Godinus                                          burgundischer Hausmeier
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    626/27 ermordet
 

Sohn des burgundischen Hausmeiers Warnachar aus seiner 1. Ehe
 

Friese Alfred: Seite 95
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"Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels. Der mainländisch-thüringische Raum vom 7. bis 11. Jahrhundert."

Nach dem Tode König Guntrams errichtete die Familie Warnachar einen Prinzipat und rief 613 Chlothar II. ins Land. Warnachar wurde von diesem zum Hausmeier von Burgund auf Lebenszeit bestellt. Sein Sohn Godin, der seine Stiefmutter heiratete, wurde 626/27 ermordet. Danach ernannte Chlothar II. auf Bitten der burgundischen Großen keinen neuen Hausmeier.

Ewig Eugen: Seite 120
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"Die Merowinger und das Frankenreich."

Nach dem Tod Warnachars gab der Sohn Godinus demonstrativ seinen Anspruch auf die Nachfolge im Amt des Vaters zu erkennen, indem er dem kirchlichen Verbot zum Trotz nach altem Brauch seine Stiefmutter Bertha heiratete. Vor dem Zorn des Königs floh Godinus nach Toul. Dagobert vermittelte, Chlothar ging scheinbar darauf ein, war aber insgeheim entschlossen, die Macht der Sippe Warnachars zu brechen. Einen Hochverratsprozeß anzustrengen wagte der König offenbar nicht aus Sorge vor inneren Wirren. So wurde Godinus unter dem Vorwand der Vereidigung nach Neustrien gelockt und auf Chlothars Befehl in der Nähe von Chartres erschlagen: weit genug von den Zentren seiner Herrschaft, wo die "Hinrichtung" blutige Fehden hätte auslösen können.

Hartmann Martina: Seite 71
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"Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger."

Als der Hausmeier Warnachar im Jahre 626 starb, machte sein Sohn Godinus deutlich, dass die Nachfolge ihm zustehe und heiratete vorsorglich - altem Brauch entsprechend, aber dem Kirchenrecht zuwiderhandelnd - seine Stiefmutter Berta zur Bekräftigung seiner Ansprüche. Chlothar, dem die Macht der Sippe Warnachars offenbar ein Dorn im Auge war, wagte es nicht, einen Hochverratsprozeß anzustrengen, sondern er lockte ihn unter einem Vorwand nach Neustrien und ließ ihn dort ermorden. In Frankoburgund erhob sich kein Widerstand, da offenbar auch den anderen Adelsfamilien die Macht der Warnachar-Sippe zu groß gewesen war, denn sie wollten keinen neuen Hausmeier mehr als Instanz zwischen sich und dem König haben.

Offergeld Thilo: Seite 237
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter."

Man wird daraus  folgern müssen, daß die austrasischen Führungsgruppen, die sich gegen die seit 613 an Festigkeit gewinnendes Zentralkönigtum mit starker neustrischer Basis abzugrenzen suchten, hier wiederum das Instrument eines regionalen, vom Adelseinfluß dominierten Teil- bzw. Unterkönigtums mit minderjährigem Herrscher anwendeten [634 In diesem Zusammenhang ist die gegenläufig parallele Entwicklung in Burgund zu beachten, wo ebenfalls in den 620-er Jahren das 613/14  ausgehandelte Verhältnis zwischen Adel und Königtum verändert wurde: Nach dem Tod Warnachars 626/27 beschlossen die burgundischen Großen, in Zukunft keinen Hausmeier mehr über sich zu haben und direkt mit dem König verhandeln zu wollen. In dem stark durch Bischofsherrschaften und die Kontinuität römischer Verwaltungsstrukturen geprägten Burgund scheint die Disposition zur Dominanz regionaler Adelsgruppen geringer ausgeprägt gewesen sein; nach dem Scheitern von Warnachars Sohn Godinus konnte
wohl auch keine burgundische Familie die zur Durchsetzung einer Vorherrschaft erforderliche Macht aufbieten. Jedenfalls versprachen sich die tonangebenden Kräfte hier offfensichtlich von anderen Konstellationen die optimale Wahrung ihrer Interessen, als dies in Austrien der Fall war. Vgl. Ewig, Merowinger Seite 120; Ders., Teilreiche Seite 192.194; Ebling, Prosopographie Seite 235-238; sowie zuletzt Esders, Rechtstradition Seite 380f., der die Machtposition Warnachars als einen aus den Verwicklungen des Machtwechsels von 613 zu erklärenden Einzelfall einstufte.].

