Bork Ruth: Seite 107-109
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"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

Die Gräfin Emma wandte der Bremer Kirche nach dem Tode ihres Gatten in reichem Maße Spenden und Stiftungen zu [3 Adam II, 80. Wedekind vermutete, daß es sich bei den Schenkungen größtenteils um immedingischen Nachlaß gehandelt habe (Not. II, 86). Freiherr von Uslar-Gleichen, der sich mit den familiengeschichtlichen Fragen dieses Hauses eingehender, wenn auch nicht immer mit der nötigen Kritik, befaßt hat, will Lesum allerdings für eine billungische Herrschaft ansehen (Geschlecht Wittekinds, Seite 80f.), während es Dehio (I. B. Seite 162) für immedingisch erklärt. Vgl. Adam II, 67 (65) Seite 126f. und Schol. 47 (48).]. Was sie dabei aus ihrer eigenen Mitgift gab, bzw. was zu dieser gehört haben mag, läßt sich nicht nachweisen. Sie selber gilt allgemein als Angehörige des reichen, alten und angesehenen IMMEDINGER-Stammes. Die in der Geschichtsforschung hierzu gemachten Aussagen fußen alle, soweit sich feststellen läßt, auf der Angabe Adams, daß es sich bei Emma um eine Schwester des Bischofs Meinwerk von Padernborn, eines IMMERDINGERS, handele [4 Adam II, 80.]. Diese Bemerkung findet sich nur als Zusatz in den Handschriftengruppen BC, während sie in A fehlt. Außerdem mahnt die Tatsache, daß in der Vita Meinwerci unter den dort genannten Nachkommen Immeds nur die Töchter Glismod und Azela genannt werden, von Emma aber nirgends die Rede ist, außer an einer aus Adam übernommenen Stelle, zur Vorsicht.
Andererseits spräche es für eine Verwandtschaft mit den IMMEDINGERN, daß Meinwerk neben Bernhard I. als Vermittler in der schon genannten Urkunde vom Jahre 1001, betreffs der Verleihung des Hofes Stiepel erscheint. Wenn man meint, daß es sich folglich in Bernhard um den Bruder Liudgers und in Meinwerk um den Bruder Emmas gehandelt habe [1 Lappenberg, Hamburger Urkundenbuch I Seite 61.], so wird man das doch kaum allein durch die Stelle für völlig sicher belegt anzushen können.
Auch Adams Nachrichten tragen den Stempel der Unsicherheit, zumindest sind sie nicht aus erster Hand. Er spricht zum Beispiel von der 40-jährigen Witwenschaft der Gräfin Emma [5 Siehe Adam 4, Seite 107.], was später einfach übernommen wurde [6 Wo von Wedekind Not. II, 86 und von Heinemann in der Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen 1865 Seite 147]. Sie starb aber nach Angabe des Chron. breve Bremense und des Necrl. S. Mich. Lun [7 Chron. breve Brem. SS. VII Seite 391 und Necr. S. Mich. Lun., Wedekind Not. III, Seite 92: "Emma com."; vgl. Bremer Regesten I Seite 50. Auch Lappenberg spricht in seiner Adamsausgabe SS. IV, Seite 333 von 1038.] am 3. Dezember 1038 und hat demnach ihren Gatten nur um fast 28 Jahre überlebt. Sie wurde in dem Bremer Dom (Peterskirche) beigesetzt [8 Adam II, 80 (76) Seite 138 "Corpus eius requiescit in Bremensi ecclesia", nach Angabe Schmeidlers (ebd. Anmerkung ) ist die Peterskirche (Marienkirche) das heißt der Dom gemeint.]. Nachkommen sind außer der einen Tochter nirgends in den Quellen erwähnt, und auch von dieser ist uns, wie schon gesagt, der Name nicht genannt [1 Adam II, 80 (76) Seite 138.]. Man könnte auf Grund des anderweit so reich verteilten Erbes der Gräfin Emma auch vermuten, daß die Tochter, wenn nicht früh verstorben, so doch unverheiratet und ohne Nachkommen geblieben ist.
Nun stößt man allerdings öfter auf die Behauptung, daß der von 1051 bis 1076 in Paderborn amtierende Bischof Immad ein Sohn Emmas und Liudgers gewesen sei [2 Freiherr von Uslar-Gleichen, Aus dem Geschlechte Wittekinds, Seite 81. Auch Tenckhoff zur Vita Meinw. Seite 6 Anmerkung 1, hält es für wahrscheinlich und verweist auf Schraders Schrift über Meinwerk, Leben und Wirken des seligen Meinwerk Seite 12f. Ähnliches findet sich auch schon bei Falke, Trad. Corb. Seite 455; Heydenreich Seite 39 und Wedekind Noten I, Seite 268.]. Abgesehen davon, daß schon der Vergleich der Jahreszahlen Bedenken aufkommen läßt, da zum Beispiel gegenüber dem Todesjahr Immads 1076 dasjenige seines Großvaters Hermann Billung (973) über 100 Jahre zurückliegen würde, ist auch sonst die Begründung hierfür völlig unzureichend. Immad wird nirgends als Sohn dieses Ehepaares überliefert und wir haben keinerlei Belege oder auch nur Hinweise, in denen in irgendeiner Form Bezug genommen wird auf seine etwaige Verwandtschaft mit dem billungischen Hause. Als Grund für eine derartige genealogische Einordnung gibt man lediglich an, daß die Vita Meinwerci ihn einen "sororius" des Bischofs Meinwerk nennt [3 Vit. Meinw. c. 160 Seite 84.], was aber meines Erachtens nicht zu eindeutigen Schlüssen berechtigt, zumal es sich ja in Imamd auch um den Sohn der oben schon erwähnten Schwester Meinwerks Glismod handeln könnte. Dasselbe gilt natürlich für die Urkundenstelle, in der Meinwerk als "avunculus" Immads bezeichnt wird [4 Urkunde vom 3. Februar 1052 Rag. Hist. Westf. (Erhard II, 113 Nr. CXLIII und I, 182) in der Imamd dem Kloster S. Petri und Pauli zu Paderborn das Gut Sturibroch bestätigt, worin es heißt "... tum etiam dilecti nobis avunculi nostri domni Meinwerci venerabilis episcopi ipsius ecclesie fundatoris intuitu ...".], so daß es zwar angehen mag, von einer Verwandtschaft, nicht aber von direker Abkunft Immads von dem Ehepaar Liudger-Emma zu sprechen.