Die Gräfin Emma wandte der Bremer Kirche nach
dem Tode ihres Gatten in reichem Maße Spenden und Stiftungen zu [3
Adam
II, 80. Wedekind vermutete, daß es sich bei den Schenkungen größtenteils
um immedingischen Nachlaß gehandelt habe (Not. II, 86). Freiherr
von Uslar-Gleichen, der sich mit den familiengeschichtlichen Fragen dieses
Hauses eingehender, wenn auch nicht immer mit der nötigen Kritik,
befaßt hat, will Lesum allerdings für eine billungische Herrschaft
ansehen (Geschlecht Wittekinds, Seite 80f.), während es Dehio (I.
B. Seite 162) für immedingisch erklärt. Vgl. Adam II,
67 (65) Seite 126f. und Schol. 47 (48).]. Was sie dabei aus ihrer eigenen
Mitgift gab, bzw. was zu dieser gehört haben mag, läßt
sich nicht nachweisen. Sie selber gilt allgemein als Angehörige des
reichen, alten und angesehenen IMMEDINGER-Stammes. Die in der Geschichtsforschung
hierzu gemachten Aussagen fußen alle, soweit sich feststellen läßt,
auf der Angabe Adams, daß es sich bei Emma um eine Schwester
des Bischofs Meinwerk von Padernborn, eines IMMERDINGERS,
handele [4 Adam II, 80.]. Diese Bemerkung findet sich nur als Zusatz
in den Handschriftengruppen BC, während sie in A fehlt. Außerdem
mahnt die Tatsache, daß in der Vita Meinwerci unter den dort genannten
Nachkommen Immeds nur die Töchter Glismod und Azela genannt
werden, von Emma aber nirgends die Rede ist, außer an einer
aus Adam übernommenen Stelle, zur Vorsicht.
Andererseits spräche es für eine Verwandtschaft
mit den IMMEDINGERN, daß Meinwerk neben Bernhard
I. als Vermittler in der schon genannten Urkunde vom Jahre 1001,
betreffs der Verleihung des Hofes Stiepel erscheint. Wenn man meint, daß
es sich folglich in Bernhard um den Bruder Liudgers
und in Meinwerk um den Bruder Emmas gehandelt habe [1 Lappenberg,
Hamburger Urkundenbuch I Seite 61.], so wird man das doch kaum allein durch
die Stelle für völlig sicher belegt anzushen können.
Auch Adams Nachrichten tragen den Stempel der Unsicherheit,
zumindest sind sie nicht aus erster Hand. Er spricht zum Beispiel von der
40-jährigen Witwenschaft der Gräfin Emma [5 Siehe
Adam 4, Seite 107.], was später einfach übernommen wurde [6
Wo
von Wedekind Not. II, 86 und von Heinemann in der Zeitschrift des historischen
Vereins für Niedersachsen 1865 Seite 147]. Sie starb aber nach Angabe
des Chron. breve Bremense und des Necrl. S. Mich. Lun [7 Chron.
breve Brem. SS. VII Seite 391 und Necr. S. Mich. Lun., Wedekind Not. III,
Seite 92: "Emma com."; vgl. Bremer Regesten I Seite 50. Auch
Lappenberg spricht in seiner Adamsausgabe SS. IV, Seite 333 von 1038.]
am 3. Dezember 1038 und hat demnach ihren Gatten nur um fast 28
Jahre überlebt. Sie wurde in dem Bremer Dom (Peterskirche) beigesetzt
[8 Adam II, 80 (76) Seite 138 "Corpus eius requiescit in Bremensi
ecclesia", nach Angabe Schmeidlers (ebd. Anmerkung ) ist die Peterskirche
(Marienkirche) das heißt der Dom gemeint.]. Nachkommen sind außer
der einen Tochter nirgends in den Quellen erwähnt, und auch
von dieser ist uns, wie schon gesagt, der Name nicht genannt [1
Adam
II, 80 (76) Seite 138.]. Man könnte auf Grund des anderweit so reich
verteilten Erbes der Gräfin Emma auch vermuten, daß die
Tochter, wenn nicht früh verstorben, so doch unverheiratet und ohne
Nachkommen geblieben ist.
Nun stößt man allerdings öfter auf die
Behauptung, daß der von 1051 bis 1076 in Paderborn amtierende Bischof
Immad ein Sohn Emmas und Liudgers gewesen sei [2
Freiherr von Uslar-Gleichen, Aus dem Geschlechte Wittekinds, Seite
81. Auch Tenckhoff zur Vita Meinw. Seite 6 Anmerkung 1, hält es für
wahrscheinlich und verweist auf Schraders Schrift über Meinwerk, Leben
und Wirken des seligen Meinwerk Seite 12f. Ähnliches findet sich auch
schon bei Falke, Trad. Corb. Seite 455; Heydenreich Seite 39 und Wedekind
Noten I, Seite 268.]. Abgesehen davon, daß schon der Vergleich der
Jahreszahlen Bedenken aufkommen läßt, da zum Beispiel gegenüber
dem Todesjahr Immads 1076 dasjenige seines Großvaters Hermann
Billung (973) über 100 Jahre zurückliegen würde,
ist auch sonst die Begründung hierfür völlig unzureichend.
Immad
wird nirgends als Sohn dieses Ehepaares überliefert und
wir haben keinerlei Belege oder auch nur Hinweise, in denen in irgendeiner
Form Bezug genommen wird auf seine etwaige Verwandtschaft mit dem billungischen
Hause. Als Grund für eine derartige genealogische Einordnung gibt
man lediglich an, daß die Vita Meinwerci ihn einen "sororius"
des Bischofs Meinwerk nennt [3 Vit. Meinw. c. 160 Seite 84.], was
aber meines Erachtens nicht zu eindeutigen Schlüssen berechtigt, zumal
es sich ja in Imamd auch um den Sohn der oben schon erwähnten
Schwester Meinwerks Glismod handeln könnte. Dasselbe gilt natürlich
für die Urkundenstelle, in der Meinwerk als "avunculus"
Immads bezeichnt wird [4 Urkunde vom 3. Februar 1052 Rag. Hist.
Westf. (Erhard II, 113 Nr. CXLIII und I, 182) in der Imamd dem Kloster
S. Petri und Pauli zu Paderborn das Gut Sturibroch bestätigt, worin
es heißt "... tum etiam dilecti nobis avunculi nostri domni Meinwerci
venerabilis episcopi ipsius ecclesie fundatoris intuitu ...".], so
daß es zwar angehen mag, von einer Verwandtschaft, nicht aber von
direker Abkunft
Immads von dem Ehepaar Liudger-Emma zu sprechen.