Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 2051
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Warnachar, fränkischer Hausmeier
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†
626/27
1. oo
2. oo Berta
Schon in zwei Briefen Papst Gregors des Großen von 602 als Vertrauter Königin Brunichilds und ihres Enkels Theuderich II. erwähnt („vir inluster famulus vester“), amtierte Warnachar unter der Regentschaft Brunichilds als Hausmeier in Burgund. Nach Theuderichs Tod (612) stellte er sich an die Spitze der wachsenden frankoburgundischen Opposition gegen dessen Sohn Sigebert II. und plante, Theuderichs vier Söhne „alle zu töten dann Brunichild zu vernichten und die Herrschaft Chlothars II. anzustreben“ (Fredeg. IV, 41). 613 ließ er Brunichild ergreifen und an Chlothar II. ausliefern; dieser bestätigte ihm das burgundische Hausmeieramt auf Lebenszeit. 616/17 ist er mit den Großen Burgunds auf einer Reichsversammlung in Bonneuil-sur-Marne bezeugt; im folgenden Jahr war er in einen Bestechungsskandal verwickelt, bei dem er zusammen mit seinen neustrischen und austrasischen Amtskollegen heimlich Geld von langobardischen Gesandten annahm, die wegen der Tribute vorstellig wurden (die Chlothar dann auch erließ). 626/27 erreichte Warnachar beim König die Einberufung einer Synode in Macon, starb aber noch vor der Eröffnung. Sein auf die Nachfolge hoffender Sohn Godinus heiratete seine Stiefmutter Berta, erregte damit aber den Zorn Chlothars, der ihn töten ließ. Entsprechend dem Wunsch der Großen ließ der König das burgundische Hausmeieramt unbesetzt.
Quellen:
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Fredegar IV, 40-45, 54 (MGH SRMK II) - Gregorii I papae
Reg. XIII, 7 und 9 (MGH Epp. II)
Literatur:
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H. Ebling, Prosopographie der Amtsträger des Merowingerreiches,
1974, 235-238 - E. Ewig, Die Merowinger und das Frankenreich, 1993, 117-120,125.
Nach dem Tode König Guntrams errichtete die Familie Warnachar einen Prinzipat und rief 613 Chlothar II. ins Land. Warnachar wurde von diesem zum Hausmeier von Burgund auf Lebenszeit bestellt. Sein Sohn Godin, der seine Stiefmutter heiratete, wurde 626/27 ermordet. Danach ernannte Chlothar II. auf Bitten der burgundischen Großen keinen neuen Hausmeier.
Dahn Felix: Seite 430,439,440
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"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte
Europas."
Am Hofe und im Reich Theuderichs
waren
damals die ersten Würdenträger nicht Romanen, sondern Germanen;
der Franke Quolenus war Patrizius. In dem inzwischen schon immer
einflußreicher gewordenen Amt des Majordomus folgte auf den
Franken Warnachar, der all sein Vermögen zum Unterhalt der
Armen austeilte, der Franke Berthoald, von maßvollen Sittten,
weise und klug, im Kampf tapfer, gegen alle Treue haltend.
Obige Antwort Chlothachars verstand
Brunichildis
sofort; sie schickte Sigibert mit dem
Majordomus Warnachar, mit Albeon und anderen Vornehmen nach
Thüringen, die Völker jenseits des Rheins heranzuziehen zum Widerstand
gegen Chlothachar. Hinter ihnen drein
schickte sie ein Brieflein, Albeon und die anderen sollten Warnachar
töten, da derselbe plane, zu (in das Reich)
Chlothachar
überzugehen.
So dunkel die Vorgänge sind, man sieht, daß
es Warnachar gelingt, die rechtsrheinischen Aufgebote, auf welche
die Königin besonders gesetzt hatte, fernzuhalten; dann wurde nach
Burgund zurückgekehrt, zugleich aber das Heer von Auster von den Verschworenen
aufgeboten. Durchaus nicht beschränkt sich Warnachar darauf,
sein Leben zu retten, sondern in langatmigen Ränken, in weitausholender
Umsicht, in tückisch feingesponnener Arglist sucht er, seine Opfer
sicherzumachen, zu umgarnen und ihnen nicht bloß Auster zu bestreiten,
sondern durch Verlockung auch der burgundischen Großen ihnen Burgund
und das Leben zu entreißen.
