Rudolf I.                                                   Pfalzgraf von Tübingen (1182-1219)
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um 1160-1219 nach 1.4.
 

Begraben: Kloster Bebenhausen

Jüngerer Sohn des Pfalzgrafen Hugo II. von Tübingen und der Elisabeth von Bregenz, Erbtochter von Graf Rudolf
 

Rudolf I. gründete 1180 das Kloster Bebenhausen.
 
Sönke Lorenz: Seite 315  1995
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"Staufer, Tübinger und andere Herrschaftsträger im Schönbuch"
in: Von Schwaben bis Jerusalem

Das Bild von der herrschaftlichen Durchdringung beziehungsweise Erschließung des Schönbuchs durch die TÜBINGER gewinnt aus der Sicht der die Gründung und Ausstattung des Klosters Bebenhausen seit 1187 begleitenden schriftlichen Quellen schärfere Konturen, die letztendlich auch geeignet erscheinen, auf die Frage nach der Qualität des Schönbuchs eine wenigstens hinlänglich fundierte Aussage zu treffen. In der zeitlich frühesten dieser Quellen, einer Urkunde von 1187, wird im übrigen der Schönbuch erstmals namentlich genannt. Herzog Friedrich VI. (+ 1191) überließ dem Kloster Bebenhausen kraft kaiserlicher Genehmigung seines Vaters FRIEDRICH BARBAROSSA und kraft eigener auctoritas et potastas gewisse Waldnutzungsrechte im Schöbuch. Die Zeugenreihe der am 1. Juni in Tübingen ausgestellten Urkunde wird angeführt von Pfalzgraf Rudolf I. von Tübingen (+ 1219). Rudolf hatte einige Jahre zuvor begonnen, in Bebenhausen ein Prämonstratenserstift einzurichten. Dabei mußte er auch die Rechte Dritter berücksichtigen und mit dem Bischof von Speyer zu einer Einigung gelangen, der in Bebenhausen über Besitz verfügte. Über diesen Vorgang liegen 2 Urkunden Bischof Ulrichs von Speyer vor, die anscheinend nur verschiedene Stufen des Rechtsgeschäftes aufzeigen. Der Pfalzgraf und der Bischof hatten im Februar oder März 1188, legitimiert durch litterae des Kaisers, im Speyrer Dom einen Gütertausch vereinbart und dann das Rechtsgeschäft in Gegenwart von BARBAROSSA und HEINRICH VI. - den Vögten des Hochstifts Speyer - feierlich vollzogen. Im Tausch für die Kirche im Meimsheim im Zabergäu und einigen Mansen erhielt der Pfalzgraf von der Speyrer Kirche dessen gesamten Besitz in Bebenhausen, darunter eine ecclesia. Im Zuge dieses Tausches hatte sich Rudolf aber auch mit seinem Bruder Hugo auseinanderzusetzen. Eine undatierte Urkunde Pfalzgraf Rudolfs I., vermutlich kurz nach seinem Aufenthalt in Speyer geschrieben, erwähnt den Tausch der Kirche von Meimsheim gegen die ecclesia Bebenhausens und regelt die Abfindung Hugos. Die villa conmunis Weil im Schönbuch besaßen die Brüder gemeinsam, Rudolf schenkte seinen Teil der Siedlung dem Kloster Bebenhausen und überläßt seinem Bruder für das vertauschte Meimsheimer Kirchenpatronat seinen Anteil am Patronat der Kirche von Weil. Damit hatte Rudolf anscheinend alle Rechte und allen Besitz in Bebenhausen in seiner Hand vereinigt und zur Ausstattung seiner Gründung verwendet.
