Theudebald                                               König der Franken (548-555)
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um 535-   555 (Nov./Dez)
 

Sohn des Franken-Königs Theudebert I. aus seiner 1. Ehe mit der Deuteria
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 689
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Theudowald, merowingischer König
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* um 533, + 555

  oo Walderada, Tochter des Langobarden-Königs Wacho

Nach dem Tod des bedeutenden Königs des austrasischen Reichsteils, Theudebert I., Ende 547 folgte ihm Theudowald, sein einziger Sohn aus einer Verbindung mit der Romanin Deoteria. Die Erfolge der expansiven Italienpolitik seines Vaters konnte Theudowald nicht halten, zumal Kaiser Justimian das fränkisch-langobardische Bündnis sprengte und sein Feldherr Narses 552 in Italien einmarschierte; zwar blockierten die Franken die Straße nach Verona, vermieden aber direkte Kämpfe. Ein von Theudowald unterstützter Feldzug der alemannischen Herzöge nach Italien scheiterte 554. In Toul berief Theudowald 550 ein austrasisches Konzil ein. Der König "war, man sagt, schlimmen Sinnes" (Gregor von Tours); nach längerem Siechtum starb er bereits 555 kinderlos (sein Tod war angeblich von seltsamen Naturerscheinungen angekündigt worden): Seinen Reichsteil erbte sein Großonkel Chlothar I.

Quellen:
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Gregor von Tours, Hist. Fr. III, 27; IV,6-9 (MGH SRM I²)

Literatur:
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E. Ewig, Die frk. Teilungen und Teilreiche (511-613), AAMz 1952, Nr. 9, 674f. (= Ders., Spätantikes und frk. Gallien, I, 1976,133-135) - Ders., Die Merowinger und das Frankenreich, 1993, 40 -


Theudebald war schwächlich und kränklich, gab die norditalienischen Eroberungen an Byzanz auf, lehnte ein Bündnis mit dem Ostgoten-König Teja ab und geriet gegen die Alemannen, die auf eigene Faust Feldzüge nach Italien unternahmen und verlustreich zurückgeschlagen wurden. Da er kinderlos starb, fiel sein Reichsteil an seinen Großonkel Chlothar I.

Ewig Eugen:
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„Die Merowinger“

Von Theudowald, dem Sohn und Nachfolger Theudeberts, verlangte der Kaiser die Rückgabe der von den Franken besetzten Gebiete Oberitaliens. Theudowald wies das Ansinnen ab: sein Vater habe diese Länder den Goten, nicht dem Imperium entrissen. Als der kaiserliche Feldherr Narses im März 552 in Italien einmarschierte, blockierten die Franken die Via Postumia, die von Aquileia nach Verona führte. Wie sein Vater vermied auch Theudowald den direkten Zusammenstoß mit den Kaiserlichen. Ein gotisches Hilfsgesuch wies er ab, ließ aber zu, dass die Alamannen-Herzöge Leuthari und Buccelenus 553 mit einem großen Heer in die letzten Kämpfe um Italien eingriffen. Der Feldzug der Alamannen-Herzöge scheiterte 554. Theudowald starb im folgenden Jahr.

Jarnut Jörg: Seite 49-52
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„Agilolfingerstudien“

