Ältester Sohn des Herzogs
Friedrich II. von Ober-Lothringen und der Agnes
von Bar, Tochter von Graf Theobald I.
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 691
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Thiebaut (Tedbald, Theobald) I., Herzog von Lothringen seit Oktober
1213
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* um 1190/95, + 17. Februar 1230
Sohn von Ferri II. und Agnes de Bar
Brüder: Herzog Matthäus II.; Jakob, Bischof von Metz; Renaud; 2 Schwestern
Thiebaut I. war verlobt (1206) und
vermählt (1212/13) mit Gertrud
von Dagsburg (kinderlose Ehe), konnte damit seinem Herzogtum die
reichen Dagsburger Besitzungen hinzufügen (Metzer Hochvogtei, Territorien
in Elsaß, Lothringen und Lütticher Land). Seine Machtstellung
gefährdete jedoch die Position der Grafen von Bar in Lothringen wie
auch diejenige der STAUFER im Elsaß,
zumal sich Herzog Thiebaut I. mit dem WELFEN OTTO
IV. verbündete. Nach der Niederlage von Bouvines mußte
Thiebaut I. FRIEDRICH
II. huldigen (September 1214). Der Herzog verstrickte sich auch
in die Konflikte des Metzer Patriziates mit dem Bischof (Intervention FRIEDRICHS
II., 1215; Metz). Im Erbfolgestreit der Champagnes verbündete
er sich mit den Vasallen, die der Gräfin Blanche Widerstand leisteten.
Zur Rückgewinnung des (seinem Vater von FRIEDRICH
II. als Pfandschaft übertragenen) Rosheim unternahm er
einen brutalen Kriegszug ins Elsaß, woraufhin der erzürnte König
mit den Grafen von Bar und Champagne gegen ihn eine Allianz schloß.
Der in Amance bei Nancy belagerte Herzog unterwarf sich, leistete Pfandschaft
und mußte ein Jahr lang im Gefolge FRIEDRICHS
II. verbleiben. Er starb bald nach seiner Rückkehr, ohne
seine Situation grundsätzlich gebessert zu haben. Seine Witwe Gertrud
heiratete Thiebauts I. Gegner
Tedbald IV. von Champagne, an den sich der Nachfolger Matthäus
II. enger anlehnte.
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Theobald I. wurde Reichsvikar im
Elsaß und erhielt auch das Recht zugesprochen, den kaiserlichen Adler
im lothringischen Wappen zu führen. Er machte 1214 die Schlacht bei
Bouvines gegen Frankreich und die STAUFER
mit und stand zeitlebens schroff gegen Bar, das 1214 gegen ihn stand, wegen
verschachtelter Besitz- und Rechtsfragen und des Erbes seiner Mutter, wozu
auch Longwy gehörte. 1218 zerstörte Bar die Burg Stenay, er eroberte
1218 Roßheim gegen den Kaiser zurück und geriet bis 1219 in
Gefangenschaft und mußte es zurückgeben. Er war traditionell
Gegner der Bischöfe von Toul und Verdun und war erstaunlicherweise
eng mit dem Bischof von Metz verbündet. Er wurde eventuell durch Gift
beseitigt.
Walter Mohr: Band III Seite 48-55
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"
Nachfolger Herzog
Friedrichs II. wurde sein Sohn Theobald
I., der wahrscheinlich ebenfalls von Beginn seiner Regierung
an auf staufischer Seite gestanden
hat. Für ihn besaß der Umstand eine Wichtigkeit, dass sich der
Gegensatz zu Bar immer noch geltend machte. Kurz vor der Schlacht von Bouvines
im Juli 1214 war Graf Theobald von Bar gestorben. Herzog
Theobald suchte bei dieser Gelegenheit seine Stellung etwas
zu festigen. Seine Mutter
Agnes, die eine Tochter des verstorbenen Grafen war, konnte er
sich verpflichten, sie versprach, nicht wieder zu heiraten und seine Herrschaft
in Ober-Lothringen anzuerkennen, außerdem übergab sie ihm ihr
Witwengut Amance, Longway und Stenay. Trotzdem blieb natürlich von
seiten des neuen Grafen Heinrich II. von Bar weiterhin Gefahr für
Ober-Lothringen bestehen.
