Ludwig II. von Anjou                              Titular-König von Neapel
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5.10.1377-29.4.1417                               Graf der Provence
Toulon     Angers

Begraben: Angers, Kathedrale
 

Ältester Sohn des Königs Ludwigs I. von Anjou und der Maria von Blois, Tochter von Herzog Karl von Bretagne-Penthievre
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2192
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Ludwig II. von Anjou, Herzog von Anjou
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* 5. Oktober 1377, + 25. Mai 1417 (Testament: 27. Mai 1417)
                               Angers

Begraben: Angers, Kathedrale

Ältester Sohn von Ludwig I., Herzog von Anjou

Ludwig II. von Anjou, seit 1383 als Herzog von Kalabrien (offizielle Würde der Erbprinzen von Neapel-Sizilien) intituliert, folgte seinem Vater, unter der Vormundschaft der Mutter, Maria von Blois, nach. Er empfing am 2. Mai 1389 zu St. Denis von König Karl VI. von Frankreich die Ritterwürde; am 1. November 1389 wurde er von Papst Clemens VII., in Gegenwart Karls VI., in Avignon zum König von Sizilien gekrönt. 1390 besetzte er Neapel, das sein Gegenspieler Ladislaus von Anjou-Durazzo 1399 zurückeroberte. 1400 heiratete Ludwig II. von Anjou in Arles die Tochter König Johanns I. von Aragon, Violante (Yolande). Er stattete Papst Alexander V. 1409 den Besitz von Rom zurück; am 19. Mai 1411 schlug er Ladislaus bei Roccasecca, mußte aber dennoch sein Königreich wieder verlassen. In Frankreich war er Mitglied des königlichen Rates (Conseil); am 18. Dezember 1413 wurde die Verlobung seiner Tochter Maria mit Karl (VII.), Graf von Ponthieu, gefeiert. Im Januar 1412 suchte der Herzog von Burgund, Johann, das Bündnis mit Ludwig II. von Anjou, der im November 1413 wieder mit dem Burgunder brach. 1416 war Ludwig II. von Anjou das wichtigste Mitglied des königlichen Rates. Mit Savoyen führte er Krieg um den Besitz der Grafschaften Ventimiglia und Nizza.


Ludwig II. folgte 1384 dem Vater in allen Titeln und Ansprüchen, wurde 1404 Graf von Guise und Blois und Pair von Frankreich. Am 1.11.1389 vom Avignon-Papst Clemens VII. gekrönt, eroberte er sein Königreich Neapel, wurde aber 1399 von Ladislaus von Anjou vertrieben. Er griff danach in die blutigen französischen Bürgerkriege gegen Burgund ein und wurde 1410 Titular-König von Aragon. Nachdem ihn das Konzil von Pisa 1409 als König anerkannt hatte, kehrte er abermals nach Neapel zurück. Unterstützt von Papst Johannes XXIII. besiegte an der Spitze von 12.000 Reitern am 19.11.1412 bei Rocca Secca König Ladislaus. Ludwig nutzte den Sieg jedoch nicht aus und kehrte am 12.7.1412 nach Rom zurück, da er den König, der ein neues Heer gesammelt hatte, nicht anzugreifen wagte und Zwist im eigenen Lager herrschte. Im August kehrte er in die Provence zurück.

Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 34,37,438
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"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron."

Lange hatte der Titular-König von Neapel, Louis II. von Anjou, vergeblich versucht, tatsächliche Macht in Italien zu gewinnen. Nun schaut er sich in der desolaten Heimat um. Seine Frau Yolande, 1379 als Tochter des Königs von Aragon geboren, sollte mit ihrer Heirat die Aussöhnung zwischen den wegen des Streits um Neapel verfeindeten Häusern ANJOU und ARAGON bewirken. Seit sie alle persönlichen Erbasnsprüche aufgegeben hatte, stellte sie ihre nicht unbeträchtlichen Fähigkeiten in den Dienst des Hauses ANJOU. Eigentlich regierte sie es sogar, während Anjou selbst der Chimäre des Ruhms nachjagte.
Letzter Prinz von Geblüt ist damit Louis d'Anjou, der Titular-König von Neapel. Anjou ist mit Burgund verfeindet und bringt nun seinen Trumph ins Spiel: den dreizehnjährigen jüngsten Sohn des Königspaares, Charles, den seine kluge Frau Yolande vor drei Jahren mit beider Tochter Marie verlobt und den sie seither an ihrem Hof in Angers erzogen hat.
Die Gobelins wurden in der Zeit von 1375 bis 1380 angefertigt. Der Auftraggeber war Louis d'Anjou. Dargestellt ist die Offenbarung des Johannes. Es handelt sich um die größte je gewebte Folge von Bildteppichen. Die D'ANJOU betrachten diese Teppiche als eins ihrer wertvollsten Güter. Zur Hochzeit Louis' von Anjou mit Yolande von Aragon wurden sie in die Provence geschickt, um während der Trauung den Bischofssitz von Arles zu schmücken. Louis II. hinterließ die kostbaren Teppiche Yolande, die sie ihrem Sohn Rene vermachte.

