Childebert I.                                              König der Franken (511-558)
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497-23.12.558
       Paris

2. Sohn des Franken-Königs Chlodwig I. und der Chrodechilde von Burgund, Tochter von König Chilperich II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1815
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Childebert I., merowingischer König 511-558
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Sohn Chlodwigs I. und der Chrodechilde

  oo Ultrogotho

Bei der Teilung des Chlodwig-Reiches von 511 bekam Childebert I. das Küstenreich zwischen Somme und Loire mit Paris, dessen O-Grenze etwa östlich der civitates Amiens, Beauvais (?), Senlis (?), Meaux (?), Chartres (erst nach 524?), Le Mans, Angers (nach 524?) verlief. Hinzu kam der äußerste Westen des gesondert geteilten Aquitanien. Nach den Tod des Bruders Chlodomer (524), Königs des Reiches von Orleans, und der Ermordung bzw. Flucht von dessen Söhnen erhielt Childebert I. neben dem Hauptsitz Orleans auch Bourges und Teile von Sens und Nantes (?). Ein Versuch Childeberts, Theuderich I. die Auvergne zu entreißen, mißlang. Nach dessen Tod (533) gelang es Childebert I. und Chlothar I. nicht, dem Neffen Theudebert I. sein Reich zu nehmen. Der söhnelose Childebert I. nahm diesen daraufhin an Sohnes Statt an. Gemeinsam versuchten sie - vergeblich -, Chlothars Reich an sich zu bringen. Nach der endgültigen Unterwerfung Burgunds (534) durch Childebert, Chlothar (und Theudebert?) gewann Childebert den Kern des burgundischen Reiches mit Lyon. Ein Vertrag sicherte ihm 536 die bis dahin ostgotische Provence. Als nach dem Tod Theudewalds (555) Chlothar das Ostreich übernahm, war Childebert trotz Unterstützung durch dessen Sohn Chramm machtlos. Childeberts günstiges Abschneiden bei Teilungen (nach 524,534,536) deutet auf seine lange Zeit dominierende Stellung innerhalb des fränkischen Reiches hin. Grund für seine Machtlosigkeit am Ende seines Lebens waren seine Söhnelosigkeit und der frühe Tod (548) des zum Nachfolger bestimmten Theudebert.

Literatur:
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E.Ewig. Die frk. Teilungen und Teilreiche (511-613), AAMz, 1952, Nr. 9 - E. Zöllner, Gesch. der Franken bis zur Mitte des 6. Jh., 1970 - HEG I, 260ff. [E. Ewig] -


Bei der Reichsteilung 511 erhielt Childebert I. Bretagne, Normandie und Brie mit der Residenz Paris, welches er nach dem Tode seines Bruders Chlodomer von Orleans 524 durch einen Anteil an dessen Hinterlassenschaft, und dann nach der Eroberung von Burgund durch einen Teil von Burgund und der Provence vergrößerte. Er verbot alle heidnischen Kulte, eroberte zusammen mit den Brüdern Burgund, führte mehrmals Krieg gegen den westgotischen Schwager Amalarich und besiegte ihn 531 bei Narbonne. Seit 537 war er Mitregent in der Provence. Er besiedelte verstärkt Mainfranken gegen eindringende Slawen und geriet mehrmals gegen seinen Bruder Chlothar. Zuletzt rief er sogar Sachsen und Thüringer gegen ihn ins Land. Da Childebert söhnelos starb, fiel sein Reich an seinen Bruder Chlothar I.

Ewig Eugen:
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„Die Merowinger und das Frankenreich“

