Flaochad                                         Hausmeier in Burgund
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    September 642

Begraben: Dijon, St. Benigne
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 533
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Flaochad, maiordomus (Hausmeier) im Teilreich Burgund 642
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     642

Begraben: Dijon, St. Benigne

  oo Ragnoberta
           

Sein Bruder ist der neustrische Große Amalbert. Nach 16-jähriger Vakanz wurde das Amt des maiordomus im Teilreich Burgund im Frühjahr 642 mit dem Franken Flaochad wiederbesetzt. Er war darin der Nachfolger Warnachars und zugleich der letzte für Burgund überlieferte maiordomus. Nach seiner auf Betreiben der Königin-Witwe Nanthild erfolgten Wahl durch Bischöfe und Teile der Großen Burgunds wurde Flaochad durch Nanthild in Orléans selbst investiert. Die besondere Bindung an das neustrische Königshaus kam auch in der Verlobung mit Ragnoberta, der Nichte Nanthilds, zum Ausdruck. Besitz Flaochads ist im Gebiet von Bourges überliefert; die Klöster St. Cyran-en-Brenne und Méobecque (dép. Indre) wurden von Sigiram auf Eigengut Flaochads gegründet. Die nur schwache Stellung Flaochads in Burgund zeigte sich in seinem Bemühen, sich abzusichern. Noch 642 garantierte er Amt und Stellung seines neustrischen Amtskollegen Erchinoald, wie dieser die des burgurgundischen maiordomus. Dieser verpflichtete sich darüber hinaus die burgundischen Großen, die ihn gewählt hatten, durch urkundliche Zusicherung ihrer Stellungen und Ämter. Gegen den neuen fränkischen maiordomus setzte 642 sofort der Widerstand des Burgunders Willebad ein, des mächtigen im Gebiet von Lyon amtierenden patricius Burgunds, als Reaktion gegen die neustrische Einflußnahme. Die Entscheidung in der Auseinandersetzung zwischen beiden Amtsträgern - ein Privatkrieg zweier Großer - fiel im September 642 bei Autun, wo Willebad starb. Auf dem Weg nach Norden erkrankte Flaochad in Chalon-sur-Saone und starb wenig später. Mit der Schilderung der Ereignisse vom Mai bis September 642 versiegt die Chronik Fredegars.

H. Ebling



Ewig Eugen: Seite 147
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"Die Merowinger und das Frankenreich."

Im Jahr darauf erneuerte Nanthild im Einvernehmen mit Erchinoald auf einer Versammlung der Frankoburgunder zu Orleans das frankoburgundische Hausmeieramt. Sie traf damit eine Maßnahme, die angesichts der Unmündigkeit ihres Sohnes wohl unvermeidbar war, da dem neustrischen Hausmmeier keine Kompetenz für das Gesamtreich zukam. Zum Hausmeier für das merowingische Südreich wurde der Franke Flaochad erhoben, der vielleicht den Herzögen des Hatuyer (Dijon) nahestand und bei dieser Gelegenheit Ragnoberta, eine Nichte der Königin-Mutter, heiratete. Den Herzögen und Bischöfen seines Sprengels gab Flaochad die schriftliche, eidlich bekräftigte Zusage, daß er mit ihnen Freundschaft wahren und einen jeden in Amt und Würden erhalten werde.
Flaochad hegte jedoch einen tiefen Groll gegen den patricius Willebad, einen der mächtigsten Großen burgundischer Abstammung, mit dem er in alten Zeiten einmal befreundet gewesen war. Willebad hatte bei Dagobert in hohem Ansehen gestanden. Er erwiderte anscheinend den Haß Flaochads von ganzem Herzen. Als Flaochad im Mai 642 eine Reichsversammlung in der Königsstadt Chalon abhielt, konnte eine blutige Auseinandersetzung zwischen den beiden nur mit Mühe verhindert werden. Darüber starb die Königin Nanthild. Flaochad mobilisierte den neustrischen Hausmmeier Erchinoald und das Königs-Kind Chlodwig, das Willebad nach Autun auf eine Reichsversammlung im September zitierte. Willebad erschien mit einem großen kriegerischen Gefolge seines Amtssprengels in der Begleitung von Bischöfen und edlen Herren und schlug vor der Stadt sein Lager auf. Wenn Flaochad eine Reichsexekution erwartet hatte, so sah er sich enttäuscht. Im Kampf, der am nächsten Tag stattfand, blieben die Intimfeinde unter sich. Mit Flaochad traten nur seine Freunde, der Pfalzgraf Berthar und die Herzöge Amalgar (Hatuyer-Dijon) und Chramnelenus (Jura-Besancon) an. Erchinoald mit seinen Nesutriern und die übrigen frankoburgundischen duces standen abseits und "erwarteten den Ausgang", den sie wohl als Gottesurteil auffaßten. So nahm der Kampf den Charakter einer Auseinandersetzung zwischen Franken und Burgundern im einstigen Reich Gunthrams an, wobei der Romane Chramnelenus auf der Seite der mit ihm versippten Franken stand. Die frännkische Partei siegte. Willebad fiel, aber auch Flaochad überlebte seinen Triumph nicht lang. Er starb auf der Fahrt von Chalon nach St. Jean de Losne, wurde ins Herzogtum Amalgars überführt und in der Abtei St. Benigne von Dijon beigesetzt.

