Chlothar II.                                     Franken-König von Neustrien (584-629)
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584 Herbst 629 (nach 18.10.)
        Paris
 

Einziger Sohn des Franken-Königs Chilperich I. von Neustrien aus seiner 3. Ehe mit der Fredegunde
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1870
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Chlothar II., merowingischer König 584-629
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Sohn Chilperichs I., Königs des Reichs von Soissons, und der Fredegunde

1. oo Haldetrude

2. oo Berthetrude

3. oo Sichilde

Söhne:

Von 1
Merowech

Von 2
Dagobert I.

Von 3
Charibert II.

Die ersten Jahre des bei der Ermordung seines Vaters (584) erst drei Monate alten Chlothar II. waren geprägt vom Kampf um die Existenz seines Reiches vor allem gegenüber seinem Vetter Childebert II. von Austrasien und dessen Mutter Brunichild, zeitweise aber auch gegenüber seinem Onkel Guntram von Frankoburgund. Von vielen Großen Chilperichs verlassen, waren Chlothar II. und seine Mutter Fredegunde auf die Unterstützung des söhnelosen, um den Bestand des merowingischen Hauses besorgten Guntram angewiesen. Dessen Schutzfunktion zog Herrschaftsansprüche nach sich, die von Chlothars Seite scharf bekämpft wurden. Nach extremen Schwankungen in den gegenseitigen Beziehungen konnte Fredegunde 591 bei der Übernahme der Patenschaft für Chlothar II. durch Guntram die Stellung ihres Sohnes als Franken-König für einigermaßen gesichert betrachten, wenngleich Childebert II. dem gemeinsamen Onkel (592/93?) unter Ausschluß Chlothars nachfolgte. Der frühe Tod Childeberts (596) ermöglichte Chlothar II. zunächst die Besetzung von Paris und der umliegenden civitates. Gemeinsames Vorgehen von dessen Söhnen Theudebert II. und Theuderich II. führte 600 jedoch zu einer Niederlage Chlothars II., derzufolge sein Reich auf 12 pagi zwischen Seine, Oise und Meer (Beauvois, Amiens, Rouen) beschränkt wurde. Die zunehmende Feindschaft zwischen den Söhnen Childeberts begünstigte Chlothar II., der durch Neutralität bei einem Krieg Theuderichs gegen Theudebert ( 612) den Ducatus Dentelini zurückgewann (612). Bevor Theuderich sich diesen seinerseits zurückerobern konnte, starb er (613). Einflußreiche Große unterstützten Chlothars Nachfolge in Austrien und Frankoburgund gegen Brunichilds Urenkel Sigibert II. Chlothar II. war aus fast aussichtsloser Position im Nordwesten des Franken-Reiches (Neustrien) zum Alleinherrscher geworden (613). Chlothar führte die expansive Westgoten- und Langobarden-Politik seiner Vorgänger in Frankoburgund und Austrien (617 Ablösung des Langobardentributs durch eine einmalige Zahlung) nicht fort, sondern befaßte sich mit der inneren Ordnung seines Reiches. Einer - bei der Größe des Reiches gebotenen - gewissen Selbständigkeit der Teilreiche trug Chlothar II. Rechnung, indem er für Frankoburgund und Austrien eigene Hausmeier einsetzte. Das Pariser Edikt von 614 diente mit den Indigenatsprinzip für Amtsträger des Königs (§ 12), der Bischöfe und der Großen (§ 19) wohl nicht in erster Linie den partikularen Bestrebungen der Großen, sondern vor allem einer größeren Rechtssicherheit, da nur so die Amtsträger bei Übergriffen haftbar gemacht werden konnten. Teilweise 623 und vollständig (Ausnahme: Exklaven in Aquitanien und der Provence) 625/26 übertrug Chlothar II. seinem Sohn Dagobert I. Austrien als Unter-Königtum und stellte ihm Pippin den Älteren als Hausmeier und Bischof Arnulf von Metz (bis ca. 626) bzw. Bischof Kunibert von Köln als geistlichen Berater zur Seite. Obwohl die Errichtung des Unter-Königtums gesamtfränkischen Interessen diente (Grenzschutz im Osten, intensivere Herrschaft nach innen), vergrößerte sie den Spielraum für Sonderentwicklungen. Der Wunsch der burgundischen Großen, nach den Tod Warnachars II. (626/627) keinem neuen Hausmeier, sondern Chlothar II. direkt unterstellt zu werden, verstärkte dagegen die Bindung zwischen Frankoburgund und Neustrien. Chlothar II. starb 629 in Paris, wo er wie in den Pfalzen der Umgebung (besonders Clichy) residiert und Reichsversammlungen abgehalten hatte. Mit Chlothars II. Unterstützung gewann die irische Mission mit ihren zahlreichen Klostergründungen bedeutenden Einfluß auf das kirchliche und kulturelle Leben im Franken-Reich. Chlothars Handlungen bestätigen Fredegars (IV, 42; MGH SRM II, 142) Bild eines gebildeten, geduldigen und im Sinne der Zeit - als Förderer der Kirchen - gottesfürchtigen Königs, der gleichwohl - seit seiner Geburt im Haß gegen Brunichild und ihre Familie erzogen - zu großer Grausamkeit fähig war.