Childebert residierte nach der Reichsteilung von 511 in Paris. Chlodomer und Childebert teilten sich die westliche und südliche Francia, wobei Childebert die Gebiete von der Somme bis zur Bretagne erhielt. Außerdem teilte er sich die aquitanischen Gebiete südlich des Poitou und des Limousin mit seinem Bruder Chlothar.
Gemeinsam mit seinem Bruder Chlothar zog er 523 unter der Führung Chlodomers zur Eroberung des Burgunderreiches aus. Sie schlugen König Sigismund, der dann durch Verrat in ihre Hände fiel und auf Geheiß Chlodomers samt seiner Familie getötet wurde. In der Schlacht bei Vezeronce, in der Chlodomer fiel, wurden die Franken 524 von Sigismunds Bruder Godomar geschlagen und Childebert und Chlothar gaben daraufhin den Kampf auf.
Während Theuderich 531 im Kampf mit den Thüringern lag, bereitete Childebert von Paris einen Feldzug gegen die Westgoten vor. Als sich ein Gerücht verbreitete, Theuderich sei gefallen, schlugen ihm auvergnatische Senatoren vor, sich auch in den Besitz der Auvergne zu setzen. Childebert ging darauf ein, gab das Unternehmen aber auf, als sich das Gerücht als falsch erwies, und zog weiter gegen die Westgoten. Er schlug  den König Amalarich, der (um 526?) eine Schwester der MEROWINGER geheiratet hatte, bei Narbonne und dehnte die Grenze seiner aquitanischen Enklave in der Novempopulana (Gascogne) bis zu den Pyrenäen aus.
Nach der Rückkehr aus dem Westgotenkrieg nahm Childebert Verbindung mit seinem Bruder Chlothar auf, um mit ihm das Erbe Chlodomers von Orleans zu teilen. Chlodomer hatte drei unmündige Söhne hinterlassen, deren sich die Großmutter angenommen hatte. Chlothar erschlug die beiden älteren mit eigener Hand, während der Jüngste von den Seinen gerettet und zum Kleriker gemacht wurde. Die Oheime teilten sich - wohl im Frühjahr 532 - das Erbe Chlodomers. Childebert erhielt, soweit erkennbar, den Löwenanteil mit Orleans, Chartres, Angers, Nantes und Bourges.
Nach der Teilung des Chlodomer-Reiches nahmen die beiden Brüder noch im Jahre 532 den Krieg gegen die Burgunder wieder auf. Ihr Sieg über Godomar bei Autun besiegelte den Untergang des Burgunderreiches, wenn auch letzte Kämpfe noch andauerten.
Nach dem Tode ihres Bruders Theuderich versuchten Childebert und Chlothar die Hand auch auf den Reichsteil von Reims zu legen. Aber Theudebert, der wohl gleichaltrig mit Chlothar war, zeigte sich ihnen gewachsen und behauptete das Erbe mit Hilfe der Großen seines Vaters. Childebert, der selbst keine Söhne hatte, vollzog bald eine Schwenkung auf die Seite des Neffen, den er 534 an der Aufteilung des Burgunderreiches beteiligte und schließlich sogar als seinen Erben adoptierte.
Bei der Teilung Burgunds fiel die Mitte mit den Metropolen Lyon und Vienne an Childebert. Der König von Soissons Chlothar wurde offenbar benachteiligt. Spannungen zwischen ihm und den beiden anderen MEROWINGERN führten bald darauf zum offenen Konflikt. Chlothar zog sich gegen die Übermacht Childeberts und Theudeberts in die Foret de la Brotonne bei Rouen zurück. Zu seiner Ausschaltung kam es jedoch nicht. Vermutlich trug die Krise des Ostgotenreiches, die den Franken neue Möglichkeiten der Expansion eröffnete, zur Wiederherstellung des Friedens im merowingischen Königshaus bei.
Nach dem Tode des Ostgoten-Königs Athalarich (+ 2.10.534) und der Ermordung der Regentin Amalaswintha am 30. April 535 schloß Kaiser Justinian mit dem MEROWINGERN ein Bündnis, die ihrerseits vom Ostgoten-König Theodahad einen hohen Blutpreis für die Regentin, ihre Cousine, forderten. Theodahad ging darauf ein und schlug seinerseits den MEROWINGERN ein Bündnis gegen Zession der Provence vor, in die die Franken 536 einmarschierten. Der Vertrag wurde nach der Ermordung Theodahads von dessen Nachfolger Witiges im Frühjahr 537 abgeschlossen. Die MEROWINGER sicherten den Goten nichtfränkische Hilfstruppen zu, da sie fränkische Kontingente nicht einsetzen konnten, ohne das Gesicht gegenüber dem Kaiser gänzlich zu verlieren. Witiges zedierte ihnen außer der Provence auch Churrätien und das Protektorat über alemannische Gebiete. Die Provence, anfangs anscheinend als condominium behandelt, fiel schließlich an Childebert. Der Kaiser sanktionierte die Zession im Jahre 540, vielleicht 545.
Die gemeinsame Politik der MEROWINGER gegenüber dem Kaiser und den Goten nahm damit ein Ende. Chlothar von Soissons war an ihr ohnehin wenig interessiert. Childebert, dessen Politik ausschließlich auf Gallien gerichtet war, nahm 541 den Krieg gegen die Westgoten wieder auf, in den er auch Chlothar hineinzog. Zum Kaiserhof unterhielt er gute Beziehungen, die erst 549 durch den Dreikapitelstreit getrübt wurden.

