte, wiewohl Berengar nach Kräften Widerstand leistete. Zugleich erlangte OTTO 962 die Kaiserkrone in Rom. Berengar und Willa, die sich ins Exarchat zurückgezogen hatten, fielen 963 in kaiserliche Gefangenschaft. In Bamberg, seinem Exil, ist Berengar, dessen Bild durch die ausführlichste Quelle dieser Epoche, den Chronisten Liutprand von Cremona, nachhaltig verzerrt wurde, 966 gestorben und mit königlichen Ehren bestattet worden. Seine Nachkommen regierten bis 1148 die Grafschaft Burgund.


Brandenburg Erich: Tafel 1
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

VI. 18. BERENGAR II., König von Italien 950-961
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* ca. 900, +966 6. VIII.

Gemahlin:
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vor 936
Willa, Tochter des Grafen Boso (siehe VII 25)
       + nach 966 6. VIII.

Anmerkungen: Seite 118
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VI. 18. Berengar II.
Sohn der Gisela, Liudprand 2, 33. Er muß um 900 geboren sein, da er schon 918 IV. als Graf selbständiges Gericht hält, siehe Dümmler, Otto der Große 185f.
Todeszeit: Dümmler, Otto 381, Anmerkung 1

Gemahlin:
------------
Willa, Liudprand 4, 8.
Zeit der Vermählung (vor 940, Dümmler 112). [VI 26]


Althoff Gerd: Seite 369
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                            K 29

Me:     4.8. Berengarius rex    + 966 Berengar von Ivrea, König von Italien

          (Es.)    Berengar starb nach dem Verlust der Königsherrschaft in Italien (963) im Exil in Bamberg und wurde dort regio more bestattet (Continuatio Reginoni, a.966); vgl. Köpke-Dümmler, Otto der Große, Seite 380f. Auch sein Sohn Wido (K 23)erschien im Merseburger Necrolog. Die Kaiserin Adelheid hatte sich seiner Kinder angenommen, so daß hierdurch die Aufnahme von Mitgliedern der Familie Berengars ins ottonische Gedenken bedingt sein könnte; siehe dazu oben Seite 163f.
Es ist aber auch möglich, daß Berengars Name Teil der bayerischen Gedenktradition war, die HEINRICH II. nach Merseburg transferieren ließ; siehe dazu oben Seite 200.
Allgemein vgl. Biographisches Wörterbuch 1, Spalte 238f.; FW K 32 und Giese, Der Stamm der Sachsen und das Reich, Seite 126.



Thiele, Andreas: Tafel 392
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

BERENGAR II. D'IVREA
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* um 900, + 966

Berengar II. folgte dem Vater als Markgraf von Ivrea-Piemont-Lombardei, Graf von Mailand und königlicher Missus, machte 926 die Schlacht bei Novara gegen König Rudolf II. von Hoch-Burgund mit und war danach Stütze des königlichen Onkels König Hugo. Er baute Hausmachtpositionen aus und mußte 941-945 vor den Nachstellungen des mißtrauischen Oheims seiner Gemahlin, Hugo von der Provence, wegen Konspirationsverdacht nach Deutschland zu OTTO I. fliehen, unter dessen Schutz er Hugo und dessen Sohn Lothar zu stürzen suchte. 945 eroberte er Oberitalien, verdrängte Hugo 946, wurde oberster königlicher Rat, 947 Vormund von König Lothar von Italien und ließ sich 950 zum König von Italien krönen. Er geriet schroff gegen das Haus AURIATE-TURIN, an das er 941 bedeutende Positionen verlor, und das Haus SPOLETO und CANOSSA-TUSZIEN. Nach Lothars Tod (950) wollte Berengar dessen Witwe Adelheid zur Ehe mit seinem Sohn Adalbert zwingen. Adelheid rief OTTO I. zu Hilfe und Berengar mußte 952 auf dem Reichstag zu Augsburg die Lehnshoheit OTTOS I. anerkennen und Istrien, Friaul und Verona an Bayern abgeben. Gegen seine Versuche, ganz Mittelitalien zu gewinnen, rief Papst Johannes XII. OTTO I. zum zweiten Male nach Italien (961), der Berengar 964 gefangen nach Deutschland führen ließ, wo er 966 starb.

  oo WILLA VON ARLES
               + nach 963 als Nonne

Tochter des Markgrafen Boso III. von Tuszien, Nichte des Königs Hugo von Provence-Italien



 931
 oo Willa von Tuszien, Tochter des Markgrafen Boso
       um 915- nach 966
 
 
 
 

Kinder:

  Adalbert
  930-20.4.975

  Wido Markgraf von Ivrea
  940-25.6.965

  Konrad Markgraf von Ivrea
         -   1001

  oo Richilde von Turin
             -

  Gerberga
         -

 961
  oo Aledram I. Markgraf von Montferrat
              -   967/71

  Gisela Nonne
        -

  Rozala (Susanna)
  950/60-7.2.1003

    968
  1. oo Arnulf II. Graf von Flandern
           961/62-30.3.987

   1.4.988
  2. oo Robert II. König von Frankreich
          970-20.7.1031
 
 
 
 

Literatur:
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198,229,244,274,275,283,286,290,291,299,309,315,324,332,336,339,340,359,361,380,382,383 - Die Begegnung des Westens mit dem Osten, hg. von Odilo Engels und Peter Schreiner, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993, Seite 15,19,119,129 - Diwald Helmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH, Bergisch Gladbach 1987 Seite 241,237 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 32,47 - Eickhoff Ekkehard: Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt. Klett-Cotta Stuttgart 1996 Seite 408, 409,411 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 63,73 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Puset Regensburg 1998, Seite 18 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 126 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 83, 87,89,98,103,114,117,196 - Golinello, Paolo: Mathilde und der Gang nach Canossa, Artemis und Winkler Düsseldorf 1998 Seite 20,21,23,28,32,59 - Hermann von Reichenau: Chronicon. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 638,642 - Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 74,84,87,89-91,95,97,100,102-104,106-108,118,127,130,136,139,143,153,172,188,193,199,202, 216-218,230,233,239, 244,262,274,283,287- Hlawitschka Eduard: Stirps Regia. Forschungen zum Königtum und Führungsschichten im frühen Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze. Festgabe zu seinem 60. Geburtstag. Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 267,289,306, 461 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 139-147,149,163-167,183,188-190,193-195,198,202,206,232,408 - Köpke, Rudolf/Dümmler Ernst: Kaiser Otto der Große, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1962 Seite 137-141,173,184,190-191,203-204,208,285,313-355,379 - Liudprands von Cremona: Werke in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Band VIII Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1977 Seite 324,338,358,398,410,412,446-450,456,458,462-466,474-488,496-502,514,526, 528,574 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II Seite 213,248,251 - Pauler Roland: Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit. Max Niemeyer Verlag Tübingen 1982 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 283,314,317 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 195,222 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 271,278-281,283,303,316 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 23,35-42 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 131,136,140,174 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 187-190,197-200,202,207,214 -
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