Saller Martin: Seite 66,147,211,215,239,241
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"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."

Im Mai 1389 schäumt Karls VI. Vergnügungssucht volelnds über. Seine jungen Neffen, Ludwig und Karl von Anjou, sollen den Ritterschlag erhalten. Sie sind Söhne des 1384 in Bari verstorbenen Herzogs Ludwig I. von Neapel.
Der Burgunder und der Bruder des Königs versprechen, sich bei künftigen Streitfällen dem Spruch eines Schiedsgerichts zu unterwerfen, dem unter Vorsitz der Königin die Herzöge von Berry und von Bourbon angehören, sowie auch der junge Herzog Ludwig von Anjou, der König von Neapel ohne Thron.
Wertvolle Dienst als Vermittler leistete der Titular-König von Neapel, Herzog Ludwig von Anjou, der zwar Partei nahm für das Haus ORLEANS, sich aber nicht allzusehr engagierte. Er spielt eine Sonderrolle unter den verfeindeten Prinzen.
Herzog Johann von Burgund muß auch noch eine private Demütigung und Beleidigung hinnehmen. Herzog Ludwig von Anjou und dessen resolute Frau Yolande von Aragon schicken ihm seine Tochter Margarete zurück, die dem ANJOU-Erben Ludwig III. fest versprochen war und schon am Hof von Angers lebte. So herrscht nun auch Haß zwischen dem Burgunder und dem Haus ANJOU, das aus der Reserve austritt und voll Partei ergreift für die Sache der Armagnaken.
Es bahnen sich auch engere Beziehungen der königlichen Familie mit dem Haus ANJOU an, das zunehmend Einfluß gewinnt. In Italien wenig vom Glück begünstigt, nimmt der Titular-König von Neapel, Herzog Ludwig II. von Neapel, vermehrt Anteil am heimatlichen Geschehen, umsichtig unterstützt von seiner klugen Gemahlin Yoalnde von Aragon.
Nach dem Tod des Kronprinzen Ludwig und des Herzogs von Berry sitzt nur noch ein Prinz königlichen Geblütes im Kronrat: Herzog Ludwig von Anjou, der Titular-König von Neapel. Der neue, der burgundischen Partei verpflichtete Dauphin Johann, kann seinen Platz nicht einnehmen. So nutzen die mit Burgund verfeindeten ANJOUS die Gelegenheit, ihren Königssohn in das Pokerspiel um Einfluß und Macht zu bringen.
Doch da ändert sich abermals abrupt die politische Szene: Am 5. April 1417 stirbt unerwartet auch der umstrittene siebzehnjährige Thronerbe Johann. Eine eitrige Halsentzündung hat ihn aufs Krankenlager geworfen; und er erstickte dann in einem grausamen Todeskampf. Nun ist Isabeaus jüngster Sohn, der dreizehnjährige Karl, Dauphin. Herzogin Yolande erhält die Kunde von der Erhöhung ihres Schützlings in Angers. Sie hat ihren in Paris plötzlich erkrankten Mann begleitet, der sich in seine Residenz bringen ließ, wo sich seine Ärzte vergeblich um ihn bemühten. Am 30. April, 14 Tage nach dem Tod des Dauphin Johann, stirbt auch Ludwig II. von Anjou, der in Italien wenig vom Glück begünstigte Titular-König von Neapel.

Tuchmann Barbara: Seite 356,362,366,371,416
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"Der ferne Spiegel."

