Waratto                                           neustrischer Hausmeier
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um 630 686
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 2039
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Waratto, fränkischer Hausmeier
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    686

  oo Ansfled
 

Der vornehme Franke Waratto, um 659 urkundlich als Graf im Gebiet um Rouen bezeugt, wurde nach der Ermordung Ebroins 680 von den Neustriern unter Zustimmung König Theuderichs III. zum Hausmeier erhoben. Seine Bemühungen um Ausgleich mit Pippin dem Mittleren (Friedensschluß um 681) wurden durch seinen Sohn Gislemar gestört, der den Vater aus dem Amt verdrängte; wieder aufflammende Bürgerkriege wurden für Pippin höchst gefährlich. Nachdem Gislemar 683 »seinen ruchlosen Geist aufgegeben hatte« (Liber hist. Fr. 46), übernahm Waratto wieder das Amt; der als Vermittler nach Köln gesandte Bischof Audoin (Audoenus) von Rouen konnte den Frieden mit Pippin wiederherstellen. Waratto blieb bis zu seinem Tod alleiniger Hausmeier (in Audoins Vita c. 15 sogar als 'subregulus' bezeichnet). Im Konflikt um seine Nachfolge konnte sich sein Schwiegersohn Berchar durchsetzen.

U. Nonn



Riche Pierre: Seite 42
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"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa."

Nach der Ermordung des Hausmeiers Ebroin regierte Waratto als neuer Hausmeier das neustrische Teilreich. Pippin gelang es in der Folgezeit nicht, mit ihm und seinen Sohn Gisilmar einen dauerhaften Frieden zu schließen. Der Krieg wurde wieder aufgenommen und Waratto besiegte Pippin in der Nähe von Namur.

Schieffer Rudolf: Seite 24
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"Die Karolinger."

Pippin den Mittleren rettete zunächst nur, dass Ebroin 680 ermordet wurde und der neue Hausmeier Waratto bereits war, gegen die Stellung von Geiseln Pippins Vormacht in Austrien hinzunehmen. Doch schon bald wurde Waratto von seinem aggressiveren Sohn Gislemar verdrängt, der 681/83 mit Waffengewalt gegen Pippin vorging; Namur und Köln werden dabei als dessen Stützpunkte genannt, die jedoch nicht verhindern konnten, dass er abermals den kürzeren zog. Gislemar vermochte den Erfolg indes nicht zu nutzen, weil er plötzlich starb, worauf sein Vater Waratto wieder ins Hausmeieramt zurückkehrte und seine ausgleichende Politik fortsetzte.
 
 
 
 

  oo Ansfled
          nach 690
 
 
 
 
 
 

Kinder:

 Gislemar Hausmeier
      683

  Anstrud (Adeltrud)
      
 

  oo Berthar Hausmeier
              688
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 Seite 491-492 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 172,185-187 - Hartmann Martina: Aufbruch ins Mittelalter. Die Zeit der Merowinger. Primus Verlag 2003 Seite 82,138 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 42 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 25 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 173 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 358 -