Dahn Felix: Seite 426
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"Die Franken."

Vielleicht wäre auch in diesem Fall, wie so häufig bei Erledigung hoher Ämter, einfach vom König dem Vater der Sohn zum Nachfolger gegeben worden, wäre nicht Warnachars Sohn Godinus sehr bald nach des Vaters Tod umgekommen. Er nahm "leichtfertigen Sinnes" seine Stiefmutter, Bertha, noch im Jahre von Warnachars Tod zur Ehe. Darüber ergrimmt König Chlothachar so gewaltig, (- nur über diese Verletzung kanonischen Eheverbots? Über andere kanonische Verbote setzten sich diese Könige sonst gar leicht hinweg. Vermutlich wurde damals schon Hochverrat geargwöhnt -), daß er Herzog Arnibert, der des Godinus vollbürtige Schwester zur Ehe hatte, befahl, mit einem Heere Godinus zu töten: mit "einem Heere": also wurde gewaffneter Widerstand gewärtigt. Godinus erkannte sie seinem Leben drohende Gefahr, floh und ging mit seiner Gattin zu König Dagobert nach Auster, wo er in der Kirche des heiligen Aper aus Furcht vor König Chlothachar Zuflucht suchte. Dagobert legte öfter durch Gesandte bei Chlothachar Fürbitte für sein Leben ein (- ähnlich wie früher Chlothachar bei Dagobert für Chrodoald -) und endlich versprach dieser, Godinus das Leben zu schenken, vorausgesetzt, daß er von Bertha lasse, die er wider die Kanones geheiratet. Nachdem er von ihr gelassen und in das Königreich Burgund zurückgekehrt war, ging Bertha sofort zu König Chlothachar und sprach: wenn Godinus vor den König trete, wolle er ihn töten. Da wurde Godinus auf Befehl Chlothachars an hervorragender Stätte der Heiligen geführt, des Herrn Medardus zu Soissons und des Herrn Dionysius zu Paris, auf daß er dort schwöre, allezeit Chlothachar treu sein zu wollen - um auf dieser Weise geschickt einen Ort zu finden, wo Godinus von den Seinigen getrennt und getötet werden möchte. Der Sohn des major domus hat also nach Flucht und Ungnade noch immer gewaffneten Anhang, der sein Leben schützt: daher muß gleich zu Anfang "ein Heer" ausziehen, ihn zu töten. Hier wird die merowingische durch Mord zuvorkommende Strafrechtspflege gegen das gegebene Königswort geübt - das war wie Vergeltung für Chrodoald - und in empörender Weise wird der Hinterhalt gelegt unter Verwertung des Heiligenkulte. Chramnulf, einer der Vornehmen und der domesticus Waldibert sagten zu Godinus, er solle auch noch zu Orleans in der Kirche des heiligen Anianus und zu Tours an der Schwelle des heiligen Martinus denselben Eid leisten. Auf dem Wege dahin müssen wir hinzudenken:) Vor den Toren (in der Nähe: "in suburbano") von Chartres war er zur Zeit des Frühmals in ein kleines Gehöft (villula) gekommen, auf Angabe und in Geleit Chramnulfs: da brechen Chramnulf und Waldibert mit Heeresmacht (cum exercitu) auf ihn ein, töten ihn und von denen, welche noch mit ihm Widerstand geleistet hatten, töten sie einige, die andern plündern sie aus und jagen sie in die Flucht.
 
 
 
 

  oo 2. Bertha, Witwe Warnachars
            
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 Seite 426 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 120 - Friese Alfred: Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels. Der mainländisch-thüringische Raum vom 7. bis 11. Jahrhundert. Klett-Cotta Stuttgart 1979 Seite 95 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 71 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 237 -