Mit einer Armee von 15.000 Mann, mit 300 Maultieren und einem gewaltigen Troß zog Anjou in die Lombardei. In Mailand machte der Herzog von Anjou ein ähnliches Heiratsgeschäft mit den VISCONTI wie sein Vater. Sein siebenjähriger Sohn Louis wurde mit Bernabos Tochter Lucia verlobt, und die Hilfsgelder der VISCONTI füllten Anjous Kriegskasse auf. Bernabo zahlte für die Aussicht, daß seine Tochter einmal Königin von Neapel würde, 50.000 Florins - eine Summe, die etwa mit dem jährlichen Einkommen von hundert bürgerlichen Familien vergleichbar ist -, hinzu kam eine zusätzliche Zahlung von Gian Galeazzo. Der Herzog von Anjou nutzte jede Gelegenheit, sich auf dem Weg zu seinem Königreich angemessen auszustatten.
Coucy trug die Vollmacht, die Heirat zwischen dem Sohn Anjous und der Tochter Bernabos in einer Ferntrauuung zu vollziehen.
Mit unverminderter Eroberungslust rief der Herzog von Anjou Papst Klemens VII. in seinem Letzten Willen auf, zu garantieren, daß Anjous Sohn Ludwig II. Thronfolger des Königreichs Neapel würde, und an König Karl VI. appellierte er, "das Schwert seiner unvergleichlichen Macht" zu erheben, um Königin Johanna zu rächen. Er ernannte Coucy zu seinem Vizekönig und befahl ihm, den Feldzug fortzusetzen.
Die Witwe des Herzogs von Anjou, die geborene Maria de Bretagne, eine Tochter des asketischen, aber rücksichtslosen Karl von Blois, kämpfte für ihren Sohn Ludwig II. mit der gleichen energischen Hartnäckigkeit, mit der ihre Eltern um das Herzogtum Bretagne gekämpft hatten - und mit demselben geringen Erfolg. In seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit Karl von Durazzo und dessen Sohn war Ludwig II. nicht erfolgreicher als sein Vater. Während Neapel an das Haus ARAGON ging und dann an die spanischen BOURBONEN, bestanden die ANGEVINER zwei Jahrhunderte lang mit dem ganzen unverdrossenen Starrsinn einer königlichen Familie, der die rechtmäßige Krone versagt wurde, auf ihren Anspruch.
Craon entging lange Zeit einem Prozeß, den die Herzogin von Anjou und ihr Sohn gegen ihn anstrengten, obwohl er schließlich verurteilt wurde, 100.000 Franken zurückzuzahlen.
In den Beratungen mit Klemens schlugen Karl VI. und seine Berater vor, den Weg nach Rom dadurch zu öffnen, daß man Ludwig von Orleans durch die Wiederbelebung jenes wolkigen Königreiches Adria im Norden und Ludwig II. von Anjou in dem ebenfalls unerreichten Königreich von Neapel un Sizilien im Süden an die Macht brächte. Zu diesem Zweck war Ludwig II. von seiner unermüdlichen Mutter nach Avignon begleitet worden, wo er feierlich zum König von Neapel und Sizilien (einschließlich Jerusalems) gekrönt wurde.
 
 
 
 

2.12.1400
   oo Jolanthe (Violante) von Aragon, Tochter des Königs Johann I.
       1380-14.12.1443
 
 
 
 

Kinder:

  Ludwig III.
  25.9.1403-12.11.1434

  Maria
  14.10.1404-29.11.1463

 2.6.1422
   oo Karl VII. König von Frankreich
      27.2.1403-22.7.1461

   Rene I.
  10.1.1408-10.7.1480

  Jolanthe
  13.8.1412-17.7.1440

  1431
   oo Franz I. Herzog der Bretagne
       11.5.1414-17.7.1450

  Karl I. Herzog von Maine
  14.10.1414-10.4.1472
 
 

Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 70,104 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 297 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 321,324,337 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 207,254 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 34,37,438,455 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979 Seite 66,147,172,180,211,215,234,239,241 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 366,371,416,468,470 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 192,197 -


Veldtrup Dieter:
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“
 

LUDWIG II. HERZOG VON ANJOU, TITULAR-KÖNIG VON NEAPEL
* 5.10.1377, + 29.4.1417
Toulon          Angers

Sohn von Herzog Ludwig I. und der Maria von Chatillon-Blois
 

1.) - ... 1382

        Lucia VISCONTI VON MAILAND
          * ca. 1375, + 14.4.1424
                            England
 

2.) - ... 14.7.1385-1386

         Valentina VISCONTI VON MAILAND
         * 1370 + 4.12.1408

Tochter von Gian Galeazzo und seiner 1. Frau Isabella von Frankreich
 

3.) oo 2.12.1400

         Jolanthe von ARAGON
        * 1380, + 14.12.1443
 

Tochter von König Johann I. und seiner 1. Frau Marta von Armagnac



 
 
 
 
 
 


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