Eine am 30. Juli 1191 von Pfalzgraf Rudolf in Asperk (Asperg, Kreis Ludwigsburg), einem weiteren Herrschaftszentrum der TÜBINGER, ausgestellte Urkunde, berichtet nicht allein, dass mittlerweile an Stelle der Prämonstratenser per auctoritatem domini HEINRICI imperatoris in Bebenhausen sich die Zisterzienser niedergelassen haben, sondern räumt dem neuen Kloster auch Rechte im Schönbuch ein. Mit den Bestimmungen der Waldnutzungsrechte hatte Rudolf die ebenfalls unter Berufung auf die kaiserliche auctoritas dem Kloster zugestandenen Verfügungen Herzog Friedrichs VI. von 1187 aufgegriffen und präzisiert. Dass sich der Pfalzgraf ebenso wie der staufische Herzog tatsächlich auf die kaiserliche Autorität berufen durfte, bezeugt ein Diplom HEINRICHS VI., das die Maßnahmen des Pfalzgrafen bestätigt.
Rudolf Kieß hat die Bedeutung dieses Diploms erkannt und meines Erachtens nicht unzutreffend geschlossen, "dass der Pfalzgraf nur im Auftrag des Königs handelte, und der Reichswald Schönbuch noch fest in der Hand des Reiches war, wenn er auch zur Verwaltung und Nutzbarmachung an die Pfalzgrafen verliehen war." Eine solche Leihe hat es dem Begünstigten im hohen Mittelalter aber durchaus erlaubt, sich im Rahmen der Verwaltung und Nutzbarmachung Eigen zu schaffen, zu erwerben und zu veräußern. So hat Pfalzgraf Rudolf I. dem Kloster Bebenhausen nicht nur den Besitz seiner Familie am Ort, die von Speyer erworbene Pfarrei und seinen Teil von Weil im Schönbuch sowie - auctoritate imperiali - umfangreiche Waldnutzungsrechte und einen bestimmten Bezirk im Schönbuch überlassen, sondern die neue Zisterze auch noch mit anderen Rechten und Liegenschaften ausgestattet. Sie geben sich in einer Bulle Innozenz III. von 1204 und einem um 1200 entstandenen Güterverzeichnis zu erkennen. Laut dem päpstlichen Privileg verfügte das Kloster über etliche Grangien, darunter - um hier nur den Schönbuch zu berücksichtigen - die Grangien zu Weil, Altdorf und Walddorf, während das Güterverzeichnis von predia in Weil und in Walddorf sowie mansus in Altdorf spricht. Der Pfalzgraf hatte also neben seinem Teil von Weil im Schönbuch auch noch Besitz in Altdorf und Walddorf verschenkt. Das alles läßt erkennen, dass die Tübinger im Schönbuch nicht nur im Auftrag des Königs Nutzungsrechte kontrollierten, sondern bereits seit geraumer Zeit über Eigen geboten.
Für Hans Jänichen gelangte die 1122 oder wenig später von den CAPPENBERGERN an Herzog Friedrich II. verkaufte "Herrschaft Hildrizhausen samt gewissen Schönbuchrechten um 1145 im Wege eines Interessenausgleichs zwischen STAUFERN und TÜBINGERN an die letzteren.
 
