Jolanthe von Aragon                             Titular-Königin von Neapel und Jerusalem
--------------------------                            Herzogin von Anjou
1380-14.12.1443
         Schloß Tuce bei Angers

Begraben: St-Maurice d’Angers (an der Seite ihres Gemahls)
 

Einzige Tochter des Königs Johann I. der Jäger von Aragon aus seiner 2. Ehe mit der Jolanthe von Bar, Tochter des Herzogs Robert I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 414
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Yolande d‘Aragon (Jolande), Infantin von Aragon
----------------------------------  Herzogin von Anjou
* 1385, + 14. November 1442
              Schloß Tuce bei Angers

Begraben: St-Maurice d’Angers (an der Seite ihres Gemahls)

Schwiegermutter König Karls VII.

Tochter von Johann I., König von Aragon (1387-1396), und Yolande von Bar wurde 1400 von ihrem Onkel, König Martin I. ‚el Humano‘ (1396-1410), mit Ludwig II. von Anjou (+ 1417) vermählt. Sie hatte seitdem die Würde der Titular-Königin von Jerusalem, Königin von Sizilien, Herzogin von Anjou, Gräfin von Provence und Maine inne; auf Yolandes Abkunft stützte das Haus ANJOU in der folgenden Generation seinen aragonesischen Thronanspruch. - Yolande von Aragon gebar ihrem Gemahl fünf Kinder, darunter:
Ludwig III., König von Sizilien und Herzog von Anjou (1403-1434)
Rene, König von Sizilien und Herzog von Anjou (1409-1480)
Karl, Graf von Maine (1414-1472)
Maria (1404-1463), verlobt 1413 mit Karl, Graf von Ponthieu (dem späteren König Karl VII.), vermählt 1422
Die schöne, kluge, zielstrebige Fürstin nahm nach dem Tode ihres Gemahls (1417) als Herzogin-Witwe (duchesse douairiere) die komplexen Interessen des Hauses ANJOU wahr. Von 1417 bis 1420 bemühte sie sich um friedliche Beziehungen zu Jean V., Herzogvon Bretagne, zu Johann (Jean sans Peur) und Philipp dem Guten, den Herzögen von Burgund, und sogar zu Heinrich V., König von England, der bereits seine Eroberung des Königreiches Frankreich in Angriff nahm. Von 1423 bis 1425 setzte sie sich mit Nachdruck bei Karl VII. für ein Revirement der Ratgeber und der politischen orientierung ein: Dank ihrer Intervention wurde die Klientel der Armagnacs entmachtet (darunter der Präsident Louvet) und Arthur de Richemont zum Connetable (1425) ernannt; eine Annäherung zwischen Frankreich und dem Herzogtum Bretagne zeichnete sich ab. Ein an Yolande adressierter Traktat suchte auf Karl VII. im Sinne einer guten Regierung einzuwirken. Um 1427-1428 hatten offenbar zahlreiche Franzosen die Hoffnung, daß Yolande als dominierende Ratgeberin den König günstig zu beeinflussen vermöge. Nach zeitgenössischen Quellen war Yolandes Rolle während des Eingreifens von Jeanne d'Arc, die sie mit großem Wohlwollen förderte, gleichwohl bescheiden. Doch machte sie bei der Ausschaltung von Georges de La Tremoille (1434) offenbar ihren Einfluß geltend, ebenso beim Aufstieg ihres Sohnes Karl von Maine zum Vertrauten des Königs. In ihrem Testament erinnert Yolande an die Summen, die sie nicht nur für ihre Domänen, sondern für das Wohl des Königreiches Frankreich aufgewendet hatte. In einem Gunsterweis für Karl von Maine (1443) hebt der König die Freuden, Hilfeleistungen und guten Ratschläge hervor, die er seiner 'bonne mere' verdankte.


Jolanthe (Violante) war die Erbin von Bar-Mousson, zu Luinel, de Berre und Martigues und scheiterte 1410 mit ihrem Versuch, den Söhnen Aragon zu verschaffen. Sie förderte zeitweise Johanna von Orleans und sicherte tatkräftig ihren Söhnen das übrige Erbe.

