Hlawitschka
Eduard: Seite 26-28,187
*****************
"Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige,
Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk"
II : Königin Kunigunde, Gemahlin
König Konrads I.
1: Königin Kunigunde
Eine Vorfrage:
War König KONRAD
I. bevor er 913 Kunigunde
heiratete, schon einmal verheiratet? Diese
Frage stellt sich, da KONRAD damals
schon an die 30 Jahre alt oder
darüber war, Ehen im Adel indessen während des Früh- und
Hochmittelalters zumeist schon in früheren Lebensjahren
geschlossen wurden. Aus zwei Nachrichten läßt sich eventuell
auf eine frühere Ehe KONRADS
I. schließen:
a) Bei Widukind von
Corvey, Rer. germ. Saxon. lib. I cap. 22, MGH SS
rer. Germ. Seite 35 heißt es, daß der Sachse Heinrich, der
spätere König HEINRICH I., 913 einen
Mordanschlag Erzbischof
Hattos von Mainz abwehrte
und Burchardum quoque et Bardonem, quorum
alter gener regis [sc. Cuonradi] erat, mit Krieg überzog. Dabei
ist freilich nicht sicher, ob gener mit
'Schwieger-Sohn' (was zu 913
eine bereits verheiratete Tochter KONRADS
I. voraussetzte) oder nicht
doch eher mit 'Schwager' wiederzugeben ist. War KONRAD I. aber ca.
880/85 geboren (vgl. I : Konrad I. nr.
1), ist für ihn jedenfalls
eine bereits 913 verheiratete Tochter und ein Schwieger-Sohn zwar nicht
unmöglich, jedoch nur schwer vorstellbar.
b) Nach der C(h)ronica
regnum Franc., MGH SS 3 Seite 214, war Kaiser
KONRADS II.
Ur-Großvater Konrad der
Rote, Herzog von Lothringen,
ex progenie Conradi regis praedicti. Das könnte
den Schluß
nahelegen, daß Konrads
des Roten Vater Wernher mit
einer Tochter
König KONRADS I. vermählt gewesen
ist. Sagt ja doch auch Ekkehard von St. Gallen, Casus S. Galli cap. 49,
MGH SS 2 Seite 104, ed. H. F. HAEFEELE Seite 110, daß Chuonradus rex virili prole carens gestorben
sei, was das Vorhandensein von weiblichen Nachkommen erwägbar sein
läßt. Und verlautet ja doch auch im Catal. reg. et imp.
(Cod. Monac.), MGHH SS 10 Seite 136, KONRAD sei als König post septem annos sine filiis defunctus,
was gleichfalls weibliche Nachkommen nicht unbedingt ausschließt.
- Aus KONRADS I. 913 mit Kunigunde geschlossener Ehe
könnte freilich eine Tochter kaum gestammt haben, da Wernhers Sohn Konrad der Rote seit 940 als
Graf auftritt (vgl. R. KÖPKE-E. DÜMMLER, Otto der Große
Seite 101 Anm. 5 und Seite 107 Anm. 6) und demnach doch wohl mindestens
bereits um 925 geboren sein muß, als eine Tochter aus einer 913
geschlossenen Ehe noch keinen Sohn haben konnte. Andererseits weist
aber der Name Konrad, der
seitdem bei den SALIERN
auftritt, auf eine Verbindung mit den KONRADINERN hin.
Eine erste Ehe KONRADS I.
vor der mit Kunigunde
halten daher für möglich F. STEIN, Konrad I. Seite 282f.; H.
BALDES, Die Salier Seite 37 Anm. 1; G. TELLENBACH, Vom karolingischen
Reichsadel Seite 35f. Anm. 42.
Da ex progenie zwar konkret
'aus der Nachkommenschaft' bedeutet, aber unter Umständen auch
'aus der Sippe' meinen könnte, ist freilich der Beleg aus der
C(h)ron. regum Frnc. nicht sehr tragfähig. Deshalb tritt E.
KIMPEN, Genealogie der bayrischen Herzöge Seite 79, dafür
ein, die progenies-Wendung
nicht zu eng zu nehmen und in Herzog
Konrad den Roten einen "Schwester-Sohn König KONRADS I." zu erblicken. Vor
allem wegen der Bezeugung Graf Wernhers ab 891 (vgl. H.
BALDES, a.a.O. Seite 26f.) - wobei zu beachten ist, daß König KONRAD I. selbst ca. 880/85
geboren ist - wird man sich für diesen Erklärungsweg der progenies-Stelle entscheiden
müssen. - So jetzt E. HLAWITSCHKA, Kuno und Richlind Seite 36f.,
40, ND Seite 457, 460; DERS., Konradiner-Genealogie Seite 16.
So ist eine erste Ehe KONRADS I.
mit einer unbekannten Dame NN zwar
nicht völlig auszuschließen, aber zumindest nicht sehr
wahrscheinlich.
Zur Eheschließung König KONRADS I. mit der Schwester Graf Erchangers im Jahre 913 vgl.
