LUITPOLDINGER
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 2206
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Luitpoldinger
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Herzogs-Geschlecht
Die LUITPOLDINGER gehörten zur fränkischen Reichsaristokratie und stiegen im Rahmen des Königsdienstes im ausgehenden 9. Jahrhundert zu einer der führenden Familien im Südosten des KAROLINGER-Reiches auf. Sie stehen in einem nicht genau aufzudeckenden Verwandtschaftsverhältnis zu den KAROLINGERN, mit deren Protektion sie 893 in die Positionen der WILHELMINER in Karantanien und Oberpannonien einrückten. Der namengebende Spitzenahn ist Markgraf Luitpold, der die Schwäche der letzten KAROLINGER zum Aufbau einer bedeutenden Machtposition nutzte. Grundlage seines Aufstiegs waren neben der Königsnähe beträchtlicher Eigenbesitz mit Schwerpunkt im Donauraum um Regensburg und der Erwerb der dortigen Grafschaften im Donau- und Nordgau. Entscheidend aber war die Sonderlage der Ungarn-Kriege, wodurch die Ausbildung starker Regionalgewalten gefördert wurde.
Sein Sohn und Nachfolger Arnulf bemühte sich von Anfang an um den weiteren Ausbau dieser Position. Dabei fand er die Unterstützung des heimischen Adels, der seinen alten Wahlrechten neue Geltung verschaffte. Durch die Mobilisierung aller Kräfte, wobei er auch vor der Inanspruchnahme des Kirchengutes nicht zurückschreckte, gelang es ihm 913, die Ungarn-Gefahr zumindest für sein Herzogtum zu bannen. Dieser Sieg festigte seine Position so sehr, daß er nun auch den Bemühungen der Könige KONRAD I. und HEINRICH I. um die Eingliederung Bayerns ins Reich Widerstand entgegensetzen konnte. Er kämpfte um die Eigenständigkeit seines Territoriums bis hin zur Erringung einer Königskrone, wurde aber nach wechselvollen Kämpfen von letzterem im Regensburger Vertrag von 921 zu einem Arrangement gezwungen, das ihm im Innern eine königgleiche Stellung zuerkannte, nach außen hin aber Zurückhaltung auferlegte.
Diese machtvolle Stellung wollte Arnulf seinem 935 designierten Sohn Eberhard weitergeben. Doch benutzte OTTO I. dessen Widerstand gegen den liudolfingischen Herrschaftsanspruch 938 zur Absetzung.
Er übergab das Herzogtum Berthold, dem Bruder Arnulfs. Die geplante Heirat Bertholds mit OTTOS Schwester Gerberga kam nicht zustande. Nach Bertholds Tod vertraute OTTO I. das Herzogtum Bayern seinem Bruder Heinrich an, der 936/937 mit Judith, der Tochter Arnulfs, verheiratet worden war. Dabei war die luitpoldingische Hauptlinie absichtlich übergangen worden, die sich nachhaltig in den liudolfingischen Aufstand (seit 953) einschaltete. Während dieser Kämpfe fiel Pfalzgraf Arnulf, Sohn Herzog Arnulfs, 954 vor Regensburg.
Dessen Sohn Berthold suchte sogar die Verbindung zu den Ungarn.
Da sich Herzogin Judith nicht an den Aufständen beteiligt hatte, betraute sie OTTO I. nach dem Tod ihres Gatten 955 mit der Vormundschaft über den unmündigen Heinrich II.
Volljährig geworden, erhob sich dieser jedoch gegen das ottonische Königtum, und OTTO II. benutzte seinen Sieg 976 zur scharfen Abrechnung mit den
LUITPOLDINGERN, deren Position durch eine Reihe von wirkungsvollen Maßnahmen sehr beschnitten wurde.
Herzog Heinrich »der Zänker« wurde seines Amtes enthoben, das 983 Heinrich III. aus der 947 übergangenen Linie Herzog Bertholds übertragen wurde.
Erst 985 erhielt Heinrich II. das Herzogtum wieder zurück. Heinrich III. wurde mit dem seit 976 geschaffenen Herzogtum Kärnten entschädigt, dem auch die seit 952 von Bayern aus verwalteten Marken in Italien zugeschlagen wurden. Mit ihm starb 989 der letzte nachzuweisende männliche
LUITPOLDINGER. Inwieweit genealogische Verbindungen von den LUITPOLDINGER zum bayerischen Adel des Hoch-Mittelalters (vor allem den WITTELSBACHERN) führen, bedarf noch der Klärung.