"Aber die Männer von Burgundia, sowohl die Bischöfe
wie die (weltlichen) 'leudes', fürchteten Brunichildis
und haßten sie. So pflegten sie Rat mit Warnachar und verhandelten,
daß auch nicht einer der Söhne Theuderichs
entrinnen solle, sondern alle wollten sie umbringen, Brunichildis
verderben
und die Königsherrschaft Chlothachars
aufsuchen;
was denn auch der Erfolg bewährt hat" - sagt der Chronist naiv. "Und
da auf Befehl Brunichildis' und Sigiberts,
des Sohnes Theuderichs, die
Heere von Burgund und von Auster gegen Chlothachar
zum Angriff heranzogen, Sigibert in
das Flachland der Champagne, des Gebietes von Chalons-sur-Aisne gelangte
und ihm Chlothachar dort mit seinem
Heer entgegentrat, da hatte dieser schon viele Austrasier in seinem Lager
auf Betreiben des Majordomus Warnachar, wie dieser es längst
abgemacht hatte, unter Zustimmung des Patrizius Aletheus und der
Herzöge
Rokko, Sigoald und Eudela. Und wie nun beim Zusammenstoß
die Heere kämpfen sollen, da gaben sie (die Verschworenen), bevor
sie anfingen zu fechten (verabredete) zeichen, das Heer Sigiberts
wandte den Rücken und zog nach Hause."
"Auf Betreiben des Majordomus Warnachar und der
übrigen, ja fast der sämtlichen Vornehmen aus dem Burgunder-Reich,
wurde Brunichildis zusammen mit Theudelane,
der Schwester Theuderichs, von
den 'comes stabuli' Herpo aus dem Hofe Orba im überjuranischen
Gau aus dem Versteck hervorgezogen und in dem Flecken Rionava am Fluß
Vincenna vor Chlothachar gestellt.
Sigibert und Corbus, die
Söhne Theuderichs, wurden auf
Befehl Chlothachars getötet. Meroveus
liebte er, weil er ihn selbst aus der Taufe gehoben: er wurde ganz geheim
auf des Königs Befehl nach Neustrien gebracht und dem Grafen Ingobad
anvertraut.
Dort lebte er noch mehrere Jahre. Als Brunichildis
Chlothachar vorgeführt wurde - er hegte gewaltigen Haß
gegen sie -, warf er ihr vor, daß durch sie zehn Könige der
Franken ermordet worden seien. Er befahl, sie drei Tage lang mit mannigfaltigen
Folterungen zu peinigen, sie dann auf ein Kamel zu setzen und durch das
ganze Heer zu führen, sie endlich mit dem Haar ihres Hauptes, einem
Fuß und einem Arm an den Schweif eines höchst bösartigen
Pferdes zu binden, so wurde sie, teils durch die Hufschläge, teils
durch den raschen Lauf des Tieres Glied für Glied zerrissen."
Offergeld Thilo: Seite 232,233,234
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im
frühen Mittelalter."
Die Ereignisse freilich zeigten, daß Brunichild
die Interessenlage der Großen falsch eingeschätzt hatte: Nicht
nur die austrasischen preoceres des ehemaligen Theudebert-Reichs
versagten ihr und dem durchaus als herrschher geschilderten Kind-König
Sigibert
die Gefolgschaft, um Chlothar ins Land
zu rufen, auch die burgundischen Magnaten um den Hausmeier Warnachar
widersetzten sich Brunichilds Plänen
und ließen sie im Augenblick der militärischen Entscheidung
im Stich.
Dem Burgunder Warnachar mußte Chlothar
gar schwören, daß er zu seinen Lebzeiten niemals abgesetzt würde.
1. oo
2. oo 1. Bertha
†
Kinder:
Godin
†
626/27
Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899
Seite 422,425,426 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische
Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 430,439,440,444
- Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 93,117,119,125 - Friese
Alfred: Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels. Der
mainländisch-thüringische Raum vom 7. bis 11. Jahrhundert. Klett-Cotta
Stuttgart 1979 Seite 94 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter.
Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 71 - Offergeld
Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen
Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 232,233,234,237
- Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum
Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
1995 Seite 346 -