Jüngster Sohn des Pfalzgrafen
Rudolf I. von Tübingen und der Mechthild
von Gießen, Erbtochter von Graf Wilhelm von Gleiberg
Rudolfs I.
Söhne, Pfalzgraf
Rudolf (+ 1247) und Wilhelm,
teilten den Hausbesitz. Über deren Söhne wurden ersterer zum
Stammvater der Grafen von Horb und Herrenberg, letzterer zum Stammvater
der Linien Böblingen und Asperg.
Dr. L. Schmid: Seite 151 1853
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"Geschichte des Pfalzgrafen von Tübingen"
Wilhelm war der jüngste Sohn
des Pfalzgrafen
Rudolf I. Als sein Vater mit Bewilligung seiner Söhne 1206
eine Schenkung an das Kloster Hemmenrode macht, wird er unter denselben,
die nach ihrem Alter aufgeführt werden, zuletzt genannt. Er nennt
sich meist Graf von Tübingen, auch Graf von Gießen.
Auch er kümmerte sich, wie sein Vater und Bruder, nicht an die
Rechte und Freiheiten, die das Kloster Marchthal vom Stifter erhalten hatte,
sondern machte Ansprüche auf Schirmvogtei und Hoheitsrechte über
die Besitzungen desselben. Es waren wiederum hauptsächlich die Güter
des Klosters in der nächsten Umgebung von Tübingen, der Ammerhof,
namentlich die dort liegenden Weinberge, dann andere zwischen den Dorf
Lustnau und der Stadt Tübingen gelegene, in deren Genuß sich
Wilhelm und seine Söhne Rudolf
und Ulrich
mit dem Kloster teilten. Der Propst des Klosters verklagte deshalb den
Grafen wiederholt beim Bischof von Konstanz, vor dem endlich Wilhelm
in Mörsberg sein Unrecht bekannte und erklärte, dass ihm keine
Hoheitsrechte und keine Schirmvogtei über den Hof Ammern und die daselbst
liegenden Weinberge zukommen, und er dieselben, wenn je ihm solche zukämen,
in die Hände des Propstes niederlege und darauf verzichte. Auf diese
Erklärung und Zusage hin wurde Wilhelm
der Ersatz für den dem Kloster zugefügten Schaden erlassen. jedoch
mit der Bedingung, dass er seine gewalttätigen Hände nicht weiter
gegen den Hof und die dortigen Weinberge ausstrecke, wo nicht, so müsse
er volle Entschädigung geben.
Wilhelm hatte mit Bewilligung seiner
Söhne,
Rudolf und Ulrich,
seine etwaigen Rechte, die Schirmvogtei, seine Ansprüche an das Kloster
gegen 200 Mark Silber an das Bistum Konstanz verpfändet, dann aber
völlig verkauft; diese Summe schoß aber das Kloster, das ihm
noch überdies 20 Mark gab und den Schadenersatz nachließ.
Freundlicher war Graf Wilhelm gegen
das Kloster Bebenhausen gesinnt. Demselben schenkte er, in feierlicher
Verhandlung und unter Zustimmung seiner beiden Söhne und Töchter,
zu Ehren der Maria, zum Seelenheil seiner bereits gestorbenen Gemahlin
"Wilpirgis" und aller seiner Angehörigen die Kirche in Lustnau
mit allem, was zu der Kastvogtei derselben gehörte. Im Jahre 1244
(24. März) freite er, wie schon oben erwähnt, mit Gunst und auf
Bitte seines Bruders, des Pfalzgrafen
Rudolf, demselben Kloster sein Höfe zu Geisenang und Zuffenhausen
und alle anderen Güter, die dasselbe schon damals besaß und
in Zukunft erwerben würde, und gestattete den dortigen Pflegern des
Klosters, dass sie Vieh- und Feldhüter aufstellen, und ihr Vieh besonder
oder mit anderem weiden durfte. Die Urkunde wurde zu Asperg gegeben und
mit seinem und seines Bruder Siegel versehen.
Gegen zwei andere in Schwaben gelegene Klöster erwies sich Graf
Wilhelm gleichfalls als wohltätig. - zwei Ritter von Wurmlingen,
Eberhard und Reinhard, ohne Zweifel Tübinger Ministerialen, legten
1252 einen dort liegenden Hof in die Hände des Grafen
Wilhelm nieder, den er sofort, auf ihr Verlangen, als freies
Eigentum dem Frauenkloster Kirchberg übergab.
Albert und Volmar, Gebrüder von Waldeck, Ritter, verkauften Weinberge
in Gemmrigheim an das Kloster Reichenbach. Graf
Wilhelm, von dem sie dieselben zu Lehen
hatten, verzichtete zu Gunsten des Klosters auf sein Eigentumsrecht, wogegen
die genannten Ritter andere ihnen eigentümlich zugehörige Weinberge
in Bönnigheim als Lehen ihm verschrieben.
Als Besitzer der von seiner Mutter ererbten Grafschaft Gießen
finden wir ihn im Jahre 1229 bei der Schlichtung eines Streites zwischen
dem Kloster Schiffenberg und der Gemeinde Steinbach. In einer ähnlichen
Sache finden wir ihn im Jahre 1235. - Seine "cara consanguinea", die Gräfin
Clementia, hatte dem Kloster Schiffenberg einen Hof in Leitgestern geschenkt.
Diese Schenkung gan nun später Veranlassung zu Mißhelligkeiten
zwischen Gemeinde Leitgestern und dem Kloster, welche Graf
Wilhelm beilegte, die Schenkung seiner Verwandten bestätigte,
und unter anderem bestimmte, dass das Kloster nach einem alten Recht jedes
Jahr einen beliebigen Tag vor der Gemeinde Leitgestern ernten, und einen
Feldhüter zu einer beliebigen Zeit aufstellen durfte.