A. Schmid

Literatur:
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NDB XV, 508f.
Spindler I, 19882, 277-302
K. Reindel, Die bayer. L. 893-989, 1953
K. Bosl, Das jüngere bayer. Stammeshzm. der L., ZBLG 18, 1955, 144-172
H. Stingl, Die Entstehung der dt. Stammeshzm.er am Anfang des 10. Jh., 1974
H.-W. Goetz, Dux und ducatus, 1977.


Bayerisches Adels-Geschlecht, das im Freisinger Raum seit dem Anfang des 9. Jahrhunderts stark begütert war und verwandtschaftliche Beziehungen zu den WELFEN und KAROLINGERN unterhielt.
Die möglichen Ahnherren waren Liutpald, Poapo und Heriold.

www.wikipedia.de
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LUITPOLDINGER
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Das frühmittelalterliche Geschlecht der LUITPOLDINGER stieg in der letzten Phase des ostfränkischen KAROLINGER-Reiches zu einer der führenden Familien der fränkischen Reichsaristokratie auf und erreichte im 10. Jahrhundert zeitweise eine königsgleiche Stellung im Stammesherzogtum Bayern. Die Nachkommen des ersten Herzogs, Arnulf, wurden auch als ARNULFINGER bezeichnet [1 Der Große Brockhaus, 15. Auflage Leipzig 1928 ff., Band 1, Seite 703 sowie Brockhaus Konversationslexikon, 14. Auflage, Leipzig-Berlin-Wien 1894 ff., Band 1, Seite 924f. ].

Anfänge bis Markgraf Luitpold:
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Ein eventuelles Verwandtschaftsverhältnis zu den KAROLINGERN und den HUOSI ist in der Forschung umstritten. Verschiedene Theorien hierzu sehen sie weitschichtig mit der Mutter Kaiser ARNULFS VON KÄRNTEN, Liutswinde, verwandt. Hinweise auf eventuelle Ahnen des ersten gesicherten LUITPOLDINGERS, des Markgrafen Luitpold, geben verschiedene Quellen des Freisinger Bistums. 807 tritt erstmals ein Graf Liutpald in Erscheinung, dessen Grafschaft an der unteren Amper gelegen war. Ob dieser Liutpald bereits zum fränkischen Hochadel gehörte, ist nicht sicher. Vermutlich erhielt er seine Grafschaft erst durch die Einheirat in eine in der Freisinger Gegend ansässige, wichtige Familie. 842 wird von diesem Liutpald (I.) das letzte Mal berichtet. In der Generation nach ihm treten unter anderem Liutpald (II.) und Heriolt, vermutete Söhne Liutpalds I., auf. In der rekonstruierten Ahnenreihe wäre dann der unbekannte Sohn Liutpalds II. (in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts ist nichts über das Geschlecht überliefert) der Vater Markgraf Luitpolds, des Namensgebers des Geschlechts.

Gesichert ist, dass Luitpold 893 von Kaiser ARNULF als Markgraf in Karantanien und Ober-Pannonien (Gebiete im heutigen Österreich und Ungarn) eingesetzt wurde und damit die Nachfolge der WILHELMINER antrat. Um 895 erwarb Luitpold die Grafschaften Donaugau und Nordgau um Regensburg und baute damit seine führende Stellung im Südosten des Reiches aus. Von den karolingischen Kaisern wurde er mit Aufgaben in Mähren und der Abwehr der Ungarn-Gefahr betraut, bei der er in der Schlacht von Pressburg 907 ums Leben kam.

Luitpolds Bruder Heriolt und dessen Sohn Albrih waren Vögte der Abtei Niederaltaich.

Bayerisches Sonderkönigtum unter Arnulf:
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Sein Sohn Arnulf der Böse konnte auf die Grundlagen der Macht, die Luitpold gelegt hatte, aufbauen und nahm bald den Herzogstitel an. Dabei konnte er auf die Unterstützung des bayerischen Adels setzen, der hoffte, dadurch seine Stellung verbessern zu können. Nach einer Reorganisation des Heeres, zu der er auch Kirchengüter einzog und an seine Lehnsvasallen vergab, konnte er die Ungarn bis 913 zurückdrängen und erreichte von ihnen die vertragliche Zusicherung, in Bayern nicht mehr einzufallen.
