Einziger Sohn des Franken-Königs
Lothar II. und der Friedelfrau
Waldrada
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 159
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Hugo, karolingischer Thronprätendent in Lotharingien
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+ nach 895
in Prümer Klosterhaft
Sohn König Lothars II. und der Waldrada
Seit 857 versuchte Lothar, dieser Friedelehe (gegen seine kinderlose Ehe mit Theudberga) Anerkennung und Hugo die Thronfolge im Mittelreich zu verschaffen, übertrug ihm 867 den Dukat des Elsaß und unterstellte ihm dem Schutz Ludwig desDeutschen, der im Zuge seiner Teilungsvereinbarung mit KARL DEM KAHLEN (Meerssen, 87) Hugos Ansprüche aber überging. In Verfolgung des ihm vom Vater zuerkannten Ziels versuchte Hugo erstmals 877, sich das Erbe gewaltsam zu verschaffen, blieb aber trotz Unterstützung durch den lothringischen Adel letzlich erfolglos. Mit Kaiser KARL III. unter dem Druck der Normannengefahr zeitweise im Einvernehmen, trachtete Hugo 885, während eines Italienaufenthaltes des Kaisers, erneut nach der lotharingischen Krone, wurde in Gondreville gefangengesetzt und geblendet.
Literatur:
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NDB X, 15; XV, 216ff. -
V. Generation
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Friderada war die
Gemahlin des Bernarius (Nernhar), eines der führenden Anhänger
Hugos
im Kampf um das lothringische Königtum, den Hugo
erschlagen ließ, um Friderada
zu heiraten, Regino zu 883.
Vollmer Franz: Seite 168
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"Die Etichonen"
Dieser Hugo, der Sohn Lothars II. und Waldradas, erhält 867 "ducatum Elisatium", später auch verschiedene Grafschaften und Abteien, stößt aber bei seinen wiederholten Versuchen, das jetzt zwischen Ost- und Westreich aufgeteilte ehemalige Herrschaftsgebiet seines Vaters Lothar II. wiederzugewinnen, auf gemeinsame Gegenaktionen der legitimen KAROLINGER-Herrscher. 885 wird Hugo durch List gefangengenommen, geblendet und verschwindet als Mönch hinter Klostermauern.
Konecny Silvia: Seite 130
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die
politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen
Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."
Hugo, der als illegitimer Sohn Lothars II. galt, wurde für die Kaiserwürde nicht in Betracht gezogen. Boso selbst scheint sich bezüglich der Erbfolge im Kaisertum mit dem Papst auf einen gemeinsamen Rechtsstandpunkt geeinigt zu haben, der eine Senioratserbfolge vorsah, die als Anrecht auch in weiblicher Linie vererbt werden konnte. Die Erbfolge eines "illegitimen" Sohnes hingegen dürfte dieser Standpunkt ausgeschlossen haben. Hugo, der Sohn Lothars II., zählte selbst zu den Verbündeten Bosos; ein allfälliger Anspruch Hugos auf die Kaiserwürde, der eigentlich nahegelegen wäre, verlautete aber nirgends.
Schieffer Rudolf: Seite 180,183
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"Die Karolinger"
Von der erwarteten Erstürmung
sah der Kaiser jedoch bald ab und gewährte den Feinden freien Abzug
und neue Zahlungen gegen die Zusicherung ihres Anführers Gottfried,
sich taufen zu lassen, eine Lehnsherrschaft in Friesland zu übernehmen
und durch Heirat mit
Lothars
Tochter
Gisela (aus der nicht
anerkannten Ehe mit Waldrada) in die
karolingische Familie einzutreten.
Das Verhalten KARLS III. entsprang
wohl der Überlegung, durch Respektierung der faktischen Machtlage
in Lotharingien, in die auch Giselas Bruder Hugo
durch Überlassung der Einkünfte des Bistums Metz einbezogen wurde,
eine notdürftige Befriedung herbeiführen zu können.
Gegen ein vermeintlich gefährliches Komplott beider
Schwäger rückte nämlich Graf Heinrich vom Grabfeldgau, Stammvater
der BABENBERGER und bewährter Heerführer schon Ludwigs
des Jüngeren im Mai 885 an den Niederrhein und ließ
Gottfried mit vielen der Seinen während vorgetäuschter Verhandlungen
umbringen, nachdem man zuvor seine Gattin Gisela,
die Tochter Lothars II., in Sicherheit
gebracht hatte ( + 907 als Äbtissin von Nivelles und Fosses), wenig
später wurde auch Hugo, ihr Bruder,
in Gondreville in einen Hinterhalt gelockt, überwältigt zund
geblendet, um seine Tage als Mönch im Kloster Prüm zu beschließen.