Wilhelm selbst (er nennt sich in
der Urkunde Graf von "Gizzen") schenkte
1239 ein Hofgut in Oberhofen, das neben anderen Gütern Gerlach von
Budingen, und von diesem Micheling von Nordecken zu Lehen trug, mit Bewilligung
dieser und unter dem Beirat des Macharius von Linden, Sigfrieds von Hattenrode,
Alberts von Littenberg, Hugos von Hoheneck, Markwards von Erolsheim an
das Kloster Schiffenberg. Endlich verlieh Graf
Wilhelm nach einer unten bei seinem Sohne Ulrich
zu erwähnen Urkunde einem zu dem Kloster Aldenburg gehörigen
Hofe in Heuchelheim das Beholzungsrecht in dem Wisecker Walde.
Wir haben Wilhelm bereits mit seinen
Brüdern auf mehreren königlichen Hoflagern gesehen. Im Jahr 1214,
noch zu Lebzeiten des Vaters, mit seinem Bruder
Hugo bei Kaiser FRIEDRICH II. im
Lager bei Jülich. Sonst kommt er immer bei dessen Sohne HEINRICH
(VII.) vor; im Jahr 1222 (2. Juni) zu Worms, neben seinem Bruder
Rudolf 1224 abermals zu Worms, 1231 zu Ulm und Hagenau, 1232 zu
Wimpfen, und 1233 an einem nicht genannten Ort. Nach HEINRICHS
Absetzung (1235) sehen wir ihn beim 2. Sohne Kaiser
FRIEDRICHS II., dem jungen König
KONRAD, 1240 zu Biberach, mit seinem Dienstmanne Eberhard von
Aichheim und dessen Sohne. Graf Wilhelm
stand also zu Zeiten König HEINRICHS (VII.)
auf derselben Partei, wie sein Bruder Rudolf;
auf welche Seite er aber trat zur Zeit des Gegenkönigs
HEINRICH RASPE, darüber haben wir keine Andeutung.
Weniger bekannt ist die Fehde unseres Grafen
Wilhelm einige Jahre vorher; ja es ist nicht einmal ausgemittelt,
mit wem? - Was wir davon wissen, beruht auf einer gelegentlichen Erwähnung
in Urkunden, die in Sachen des Klosters Marchthal zwischen Wilhelm
und demselben ausgestellt wurden. Wilhelm
sagt in einer dieser Urkunden, die den 11. August 1240 in Böblingen
gegeben wurde, dass er, von seinen Feinden angegriffen, den Bischof Heinrich
von Konstanz, dem es, wie es scheint, im Feldlager und im Panzer besser
gefiel, als im Dome und Ornat, um Hilfe angegangen habe, dass dieser ihm
mit einer bedeutenden Macht (300 Bewaffnete), die er in eigener Person
ihm zuführte, und zu welcher der Abt von St. Gallen mit einem Haufen
gestoßen war, zu Hilfe gekommen sei. Außer diesen waren auf
der Seite des Grafen Wilhelm, Graf
Friedrich von Zollern, Otto von Waldburg und ein Herr von Bernhausen. Auffallend
erscheint es, dass von einer Teilnahme seines Hauses, seines Bruders gar
keine Andeutung vorhanden ist. Rechnen wir zu den Streitkräften der
Verbündeten die Wilhelms, welche
auch bedeutend sein mußten, so sehen wir eine für jene Zeiten
und für eine Fehde ansehnliche Streitmacht beisammen. Graf
Wilhelm ging auch vollständig als Sieger aus dem Kampf
hervor. Bestimmte Angaben über den Schauplatz desselben sind nicht
vorhanden, indessen lassen einige Ausdrücke in den erwähnten
Urkunden, die Anwesenheit des Bischofs, des Abtes von St. Gallen und des
Grafen von Zollern im Lager bei Böblingen vermuten, dass es von Wilhelms
Seite ein Defensivkampf war, dass er Angriffe auf seine Besitzungen zurückzuweisen
hatte. Wer aber diese Angriffe machte, darüber lassen sich nur Vermutungen
anstellen; ohne Zweifel war es ein schwäbisches Heer, aber von welchen
Hause? Etwa ein Calwer oder gar ein Glied seines eigenen Hauses? Ersteres
erscheint uns als das wahrscheinlichste. - Wie aus den Daten der angeführten
Urkunden hervorgeht, zog sich die Fehde mehrere Jahre hin, wohl mit Unterbrechungen.
Als Kinder Wilhelms ergeben sich
urkundlich 2 Söhne,
Rudolf und Ulrich,
und eine Tochter Adelheid, welche an einen Edlen Cuno von Münzenberg
verlobt war.
Nach der oben erwähnten Urkunde Wilhelms
(aus Mack, zum Jahr 1252) und der unten folgenden seines Sohnes
zum Jahr 1256 starb Wilhelm zwischen 1252
und 1256. Nach Aufzeichnungen in dem Seelbuch des Klosters Lichtenthal
(in Baden) hat sich Graf Wilhelm einen
Jahrestag in demselben erkauft, welchem Beispiele noch mehrere Glieder
seines Hauses in dem nächsten Jahrhundert folgten.
oo Willibirg von Württemberg, Tochter des Grafen Ludwig
III.
- 1252
Kinder:
Adelheid
-
Rudolf I. Graf von Böblingen
- 1272
Ulrich I. Graf von Asperg und Gießen
-5.8.1283
Heilwig
- nach 1294
oo Ludwig von Isenburg-Büdingen
- nach 1303