Einzige Tochter des Pfalzgrafen
Berchthold I. von Schwaben
(† nach 896) aus dem Hause der ALAHOLFINGER und der N.N.von
Schwaben-Elsaß, Tochter von
Graf
Erchanger († 864) und der
N.N.
Schwester von Graf Berchthold II. in der Baar († 21.1.917 hingerichtet),
Herzog Erchanger von Schwaben († 21.1.917 hingerichtet)
Nichte der Römischen
Kaiserin
Richgard († 18.9.906/09)
Nach E. Brandenburg, Nachkommen Enkelin vom
Franken-König Ludwigs
dem Deutschen über dessen Tochter Gisela
KONRAD
I. DER
JÜNGERE
-------------------------------------
† 23. XII 918
Begraben: Fulda
908 GRAF
im
HESSENGAU
910 GRAF IM
KELDACHGAU und DUX
Forchheim 7./10.XI.911 KÖNIG
stiftet 912 St. Walpurgis zu Weilburg
913
oo
KUNIGUNDE
†
Begraben: Kloster Lorsch
Witwe des Markgrafen Luitpold (LUITPOLDINGER),
Schwester
der Grafen Erchanger und Berthold (AHALOLFINGER)
KÖNIG
KONRAD I.
--------------------------
* ca. 880/85
† 23.12.918
Grabstätte: Kloster Fulda neben dem Hl.-Kreuz-Altar
Eltern: Graf Konrad der Ältere vom (Ober-)Lahngau (* ca. 855, ⚔ 27.2.906 in der Babenberger-Fehde, Grabstätte: Weilburg/Lahn) und Gräfin Glismoda
Eine mit Abstammungsnachweisen versehene Stammtafel der KONRADINER, das heißt der Herkunftslinie KONRADS I. gibt E. Hlawitschka, Wer waren Kuno und Richlind von Öhningen?, in: ders., Stirps regia. Forschungen zu Königtum und Führungsschichten im frühen Mittelalter (1988) Seite 457ff. und 571f.; dort auch die Nachweise zu den Geschwistern.
Geschwister:
---------------
Eberhard, Herzog von Franken (918-939)
* ca. 885/90, † 2.10.939
Otto, Graf im Lahngau, bezeugt
912
NN, Gemahlin eines Grafen Burchard
oder Bardo in
Thüringen
wahrscheinlich NN, Gemahlin Graf
Werners vom Speyergau
(Eltern Herzog Konrads des
Roten von Lotharingien,
†
10.8.955 in der Lechfeldschlacht)
913
oo
KUNIGUNDE, Witwe des 907
gefallenen Markgrafen Liutpold
(von Bayern)
†
Vater:
wahrscheinlich der schwäbische
Pfalzgraf Berthold (†
nach
897)
Mutter: unbekannt (wohl
aus dem
elsässischen Geschlecht der ERCHANGARE)
Zu Kunigundes
Verwandten vgl. M. Borgolte, Die Grafen Alemanniens in merowingischer
und
karolingischer Zeit (1986) Seite 79-82, 105-111; ders., Die Geschichte
der Grafengewalt im Elsaß von Dagobert I. bis Otto den
Großen,
ZGO 131 (1983) Seite 25ff.
Geboren ist Kunigunde
etwas vor 878 (aus der Großjährigkeit ihres erstehelichen
Sohnes
Arnulf
907 erschließbar), gestorben ist sie an einem 7.2.
unbekannten Jahres
zwischen 915 und 936
Grabstätte: Kloster Lorsch
Die Ehe KONRADS
I. und
Kunigundes blieb kinderlos. Für die
gelegentlich geäußerte Vermutung, KONRAD
sei vor 913 schon einmal verheiratet gewesen, fehlen sichhaltige
Argumente.
Ab 906 ist KONRAD
in einer herzoglichen Stellung in Ost-Franken.
Um den 7.-10.11.911 wird KONRAD
in Forchheim zum König erhoben.