(+ nach 895).
Hlawitschka Eduard: Seite 18,22
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"Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen
Geschichte"
Lothars Bemühen
war fortan, die Scheidung von Theutberga
und die Erhebung der Friedelehe mit Waldrada
zur rechtsgültigen Munthe zu erwirken - samt aller kirchlichen und
weltlichen Folgen für seinen und Waldradas
Sohn Hugo. Die Frage der Vollbürtigkeit
und Erbberechtigung Hugos - auch hinsichtlich
der väterlichen Herrschaft - war nunmehr das Kardinalproblem, an dessen
Lösung die Weiterexistenz des regnum Lotharii sich entschied.
Es gelabg aber - wie angedeutet - nicht, Waldarada
und Hugo zu legitimieren und damit
die Voraussetzung für das Entstehen einer lotharischen Dynastie
- und das bedeutete damals zugleich auch die Vorbedingung für den
dauernden Bestand Lotharingiens als einer politischen Existenz - zu schaffen.
Lothar
II. muß sich wenigstens 867 über die schlechten Aussichten,
die Anerkennung
Walderadas und Nachfolge Hugos
doch noch zu erreichen, selbst im klaren gewesen zu sein [Damals verlieh
er nämlich das Elsaß als Herzogtum seinem Sohne Hugo,
das er für den Todesfall an Ludwig den Deutschen
vergabt hatte (vgl. Anm. 39) und empfahl diesen dem Schutze Ludwigs;
Ann. Bertin. ad 867, MG SS rer. Germ., ed. Germ., ed. G. Waitz (1883) Seite
87).] .
Gerade Lotharingien trug ihm schwerste Aufgaben ein.
Es war der Bereich, in dem sich die Normannen ihre ersten festen Stützpunkte
gesichert hatten. Von dort her drohte also die Gefahr dauernder Plündereien
und Überfälle. Seit 878 war dort aber auch Hugo,
der vom Erbe ausgeschlossene Sohn Lothars II.
und Walderadas, durch Unruhestiften
hervorgetreten und hatte seit 879 offen die Herrschaft im regnum patris
sui an sich zu reißen versucht. Er war damit auf den Widerstand
der Söhne Ludwigs des Stammlers
vom W-Reich und auch des ostfränkischen Ludwigs
des Jüngeren gestoßen. 880 im offenen Kampf besiegt,
hatte er sich Ludwig dem Jüngeren
unterwerfen müsasen, war aber bald darauf - seine Pläne nicht
aufgebend - nach Burgung entflohen. Auf KARL
kam damit nach Ludwigs des Jüngeren
Tode (+ 882) die Lösung dieser Aufgabe zu. Er versuchte es erst in
Güte durch Verleihung besonderer Rechte. Doch
Hugo
sammelte eine ihm hörige Gefolgschaft unzufriedener und zwielichtiger
Elemente um sich; auch einige angesehene Grafen, die auf eine Erneuerung
der Eigenexistenz Lotharingiens hoffen mochten, schlossen sich ihm an;
883 verbündete er sich gar mit des Reiches Gegnern, den Normannen,
mit deren Hilfe er sich das verlorengegangene Erbe zu sichern hoffte. 885
endlich gelang es KARL III., Hugo
in Gondreville mit einiger Tücke - eine Art Burgfrieden ausnützend
- festnehmen und blenden zu lassen. Die unmittelbare Gefahr war beseitigt.
882
oo 2. Friderada, Witwe des Bernar
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Literatur:
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Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino
von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 75,76,78,81
- Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches.
Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 450,478, 603; Band
II Seite 87,130,144,151,207,238-240,242 - Hlawitschka Eduard: Die
Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen
zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert.
Kommissionsverlag: Minerva-Verlag Thinnes Nolte OHG Saarbrücken
1969, Seite 162 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich
an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968,
Seite 18,22, 27,29,48,68,151,166, 231 - Hlawitschka, Eduard: Waren
die Kaiser Wido und Lambert Nachkommen Karls des Großen?, in Stirps
Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern
- New York - Paris, Seite 227-247 - Lebe Reinhard: Ein Königreich
als Mitgift. Heiratspolitik in der Geschichte. Deutsche Verlagsanstalt
Stuttgart 1998 Seite 37 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte
unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion
- Rappmann Roland/Zettler Alfons: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft
und ihr Totengedenken im frühen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1998, Seite 37 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine
Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
1991, Seite 223,251,253,269 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 160,162,172,175-180,
183 -