Ehlers Joachim: Seite 307,313,319,324,327
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"

Aus dem Kreis der ANJOU bildete sich die erste equipe Karls, der 1415 auf einer Provence-Reise auch in Beziehung zu Rene von Anjou getreten ist. Der Einfluß Jolandes ist über Jahre hin dominierend gewesen, und er konnte es vor allem deshalb sein, weil führende Vertreter der Orleans-Partei durch die Schlacht bei Azincourt ihre Wirkungsmöglichkeit verloren hatten. Mit diesen veränderten Gewichten bahnte sich nun eine zögernde Wendung in der politischen Zielsetzung an, innerhalb derer Anzeichen für das Bemühen um Versöhnung und Ausgleich mit Burgund, letztlich eine grundlegende Neubestimmung der französischen Haltung gegenüber England sichtbar wurden.
Richemonts Frontwechsel dürfte auf die Vermittlung Jolandes von Aragon bei Johann V. zurückzuführen sein, dessen Tochter Isabella im Oktober 1424 Ludwig III. von Anjou geheiratet hatte. Weil La Tremoilles Bruder auf burgundsicher Seite stand, wollten Richemont und seine Protektorin Jolande von Aragon auf diesem Wege eine Brücke zu Philipp dem Guten schlagen, und Karl verschloß sich ihren Bemühungen nicht.
Als Damen des Hofes unter Leitung Jolandes von Aragon Gewißheit erlangt hatten, daß es sich bei dem schlichten, frommen und politisch zuverlässigen Wesen nicht etwa um einen jungen Mann, sondern um eine intakte Jungfrau handelte, wurde Jeanne akzeptiert. Fragt man nach den Befürwortern einer Mission Jeannes zum König, nach denen, die ihr den Weg geebnet haben und sie weiter förderten, so gibt es seit der Begegnung von Nancy im Februar 1429 immer wieder Hinweise auf die ANJOU, jene einflußreiche Fraktion in der Umgebung Karls, ohne daß aber Sicherheit darüber zu erlangen wäre. Jolande von Aragon hat Jeanne nicht nur geprüft, sondern sie erreichte mit ihrer Hilfe auch die Aussöhnung zwischen Karl und Jolandes Schützling Richemont.
Nach dem Scheitern der Jungfrau kehrte auch Jolande von Aragon zu ihrer alten politischen Linie zurück.
Für den Beraterkreis Karls VII. bedeutete es zweifellos eine Stabilisierung, daß nunmher Jolande von Aragon, Karl von Anjou und Richemont die unbestrittene Vormachtstellung innehatten, denn auf diese Weise gwann die königliche Politik an Stetigkeit und Ausdauer beim Verfolgen einmal gewhlter Ziele.
Mit der Ratifizierung des Vertrages von Arras durch Karl VII. am 10. Dezember 1435 hatte Jolande von Aragon ihr Ziel erreicht: England war isoliert.

Saller Martin: Seite 211,215,241,249,257,263,307-310
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"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."

