Tochter des Herzogs
Robert Guiscaerd von Apulien aus seiner 1. Ehe mit der Alverada
Thiele, Andreas: Tafel 416
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"
HELENE
------------
+
oo Konstantin Dukas, Kaiser von Byzanz
+
Bereits 1073 hatte Robert von Kaiser
Michael VII. zwei Briefe erhalten, worin dieser ihm als Gegenleistung
für eine militärische Allianz die Vermählung seines in Purpur
geborenen - und angeblich überaus gutaussehenden - Bruders mit einer
- natürlich ebenso schönen - Tochter Roberts anbot. Als
diese beiden Schreiben unbeantwortet blieben, hatte Michael
sein Angebot in einem dritten noch verbessert. Diesmal bot er seinen eben
von Maria von Alania geborenen Sohn
Konstantin
als Bräutigam an und 24 hohe byzantinische Ehrentitel obendrein. Da
hatte Guiscard nicht lange gezögert. Es gab in der Frage der
kaiserlichen Nachfolge immer ein unsicheres Moment; aber der Sohn eines
herrschenden Kaisers war in jeden Fall besser dran als irgendwer sonst.
Und die Möglichkeit, eine seiner Töchter als Kaiserin von
Byzanz zu sehen, wollte er sich nicht entgehen lassen. Robert Guiscard
ging
also auf den Vorschlag ein, und kurze Zeit später machte sich die
künftige Braut auf den Weg nach Konstantinopel, um dort in den kaiserlichen
Frauengemächern ihren Studien nachzugehen, bis ihr Kindbräutigam
das heiratsfähige Alter erreicht hatte. Anna
Komnena legt etliche Jahre später nahe, die junge Helena
- sie hatte kurz nach ihrer Ankunft bei einer zweiten Taufe zur Aufnahme
in die orthodoxe Kirche diesen griechischen Namen erhalten - sei der brieflichen
kaiserlichen Forderung zum Trotz bei weitem nicht so von der Natur begünstigt
gewesen wie erwartet, und der zukünftige Ehemann habe der Ehe mit
einem Schaudern entgegengesehen wie ein kleines Kind dem schwarzen Mann.
Da Anna jedoch später selbst mit
dem jungen Konstantin verlobt wurde
und sich leidenschaftlich in ihn verliebte, ist sie in dieser Sache wohl
keine unparteiische Richterin.
Der Sturz Michaels VII.
durch Nikephoros Botaneiates im Jahre
1078 zerstörte alle Aussichten Helenas
auf den kaiserlichen Thron. Die unglückliche Helena
fand
sich wie Kaiser Michael VII. hinter
Klostermauern wieder, dürfte sich jedoch dort mit ziemlicher Sicherheit
im gleichen Maße unwohl gefühlt haben. Vater Robert nahm
diese Nachricht mit gemischten Gefühlen auf. Seine unmittelbaren Hoffnungen
auf den kaiserlichen Schwiegersohn waren damit zwar zerstört. Andererseits
lieferte ihm die Behandlung seiner Tochter einen tadellosen Vorwand für
eine Intervention. Im Dezember beschloß er, einen Gesandten nach
Konstantinopel zu schicken, der von Botaneiates
eine
Entschädigung für Helena angetane
Schmach fordern sollte.
Bünemann, Richard: Seite 87,106,109,113,205,252,255-257,260
****************
"Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien."
OLYMPIAS
----------------
1074 verlobt mit Konstantin Porphyrogennetos, Sohn Kaiser Michaels VII. von Byzanz. 1076 in Konstantinopel in Helena unbenannt. 1078 Annullierung der Verlobung. Nach März 1090 an den Grafen Roger I. von Sizilien und Kalabrien ausgeliefert.
Seit der Zeit nach dem Fall von Bari bemühten sich
die Kaiser der Rhomäer um ein Ehebündnis mit dem Normannen-Herzog.
Erst nach der Geburt von Konstantin Porphyrogennetos
Anfang 1074, dem Sohn von Kaiser Michael VII.
Dukas, stimmte der HAUTEVILLE grundsätzlich
zu. Mitte des Jahres sandte er Bevollmächtigte nach Konstantinopel,
um den Vertrag ber eine Ehe von Konstantin Porphyrogennetos
und seiner Tochter Olympias auszuhandeln.
Der Basileuis verlobte seinen noch nicht einjährigen Sohn Konstantin
mit der Tochter (Olympias-Helena) des
Guiskard
und versprach, die beiden später zu verheiraten.
Dabei hat der Sturz seines Bundesgenossen und Verwandten
Michaels VII. Dukas im März 1078 sicher eine Rolle gespielt.
Schließlich wurde seinem Schwiegersohn und seiner Tochter Olympias/Helena
dadurch jede Aussicht auf die byzantinische Kaiserkrone genommen.
Am Hofe des Basileus sollte Raoul Peau de Loup Beschwerde
über die Behandlung von Guiskards Tochter vorbringen. Der Gesandte,
so heißt es, habe deutlich gemacht, daß sein Herr wegen der
Beleidigung, die Helena zugefügt
wurde, zum Krieg gezwungen sei. Botaneiates
hatte die Verlobung des jungen Mädchens mit Konstantin
annulliert.
Michaels VII. Nachfolger
Nikephoros
Botaneiates, löste die Verlobung von Guiskards Tochter
mit dem Thronprätendenten
Konstantin auf, eine Maßnahme, die das normannisch-byzantinische
Bündnis von 1074 faktisch aufhob. Der unfreundliche Akt des Botaneiates
mag den HAUTEVILLE veranlaßt
haben, dem vom Patriarchen geweihten Basileios die Anerkennung zu verweigern.
Heiratspolitik:
-----------------
Olympias, die am
byzantinischen Hof den Namen Helena
erhielt, wurde 1075 oder 1076 als junges Mädchen mit Konstantin
Porphyrogennetos, dem Anfang 1074 geborenen Sohn Kaiser
Michaels VII., in Konstantinopel verlobt. Wenn Anna
Komnena den Eindruck erweckt, daß Helena
ein häßliches Mädchen gewesen sei, besitzt dieses Urteil
keinen großen Wert. Die byzantinsche Prinzessin war nämlich
die zweite Verlobte von Konstantin und
nicht frei von Eifersucht. Wir erinnern uns, daß es zur Eheschließung
mit Helena aus politischen Gründen
nicht gekommen ist, weil Nikephoros III. Botoneiates
die Verlobung aufhob. Kaiser Alexios
hat die Normannin vielleicht zu gewissen Hofdiensten herangezogen. Wahrscheinlicher
noch ist Helena in ein Kloster geschickt
worden. Jedenfalls wurde sie bis nach dem Tod ihrer Eltern fast zwanzig
Jahre als eine Art Geisel in Konstantinopel festgehalten, bis der KOMNENE
das
alte Mädchen an seinen Onkel, den Grafen
Roger von Sizilien ausgeliefert hat.
Am schlimmsten erging es Olymias-Helena,
die ihre Jugend in Konstantinopel vertrauern mußte. Es ist nicht
bekannt, ob ihr Vater sich um ihre Auslösung bemühte.
1074
oo Konstantin Dukas der Purpurgeborene Kaiser
von Byzanz
-1078 1074- 1093
Literatur:
-----------
Bünemann, Richard: Robert Guiskard 1015-1085.
Ein Normanne erobert Süditalien. Böhlau Verlag GmbH & Cie,
Köln 1997 Seite 87,106,109,113,205,252,255-257,260,266 - Norwich
John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag
GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 26 - Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer
Verlag 1994 Tafel 416 -