Schneider Reinhard: Seite 81-83,86-89
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„Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter“

Denkwürdig ist der Umschwung im Verhalten König Childeberts gegenüber seinem Neffen, dem er eben noch das Reich des Vaters streitig gemacht hatte. Als er sah, daß er Theudebert nicht werde überwinden können, versuchte er, sich mit ihm zu arrangieren. Aber daß Childebert den tatkräftigen und rasch zupackenden Theudebert zu sich bat, ihn adoptierte und mit Geschenken überhäufte, verwunderte doch alle sehr, die es erlebten. Ein gemeinsamer Feldzugsplan Theudeberts und Childeberts im Jahre darauf gegen Chlothar wirft auf das Verhältnis zwischen dem kinderlosen Oheim und seinem Neffen ein zusätzliches Licht. Ob Childeberts Erbpläne ernst und zu realisieren waren, blieb offen, denn Theudebert starb schon im 14. Jahr seiner Herrschaft (Ende 547):
Ob der Erbvertrag zwischen seinem Vater und dem Oheim Childebert irgendeine Bedeutung für Theudebald selbst hätte haben können, läßt sich folglich nicht mehr erkennen. Ob Childebert seinerseits beim Tode des kinderlosen Erben seines Adoptivsohnes erbrechtliche Ansprüche geltend machen konnte und geltend machte, bleibt ebenfalls unbekannt, denn ausgerechnet Chlothar erhielt Theudebalds Reich. Wieder hatte er seine Hand mit Erfolg nach der Witwe des verstorbenen Konkurrenten ausgestreckt und sich dadurch einen entscheidenden Vorsprung vor Childeberts Erbansprüchen verschafft.
Childeberts Vertrag mit seinem Neffen Chram war ein rein politisches Zweckbündnis gegen den gemeinsamen Gegner Chlothar. Mehr als die Anerkennung von Chrams faktischer Herrrschaft und politischen Rückhalt gegen den Vater wird Childebert nicht zugesagt haben, denn auch er hegte Erbansprüche auf seines Bruders Reich. Sie schienen sich zu realisieren, als er hörte, Chlothar sei auf seinem sächsischen Feldzug erschlagen worden. Sofort zog er plündern und brennend bis vor Reims, um gewaltsam alles zu unterwerfen, was er von Chlothars Reich nur erreichen konnte. Er sei "der Meinung gewesen" alles müsse jetzt seiner Herrschaft unterworfen sein. Von Versuchen, Rechtsansprüche formell geltend zu machen und ihrer Wirksamkeit zu vertrauen, ist in Gregors Bericht nichts zu spüren. Wann Childeberts Ernüchterung mit der Nachricht von Chlothars Überleben kam, ist nicht überliefert. Bekannt ist, daß König Childebert nach bald einsetzendem Siechtum 558 (Dezember 23) in Paris starb und Chlothar sein Reich und seine Schätze in Empfang nahm. Dieser Herrschaftswechsel im Reich von Paris verlief offenbar rasch und reibungslos. Chlothar brauchte nicht einmal zum bewährten Mittel der Einheirat zu greifen, sondern schickte Childeberts Witwe Ultrogotho und ihre beiden Töchter nur sicherheitshalber in die Verbannung. Söhne hatte der verstorbene Bruder nicht - das hat den Herrschaftswechsel gewiß erleichtert.
 
 
 
 

  oo Wultrogotha (Ultrogota)
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Kinder:

  Chrotberga
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  Chrotesinda
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Bauer Dieter R./Histand Rudolf/Kasten Brigitte/Lorenz Sönke: Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 275 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 118,119,127,132,368,369, 370,372 - Eickhoff Ekkehard: Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt. Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 470 - Ewig Eugen: Die fränkischen Teilungen und Teilreiche (511-613). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz 1952 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 31-38,78,86,91,95,103,111,136,141,165 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 34 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hirsemann Stuttgart 1986, Seite 31, 96,126 - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 207,243 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Stuttgart 1972, Seite 73,75,81-83,86-89,91,94,99, 221 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite 339-342,346,371 - Zöllner Erich: Geschichte der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München 1970, Seite 74,77-81,83-89,91,95-97,101, 103-105,107,123,126,127,129,132,142,147,153,163,170,173,178,186-189,245,251,255 -
 
 
 
 
 


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