Dr. L. Schmid: Seite 105-130  1853
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"Geschichte des Pfalzgrafen von Tübingen"

Pfalzgraf Rudolf I. stiftete das Kloster Bebenhausen im Schönbuch. Die Kirche in Bebenhausen, welche nebst einem Teil des umliegenden Grund und Bodens dem Bistum Speier gehörte, erwarb der Stifter erst im Jahr 1188 durch Tausch. Kurze Zeit nach dem Tausch fiel der Pfalzgraf in eine schwere Krankheit. Er berief zu sich seinen Bruder Hugo, seine Verwandten, Vasallen und Dienstleute, um, in Fall er nicht mehr aufkommen sollte, für die Ausführung und Vollendung des von ihm begonnenen Stiftungswerkes zu sorgen. Dieser genas aber wieder von seiner Krankheit und konnte (zum Frommen des Klosters) das begonnene Stiftungswerk selbst vollenden, das im Jahre 1189 so weit gediehen war, dass am 28. Oktober desselben Jahres die ersten Mönche einzogen; sie gehörten zum Prämonstratenserorden. Aber kaum war 1 Jahr verflossen, so sah sich der Stifter aus unbekannten Gründen veranlaßt, dieselben zu entfernen, und mit Genehmigung Kaiser HEINRICHS Zisterziensermönche zu berufen. 1 Jahr nach der Einsetzung der Zisterzienser Mönche legte der Pfalzgraf durch Erteilung des Stiftungsbriefes den Schlußstein des Werkes; derselbe ist datiert vom 30. Juli 1191.
Nicht so freundlich, wie gegen Bebenhausen, war Rudolf gegen das Kloster Marchthal gesinnt; dass er schon zu Lebzeiten seines Vaters gegen dasselbe sehr feindselig handelte, wissen wir bereits. Gegenüber von dem Kloster Reichenbach im Murgthale sehen wir Rudolf I. gleichsam als Landesherr eine Art Aufsichtsrecht ausüben. Rudolf schenkte in Gemeinschaft mit seiner Mutter Elisabeth und seiner Gemahlin Mechthild auf die Bitte ihres Dienstmannes Rudolf einen Teil eines Gutes in Argun an das Kloster Ißny. Einen kleinen Hof von dem Gute, sowie die Vogtei behielt er für sich und seine Erben, und gab die Bestimmung, dass dasselbe nie als Lehen weggegeben werden solle. Er ließ sich mit seiner Mutter und seiner Gemahlin in die Gemeinschaft des Klosters aufnehmen, und erkaufte sich in demselben einen Jahrtag.
Rudolfs Vermählung mit einer Gräfin von Gießen brachte ihn in Berührung mit einem fern gelegenen Kloster, dem Kloster Hemmendorf in Hessen. Er bestätigte im Jahr 1206 mit seinen Söhnen Hugo, Rudolf und Wilhelm die Schenkung des Dorfes Rohr bei Koblenz von seiten seiner Schwiegermutter, der Gräfin Salome von Gießen, und schenkte selbst demselben einen Berg zwischen Lützel-Koblenz und Metrich. Endlich finden wir unseren Pfalzgrafen in Konflikt mit dem Kloster Maulbronn.
Rudolf nahm, wie zu erwarten, als Verwandter des Kaiserhauses und Träger von Reichs- und hohenstaufischen Hauslehen, vermöge seiner Hausmacht und seines Amtes, nach dem welfischen und zähringischen Hause der Erste unter den Großen Schwabens, sehr tätigen Anteil an den politischen Angelegenheiten seiner Zeit und des hohenstaufischen Hauses; er überragt hierin seinen Vater. Schon zu Lebzeiten desselben sehen wir ihn 1179 (22. Januar) bei Kaiser FRIEDRICH I. zu Worms, 1180 zu Ulm, im Jahr 1181 (5. Mai) im Gefolge der beiden hohenstaufischen Herzoge, HEINRICH und Friedrich, abermals zu Ulm.
Rudolf nahm 1183 auf dem Städtetag zu Piacenza tätigen Anteil an den Verhandlungen, durch welche der Konstanzer Friede eingeleitet wurde. - In demselben Jahr ist er mit Graf Burkhardt von Hohenberg, Diemo von Gundelfingen und Ernst von Steußlingen Zeuge, als der Abt Diethelm von Reichenau für das Spital auf dem St. Michaels Berg bei Ulm eine Urkunde ausstellt. Auf dem prachtvollen Mainzer Reichsfest (20. Mai 1184), dem 70.000 Ritter angewohnt haben sollen, und auf welchem der Kaiser FRIEDRICH "gap zwein seiner sunen (Söhne) swert" (den Ritterschlag), war auch unser Rudolf mit Graf Poppo von Laufen und anderen.
Im Jahr 1188, den 2. April, treffen wir wiederum unseren Rudolf mit Graf Berthold von Zollern, den Grafen Adelbert und Konrad von Calw bei Herzog Friedrich von Schwaben zu Hausen am Rhein, und den 6. September des nächsten Jahres mit Graf Friedrich von Hohenberg bei Kaiser HEINRICH VI. zu Speier.
Im Jahr 1190 sitzt er zu Hall an des Königs Statt zu Gericht und entscheidet eine Streitfrage, die ein Bischof vor ihn bringt - einer der wenigen Fälle, in welchen wir ein Mitglied unseres Hauses in der Funktion eines Pfalzgrafen auftreten sehen.
Den 28. März des Jahres 1193 sehen wir ihn mit Albert von Eberstein, Friedrich und Burkhardt von Zollern, Robert von Durne bei Kaiser HEINRICH VI. zu Speier.