Auf Reichsebene verfolgte Arnulf eine Politik der Eigenständigkeit in inneren Angelegenheiten und nach außen gegenüber den deutschen Königen KONRAD I. und HEINRICH I. Zwar beteiligte sich Arnulf an der Wahl KONRADS. Ein Eingreifen Arnulfs zugunsten seiner verwandten Herzöge von Schwaben gegen KONRAD führte zu einem längeren Konflikt, in dessen Verlauf Arnulf zeitweise zu den Ungarn floh, sich allerdings behaupten konnte. In der Forschung ist bisher nicht geklärt, ob Arnulf sich nach dem Tod KONRADS zum Gegen-König ausrufen ließ, oder ein bayerisches Sonderkönigtum anstrebte. Im Vertrag von Regensburg 921 erkannte Arnulf jedoch nach Kämpfen mit HEINRICH dessen Oberhoheit an. HEINRICH billigte im Gegenzug Arnulfs eigenständige Herrschaft, zu der die Ernennung von Bischöfen, Einberufung von Synoden und Ausübung eigentlicher Regalien (Münzprägung, Zölle) gehörten. Außenpolitisch unterwarf er Böhmen und versuchte in einem (allerdings gescheiterten) Italienzug 933/934 die Langobarden-Krone für seinen Sohn Eberhard zu erlangen, nachdem der langobardische Hochadel ihm diese angeboten hatte. Eberhard wurde von Arnulf 935 mit Zustimmung des Adels zu seinem Nachfolger designiert und wurde 937 Herzog.

Abstieg und Ende der Luitpoldinger:
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König OTTO DER GROSSE setzte Eberhard jedoch schon 938 nach zwei Feldzügen im Frühjahr und Herbst wegen dessen Widerstand gegen ihn ab. Zum Konflikt kam es wahrscheinlich, weil Otto die Politik der Akzeptanz der bayerischen Rechte seines Vaters Heinrich nicht fortsetzte. OTTO ernannte den jüngeren Bruder Arnulfs, Berthold, zum Herzog von Bayern, nachdem dieser auf die Ausübung des wichtigen Rechts der Bischofsernennung und vielleicht auch auf die Verwaltung des Reichsgutes in Bayern verzichtet hatte. Bertholds Politik war reichs- und königstreu. 943 besiegte er die Ungarn bei Wels und wehrte damit die Ungarn-Einfälle auf einige Zeit ab.

Nach Bertholds Tod wurde nicht sein Sohn, Heinrich (III.), mit dem Herzogtum belehnt, sondern Heinrich, OTTOS Bruder, der 937 Judith, eine Tochter Arnulfs, geheiratet hatte. Den übergangenen Luitpoldinger blieb lediglich das Pfalzgrafenamt, und Arnulf (II.), ein weiterer Sohn von Herzog Arnulf, sein Sohn Berthold, sowie sein Vetter Herold, der Erzbischof von Salzburg, beteiligten sich 953 am liudolfingischen Aufstand. Arnulf fand in einer Schlacht bei Regensburg im Juli 954 den Tod, sein Sohn versuchte vergeblich, sich mit den Ungarn zu verbünden. Herold wurde in der Schlacht bei Mühldorf 955 gefangen genommen und abgesetzt.

983 konnte mit Heinrich III. noch einmal ein LUITPOLDINGER auf den bayerischen Herzogsthron zurückkehren. Allerdings musste er 985 bereits Heinrich dem Zänker weichen, der sich mit OTTO wieder ausgesöhnt hatte. Heinrich III. wurde dafür mit dem Herzogtum Kärnten entschädigt, dem auch die seit 952 von Bayern aus verwalteten Marken in Italien zugeschlagen wurden. Mit seinem Tod 989 endet die nachweisbare männliche Linie der LUITPOLDINGER.

Eine verwandtschaftliche Verbindung zu den WITTELSBACHERN, wie sie im Großen Brockhaus behauptet wird [2 Großer Brockhaus, 15. Aufl., 1928, 1. Band, Seite 702, wo das „höchstwahrscheinlich“ der 14. Auflage (Seite 925) nicht mehr aufscheint.], ist nicht bewiesen, aber auch nicht auszuschließen. Die Theorien, die eine solche Verbindung in Erwägung ziehen, gehen davon aus, dass der spätere Graf von Scheyern und Ahnherr der WITTELSBACHER, Otto, ein direkter Nachkomme von Berthold, dem jüngsten Sohn Herzog Arnulfs, sei.