IV. 20.
----------
Die Vermutung von Brandenburg, Gisla
sei "† wohl jung", stützt sich nur darauf, daß
von ihr
keine
Nachrichten über die Leitung von Abteien, wie für ihre
Schwestern,
vorliegen. Ebensogut kann Gisla jedoch
vermählt gewesen sein. Um ein Beispiel möglicher
Nachkommenschaft
jener karolingischen Prinzessinnen,
von denen wir nur den Namen kennen, zu geben, sei auf die KAROLINGER-Namen
in der Nachkommenschaft des bairischen
LUITPOLDINGERS Luitpold
verwiesen:
(Vgl. die Übersicht bei K. Reindel, Die bayerischen Luitpoldinger
893-989, 1953, p. VIII) Luitpolds
Sohn heißt Arnulf;
von den Kindern dieses bairischen Herzogs tragen Arnulf, Ludwig
(!) und Judith Namen karolingischer
Prinzen
und Prinzessinnen; in der
folgenden Generation begegnet der Name Gisla.
Diese Namengebung war ohne karolingische
Abkunft keinesfalls möglich! Hat Kunigund
und Luitpolds
Gattin,
so wird man sich fragen dürfen, die Schwester der in Alemannien
tätigen
Grafen
Erchanger und Berthold, die bis
dahin im Hause nicht vorkommenden KAROLINGER-Namen
eingebracht? (Sie wurde bekanntlich nach Luitpolds Tod Gemahlin
KONRADS
I., des späteren
Königs. Die Namen Judith
und
Gisla
weisen auf die seit der Verbindung mit den WELFEN
im KAROLINGER-Hause üblichen Frauennamen
hin. Die Gattin Ludwigs des Deutschen,
Hemma,
Schwester der Kaiserin Judith,
war
eine WELFIN und nannte wie Judith
eine ihrer Töchter
Gisla. Die
drei Namen Judith, Ludwig und Gisla könnten durchaus
einen Hinweis auf die Herkunft der Luitpold-Gattin
Kunigunde
darstellen. War sie KAROLINGERIN durch
die Mutter (die hier diskutierte Gislaoder
eine andere Prinzessin), dann waren auch Erchanger und Berthold
karolingischer Abkunft
durch die Mutter, ein bemerkenswertes
Faktum. Unsere Annahme scheitert nicht an dem Umstand, daß König
ARNULF in seinem D 138 (ed. Kehr, Urkk. d. dt. Karol., Bd. 3)
Luitpold
im Jahre 895 nepos noster nennt, denn die hier angedeutete
Vetternschaft
bezieht sich nicht etwa auf karolingische
Abkunft Luitpolds, sondern auf seine
Verwandtschaft mit der Mutter
König
ARNULFS, Liutswind.
Althoff Gerd: Seite 203
***********
"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer
Memorialüberlieferung"
Besonders bemerkenswert sind im liudolfingischen Gedenken aber wohl König KONRAD I. und seine Gemahlin Kunigunde, deren Berücksichtigung ein gewichtiges neues Indiz für den Ausgleich zwischen HEINRICH I. und KONRAD I. darstellt.
Dümmler Ernst: Band II
Seite
546,563,589,592
*************
"Geschichte des Ostfränkischen Reiches."
Graf
Liutbold, der
Anführer
des bairischen
Volkes in jenem Kampfe hatte von seiner Gemahlin Kunigunde
einen noch ziemlich jungen Sohn Arnulf
hinterlassen [Büdinger
(Österreichische Geschichte I, 232) schließt daraus,
daß
Arnolfs Mutter Kunigunde
(siehe
darüber weiter unten) sich 913 zum zweitenmale mit
KONRAD
vermählte, nicht mit Unrecht auf ein noch jugendliches Alter Arnolfs].
Liutpold
vereinte zwei Marken, die böhmische
auf dem Nordgau und Kärnten nebst eigenen Grafschaften in Baiern,
er war Burggraf zu Regensburg und seine Vermählung mit Kunigunde,
der Schwester der schwäbischen
Grafen Erchanger
und Berthold
diente gewiß ebenfalls dazu seinen Einfluß zu steigern.
