Wilhelm von Tübingen                               Graf von Gießen
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    - nach 28.9.1256
 

Jüngster Sohn des Pfalzgrafen Rudolf I. von Tübingen und der Mechthild von Gießen, Erbtochter von Graf Wilhelm von Gleiberg
 

Rudolfs I. Söhne, Pfalzgraf Rudolf (+ 1247) und Wilhelm, teilten den Hausbesitz. Über deren Söhne wurden ersterer zum Stammvater der Grafen von Horb und Herrenberg, letzterer zum Stammvater der Linien Böblingen und Asperg.
 
Dr. L. Schmid: Seite 151  1853
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"Geschichte des Pfalzgrafen von Tübingen"

Wilhelm war der jüngste Sohn des Pfalzgrafen Rudolf I. Als sein Vater mit Bewilligung seiner Söhne 1206 eine Schenkung an das Kloster Hemmenrode macht, wird er unter denselben, die nach ihrem Alter aufgeführt werden, zuletzt genannt. Er nennt sich meist Graf von Tübingen, auch Graf von Gießen.
Auch er kümmerte sich, wie sein Vater und Bruder, nicht an die Rechte und Freiheiten, die das Kloster Marchthal vom Stifter erhalten hatte, sondern machte Ansprüche auf Schirmvogtei und Hoheitsrechte über die Besitzungen desselben. Es waren wiederum hauptsächlich die Güter des Klosters in der nächsten Umgebung von Tübingen, der Ammerhof, namentlich die dort liegenden Weinberge, dann andere zwischen den Dorf Lustnau und der Stadt Tübingen gelegene, in deren Genuß sich Wilhelm und seine Söhne Rudolf und Ulrich mit dem Kloster teilten. Der Propst des Klosters verklagte deshalb den Grafen wiederholt beim Bischof von Konstanz, vor dem endlich Wilhelm in Mörsberg sein Unrecht bekannte und erklärte, dass ihm keine Hoheitsrechte und keine Schirmvogtei über den Hof Ammern und die daselbst liegenden Weinberge zukommen, und er dieselben, wenn je ihm solche zukämen, in die Hände des Propstes niederlege und darauf verzichte. Auf diese Erklärung und Zusage hin wurde Wilhelm der Ersatz für den dem Kloster zugefügten Schaden erlassen. jedoch mit der Bedingung, dass er seine gewalttätigen Hände nicht weiter gegen den Hof und die dortigen Weinberge ausstrecke, wo nicht, so müsse er volle Entschädigung geben.
Wilhelm hatte mit Bewilligung seiner Söhne, Rudolf und Ulrich, seine etwaigen Rechte, die Schirmvogtei, seine Ansprüche an das Kloster gegen 200 Mark Silber an das Bistum Konstanz verpfändet, dann aber völlig verkauft; diese Summe schoß aber das Kloster, das ihm noch überdies 20 Mark gab und den Schadenersatz nachließ.
Freundlicher war Graf Wilhelm gegen das Kloster Bebenhausen gesinnt. Demselben schenkte er, in feierlicher Verhandlung und unter Zustimmung seiner beiden Söhne und Töchter, zu Ehren der Maria, zum Seelenheil seiner bereits gestorbenen Gemahlin "Wilpirgis" und aller seiner Angehörigen die Kirche in Lustnau mit allem, was zu der Kastvogtei derselben gehörte. Im Jahre 1244 (24. März) freite er, wie schon oben erwähnt, mit Gunst und auf Bitte seines Bruders, des Pfalzgrafen Rudolf, demselben Kloster sein Höfe zu Geisenang und Zuffenhausen und alle anderen Güter, die dasselbe schon damals besaß und in Zukunft erwerben würde, und gestattete den dortigen Pflegern des Klosters, dass sie Vieh- und Feldhüter aufstellen, und ihr Vieh besonder oder mit anderem weiden durfte. Die Urkunde wurde zu Asperg gegeben und mit seinem und seines Bruder Siegel versehen.
Gegen zwei andere in Schwaben gelegene Klöster erwies sich Graf Wilhelm gleichfalls als wohltätig. - zwei Ritter von Wurmlingen, Eberhard und Reinhard, ohne Zweifel Tübinger Ministerialen, legten 1252 einen dort liegenden Hof in die Hände des Grafen Wilhelm nieder, den er sofort, auf ihr Verlangen, als freies Eigentum dem Frauenkloster Kirchberg übergab.
Albert und Volmar, Gebrüder von Waldeck, Ritter, verkauften Weinberge in Gemmrigheim an das Kloster Reichenbach. Graf Wilhelm, von dem sie dieselben zu Lehen hatten, verzichtete zu Gunsten des Klosters auf sein Eigentumsrecht, wogegen die genannten Ritter andere ihnen eigentümlich zugehörige Weinberge in Bönnigheim als Lehen ihm verschrieben.
Als Besitzer der von seiner Mutter ererbten Grafschaft Gießen finden wir ihn im Jahre 1229 bei der Schlichtung eines Streites zwischen dem Kloster Schiffenberg und der Gemeinde Steinbach. In einer ähnlichen Sache finden wir ihn im Jahre 1235. - Seine "cara consanguinea", die Gräfin Clementia, hatte dem Kloster Schiffenberg einen Hof in Leitgestern geschenkt. Diese Schenkung gan nun später Veranlassung zu Mißhelligkeiten zwischen Gemeinde Leitgestern und dem Kloster, welche Graf Wilhelm beilegte, die Schenkung seiner Verwandten bestätigte, und unter anderem bestimmte, dass das Kloster nach einem alten Recht jedes Jahr einen beliebigen Tag vor der Gemeinde Leitgestern ernten, und einen Feldhüter zu einer beliebigen Zeit aufstellen durfte.