Literatur:
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Mitterauer Michael: Seite 227f.,228, 237,241,245
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"Karolingische Markgrafen im Südosten."

Einen schwachen Hinweis auf die Ahnen Markgraf Luitpolds erhalten wir aus einer Freisinger Traditionsnotiz. Zwischen 19. Juli und 6. November 827 werden verschiedene Besitzanteile in Alershausen, einem Ort am Zusammenfluß von Amper und Glon, an das Hochstift Freising übergeben [1 Bitterauf 547a-g.]. Als Schenker treten auf:
der Edle Piligrim und sein Sohn Reginperht, Piligrims Schwester Erchanfrit, weiter ein Hartnid, ein Luitpald und schließlich die beiden Edlen Paopo und Heriolt.
Wiederholt wird betont, daß die genannten Personen miteinander verwandt seien. Der Besitz geht also auf gemeinsame Vorfahren zurück. Das Zusammentreffen der Namen Liutpald und Heriolt - beide kehren in einer späteren Generation des Geschlechtes wieder - legt die Vermutung nahe, daß es sich hier um Ahnen des bayerischen Herzogs-Hauses handelt [2 Über Heroilt, den Bruder Markgraf Liutpolds vgl. unten 237.]. Die Erwähnung der verschiedenen Teilerben ermöglicht es nun den Verwandtenkreis dieser frühen LIUTPOLDINGER zu erschließen.
Die Freisinger Urkunde aus der Zeit der großen Schenkung von Allershausen nennen drei verschiedene Liutpalde. 807 tritt erstmalig ein Graf Liutpald auf [3 Bitterauf 251a.]. Sein Verwaltungsbezirk war die Grafschaft an der unteren Amper [4 Bitterauf 235,236,250,251a, 293,298,314,320,323,327,339,357,373a,377,381,386a,390,396,397a,401ac,402,405,429,434c,455,461,463,466,475,483,484,490,507,515,538a,539,547a,575, 579,585a,598,603,609,626a,653.]. 842 erscheint er zum letzten Mal. Schon 806/08 wird mit ihm zusammen ein zweiter Liutpald genannt [5 Liutpald comes Adalhart Liutpald Puopo (Bitterauf 236).]. 817 steht jeweils einer an fünfter und sechster Stelle einer Zeugenreihe [6 Bitterauf 383.]. Da wohl keiner der beiden Grafen identisch ist, haben wir es hier mit dem dritten Adeligen dieses Namens aus dem Freisinger Gebiet zu tun. Die zwei letzteren erscheinen auch 818 gemeinsam in Allershausen [7 Bitterauf 401b.]. Am gleichen Ort treten 822 alle drei zusammen auf [8 Bitterauf 475.]. Der Mit-Erbe Piligrims in Allershausen von 827 wird nicht Graf genannt. Er dürfte mit jenem Liutpald identisch sein, der schon 806/08 vor einem Puopo auftritt [5 Liutpald comes Adalhart Liutpald Puopo (Bitterauf 236).]. 841 erscheint er zusammen mit seiner Gattin Ilisana [9 Bitterauf 638.]. 846 verschwindet er aus den Zeugenreihen. Der dritte Liutpald ist sehr schwer zu fassen. Bloß zwischen 817 und 822 ist er sicher nachzuweisen. Daß alle drei Träger des Namens derselben Familie angehörten, geht daraus hervor, daß sie wiederholt nebeneinander oder nur durch wenige Personen voneinander getrennt in den Zeugenreihen auftreten. Liutpald II. und III. waren beide offensichtlich bedeutend jünger als der Graf [10 822 ist der zweite Zeuge nach Graf Liutpald ein Crimperht (Bitterauf 475); dessen Söhne Wetti und Kebolf (Bitterauf 538) werden 827 in einer Reihe mit Liutpald II. genannt (Bitterauf 547c.).]. Sie sind eine Generation später als er anzusetzen. Da dieser ebenso wie der Gatte der Ilisana Beziehungen zu den Leuten von Allershausen hat, darf man in ihm wohl dessen Vater sehen. Liutpald III. dürfte ein Seitenverwandter gewesen sein. Ob Liutpald II. seinem Vater in der Grafschaft an der unteren Amper nachfolgte, wissen wir nicht. Möglicherweise ist aber mit den späteren Nennungen des Liutpald comes bereits der Sohn gemeint.