In diese Zeit mag die Aussöhnung des
Königs
mit Erchanger fallen;
der zwischen ihnen geschlossene Vergleich
wurde daurch besiegelt, daß KONRAD
als Geisel und Unterpfand des Friedens die Schwester seines Gegners, Kunigunde
zur Gemahlin empfing. Da sie die Witwe des Grafen Liutbold, die
Mutter demnach des Herzogs Arnolf von Baiern war, so sollte
zugleich
dieser hierdurch noch enger an die Person des Herrschers gekettet
werden.
An demselben Orte (Kloster Lorsch)
bekräftigte KONRAD
am 18. Februar 915 diesem Stifte die Schenkung der Besitzung Gingen,
die
seine Gemahlin Kunigunde, mit
Rücksicht
auf ihre künftige Grabstätte daselbst gemacht hatte.
Holtzmann Robert: Seite 42,62
***************
"Geschichte der sächsischen Kaiserzeit"
Die Schwester der beiden, Kunigunde,
war
die Gemahlin Liudpolds,
die Mutter Arnulfs von Bayern.
Schon
das reizte Erchanger, in
Schwaben die gleiche Stellung zu gewinnen.
Es kam indes auch hier zu keinem kriegerischen
Eingreifen
KONRADS
sondern zu einer Verständigung, die sich nach außen darin
zeigte,
daß der König, der bisher unvermählt war, sich mit der
verwitweten Kunigunde, der Schwester
Erchangers und Berchtholds, verheiratete.
Diese Ehe mochte
zugleich das Verhältnis des Königs zum Bayern-Herzog
festigen,
denn Kunigunde
war die Mutter Arnulfs.
Faußner Hans Constantin:
*********************
"Kuno von Öhningen und seine Sippe in
ottonisch-salischer
Zeit"
Die Mutter: Königin-Witwe
Kunigunde
-----------------------------------------------
Kunos
Mutter Kunigunde
stammte aus einem der vornehmsten alemannischen Geschlechter:
Ihr Vater
war Pfalzgraf Berthold, ihre Brüder
Pfalzgraf Erchanger
und Berthold. In 1. Ehe war sie mit dem bayerischen Markgrafen
Liutpold († 907) verheiratet. Aus dieser
Ehe ging der nach ihrem Vater
genannte Berthold
hervor, der spätere Herzog von
Bayern (938-947).
Entgegen der allgemeinen Meinung war Kunigunde
jedoch nicht die Mutter des Bayern-Herzogs
Arnulf (908-937). Die
Quellen sprechen von Arnulf als
dem Sohn von Liutpold
und
die Annales Alamannici von Kunigunde als
der Witwe von Liutpold,
aber keine der zahlreichen Quellen zu Arnulf
spricht von ihm als Sohn von
Kunigunde.
Die von E. Dümmler gezogene und von der Forschung übernommene
Folgerung, "da sie die Witwe des Grafen
Liutpold, die Mutter
demnach
des Herzogs Arnulf, ist nicht schlüssig
und beruht darauf,
dass eine nur einmalige Verehelichung im Leben, wie sie im
bürgerlichen
19. Jahrhundert die Regel war, auch für das 9. mit dem 11.
Jahrhundert
als Norm unterstellt wird. Wie wir aber immer wieder feststellen, war
eine
dreimalige Verehelichung alles andere, nur keine Seltenheit. Eine
Tatsache
ist auch, dass der Name
Kunigunde unter
den Nachkommen Herzog Arnulfs nicht zu finden ist.