Literatur:
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E. Ewig, Die frk. Teilungen und Teilreiche (511-613), AAMz, 1952, Nr. 9 - Ders., Die frk. Teilreiche im 7. Jh. (613-714), TZ 22, 1953, 85-144 - R. Schneider, Königswahl und Königserhebung im FrühMA, 1972 - E. Ewig, Stud. zur merow. Dynastie (FrühMASt VIII, 1974), 15-59 - HEG I, 339-433 [E. Ewig]  -



Thiele, Andreas: Tafel 3
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

CHLOTHAR II.
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* 584,  629

Sohn des Königs Chilperich I. von Neustrien

Nach der Ermordung seines Vaters wurde er im Alter von vier Monaten König von Neustrien und wuchs unter den Kämpfen seiner Mutter mit Brunhilde auf. Die Regentschaft führte bis zu seinem Tode 592 König Guntram und seine Mutter. Er wurde ständig von Austrasien und Burgund (von den Cousins und Neffen) bekriegt und verlor an sie wichtige Gebiete, zeitweise sogar Paris. Er verbündete sich mit den Westgoten und 611 mit dem Neffen Theuderich II. von Burgund gegen dessen Bruder Theudebert II. Er förderte 613 die Rebellion gegen Königin Brunhilde und ließ deren Familie ausrotten. Er wurde damit Gesamt-König mit Hilfe des Reichsadels und der Kirche. Auf der Synode und Reichsversammlung von Paris 614 mußte Chlothar II. in Gestalt des Edictum Chlotharii der Aristokratie für ihre Unterstützung Zugeständnisse machen. Die wichtigsten dieser Konzessionen betraf die Grafschaftsverfassung. Der König mußte sein Recht auf die Ernennung der Grafen einschränken und zugestehen, dass der Graf nur unter den Grundbesitzern der betreffenden Gegend ausgewählt werden darf. Er verzichtete auf alle Langobardentribute. 623 zwang ihn der Adel Austrasiens unter Bischof Arnulf von Metz und Pippin dem Älteren zur Reichsteilung, womit neue Bürgerkriege begannen. Um 624 bildete sich das Slawen-Reich Böhmen/Obermaingebiet unter dem fränkischen Adligen und Kaufmann Samo ( wohl 658), womit die Auseinandersetzungen mit den Slawen für Jahrhunderte begannen. Er stand besonders gegen Burgund, dessen Adel königliche Hausmeier nicht mehr gestattete, ein Amt, das sich in Neustrien und Austrasien voll herausbildete.


  1. oo Haldetrude
               

  2. oo Berthetrudis
              

  3. oo Sichilda
              
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Merowech
         604 verschollen

2. Ehe

  Dagobert I.
  um 608 19.1.639

3. Ehe

  Charibert II. König von Aquitanien
  um 614 vor 8.4.632 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Bauer Dieter R./Histand Rudolf/Kasten Brigitte/Lorenz Sönke: Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 265 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984, Seite 21-23,245 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth 1997, Seite 403,420,424,429, 433 - Deutsche Geschichte Band 1 Von den Anfängen bis zur Ausbildung des Feudalismus. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1982, Seite 242,243,260 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 52,233 - Epperlein Siegfried: Karl der Große. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1974, Seite 85 - Ewig Eugen: Die fränkischen Teilungen und Teilreiche (511-613). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz 1952 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 47,51,85,90,93,96,99,104,106,112,117-126,129,132,136,139-141,161,177,180,183,199 - Geuenich, Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 95,97,108 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 27,28,32,35,52,56,59,61,63,66,68-70,72-74,95,102,109,115,182,189 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 30,32,42 - Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus, in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln Seite 1-32 - Jarnut, Jörg, Agilolfingerstudien.Anton Hirsemann Verlag Stuttgart 1986, Seite 11, 18,23,33,54,66-73,75,81,102,123,126 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987, Seite 33 - Menghin, Wilhelm: Die Langobarden. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, Seite 136 - Mitteis Heinrich: Der Staat des hohen Mittelalters. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar 1974, Seite 46,52,363 - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 247 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 205,207,211,216-226,228,230-237,252,286,288,290,291,689,822,824 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 20,30 - Schieffer, Rudolf: Die Karolinger. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 12-17 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hirsemann Verlag Stuttgart 1972, Seite 113,115,121,125,130,132,136-141 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 3 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite 344,346,352,357,377,457 -