Offergeld Thilo: Seite 247-249
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter."

Nach Aegas Tod begab sich Nanthild, selbstverständlich cum filio suo Chlodovecei regi, nach Orleans, "rief ... dort alle Herren, Bischöfe, duces und Großen des Reiches Burgund zu sich" und "gewann alle einzeln für sich" In Abstimmung mit den Bischöfen und duces setzte sie dann den Franken Flaochad als Hausmeier ein, verlobte ihm ihre Nichte Ragneberta. Flaochad verständigte sich mit Erchinoald auf gegenseitige Anerkennung und Unterstützung und garantierte außerdem durch Urkunden und Schwüre "allen duces und Bischöfen ..., er werde jeden von ihnen in Amt und Würden (belassen) und ihnen für alle Zeiten die Freundschaft bewahren." Deutlicher noch als im austrasischen Fall erkennt man hier die auf höchst differenzierte Weise betriebene Installierung persönlicher Beziehungen, eines breit angelegten Konsensgefüges und gegenseitiger Verpflichtungssysteme unter den Großen als die Maßnahmen, die die Regentschaft Nanthilds und ihrer Vertrauten erst ermöglichten.
Mit dem Tod Nanthilds noch im selben Jahr verlor dieses Beziehungsnetz jedoch seine integrierende Mitte. Die zuvor noch mühsam kontrollierten Spannungen zwischen der neuen Machtinstanz Flaochad und den ihm untergeordneten burgundischen Großen kamen zum offenen Ausbruch, und auch der Rückhalt Flaochads bei Erchinoald und den fränkischen Großen riß ab. Wohl versuchte Floachad, den jetzt etwa achtjährigen Kind-König für seine Zwecke zu benutzen und am Königshof eine Reichsexekution seiner Gegner durchzuführen. Doch die Neustrier unter Erchinoald distanzierten sich von ihm und sahen schließlich dem Kampf der burgundischen Parteien als Unbeteiligte zu [664 Vgl. Fredegar, Chronicae IV. 90, Seite 166-168.]. Als nicht nur Flaochads Widersacher Willebad, sondern wenig später auch der Hausmeier selbst den Tod fand, wirkte dies wie ein Gottesgericht und bedeutete die endgültige Auflösung des von Nanthild geplanten Systems gleichmäßiger Kräfteverteilung.
 
 
 
 

  oo Ragnoberta
            
 
 
 
 

Literatur:
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Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 147,161 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 246,247-249 -