Auf eine frühere Ehe von Markgraf Liutpold
und die Mutter Herzog Arnulfs könnte D Arn. 168
(898/10/18)
einen gewissen Hinweis geben. Liutpold
überließ nach
dieser Urkunde dem kaiserlichen Vasallen Reginbod im Lobdengau, im
heutigen
Rhein-/Neckargebiet umfangreichen Besitz, den dieser bereits bisher in
beneficium besessen hatte. Da es sich um Reichsgut handelte und
Reginbold
den Besitz nunmehr perenni iure in proprietatem erhalten sollte,
bedurfte es der rechtlichen Zwischenschaltung des Königs, der wir
die Urkunden-Ausfertigung verdanken. Bei diesem Besitz im Gebiet der KONRADINER
könnte es sich um Besitzungen von Liutpolds Gemahlin
gehandelt haben.
Im Jahre 913 vermählte sich
Kunigunde mit König
KONRAD,
wie den Annales Alamannici zu diesem Jahr zu entnehmen ist: Erchanger
cum rege pacificattus est cuius sororem Liutpoldi relictam rex
quasi obsidem in matrimonium accepit. Der König
überließ
seiner Gemahlin das Königs-Kloster Lorsch, das diese zur Grablege
bestimmte.
Die Ehe überlebten keine Kinder und Weihnachten 918 war Kunigunde
zum
zweiten Mal Witwe. In 3. Ehe vermählte sie sich mit
Graf Heinrich,
dem BABENBERGER, wie im
folgenden aus dem Eintrag im Reichenauer
Verbrüderungsbuch, dem Vorkommen des Namens
Kunigunde
in
jeder Generation ihrer Nachkommenschaft aus dieser ihrer 3. Ehe und dem
Übergang ihres väterlichen Stammsitzes Marchtal auf ihren
Enkel
Hermann zu
erschließen ist.
Ihre Grablege fand Kunigunde
bestimmungsgemäß
im Kloster Lorsch, in ecclesia que dicitur Varia, dort, wo die
Könige
Ludwig
der Deutsche und sein Sohn Ludwig der
Jüngere ruhten. Das Totenbuch des Klosters vermerkt zu
Cunegundis
regine den 7. Februar, das Jahr
kennen wir nicht.
1. oo Liutpold Markgraf von
Bayern
† 4.7.907
913
2. oo KONRAD I. König des
Ostfränkischen Reiches
x
um 881 †
23.12.918
Kinder:
1. Ehe
Arnulf Herzog von Bayern
898 † 14.7.937
Berchthold Herzog von Bayern
um 900 † 23.12.947
Literatur:
-----------
Althoff Gerd: Die Ottonen.
Königsherrschaft
ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 34
-
Borgolte
Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer
Zeit.
Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 111-
Diwald
Helmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches,
Gustav
Lübbe Verlag Bergisch Gladbach 1994, Seite 120,261,263 - Dümmler
Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker
und
Humblot Berlin 1865 Band II Seite 546, 563,589,592 - Faußner,
Hans Constantin: Kuno von Öhningen und seine Sippe in
ottonisch-salischer
Zeit - Hlawitschka
Eduard: Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige,
Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk Band I
911-1137 Teil 1 und Teil 2 Hahnsche Buchhandlung Hannover 2006 Seite
3,26-32,37,122,178,182,187,190,192-196,254-256,276,289,295,561 - Hlawitschka,
Eduard:
Konradiner-Genealogie,
unstatthafte
Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische
Thronbesetzungspraxis.
Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung
Hannover 2003 Seite 16 - Holtzmann
Robert: Geschichte der sächsischen
Kaiserzeit.
Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 42,62 - Rappmann
Roland/Zettler Alfons: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft
und
ihr Totengedenken im frühen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen
1998 Seite 442 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie
formt
Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
1991
Seite 271 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter
Stefan/Hg.):
Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1997, Seite 12A - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche
Herrscher
in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria
Graz
Wien Köln 1990 Seite 103, 107 -
Schwennicke
Detlev:
Europäische
Stammtafeln
Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main
1998 Tafel 8 - Thiele,
Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I,
Teilband
1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Werner Karl
Ferdinand:
Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8.
Generation)
Band IV in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und
Nachleben.
Verlag L. Schwann Düsseldorf Seite 461 -
Wies, Ernst W.: Otto
der Große, Bechtle Esslingen 1989, Seite 34 -