Vielleicht muß man auf Grund dieser Lage bei Herzog
Theobald in dieser Zeit eine Zurückhaltung in den großen
Fragen der Politik vermuten. Er nahm erst im Laufe des Jahres 1214 Verbindung
zu FRIEDRICH II. auf. Im September
finden wir ihn am Hofe des STAUFERS
in Jülich. Eine wichtige Frage war es dabei für ihn, einen Ausgleich
mit dem Hause BAR zu finden. Der König hat sich dieser Sache wohl
selbst angenommen. Er kam zu Ende des Jahres 1214 nach Metz, wo zwischen
Herzog Theobald und Graf Heinrich von
Bar am 13. November 1214 ein Vertrag abgeschlossen wurde, in dem die lothringische
Seite auf ihre Ansprüche im Gebiet von Bar verzichtete, während
der Graf seinerseits einige Ortschaften abtrat. Bei dieser Gelegenheit
hat Theobald seine Stellung durch ein
Bündnis mit Bischof Konrad von Metz gefestigt. Der König selbst
zeichnete den Herzog mit seinem Vertrauen aus, indem er ihn neben dem Erzbischof
von Trier zum Schiedsrichter in einer Zollstreitigkeit zwischen dem Metzer
Domkapitel und den Bürgern der Stadt Huy delegierte.
Möglicherweise hat Theobald anschließend
den königlichen Hof begleitet, denn wir finden ihn April 1215 in Augsburg
und Ende Mai in Kaiserslautern. Bei der Königskrönung FRIEDRICHS
II. in Aachen am 25. Juli 1215 ist er wiederum zugegen gewesen.
Er hat sich damals mit einer großen Zahl anderer Fürsten zum
Kreuzzug verpflichtet. In der Zwischenzeit ist er allerdings im Juni 1215
in Ober-Lothringen gewesen. Damals beschäftigte er sich mit der Dachsburger
Erbschaft. Er war ja mit der Erbin von Dachsburg, Gertrude,
verlobt. Deren Vater war im Jahre 1212 gestorben. Ebenso ist bereits erwähnt
worden, dass auf Grund früherer Abmachungen der Bischof von Lüttich
Anspruch auf einen Teil des Erbes erhob, mit dem Theobald
eine Einigung hatte erreichen können. In erster Linie aber
sicherte er sich jetzt, nachdem er in Ober-Lothringen nachgefolgt war,
seine Dachsburger Ansprüche, indem er die von den Eltern festgelegte
Ehe mit Gertrude
zu Beginn des Jahres 1214 vollzog. Mit dem Lehensherrn von Dachsburg, dem
Bischof von Metz, gelangte er Anfang 1215 zu einer Einigung, indem der
Bischof ihn mit der Grafschaft belehnte. Für den Herzog war der Erwerb
der Dachsburger Erbschaft besonders wichtig, weil sie zur Sicherung des
lothringischen Besitzes im Elsaß beitrug, vor allem war ihm dadurch
eine Kontrolle sämtlicher Vogesenübergänge möglich.
In der 2. Hälfte des Jahres 1216 befand sich Theobald
wieder in der Umgebung FRIEDRICHS II. in
Hagenau.
Im Mai 1217 hat Herzog Theobald
seinen gewalttätigen Oheim, den abgesetzten Bischof Matthaeus von
Toul, erschlagen. Dieser hatte seinen Nachfolger, den Bischof Rainald von
Senlis, ermordet und Theobald war vom
französischen König und FRIEDRICH II.
aufgefordert worden, dieses Verbrechen zu rächen, um nicht in den
Verdacht der Mitwisserschaft zu kommen.
Theobald hatte auch in den Erbschaftsauseinandersetzungen
in der Champagne auf seiten Erhards von Brienne gegen die Gräfin Blanca
mitgemischt. In ein neues, am 24. Februar 1218 abgeschlossenes Waffenstillstandsabkommen
wurde auch Herzog Theobald von Ober-Lothringen
einbezogen. Nach Auslauf der Abmachung am 22. April änderte sich die
Situation für den Herzog. Anscheinend im Interesse des Gräfin
von der Champagne entschloß sich der deutsche König, einen Druck
auf Theobald auszuüben, er widerrief
die ehedem zugestandene Verpfändung der Stadt Rosheim im Elsaß.
Der Herzog sammelte darauf ein Heer, um im Elsaß einzugreifen.
Vermutlich stand er dabei in einem Einvernehmen mit Bischof Heinrich II.
von Straßburg. Jedoch ließ sich die oberlothringische Vorhut
dazu hinreißen, voreilig Rosheim zu besetzen, wurde anschließend
infolge Unachtsamkeit durch die Rosheimer überrascht uns vernichtet.
Der Herzog mußte sich darauf zum Rückzug entschließen.