Um die Mite des neunten Jahrhunderts verschwindet die Familie aus den Urkunden. Erst fünfzig Jahre später tritt sie mit Markgraf Liutpold neuerlich hervor. Im Vergleich zu Liutpolds Machtstellung erlangte sein Bruder Heriolt wenig Bedeutung. Wir wissen von ihm aus einer Salzburger Urkunde, in der er als Vaters-Bruder Herzog Arnulfs genannt wird [88 Hauthaler 1, 80/13.]. Die Erwähnung findet sich in der Notiz über ein Tauschgeschäft seines Sohnes Graf Albrih mit Erzbischof Odalbert. Genauso wie Albrih war auch Heriolt Vogt der Abtei Niederaltaich [89 Tempore Liutpoldi ducis ...Herigolt fuit ecclesie advocatus. Tempore Arnoldi ducis ... Raffoldus fuit eccesie advocatus. Tempore ...Perhtoldi fuit Albricus advocatus. De advocatis Altahensibus, MGSS 17, 373.]. Zwischen ihnen übte Raffolt diese Funktion aus. Es dürfte sich bei ihm um einen Angehörigen des WITAGOWO-Geschlechtes handeln [90 Vgl. oben Seite 150.]. Zusammenhänge dieser Familie mit den LIUTPOLDINGERN sind bereits dadurch gegeben, daß beide zu den von Kaiser ARNULF besonders begünstigten Geschlechtern gehörten. Für eine Präzisierung des möglichen Verwandtschaftsverhältnisses reichen die vorhandenen Quellen nicht aus [91 Vgl. auch das Zeugenpaar Witagowo Alprih in einer Regensburger Urkunde von 901 (Widemann 190).]. 

Auf Heriolt Sohn Albrih beziehen sich vielleicht auch die zahlreichen Erwähnungen des Namens in Regensburger Urkunden der Jahre 874 bis 894, die seinen Namen neben dem eines Perehtold nennen [92 Widemann 87,118,126,161,163,166.]. Dieser Perehtold könnte Graf Albrihs Vetter, der jüngere Sohn Markgraf Liutpolds, gewesen sein. In den Freisinger Traditionen derselben Zeit wird ein Alprih Cotaperht und seinen Sohn Haduperht getroffen haben [93 Bitterauf 929, vgl. dazu oben Seite 229.].
Es muß daher auffallen, wenn man schon 928 unter den Söhnen des Kärntner Edlen Weriant einem Perthold begegnen. Er wird zusammen mit seinen Geschwistern Pernhart, Hildegard und Vouza und seiner Mutter Adalaswint bei einem Tausch seines Vaters erwähnt, bei dem dieser für Güter zu Haus im Ennstal den Hof Friesach erhält [101 Hausthaler, 118/57.]. Wenn in derselben Urkunde berichtet wird, daß der Besitz in Haus von den Herzögen Arnulf und Berthold stammt, dann ist der Grund der Namengebung sofort klar. Weriant hatte verwandtschaftliche Beziehungen zum Herzogs-Haus [102 Vgl. dazu O. Mitis, a.a.O. 273, Anm. 75.], wahrscheinlich durch seine Gattin Adalaswint, die eine Tochter Markgraf Liutpolds gewesen sein könnte. Der Name Pernhart unter Weriants Söhnen, dem wir schon bei den jüngeren WILHELMINERN sowie in der Familie Erzbischof Odalberts begegnet sind weist in dieselbe Richtung.