Im Jahr 1198 spielt er bei den Verhandlungen zu Köln zwischen Herzog Berthold IV. von Zähringen und PHILIPP von Staufen, die Königswahl betreffend, eine bedeutende Rolle. Berthold trat gegen eine bedeutende Geldentschädigung zugunsten PHILIPPS zurück. - Den 29. September des folgenden Jahres treffen wir ihn bei König PHILIPP mit Graf Friedrich von Zollern, Hartrad von Merenberg, Chuno von Münzenberg und Ulrich, Marschall von Rechberg, zu Mainz.
Pfalzgraf Rudolf schloß sich dem Schreiben an, das viele Bischöfe und Große den 28. Mai 1200 an den Papst Innocenz schickten, und in welchem sie demselben anzeigten, dass sie PHILIPP von Staufen zum römischen König gewählt haben, und ihn baten, er möchte die Rechte des Reiches nicht antasten.
Im Jahr 1201 (14. September) treffen wir ihn bei PHILIPP zu Bamberg. Nach der Ermordung dieses durch den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach (den 21. Juni 1208) sehen wir ihn unter den Anhängern des Königs OTTO aus dem ihm verwandten welfischen Hause den 13. Januar 1209 zu Augsburg. Rudolf, sonst dem hohenstaufischen Hause zugetan, ließ sich hierin ohne Zweifel von Rücksichten der Klugheit leiten, denn von männlichen Gliedern des hohenstaufischen Hauses war nur der 13-jährige FRIEDRICH, der nachmalige Kaiser, im fernen Sizilien noch am Leben.
Bald aber, nach dem der Papst schon im Jahr 1210 gegen OTTO, den er vorher unterstützt, angetreten war, und dieser vielfach die Interessen der schwäbischen Großen verletzt hatte, wandte sich Rudolf wieder dem hohenstaufischen Hause zu, denn am 31. März des Jahres 1213 treffen wir ihn mit seinem Bruder, Graf Hugo von Montfort, und Ministerialen seines Hauses bei dem jungen König FRIEDRICH II. zu Konstanz an denselbem Ort, mit denselben den 1. April dieses Jahres. Auch in der Folge treffen wir ihn wieder häufig bei den HOHENSTAUFEN, so den 11. April und 20. Juni 1215 zu Ulm. - Am 25. Juli desselben Jahres wohnte er der Kaiserkrönung zu Aachen an, und nahm mit dem Kaiser, vielen andern Großen und Rittern das Kreuz; der Kaiser trat aber den gelobten Kreuzzug nach wiederholten Mahnungen und selbst Drohungen des Papstes erst im Jahr 1228 an.
Nach einer Notiz Gabelkofers machte ein Pfalzgraf von Tübingen im Jahr 1216 eine Fahrt nach Syrien; es ist indes wahrscheinlicher, dass es Hugo, der Sohn unseres Pfalzgrafen Rudolf, war. Mit diesem seinen Sohne Hugo, der schon den Titel Pfalzgraf führt, ist Rudolf den 26. Juli 1216 zu Ulm, und im Februar des nächsten Jahres allein daselbst, und am 10. April desselben Jahres bei Kaiser FRIEDRICH II. zu Hagenau. - Endlich sehen wir ihn im Jahr 1218 noch zwei Mal bei dem genannten Kaiser, den 1. August zu Wimpfen, und den 18. September mit seinem Bruder Graf Hugo von Montfort zu Ulm.
Schließlich haben wir zur Geschichte Pfalzgraf Rudolfs berichtigend zweier Urkunden zu erwähnen. - Gerbert hat zum Jahr 1227 eine Urkunde eines Grafen Egeno von Urach zu Gunsten des Klosters Bebenhausen, als deren Zeugen Pfalzgraf Rudolf von Tübingen und sein Bruder Hugo genannt werden; nun aber steht dieses Jahr in entscheidendem Widerspruch mit dem Todesjahr des Pfalzgrafen Rudolf I. und der Genealogie der später folgenden Pfalzgrafen dieses Namens; wir setzen daher diese Urkunde in das Jahr 1207. - Eine andere Urkunde zum Jahr 1219 (26. Januar), gegeben zu Eßlingen, in Sachen des Klosters St. Blasius, läßt Gerbert durch eine Pfalzgrafen G. von Tübingen siegeln; vorausgesetzt, dass das Jahr richtig ist, muß es heißen - R. (Rudolf).
Rudolf hinterließ 3 Söhne: Hugo, Rudolf und Wilhelm; ob auch Töchter, davon ist keine Nachricht auf uns gekommen. Pfalzgraf Rudolf I. starb im Jahr 1219 und fand an der Seite seiner Gemahlin und zweier Kinder seine Ruhestätte in dem von ihm gestifteten Kloster Bebenhausen, vor dem Altar St. Johannis des Täufers im Kapitel.
 
 
 
 
 
vor 30.7.1181
  oo Mechthild Gräfin von Gießen, Erbtochter des Grafen Wilhelm von Gleiberg und der Salome von Isenburg
       um 1155-12.1. nach 1203
 
 
 
 
 
Kinder:

  Gottfried Pfalzgraf von Tübingen 1219
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  Hugo III. Pfalzgraf von Tübingen
         -
 
  Rudolf II. Pfalzgraf von Tübingen
         - nach 13.5.1248
 
  Wilhelm I. Graf von Tübingen und Gießen Band XII Tafel 48
        - nach 28.9.1256

  Elisabeth Nonne zu Waldkirch
       -
 
  Tochter
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  oo Gottfried II. Markgraf von Bonsberg
             - 4.1208