Gerade in die Zeit dieses Umbruchs fiel der Tod des in imperialen Kategorien denkenden Theudebert, der Ende 547 starb. Nachfolger wurde sein Sohn Theudebald, der bald nach seinem Herrschaftsantritt volljährig wurde [Er wurde etwa 534/35 geboren, das Mündigkeitsalter lag bei 15 Jahren.]. Unter seiner Führung verschärften sich die Spannungen mit Byzanz und den Langobarden. Erstmals kam es kurz nach Theudeberts Tod zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Byzanz und den Franken.
Ein deutlicher Affront gegen die langobardischen Bundesgenossen des Kaisers war die nun vollzogene Eheschließung Theudebalds mit seiner lethingischen Verlobten Walderada. War die Prinzessin doch als Tochter König Wachos eine führende Repräsentantin der lethingischen Dynastie, die nach mehr als einhundrtjähriger Herrschaft gerade 546/47 von dem GAUSEN Audoin vom Thron verdrängt worden war.
Im Kontext dieser Verschärfung der aggressiven fränkischen Politik gegenüber Byzantinern und Langobarden durch König Theudebald muß auch die Errichtung des byzantinischen Dukats gesehen werden. War das Siedlungsgebiet dieses sich gerade formierenden Volkes doch die ideale Operationsbasis für fränkische Interventionen im byzantinisch-gotischen Krieg in Italien. Zzugleich konnte es als Ausgangspunkt für eine mögliche Offensive gegen das von Böhmen bis nach Slowenien reichende Langobardenreich dienen. So ist es mehr als wahrscheinlich, daß es Theudebald war, der in den Jahren 548/49 diesen Raum unter der Führung eines Dux militärisch-administrativ im Sinne eines Militärbezirks organisierte. Die strategische Aufgabenstellung, die Theudebald dem bayerischen Grenzdukat zudachte, macht es verständlich, daß er seinen Schwerpunkt im Osten hatte.
Die Motive Theudebalds dafür, daß er ausgerechnet den AGILOLFINGER Garibald zum Herzog in dem jetzt strategisch so wichtig gewordenen Alpenraum einsetzte, sind ziemlich klar erkennbar; war doch nach unserer Überzeugung Theudebalds Mutter Deoteria ein AGILOLFINGERIN. Einem Verwandten seiner Mutter konnte der junge Herrscher den neu geschaffenen Dukat getrost anvertrauen. Zugleich festigte er damit den schon von seinem Vater angestrebten Ausgleich zwischen den LETHINGEN undd en AGILOLFINGERN, einen Ausgleich, dem jetzt in Anbetracht der politischen Pressionsmöglichkeiten, die seine Ehe mit der LETHINGIN Walderada bot, eine  noch größere Bedeutung zukam.
Andererseits erklärt die von uns aufgestellte Hypothese über die Verbindung zwischen der Einsetzung Garibalds zum "dux Baiuvariorum" und der Eheschließung Theudebalds mit der LETHINGIN Walderada den Haß des MEROWINGERS auf seine junge Frau, über den Paulus Diaconus berichtet. Der Grund für diesen Haß ist leicht zu erschließen: Schließlich war wegen Walderadas Schwester Wisigarda die Ehe zwischen Theudebalds Vater Theudebert und seiner Mutter Deoteria aufgelöst worden. Es ist also gut vorstellbar, daß der junge König den Haß auf seine Stiefmutter auf deren Schwester übertrug.
Sicherlich wurde dieser Haß noch dadurch gesteigert, daß es Theudebald wegen des schon wiederholt angesprochenen politischen Zusammenhangs zwischen seiner Ehe und seinem Verhältnis zu den AGILOLFINGERN kaum möglich war, das zu tun, was ein MEROWINGER in seiner Situation normalerweise getan hätte, sich nämlich von seiner Gemahlin zu trennen. Diese politisch begründete Unauflösbarkeit seiner ehelichen Bindung war jedenfalls geeignet, die negativen Gefühle seiner Frau gegenüber noch weiter zu steigern.
Der kränkelnde, schließlich halb gelähmte und kinderlsoe König starb etwa 20-jährig schon 555, und sein Großonkel Chlothar übernahm sein Reich. Zudem heiratete der neue Herrscher die Witwe seines Vorgängers, er wollte also nicht auf die politischen Vorteile verzichten, die sich aus der Verbindung mit der wesentlich jüngeren LETHINGIN ergaben. Aber bald verließ er die junge Königin, angeblich auf Betreiben seiner Priester. Er gab sie Herzog Garibald zur Frau.