Aus dem Codex Odalberti erfahren wir zwar einiges über die Familienverhältnisse der LIUTPOLDINGER zu Anfang des zehnten Jahrhunderts, die Ergebnisse für die Generation Markgraf Liutpolds und die vorangegangenen Sippenschichten sind jedoch recht spärlich. Hier hilft eine Eintragung weiter, die sich im St. Gallener Verbrüderungsbuch findet. Sie lautet: Liutpold Erchanger Peractolt Arnolf Peractolt Chunigund Liutkart Ruodun Ruodolf Erchanger Adalhart Kerbirich Chunigund Irmingart Rickart Hiltigart Chunigund Kerbirich Perecta Egilolf Engildeo Zundibold Peractolt Kerbirich Peractolt Perenhart Ratolt Lantolt Perecgart Peresint Reginlint Osterhilt [103 Reichenau 306.]. Unter den genannten Personen sind auf den ersten Blick zahlreiche LUITPOLDINGER und Angehörige verwandter Familien zu erkennen. An der Spitze steht offensichtlich Markgraf Liutpold selbst. Es folgen seine alemannischen Schwäger und seine beiden Söhne, die späteren bayerischen Herzöge. Der dritte Peractolt ist wohl Liutpolds Schwieger-Vater, der Vater der hinter ihm genannten Chunigund. Bei den folgenden Personen ist es schon bedeutend schwieriger, sie mit Personen aus dem Verwandtenkreis des bayerischen Herzogs-Hauses zu identifizieren. Mitis vermutete daher, daß nach Chunigund eine neue Gruppe begänne, die nur zufällig an die liutpoldingische angefügt worden sei [104 O. Mitis, a.a.O., 258 Anm. 4.]. Er übersah dabei jedoch, daß sich verschiedene Namen in der Reihe wiederholen. Wir finden fünf Peractolt, vier Kerbirich, drei Chunigund und zwei Erchanger. Hier kann kaum mehr von Zufalle die Rede sein. Darüberhinaus lassen sich an anderen Stellen der Verbrüderungsbücher Beziehungen der LUITPOLDINGER zu vielen in der Reihe genannten Personen erweisen [105
Aus der großen Zahl solcher Erwähnungen kann hier nur eine Auswahl gebracht werden. Zwei große Eintragungen, die offensichtlich dem gleichen Personenkreis angehören, sind:
Heriolt
laic Adalheit Heriman laic Kerbirc Kertrut Berchthilt Hartmann laic Ruodpreht laic Odalrich laic Beretholt laic Liufret laic Hiltrut cler Adalbreht cler Purchart laic ... (Reichenau 659/660) und ... Herolt Adalburc Erchenker Heriman Hardman Perchthold Herolt Adalbreht Liutfret Kerburc Berethilt Kerhilt Hiltdruth Judinta Adalburc Berehtold Kerbirc Odalric Hardman (Reichenau 513).
Für Kerbirg sind weiter von Bedeutung: Kerbirc Pernhart Adalhart (St. Gallen 307), Liutkart Kerbirg (Reichenau 619), Kerbirg Perichta (Reichenau 644), Ruodperth Kerbirc Hug (Reichenau 671), und Ruadpreht Kerbirg Bernhart (St. Gallen 341).
Für Chunigund verzeichne ich vor allem:
Chunigund Liutgart (Reichenau 44), Chunigunt Liutgart (Reichenau 656), Chunigunt Perecta (St. Gallen 166) und Waldram Chunigund (Reichenau 392).
]. Unter diesen ist vor allem eine Eintragung von Bedeutung, die wir kurz vor der oben angeführten im St. Galler Verbrüderungsbuch finden. Sie enthält die Namen:
Ruodolf Erchanger Herolt Hug Waldram Ruoda Chunigund Perchta Kerbirg Ruodpret Erchnager ... In Anbetracht dieser zwei korrespondierenden Eintragungen ist es so gut wie sicher, daß wir es in der einen Reihe bis zum zweiten Erchanger, in der anderen mindestens bis zu Perenhart mit Verwandten Markgraf Liutpolds zu tun haben.
Aus dem ganzen neu erschlossenen Personenkreis können wir vor allem eine Personengruppe näher bestimmen. Das Paar Ruodun Ruodolf tritt mehrmals unter Leuten auf, die wir eindeutig als WELFEN identifizieren können [106
Von den folgenden Namen soll nur bei vier der Versuch gemacht werden, sie mit bekannten Personen gleichzusetzen. Im zweiten Erchanger sehe ich Chunigunds Großvater mütterlicherseits, den langjährigen Grafen des Breisgaus, in Rickart dessen Tochter, die Gattin Kaiser KARLS III., oder eine gleichnamige Angehörige der ERCHANGER-Familie, und im Paar Preactolt Perenhart die beiden Söhne von Markgraf Liutpolds mutmaßlicher Tochter Adalaswint.].
