Sohn des Grafen N.N.; Bruder des Grafen
Hugo III. von Tübingen
Sönke Lorenz: Seite 311 1995
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"Staufer, Tübinger und andere Herrschaftsträger im Schönbuch"
in: Von Schwaben bis Jerusalem
Graf Anselm, von Tubingius ob seiner
Verdienste um die Stiftung von Blaubeuren gewürdigt, hat in hochmittelalterlichen
Quellen kaum Spuren hinterlassen. Wenn das Fragment eines Blaubeurer Nekrologs
unter dem 25. Dezember Anshelmus com. und
unter dem 26. Dezember Berchta coma verzeichnet hat, dann möchte
man die beiden mit dem von Tubingius beschriebenen Ehepaar identifizierten.
Merkwürdig bleibt aber, dass der Name dieses von Tubingius als wichtige
Persönlichkeit geschilderten Grafen bei den späteren
TÜBINGERN nicht mehr zu finden ist - Heinrich und Hugo sind
wenigstens für drei Generationen die beherrschenden Leitnamen und
finden auch später noch fast regelmäßige Verwendung. Gleichwohl
ist nicht zu übersehen, dass der Name Anselm bei jenen Grafen vorkommt,
zu deren Amtsbereich der Nagoldgau gehörte, jener Siedlungsraum also,
den auch der Comitat von Graf
Heinrich I. von Tübingen umfaßte und der noch für
längere Zeit zum Herrschaftsbereich der
TÜBINGER gehörte: Für 966 und für 1048 ist
jeweils ein Graf Anselm belegt. Ferner trat ein schwäbischer
Graf Anselm auf dem berühmten Ulmer Reichstag von 1027 in
Erscheinung, dessen ungenannten Amtsbereich die Literatur gerne im Nagoldgau
vermutet. Mit Graf Anselm und dem Nagoldgau wird gelegentlich auch jener
Heinrich-Denar in Zusammenhang gebracht, den die Umschrift ANSHALM ziert
und den man heute als Esslinger Beischlag aus der Zeit HEINRICHS
III. anspricht. Karl Schmid hat auf eine Sippe mit dem häufig
vorkommenden Namen Adalbert und Anshelm aufmerksam gemacht, die etwa von
der Mitte des 10. Jahrhunderts an bis in die SALIER-Zeit
hinein durch zahlreiche Gedenkbucheinträge faßbar wird und mit
der vielleicht die für den Nagoldgau belegten Grafen in Zusammenhang
stehen. Aber wie die heute kaum noch faßbaren verwandtschaftlichen
Verhältnisse dieser Zeit auch immer ausgesehen haben, es bleibt jedenfalls
denkbar, dass jener Anselm, dessen Comitat 1048 den Nagoldgau umfaßte,
eine Vorfahre des Stifters von Blaubeuren war, vielleicht der Vater, vielleicht
sogar Graf Anselm von Tübingen
selbst.
Dr. L. Schmid: Seite 37 1853
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"Geschichte des Pfalzgrafen von Tübingen"
Graf Anselm und seine Angehörigen
haben das Meiste beider Klosterstiftung getan, und sie zur Vollendung geführt,
daher ihm die andere Hälfte der Stiftung zugeschrieben wird. Was derselbe
in Gemeinschaft mit seinem Bruder Hugo
beigesteuert hat, haben wir bereits oben angegeben. Für sich und seine
Gemahlin gab er Rotenacker und Heudorf; auch stifteten sie miteinander
verschiedene kostbare, mit Edelsteinen verzierte Kirchengeräte.
Anselm war es auch, der, nach Tubingius, sich wegen Besetzung
des Klosters mit Mönchen an den berühmten Abt Wilhelm von Hirschau
wandte, der Azelinus als Abt und eine Anzahl Mönche hersandte. Anselms
Gemahlin hieß Bertha; ihr Herkommen ist nicht angegeben. Am
meisten scheint die Ansicht für sich zu haben, die sie für eine
Gräfin von Kellmünz (an der Iller) und für identisch mit
der Gräfin Bertha von Kellmünz hält, die in der pfalzgräflichen
Urkunde von 1173 genannt wird. Indes glauben wir auch dies verwerfen zu
müssen.
Es steht nichts im Wege anzunehmen, dass die Grafschaft, die das Haus
TÜBINGEN um diese Zeit besaß, unter 2 Brüder geteilt
war. Hugo dürfte
die unteren Bezirke Ammerthal und Schönbuch, Anselm
den Nagoldgau erhalten haben, während dem 3. Bruder Sigibot
die Allodialbesitzungen, besonders in der Gegend von Blaubeuren,
zugefallen waren.
oo Bertha
-26.12.
Bertha scheint ihren Gemahl Anselm
nicht, oder nicht lange überlebt zu haben, da ihrer in der Geschichte
der Klosterstiftung sonst nicht mehr gedacht wird.
Kinder:
Heinrich I.
-28.2.1103
Hugo
- 1103?