Herzog Johann von Burgund muß auch noch eine private Demütigung und Beleidigung hinnehmen. Herzog Ludwig von Anjou und dessen resolute Frau Yolande von Aragon schicken ihm seine Tochter Margarete zurück, die schon dem ANJOU-Erben Ludwig III. fest versprochen war und schon am Hof von Angers lebte. So herrscht nun auch Haß zwischen dem Burgunder und dem Haus ANJOU, das aus der Reserve heraustritt und voll Partei ergreift für die Sache der Armagnaken.
Es bahnen sich auch engere Beziehungen der königlichen Familie mit dem Haus ANJOU an, das zunehmenden Einfluß gewinnt. In Italien wenig vom Glück begünstigt, nimmt der Titular-König von Neapel, Herzog Ludwig II. von Anjou, vermehrt Anteil am heimatlichen Geschehen, umsichtig unterstützt von seiner klugen Gemahlin Yolande von Aragon. Yolande ist eine energische Spanierin, 1379 in Saragossa als Tochter des Königs von Aragon, Johann I., geboren. Durch ihre Mutter Yolande von Bar, einer Enkelin des zweiten VALOIS-Königs Johanns des Guten, hat sie auch etwas lothringisches Blut. Ihre französische Heirat sollte dem Brückenschlag zwischen den verfeindeten Häusern ARAGON und ANJOU dienen, die der beiderseitige Anspruch auf Neapel/Sizilien trennte. Seit dem Erlöschen ihrer Familie in Spanien und vergeblicher Bemühuung um den eigenen Anspruch in Aragon verschrieb sie sich ganz den besonderen Interessen des Hauses ANJOU. Die Behauptung der zerstreuten Besitzungen der ANJOUS, die auch die Provence kontrollierten und für ihre italienischen Unternehmungen ausbeuteten, erforderte stets Wachsamkeit und viel taktisches Geschick. Da Herzog Ludwig immer wieder in italienische Händel verwickelt war, lag die Führung der Geschäfte zu Hause häufig in Yolandes Hand. Die kluge Frau mit der kräftigen Nase und dem sinnlich-energischen Mund, der Zeitgenossen ungewöhnlichen Charme bescheinigten, war ihrer Rolle gewachsen. Sie war der kühl berechnende Kopf des Hauses ANJOU, während ihr Mann fernem Ruhm nachjagte. Auch das harte Geschäft der Macht war ihr schon aus der spanischen Heimat vertraut, die während ihrer Mädchenjahre von Verwandten-Morden und blutigen Thronstreitigkeiten zwischen den Königreichen Aragon und Kastilien widerhallte. So leitete sie 1411, als ihr Mann wieder einmal in Italien weilte, mit fester Hand die Unterdrückung eines Aufstands in der Provence. Yolandes dieskrete Regie sollte in der Folge auch Frankreichs Geschicke entscheidend mitbestimmen.
Ende Oktober 1413 ist Yolande Gast der Königin im luxuriösen Schloß von Marcousis, der noblen Hinterlassenschaft des Oberhofmeisters Jean de Montagu, dem allzu kühn gehäufter Reichtum den Kopf kostete. Die beiden Mütter von zwölf und fünf Kindern - Isabeau schon hart gezeichnete, füllige Matrone - sind sich schnell einig. Eine verwandtschaftliche Verbindung mit dem Haus ANJOU ist auch Isabeau willkommen. Die Herzogin von Anjou bleibt noch den Winter über am königlichen Hof. Aber sie liebt die Hauptstadt nicht, die voller Unruhe und Gewalt ist. So ersucht sie Isabeau, Karl mit an ihren Hof nach Angers nehmen zu dürfen. Anfang Februar 1414 verläßt Yolande Paris und nimmt Karl mit nach Angers an ihren Hof.
Herzogin Yolande erhält die Kunde von der Erhöhung ihes Schützlings in Angers. Sie hat ihren in Paris plötzlich erkrankten Mann begleitet, der sich in seine Residenz bringen ließ, wo sich seine Ärzte vergeblich um ihn bemühten. Am 30. April, 14 Tage nach dem Tod des Dauphin Johann (+ 5. April 1417), stirbt auch Ludwig II. von Anjou, der in Italien wenig vom Glück begünstigte Titular-König von Neapel. Mit großem Geschick hütet nun die Witwe Yolande den verstreuten Besitz des Hauses ANJOU für ihren ältesten Sohn Ludwig III., dessen schon versprochene burgundische Braut Margarete sie einst in bösem Affront gegen Johann Ohnefurcht wieder zurückgeschickt hat. Die besonderen Interessen des Herzogtums Anjou, das sich gegen englische Umfassung von Norden und vom Süden absichern muß, decken sich mit der Sache der Armagnaken, für die sie fortan in diskreter Regie manche Weiche stellt.
Herzogin Yolande ist schockiert über das grobschlächtige, törichte Vorgehen des Konnetabel, das die Königin in unversöhnliche Feindschaft treiben muß. Mit Hilfe ihrer Freunde im Staatsrat gelingt es ihr, den Dauphin, ihren Pflege- und Schwiegersohn, der verrohten Kriegergesellschaft am freudlos gewordenen Hof von Saint-Paul zu entziehen.
Dauphin Karl läßt sich auch fügsam leiten vom Rat seiner Pflegemutter, der Herzogin-Witwe Yolande, die ihm nun wieder zur Seite ist und deren Mißtrauen gegenüber dem Haus BURGUND durch die Kunde von dem verhängnisvollen blutigen Geschehen in Paris noch verstärkt wird.
Seit dem Tod seines Bruders Anton und seines WITTELSBACHER Verbündeten Wilhelm herrscht dort lähmender Erbfolge-Streit. Überdies ist es seiner Erzgenerin, der Herzogin Yolande von Anjou gelungen, Familienbande mit seinem Lothringer Verbündeten, Herzog Karl, zu knüpfen. Ihr dreizehnjähriger zweiter Sohn, Rene von Anjou, heiratete die Tochter Karls, Isabella.
Nun zwingen der Konnetabel und Yolande dem Dauphin Georges La Tremoille als Regierungschef auf. Bald in feindseliger Rivalität mit Yolande, die er beiseite drängt und deren Herzogtum Anjou er sogar durch gedungene, räuberische Söldner gründlich plündern läßt, sucht La Tremoille auf eigenen Wegen den Ausgleich mit Burgund.
Die Erkundung von Johannas Sittsamkeit und die "Untersuchung der intimen Teile ihres Körpers" übernimmt Yolande im Beisein von zwei hohen Damen. Die Herzogin bestätigt dann auch, daß sie "eine unberührte Jungfrau" ist, an der "kein Makel und keine Spur von Gewalt" habe festgestellt werden können.