Es handelt sich hier um die Familie des 866 verstorbenen Grafen Rudolf von Ponthieu, als dessen Gattin G. Tellenbach aus Nachrichten des westfränkischen Klosters St. Riquier in Centula die in der Verbrüderungsreihe genannte Ruodun erschlossen hat [107
G. Tellenbach, Exkurs über die ältesten Welfen im West- und Ostfrankenreich. Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte 4 (1957), Seite 335ff.]. M. Chaume vermutet, daß die Gemahlin Graf Rudolfs eine Tochter König Pippins IV. von Italien gewesen sei, eine zwar ziemlich gewagte Hypothese, die jedoch recht interessante Perspektiven eröffnet [108 M. Chaume, Les origines du duche de Bourgogne 1, Dijon 1925, Anhang, Tafel 13. Dazu verzeichne ich in den Verbrüderungsbüchern die selbständige Gruppe
Eberhart Pippi Pernhart (Reichenau 443) und Notiz Ruodolfh Pipinus (Pfäfers 8).].
Es ist gewiß eine auffallende Tatsache, daß wir zweimal in engstem Zusammenhang mit der Familie Markgraf Liutpolds das Stammpaar der burgundischen WELFEN genannt finden. Graf Rudolf war durch seine Schwestern Judith und Hemma ein Schwager Kaiser LUDWIGS DES FROMMEN und König Ludwigs des Deutschen. Wenn die Vermutung Chaumes richtig ist, dann hatte er auch durch seine Gattin Verwandtschafts-Beziehungen zu den KAROLINGERN. Dazu paßt es nun ganz ausgezeichnet, daß wir in der Sippe Markgraf Liutpolds zahlreiche karolingische und welfische Namen finden. Liutpolds ältester Sohn heißt Arnulf, sein Enkel Ludwig [109
Ein Sohn Herzog Arnulfs.], eine Enkelin [110 Eine Tochter Herzog Arnulfs, Gattin Herzog Heinrichs I.], und eine Ur-Enklein Judith [111 Eine Tochter Markgraf Liutpolds I.], eine weitere Enkelin Hildegard [112 Eine Tochter Weriants und Adalaswints.], eine Verwandte trägt den Namen Hemma [113 Vgl. dazu die Eintragung Herolt Hemma Albrith Ruodperth (Reichenau 49), darüber oben Seite 185.], ebenso ein von Liutpolds Ur-Enkelinnen [114 Eine Tochter Markgraf Liutpolds I., vgl. dazu K. Lechner, Die Babenberger und Österreich, Wien 1947, Stammtafel.]. Unter seinen Enkeln sowie unter den Nachkommen seiner Geschwister begegnen wir dem Namen Pernhard [115 Ein Sohn Adalaswints und Weriants, ein Sohn Rihnis und ein Sohn des WILHELMINERS Willihelm.], den auch ein Sohn König Pippins IV. trug. Diese Parallelen erlauben es aus den St. Gallener Gedenkreihen den Schluß zu ziehen, daß die LIUTPOLDINGER Nachkommen der WELFEN, vielleicht sogar der KAROLINGER gewesen sind. Gewiß ist nur an Abstammung in weiblicher Linie zu denken. Als Vermittlerin der Verwandtschaft kommt in erster Linie die Mutter Markgraf Liutpolds in Frage die wahrscheinlich eine Tochter Graf Rudolfs von Ponthieu und der Ruodun war. Die Nachricht, Herzog Arnulf wäre de progenie imperatorum et regum ... ortus, unterstützt diese Kombination [116 MG SS 17, 570.].
Aus diesen welfischen Beziehungen der LUITPOLDINGER wird es auch klar, wieso Kaiser ARNULF und König Ludwig das Kind Markgraf Liutpold als ihren nepos oder propinquus bezeichnen konnten [117
Mon. hist. duc. Car. 3, 41-44/3-5.]. Liutpolds mußmaßlicher Großvater hatte ja Kaiser ARNULFS Großmutter Hemma zur Schwester. Falls Ruodun wirklich karolingischer Abstammung war, ergäbe sich zusätzlich eine entfernte Verwandtschaft über ARNULFS und Liutpolds Ur-Großväter. Bisher versuchte man den Zusammenhang der LUITPOLDINGER mit den KAROLINGERN dadurch zu erklären, daß man ARNULFS Mutter Liutswind, von der wir wissen, daß sie aus einem vornehmen bayerischen Geschlecht stammte, als Tante Markgraf Liutpolds betrachtete [118 F. Tyroller, Die Ahnen der Wittelsbacher, Beilage z. J. Ber. d. Wittelsbacher-Gymn. 1950/51, Seite 3.]. Allerdings läßt sich für dieses These nur ein einziges, nicht allzu beweiskräftiges Argument beibringen, nämlich die Übereinstimmung der ersten Namenssilbe zwischen Liutswind und Liutpold. Im Vergleich dazu sind die Beziehungen zu den KAROLINGERN über die WELFEN bedeutend klarer faßbar.
