Alarich II.                                      König der Westgoten (484-507)
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um 460    507
              Vougle
 

Einziger Sohn des Königs Eurich und der Ragnachild, einer Königs-Tochter unermittelbaren Stammes
 

Lexikon des Mittelalters:
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Alarich II.
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König der Westgoten 485-507, Sohn Eurichs, trat in jungen Jahren die Regierung an, die von Kämpfen mit dem Franken-König Chlodwig gekennzeichnet ist, dem Alarich politisch und militärisch unterlegen war. So mußte der nach seiner Niederlage bei Soissons 486 zu Alarich nach Toulouse geflüchtete Syagrius auf Drängen Chlodwigs wieder ausgeliefert werden. 490 führte Alarich zur Unterstützung Theoderichs des Großen Krieg in Italien. Die Kämpfe gegen die Franken, in denen Alarich wohl zeitweilig mit den Burgunden verbündet war, wurden zunächst gegen 502 beendet, der gegenseitige Beistand anerkannt. Die Inbesitznahme Spaniens wurde auch unter Alarich fortgesetzt. Die auf Ausgleich bedachte Politik Theoderichs, dessen Tochter Thiudigotho mit Alarich verheiratet war, konnte neue Angriffe Chlodwigs nicht verhindern. Bei Poitiers wurde das westgotische Heer auf eigenem Gebiet vernichtend geschlagen (507), Alarich fiel in der Schlacht, der gallische Teil des westgotischen Reiches ging nach der Eroberung von Bordeaux und Toulouse durch die Franken fast ganz verloren. Alarich versuchte, Gegensätze zwischen den katholischen Romanen und den arianischen Westgoten durch Integration der katholischen Bevölkerung in den westgotischen Staat auszugleichen. Seine folgenreichste kulturpolitische Leistung war die Publikation der Lex Romana Visigothorum (Breviarium Alaricianum) am 2. Februar 506, die für Jahrhunderte zur wichtigsten Rechtsquelle Südwest-Europas wurde.



Thiele, Andreas: Tafel 217
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ALARICH II.
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     507 gefallen

Alarich II. folgte 484 als König der Westgoten, war dem Vater ganz unähnlich und ohne Energie. Er lieferte 486 den römischen Statthalter Syagrius an König Chlodwig I. aus, besiegelte damit dessen Schicksal und wurde Chlodwigs Nachbar. Er verlor Burgund an diesen und wurde seitdem von beiden bekriegt. Bis 506 nahmen die Gegensätze zwischen Westgoten und Christen zu und Alarich II. half dem Ostgoten-König Theoderich 490-493 bei dessen Kampf gegen König Odoaker in Italien ("Rabenschlacht"). Die Schlacht bei Vouille (Vougle) 507 gegen den Franken-König Chlodwig kostete Alarich II. Sieg und Leben und alle französischen Gebiete außer Narbonne/Septimanien gingen an die Franken verloren.

  oo THIUDIGOTO DER OSTGOTEN
               

Tochter des Königs Theoderich der Große



Alarich II. wurde König durch Erbgang. 486 besiegte Chlodwig bei Soissons den römischen Statthalter Syagrius und eroberte das Land bis zur Loire, so daß die Franken unmittelbare Nachbarn der Westgoten wurden. Den flüchtigen Syagrius, der an seinem Hofe Zuflucht suchte, lieferte Alarich auf Chlodwigs I. Verlangen in Fesseln aus. Dem Ostgoten-König Theoderich schickte er eine riesige westgotische Streitmacht gegen Odoaker zu Hilfe. 493 konnte er einen fränkischen Einfall erfolgreich abwehren. Bekannt ist das Breviarum Alarici regis, auch Lex Romana Visigotorum genannt, eine Sammlung römischer Gestze für die römischen Untertanen des Westgoten-Reiches, die 506 veröffentlicht wurde und eine wichtige römische Rechtsquelle darstellt. Eine Zeit lang gelang es Theoderich den Großen, den Frieden zwischen Alarich und Chlodwig zu erhalten. Als Chlodwig im Jahr 500 den Burgunder-König Gundebald angriff, verriet Alarich zwar seine Neigung, diesem beizustehen und reizte dadurch den MEROWINGER noch mehr, die Westgoten anzugreifen, fand aber nicht den Mut zur Tat. Im Jahre 507 erklärte der katholische Chlodwig den arianischen Westgoten den Krieg. Alarich, obzwar er einen Angriff längst voraussehen mußte, war mangelhaft vorbereitet; er schaffte sich Geld durch Münzverschlechterung und durch Zwangsanleihen nötigte er auch die widerwilligen Römer zum Kriegsdienst. Dem Doppelangriff der Franken, die vom Norden her über die Loire, und der Burgunder, die von Osten her durch die Auvergne den Goten in die rechte Flanke vordrangen, war Alarich auch den Streitkräften nach nicht gewachsen. Nach hinhaltender Kriegsführung zog Alarich wider besseres Wissen 507 den Franken entgegen und verlor auf den "vocladischen Feldern" (am Flüßchen Clain, zwei Meilen nordwestlich von Poitiers) die Schlacht. Das bisher westgotische Gallien ging verloren; ohne die spät eintreffende Hilfe der Ostgoten hätten die Franken schon damals das ganze Land bis an die Pyrenäen gewonnen.
 
 
 
 

  oo Theudigota, Tochter Theoderichs des Großen
              
 
 
 
 

Kinder:

  Amalarich
  502 531

Illegitim

  Gesalech
      
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 31,55,112,362,366 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann KG München 1959 Seite 68,81,84,128,133,137,144,155,232 - Gregor von Tours: Fränkische Geschichte. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch II Kapitel 27,33,35,37; Buch III Einleitung 1 - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE. Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite 580,592,600 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 79,95,96 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite 303 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag München 1977 Seite 85,242,278 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 217 -