Ann. Alamannici ad 913, MGH SS 1 Seite 56, ed. W. LENDI Seite 190: Ipso anno Erchanger cum rege pacificatus est, cuius sororem, Liupoldi relictam, rex (= Chuonradus) quasi pacis obsidem in matrimonium accepit.
Indem KONRAD I. die Witwe
des 907 gegen die Ungarn gefallenen bayerischen Markgrafen Liutpold heiratete, wurde er
gleichzeitig Stief-Vater Herzog Arnulfs (des sogenannten Bösen). Daß Erchanger einen Bruder Berthold hatte und Herzog Arnulf von Bayern beider Neffe
war, geht auch aus den Ann. Sangall. maiores ad 913, MGH SS 1 Seite 77,
hervor:
Agareni Alamanniam intraverunt.
Erchanger et Perehtolt frater eius et Udalricus comes, auxiliante illis nepote eorum Arnolfo optimo duce Baioariorum, totum exercitum eorum iuxta Ine fluvium
penitus occiderunt; ad 916 Seite 78:
Erchanger et frater eius Perehtolt et Liufrid
capti et occisi sunt.
Der Name der Schwester Erchangers
und Berthold ergibt
sich aus MGH D K I 23 vom 7.VI.914:
propter ... interventum delicte coniugis nostre
Chunigune regine; auch D K I 25 vom 8.II.915:
dilecta nobilisque coniux nostra
Chunigund nuncupata una cum nostre auctoritatis manu
quendam proprietatis sue locum Ginga appellatum ... pro eterne remunerationis augmento nec non
et corporis eius sepultura ad monasterium quod est in loco Lauresham
dicto ... tradendo concessit.
Über die Geburtszeit Kunigundes
ist nichts Sichers bekannt. Lediglich aus der Tatsache, daß ihr
aus der Ehe mit Liutpold von
Bayern stammender Sohn Herzog
Arnulf (der sogenannte Böse) gleich nach dem Tode
seines Vaters (907) in der (zu einer späteren Herzogs-Herrschaft
hintendierenden) bayerischen Machtstellung nachfolgen konnte (vgl. E.
DÜMMLER, Geschichte des Ostfränkischen Reiches III²
Seite 549; K. REINDEL, Luitpoldinger Seite 71f., 76ff.; R. DEUTINGER,
Königswahl Seite 37ff.), also damals schon volljährig war,
läßt sich erschließen, daß Kunigunde (907/08) mindestens
30-jährig gewesen sein dürfte und somit vor 878 geboren zu
sein scheint; vgl. auch bei XII :
Kaiser Heinrich II. nr. 21.
Der 7. Februar als Kunigundes
Todestag ergibt sich aus den Kalendarium necrol. Laureshamense; ed. J.
F. BOEHMER, Fontes III Seite 145:
VII Id. Febr. Cunegundis reginae, haec dedit Gingen ex integro. Vgl.
dazu oben MGH D K I 25 mit der Angabe des gewünschten
Bestattungsortes Lorsch. - Das Todesjahr ist unbekannt. G. ALTHOFF,
Unbekannte Zeugnisse Seite 400, kann Kunigunde in einem zwischen 931
und 936 - wohl 932 - als Eintrag im St. Galler Verbrüderungsbuch
gefertigten Nekrologauszug als Verstorbene nachweisen; zuletzt dazu G.
ALTHOFF, Amicitiae und Pacta Seite 116f. Vgl. hierzu auch schon E.
DÜMMLER, Ostfränkisches Reich III² Seite 578,
592,594,616.
Daß Kunigunde in
ihrer Ehe mit Markgraf Liutpold nur den
späteren Herzog Berthold von Bayern (938-947)
zur Welt gebracht hätte und daß dessen Amtsvorgänger Herzog Arnulf (der sogenannte Böse, 907-937) zwar ein Sohn Liutpolds, nicht aber auch ein
Sohn Kunigundes gewesen
sei, behauptete 1981 H. C. FAUSSNER, Kuno von Öhningen Seite
43ff.; auch DERS., Königliches Designationsrecht Seite 7f.
Daß dies nicht zutrifft, zeigt E. HLAWITSCHKA; Beiträge zur
Genealogie der Burchardinger Seite 215ff. - Unhaltbar ist auch die
weitere These Faußners (ebd, Seite 37ff. bzw. Seite 7f. und
Tafeln Seite 67-72), daß Kunigunde
sich nach König KONRADS Tod mit einem Grafen Heinrich, einem BABENBERGER, wiederverheiratet
und noch 5 Kindern (darunter Kuno
von Öhningen = Herzog
Konrad von Schwaben) das
Leben geschenkt haben soll. Zur Widerlegung dieses Geschichtskonstrukts
vgl. E. HLAWITSCHKA, Königin Richeza Seite 471-494.
21 : Kunigunde als Mutter Herzog
Arnulfs ('des Bösen') von Bayern