Grafen von Montfort
 

EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND XII Tafel 52-55
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 805
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Montfort
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Grafengeschlecht, auf die Pfalzgrafen von Tübingen zurückgehend. Pfalzgraf Hugo von Tübingen (oo Elisabeth von Bregenz) beerbte nach einer längeren Auseinandersetzung die um 1160 ausgestorbenen Grafen von Bregenz. Dieses Erbe fiel 1182 an seinen jüngeren Sohn Hugo, der sich seit ca. 1200 Hugo von Montfort nannte und zugleich sein Herrschaftszentrum von Bregenz in die von ihm neugegründete Stadt Feldkirch verlegte, um damit seinen Einfluß in Rätien und insbesondere im Bistum Chur zu steigern. Von der Kreuzzugsidee erfaßt, bemühte sich Hugo I. um den Ausbau des Paßverkehrs über die Alpen, stiftete 1218 eine Johanniter-Kommende in Feldkirch und schuf erste Ansätze zu einer Territorialherrschaft in Vorarlberg. Seine Söhne, der STAUFISCH gesinnte Hugo II. und Rudolf I., der Stammvater der Grafen von Werdenberg, traten 1228 sein Erbe an, während ein nachgeborener Sohn Heinrich als Bischof von Chur die päpstliche Partei in Rätien anführte, für die er zuletzt auch Hugo II. gewinnen konnte. Bei der 1. Montforter Teilung 1258 fielen Feldkirch und Bregenz an die Söhne Hugos II., während die südlichen Landesteile an die Werdenberger kamen, die hier neue Städte (Bludens, Sargans) gründeten. Die Söhne Hugos II. teilten um 1270 ihr Erbe und gründeten 3 neue Linien der Grafen von Montfort in Feldkirch, Bregenz und Tettnang; 2 Söhne machten eine geistliche Karriere: Friedrich II. als Bischof von Chur 1283-1290 und Wilhelm I. als Abt von St. Gallen 1281-1301. Ihre gemeinsame Politik gegen die HABSBURGER scheiterte 1298 in der Schlacht bei Göllheim. Die 1309 ausgestorbenen Grafen von Montfort-Feldkirch näherte sich unter Rudolf III., Bischof von Chur und seit 1322 Bischof von Konstanz, den HABSBURGERN an,  mit denen sie 1337 einen ewigen Bund schlossen; der kinderlose Rudolf V. verkaufte 1375 die Grafschaft Feldkirch auf Ableben an Österreich. Die schon 1338 abgegangene Linie Montfort-Bregenz wurde von der Linie Montfort-Tettnang beerbt. Diese neue Bregenzer Linie gelangte über eine lokale Bedeutung nur unter Hugo XII., dem Minnesänger, hinaus. Durch Verkäufe 1451 und 1523 fiel die Grafschaft Bregenz an Österreich. Die Linie Montfort-Tettnang betrieb mit Erfolg eine expansive Politik und konnte sich im 15. Jh. neuerlich in Rätien festsetzen, mußte aber durch leichtsinnige Verschuldung seit dem 15. Jh. schwere territoriale Einbußen hinnehmen.

Quellen:
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J. Bergmann, Urkk. der vier vorarlberg. Herrschaften und der Gf.en v. M. und Werdenberg, AÖG III 1849 - A. Helbok, Reg. von Vorarlberg und Liechtenstein bis zum Jahre 1260, 1920/25.

Literatur:
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J. N. Vanotti, Gesch. der Gf.en v. M. und v. Werdenberg, 1845 [Nachdr. 1988; Bibliogr.] - B. Bilgeri, Gesch. Vorarlbergs, I-II, 1971-1974 - Die M.er Ausst.kat. des Vorarlberger Landesmus. 103, 1982.
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