Wenn wir die verwandtschaftlichen Bindungen zwischen KAROLINGERN, WELFEN und LUITPOLDINGERN betrachten, scheint es verwunderlich, daß auf die letzeren kein einziger der führenden männlichen Vornamen der beiden anderen Geschlechter übertragen wurde. Den Namen Arnulf erhielten bei den KAROLINGERN immer nur uneheliche Nachklommen. Ähnlich war es bei Bernhard. Erst nach dem Aussterben der ostfränkischen KAROLINGER nannte Herzog Arnulf seinen Sohn Ludwig. Namen wie Karl, Pippin, Karlmann, Lothar und Ludwig blieben dem Kaiser-Haus vorbehalten. Für die verwandten Familien kamen nur solche in Frage, die die KAROLINGER ihren jüngeren oder illegitimen Söhnen gaben. Auch die WELFEN dürften als eines der mächtigsten Geschlechter nach dem Kaiser-Haus in dieser Hinsicht recht exklusiv gewesen sein. Ganz anderen Gesetzmäßigkeiten unterlag die Vererbung der weiblichen Vornamen. Wir finden nämlich im Verwandtenkreis der LUITPOLDINGER mehrere Namen von Königinnen, wie zum Beispiel Judith, Hemma und Hildegard [119
Auch der Name der in der St. Gallener Reihe 306 genannten Perecta könnte auf eine karolingische Königin zurückgehen (Gattin Pippins II.)]. Das Fehlen der führenden männlichen Leitnamen der KAROLINGER bei den LUITPOLDINGERN aber kann keineswegs als ein Argument gegen die Verwandtschaft der beiden Geschlechter bedeuten [120 Eine schöne Parallele zu dieser Erscheinung findet sich bei den Grafen von Flandern. Auch sie übernahmen als einzigen männlichen Vornamen von den KAROLINGERN Arnulf. Eine Tochter hingegen wurde nach ihrer Ahnin, der Kaiserin Irmintrud, benannt (vgl. dazu W.K. Prinz von Isenburg, Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten 2, 1936, Tafel 9.)].
Die Beziehungen der LUITPOLDINGER zu Schwaben, die durch die Verbindung mit den WELFEN aufgenommen worden waren, setzte Markgraf Liutpold durch seine Heirat mit der ALAHOLFINGERIN Kunigund fort. Dieser große schwäbische Verwandtenkreis wird in den beiden wichtigen St. Gallener Gedenkreihen ziemlich klar umrissen. Die genealogischen Zusammenhänge, die hier zutage treten, tragen viel zum Verständnis des raschen Aufstiegs bei, den das LUITPOLDINGER-Haus am Ende des neunten und Anfang des zehnten Jahrhunderts nahm.
Für die väterliche Abstammung Markgraf Liutpolds lassen sich auch aus den Verbrüderungsreihen keine Anhaltspunkte gewinnen. Die Spärlichkeit vor allem der bayerischen Quellen in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts stellt hier die Forschung vor unüberwindliche Hindernisse [121
Zwei Lösungsversuche, die jedoch beide nicht zu überzeugen vermögen, wären hier zu nennen: E. Kimpen, Zur Genealogie der bayrischen Herzoge 908-1070, Jahrbücher für frankische Landesgeschichte 13 (1953), 60, vermutet Liutpolds Vater in einem 896 erschlagenen rheinischen Grafen Alberich, F. Zimmermann, Der Ursprung der Babenberger und das Burgenland, Adler, Zeitschrift für Gen. und Her. 2, 18,216, macht Liutpold zum Sohn eines Grafen Berthold (vgl. dazu oben Seite 185.]. Über die Herkunft des Markgrafen läßt sich nur so viel sagen, daß er von jenem Grafen Liutpald abstammte, der seit 806 die Grafschaft um Freising verwaltete. Wahrscheinlich war ein Enkel von dessen mutmaßlichem Sohn Liutpald, den wir als Gatten der Ilisana kennengelernt haben [122 Vgl. oben Seite 228.].