Schneider Reinhard: Seite 82-85
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„Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter“

Ob Childeberts Erbpläne ernst und zu realisieren waren, blieb offen. Denn Theudebert starb schon im 14. Jahr seiner Regierung (Ende 547), und "als König herrschte statt seiner sein Sohn Theudebald". Einzelheiten sind über diesen Herrscherwechsel nicht bekannt, die Sohnesfolge angesichts Theudeberts gefestigter Herrschaft nicht überraschend [Vgl. Zöllner Seite 96: "Es war gewiß das Prestige Theudeberts und die Loyalität der Großen seiner Umgebung, die dem jungen Theudebald ... eine ungestörte Thronfolge ermöglichte. Der als schwächlich und kränklich geschilderte Knabe, dem der freilich fernerstehende Agathias Heldenmut und Kriegslust völlig bestritt, hätte allein wohl überhaupt keine Politik machen, geschweige denn die weitreichenden Pläne seines Vaters fortführen können. So trat der Adel in den Vordergrund"], wohl aber zu beachten, daß neben Chlodwigs Söhnen Childebert und Chlothar ein Großneffe von beiden König geworden war und das sogenannte Eintrittsrecht sich abermals gegenüber Erbansprüchen der Brüder durchgesetzt hatte, hier sogar beim Sohnessohn! Bei seiner Königserhebung war Theudebald noch nicht einmal volljährig, sondern "noch ein Kind" [Vgl. Gregor IV, 6 Seite 239, wo die Bischöfe zu Priester Cato sagen: "Der König ist noch ein Kind" (Rex vero parvuluus est ...) und IV, 9 Seite 140: Theodovaldus vero cum iam adultus esset, Vuldetradam duxit uxorem. Diese Heirat mit der Langobardin Walderada, die eine Tochter König Wachos und die Schwester von Theudebalds Vaters Theudebert Frau Wisigarde war - Theudebald selbst stammte aus Theudeberts Ehe mit Deoteria -, fällt in Theudebalds Königszeit und setzt die Ausgleichspolitik zwischen Austrasien und dem Langobardenreich fort. Bereits in die Zeit Wachos (vor 540/41) datiert Werner Seite 141 diese Eheschließung. Vgl. aber Zöllner Seite 101], das ganz offensichtlich unter starkem politischen Einfluß der proceres et primi regni Theovaldi regis und der Bischöfe stand. Wenn man dieses Faktum gebührend berücksichtigt, wird klar, daß auch bei Theudebalds Erhebung diesen Großen und Ersten aus seines Vaters Reich allergrößte Bedeutung zugekommen sein muß, die durch ihre politische Willensnetscheidung dem rechtlich kaum durchentwickeltem Eintrittsrecht des Sohnessohens gegenüber anderen Erbansprüchen zum Erfolg verholfen haben, weil diese Regelung ihrer eigenen Machtkonzeption am besten entsprochen haben dürfte.
 
 
 
 
 

  oo 1. Walderada, Tochter des Langobarden-Königs Wacho
           um 540-
 
 
 
 

Kinder:

   Tochter
         -

   oo Evin Herzog von Triest
             -
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 82,375, 376 - Deutsche Geschichte Band 1 Von den Anfängen bis zur Ausbildung des Feudalismus. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1982, Seite 237,240 - Ewig Eugen: Die fränkischen Teilungen und Teilreiche (511-613). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz 1952 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 38,86,101,103 - Geuenich, Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 93 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 53,193 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hirsemann Stuttgart 1986, Seite 31,39, 43,45,47,49-52,54,56,93,113,125 - Menghin, Wilhelm: Die Langobarden. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, Seite 33,41,85,118 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Stuttgart 1972, Seite 17,19,22,27,82-85, 250, 251 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite 339,341 - Zöllner Erich: Geschichte der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München 1970, Seite 90,95-98, 101,107,112,123,126, 134 -
 
 
 
 


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