Mohr Walter: Teil IV Seite 60
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"

Für das Herzogtum Bar ergab sich indes gleichzeitig das schwierige Problem, welches Schicksal ihn nach dem Tode des Kardinals beschieden sein sollte. In dieser Nachfolgefrage erhob nun seine Schwester Yolande, die Gemahlin des Königs von Aragon Anspruch auf einen Teil des Erbes als Tochter Herzog Roberts von Bar. Darüber lief ein Prozeß vor dem Pariser Parlement, das am 30. September 1418 jedoch seine Entscheidung wegen der nötigen umfangreichen Erhebung auf unbestimmte Zeit vertagte. Da im Herzogtum Bar das weibliche Erbfolgerecht galt, gab es hier berechtigte Ansprüche. Schließlich machte aber die gleichnamige Tochter Yolandes, die mit Herzog Ludwig von Anjou verheiratet war, dem Kardinal einen Vermittlungsvorschlag: er sollte einen ihrer Söhne als seinen Erben adoptieren, und ihre Mutter würde dafür auf ihren Prozeß verzichten. Man wählte dazu den zweiten Sohn Yolandes, Reinhard aus, und die Adoption wurde durchgeführt.
 
 
 
 

2.12.1400
  oo Ludwig II. von Anjou Titular-König von Neapel
      5.10.1377-29.4.1417
 
 
 
 

Kinder:

  Ludwig III.
  25.9.1403-12.11.1434

  Rene I.
  10.1.1408-10.7.1480

  Maria
  14.10.1404-29.11.1463

 2.6.1422
   oo Karl VII. König von Frankreich
       27.2.1403-22.7.1461

  Karl I. Herzog von Maine
  14.10.1414-10.4.1472

  Jolanthe
  13.8.1412-17.7.1440

  1431
   oo Franz I. Herzog der Bretagne
       11.5.1414-17.7.1450
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 307,313,319,324,327,329 - Ehlers Joachim/ Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 321,324,337 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 389,396,411,438 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 33,37,40,47,49,55,59,62,64,75,438 - Markale, Jean: Isabeau de Bavarie. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 245,264 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Teil IV Seite 60 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979 Seite 211,215,241,245,249,252,257,263,280,305,307-310,313,332 - Schelle, Klaus: Karl der Kühne. Burgund zwischen Lilienbanner und Reichsadler. Magnus Verlag Essen Seite 37,50,128 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 192,197 -


Markale Jean: Seite 245,264
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„Isabeau de Bavarie“