Es ist möglich, dass er noch einmal mit frischen Kräften im Elsaß
erschien, doch verlagerte sich jetzt der Schwerpunkt der Ereignisse nach
Ober-Lothringen selbst. Als FRIEDRICH II.
im Mai 1218 dort erschien, zogen ihm die Streitkräfte der Gräfin
Blanca von der Champagne, des Grafen Heinrich von Bar und des Herzogs
von Burgund zu. Vereinigt plünderten sie Nancy und belagerten anschließend
die Burg Amance, die Theobald allein
noch als Zufluchtsort übrig geblieben war. Zwar bemühte er sich
noch verzweifelt, Hilfe zu erhalten, doch rührte sich auf seine Appelle
hin niemand. Er gab jetzt seine Sache auf und kapitulierte. Gegenüber
dem deutschen König kam er noch glimpflich weg, aber in dem am 1.
Juni 1218 mit der Gräfin von der Champagne geschlossenen Vertrag mußte
er jede weitere Unterstützung Erhards von Brienne unterlassen, außerdem
auf 5 Jahre die Lehen, die der Graf von Bar und Hugo von La Fauche von
ihm besaßen, auf die Gräfin übertragen und für den
gleichen Zeitraum die Burg Chatenois dem Herzog von Burgund überlassen.
Des weiteren bekannte er sich ausdrücklich zu den früheren Lehensverpflichtungen
seiner Vorgänger gegenüber dem Grafen von der Champagne.
Der deutsche König ließ Herzog
Theobald nicht in Freiheit, sondern nahm ihn mit sich, er mußte
ihm nach Friedberg, Würzburg, Wimpfen, Ulm, Nürnberg und Mahlberg
folgen. Hier war er Ende November 1218 und taucht dann nicht mehr in den
königlichen Urkunden auf, so dass man annehmen kann, er habe in dieser
Zeit den Hof verlassen dürfen. In der Folge hat er offensichtlich
versucht, seine Stellung im Elsaß erneut zu festigen. So verpflichtete
er im Mai 1219 Anselm von Rappoltstein, ihn gegen jedermann mit seinen
Burgen und seinen Mannen beizustehen. Bezeichnend ist es, dass für
diese Hilfeleistung niemand ausgeschlossen wurde, so dass sich das Bündnis
auch gegen FRIEDRICH II. richten konnte.
Indessen weilten Anselm von Rappoltstein und Theobald
zusammen im September 1219 am königlichen Hof in Hagenau.
Hier soll es zu einer Transaktion gekommen sein, derzufolge der Herzog
die Nachfolgerechte für die Besitzungen seiner Gemahlin auf FRIEDRICH
II. übertragen habe, wofür ihm die Hohkönigsburg
im Elsaß gegeben worden sei. Diese Nachricht ist stark bezweifelt
worden. Wir finden allerdings Theobalds
Nachfolger
Matthaeus II. im Besitz der Burg. Jedoch stehen tatsächlich
der Annahme einer Übertragung der Burg im Jahre 1219 Schwierigkeiten
entgegen. Theobald konnte schließlich
nicht über die Erbschaft seiner Gemahlin verfügen, die ja noch
lebte und aus der Ehe mit ihm keine Nachkommen besaß
Die militärischen Auseinandersetzungen in Lothringen hatten auch
wieder zu Spannungen mit der Abtei Remiremont geführt. Der Herzog
hatte deren Rechte beim Aufgebot für seine Truppen nicht geachtet
und auch Leute aus ihren Besitzungen zum Heer eingezogen. Er sah sich nach
seiner Rückkehr veranlaßt, in dieser Frage nachzugeben und begab
sich im Mai 1219 nach Remiremont. Anscheinend waren auch der Erzbischof
von Trier und der Bischof von Toul anwesend, denn unter deren Garantie
wurde ein Vertrag abgeschlossen, in dem Theobald
die Rechte der Abtei zu achten versprach und anerkannte, der
Vogt der Abtei könne freiwillig von sich aus die Zahl derer feststellen,
die dem herzoglichen Heere zugeteilt werden sollte.
Im übrigen hat der Herzog sich mit den Klöstern seines Landes
gutgestanden und ihnen Vergünstigungen zukommen lassen. Außerhalb
kam es zu Auseinandersetzungen mit der Abtei St. Matthias zu Trier.
Theobald I. ist am 17. Februar
1220 gestorben.
1216
oo 1. Gertrud von Egisheim-Dagsburg, Tochter des Grafen Albrechts
II.
x 1200/05-30.3.1225
Erbin von Egisheim, Dagsburg,
Metz und Moha
Literatur:
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Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König
Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 163, 168
A - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 5,48,418 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher
der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig
2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 370,383,384,387,393,454-456
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