Wilhelm selbst (er nennt sich in der Urkunde Graf von "Gizzen") schenkte 1239 ein Hofgut in Oberhofen, das neben anderen Gütern Gerlach von Budingen, und von diesem Micheling von Nordecken zu Lehen trug, mit Bewilligung dieser und unter dem Beirat des Macharius von Linden, Sigfrieds von Hattenrode, Alberts von Littenberg, Hugos von Hoheneck, Markwards von Erolsheim an das Kloster Schiffenberg. Endlich verlieh Graf Wilhelm nach einer unten bei seinem Sohne Ulrich zu erwähnen Urkunde einem zu dem Kloster Aldenburg gehörigen Hofe in Heuchelheim das Beholzungsrecht in dem Wisecker Walde.
Wir haben Wilhelm bereits mit seinen Brüdern auf mehreren königlichen Hoflagern gesehen. Im Jahr 1214, noch zu Lebzeiten des Vaters, mit seinem Bruder Hugo bei Kaiser FRIEDRICH II. im Lager bei Jülich. Sonst kommt er immer bei dessen Sohne HEINRICH (VII.) vor; im Jahr 1222 (2. Juni) zu Worms, neben seinem Bruder Rudolf 1224 abermals zu Worms, 1231 zu Ulm und Hagenau, 1232 zu Wimpfen, und 1233 an einem nicht genannten Ort. Nach HEINRICHS Absetzung (1235) sehen wir ihn beim 2. Sohne Kaiser FRIEDRICHS II., dem jungen König KONRAD, 1240 zu Biberach, mit seinem Dienstmanne Eberhard von Aichheim und dessen Sohne. Graf Wilhelm stand also zu Zeiten König HEINRICHS (VII.) auf derselben Partei, wie sein Bruder Rudolf; auf welche Seite er aber trat zur Zeit des Gegenkönigs HEINRICH RASPE, darüber haben wir keine Andeutung.
Weniger bekannt ist die Fehde unseres Grafen Wilhelm einige Jahre vorher; ja es ist nicht einmal ausgemittelt, mit wem? - Was wir davon wissen, beruht auf einer gelegentlichen Erwähnung in Urkunden, die in Sachen des Klosters Marchthal zwischen Wilhelm und demselben ausgestellt wurden. Wilhelm sagt in einer dieser Urkunden, die den 11. August 1240 in Böblingen gegeben wurde, dass er, von seinen Feinden angegriffen, den Bischof Heinrich von Konstanz, dem es, wie es scheint, im Feldlager und im Panzer besser gefiel, als im Dome und Ornat, um Hilfe angegangen habe, dass dieser ihm mit einer bedeutenden Macht (300 Bewaffnete), die er in eigener Person ihm zuführte, und zu welcher der Abt von St. Gallen mit einem Haufen gestoßen war, zu Hilfe gekommen sei. Außer diesen waren auf der Seite des Grafen Wilhelm, Graf Friedrich von Zollern, Otto von Waldburg und ein Herr von Bernhausen. Auffallend erscheint es, dass von einer Teilnahme seines Hauses, seines Bruders gar keine Andeutung vorhanden ist. Rechnen wir zu den Streitkräften der Verbündeten die Wilhelms, welche auch bedeutend sein mußten, so sehen wir eine für jene Zeiten und für eine Fehde ansehnliche Streitmacht beisammen. Graf Wilhelm ging auch vollständig als Sieger aus dem Kampf hervor. Bestimmte Angaben über den Schauplatz desselben sind nicht vorhanden, indessen lassen einige Ausdrücke in den erwähnten Urkunden, die Anwesenheit des Bischofs, des Abtes von St. Gallen und des Grafen von Zollern im Lager bei Böblingen vermuten, dass es von Wilhelms Seite ein Defensivkampf war, dass er Angriffe auf seine Besitzungen zurückzuweisen hatte. Wer aber diese Angriffe machte, darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen; ohne Zweifel war es ein schwäbisches Heer, aber von welchen Hause? Etwa ein Calwer oder gar ein Glied seines eigenen Hauses? Ersteres erscheint uns als das wahrscheinlichste. - Wie aus den Daten der angeführten Urkunden hervorgeht, zog sich die Fehde mehrere Jahre hin, wohl mit Unterbrechungen.
Als Kinder Wilhelms ergeben sich urkundlich 2 Söhne, Rudolf und Ulrich, und eine Tochter Adelheid, welche an einen Edlen Cuno von Münzenberg verlobt war.
Nach der oben erwähnten Urkunde Wilhelms (aus Mack, zum Jahr 1252) und der unten folgenden seines Sohnes zum Jahr 1256 starb Wilhelm zwischen 1252 und 1256. Nach Aufzeichnungen in dem Seelbuch des Klosters Lichtenthal (in Baden) hat sich Graf Wilhelm einen Jahrestag in demselben erkauft, welchem Beispiele noch mehrere Glieder seines Hauses in dem nächsten Jahrhundert folgten.
 
 
 
 

  oo Willibirg von Württemberg, Tochter des Grafen Ludwig III.
            -   1252
 
 
 
 
 
Kinder:

  Adelheid
        -
 
  Rudolf I. Graf von Böblingen
         -   1272
 
  Ulrich I. Graf von Asperg und Gießen
        -5.8.1283
 
  Heilwig
        - nach 1294
 
  oo Ludwig von Isenburg-Büdingen
              - nach 1303