Yolanda von Aragon, geboren im Jahr 1379, war die jüngste Tochter von König Johann I. von Aragon und seiner Gemahlin Yolande von Bar. Über ihre Mutter war sie eine VALOIS, denn ihre Großmutter Marie de France war die zweite Tochter von König Johann II. dem Guten und Bonne von Luxemburg, und sie war mit dem Grafen und späteren Herzog Robert von Bar verheiratet. 1401 heiratete Yolanda Ludwig II., Herzog von Anjou, Graf von Provence, der dazu noch König des nicht zu bändigenden Königreichs Neapel und Sizilien war, weshalb sie häufig als Königin von Sizilien bezeichnet wird. Sie hatte fünf Kinder, darunter den berühmten Rene d’Anjou, genannt le Bon Roi Rene, Yolanda, die Herzog Johann V. von Bretagne heiratete, und Marie, die sie mit dem letzten Sohn Isabeaus, dem künftigen Karl VII. vermählte. Damit ist klar, wie bedeutend ihre Stellung sowohl in ihrer eigenen Familie als auch in der ihres Gemahls war und welch großen Einfluß sie inmitten der Widersprüche des politischen Lebens und der dynastischen Verquickungen der damaligen zeit ausüben konnte.
Während der häufigen Abwesenheit ihres Gemahls, der sich in den Kopf gesetzt hatte, das Königreich Neapel und Sizilien - dessen Titular-König er nur war – tatsächlich in seinen Besitz zu bringen, scheint Yolanda nichts anderes getan zu haben, als sich um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern. Yolanda war intelligent und schön und scheint geradezu das Muster der mit göttlichen Kräften begnadeten Fürstin gewesen zu sein, oder sie muß zumindest geglaubt haben, dass sie in dieser Weise auserwählt war und infolgedessen in der Lage, nach eigener Überlegung den Lauf der Ereignisse zu steuern.
Yolanda von Aragon hatte die Partei des Herzogs von Burgund unterstützt, obwohl sie sich auch das Lager der Armagnacs gewogen hielt. Dies entsprach zwar nicht gerade den Interessen des Hauses ANJOU, denn diese Provinz zählte, da im wesentlichen landwirtschaftlich geprägt, zu jenem westlichen Frankreich, das nur armagnakisch sein konnte. Aber da gab es noch die Grafschaft Provence und vor allem das Königreich Neapel und Sizilien. Und dort konnte eine mögliche Unterstützung durch den Herzog von Burgund von entscheidendem Gewicht sein.
Ohne die Persönlichkeit Ludwigs II. in Frage zu stellen, muß man doch sagen, dass der Herzog und König voll unter dem Einfluß seiner Gemahlin stand, die weitaus intelligenter und weitaus kultivierter war als er. Tatsächlich scheint Yolanda von Aragon eine geborene Herrin gewesen zu sein, und sie hatte außerordentlich viel Einfluß auf ihren Gemahl, sowohl durch ihre Schönheit wie durch ihren Geist und Verstand.
Zunächst einmal war sie die Nichte des Fürstbischofs von Bar, der keinen Erben hatte. Johann Ohnefurcht spann seine Intrigen, um dieses Erbe zu erhalten. Yolanda von Aragon beschloß, dass ihm dies mißlingen sollte. Daher schickte sie immer wieder Vertrauensmänner aus, um ihren Onkel ständig zu belagern. Mit Hilfe von Überredungskünsten und Gunsterweisen, unter Einsatz aller Mittel der Dialektik, die, wie wir wissen, höchst subtil war, gelang es ihr schließlich, den greisen Kardinal Ludwig von Bar umzustimmen. Sie erreichte von ihm, dass er ihren zweiten Sohn Rene d’Anjou, der damals gerade 13 Jahre alt war, offiziell als seinen Nachfolger anerkannte. Mit Hilfe von Alison du May gelang es ihr, den Herzog Karl II. von Lothringen vom Bündnis mit Burgund abzubringen. Dieser unterzeichnete am 20. März 1419 in Foug einen Vertrag, in dem er sich verpflichtete, Isabelle, seine Tochter und einzige legitime Erbin mit Rene d’Anjou zu vermählen. Eines nicht mehr fernen Tages würden somit die Herzogtümer Bar und Lothringen unter ein und derselben Krone vereint sein, einer Krone, die ein Prinz von Anjou tragen würde.
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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