Adelheid von Enzberg                                Gräfin von Tübingen
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    -11.3.1122
 

Begraben: Kloster Sinsheim

Tochter des Grafen Zeisolf im Kraichgau
 

Sönke Lorenz: Seite 307-308  1995
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"Staufer, Tübinger und andere Herrschaftsträger im Schönbuch"
in: Von Schwaben bis Jerusalem

Heinrichs I. Gemahlin Adelheid (von Enzberg) war nach Rom gezogen, um im Sinne der Hirsauer Reform, das neue Kloster dem heiligen Petrus zu übertragen. Mit Blick auf die Gräfin hielt die Bulle fest, dass Blaubeuren "durch den Eifer ihres Schwiegervaters von Grund auf gebaut wurde". Den Namen des Vaters von Heinrich I. und Hugo II. teilt das Schreiben Urbans II. aber nicht mit, für ihn trägt allein Tubingius die Gewähr, der den principalis inchoator et fundator Blaubeurens als Graf/Pfalzgraf Anselm namhaft macht. Als Gemahlin Anselms nennt der Chronist eine Bertha, die auch als Mutter von Heinrich I. und Hugo II. bezeichnet wird. Anselm hatte laut Tubingius mehrere Brüder: Sigiboto comes de Rugga (Ruck), Hugo I. von Tübingen und - der Chronist ist sich nicht sicher - einen Walter.
In der Bulle Urbans II. für Blaubeuren werden Heinrich I. und Hugo II. noch als lebend erwähnt. Heinrich I. starb vor 1105, an einem 28. Februar, denn laut einem Eintrag in den zwischen 1099 und 1105 erstellten Anlageteil der St. Pauler Handschrift des Schenkungsbuches von St. Gregor vermachte seine Witwe Adelheid dem Priorat an der Murg 3 Huben in Sindlingen (bei Herrenberg) und die Hälfte der Kirche in Niefern an der Enz. Die Schenkung in Sindlingen vollzog Graf Hugo II. pro anima fratris sui Heinrici comitis, und zwar auf Veranlassung von Gräfin Adelheid.
 
Dr. L. Schmid: Seite 38-41  1853
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"Geschichte des Pfalzgrafen von Tübingen"

Graf Heinrich und vor allem seine Gemahlin Adelheid ließen es sich ganz besonders angelegen sein, der Klosterstiftung ihre Vollendung zu geben. Heinrich schenkte für sich Hadenhausen (unbekannt), Berghülen, Hohenhülen, Tragenweiler, Winnenden, mit seinem Bruder Hugo Bremelau, 2 Bauernhöfe bei Asch und 2 bei Gerhausen. Der Adelheid wird insbesondere die bereits erwähnte Schenkung Anselms von Rotenacker und Heudorf zugeschrieben. Sie überbot ihren Gemahl noch an frommen Eifer, für das Kloster zu sorgen. Um der Stiftung die Krone ausfzusetzen, reiste sie nach Rom, legte das von ihrem Schwiegervater "von Grund auf gestiftete" Kloster den Wünschen ihres Gemahls und Schwagers gemäß, auf den Altar des heiligen Petrus nieder, übergab es dem päpstlichen Stuhl als Eigentum, und bat um Bestätigung der Stiftung. Gerne gewährte der Heilige Vater die Bitte "seiner geliebten Tochter".
Außer der Bestätingungsurkunde brachte die fromme Adelheid von dem Sitze aller Gnaden dem Kloster verschiedene Reliquien, die sie nebst mancherlei Kostbarkeiten dem Kloster übermachte.
Heinrichs Gemahlin, Adelheid, die ihn um viele Jahre überlebte, schenkte nach seinem Tode an das Kloster Reichenbach 3 Huben, ohne die dazu gehörigen Gebäude zu Sindelingen (Sindlingen, Oberamts Herrenberg), und die halbe Kirche in Niefern.
Das Herkommen der Adelheid betreffend, so nennt sie Tubingius eine Gräfin von Enzberg, was mit andern Angaben in der Hauptsache zusammenstimmt. Die Chronik des Klosters Sinsheim (in Baden), deren Verfasser alte Dokumente vor sich hatte, nennt sie eine Tochter des Kraichgaugrafen Ceizolf, dessen Mutter Azela die Schwester von Kaiser HEINRICHS IV. und dessen Bruder Johannes Bischof von Speier war. Nach den Gütern zu schließen, die diese Familie an das von ihr gestiftete Kloster Sinsheim geschenkt hat, war dieselbe unter anderem begütert in Enzeber (Enzberg), Niefern, Dürrmenz, Lienzingen, Ceizolfsweiler (Zaisersweiher) sämtlich im württembergischen Oberamte Maulbronn; Kisselbronn, Münzesheim, Büchig.
Die Gräfin Adelheid, deren Frömmigkeit die Chroniken der Klöster Blaubeuren und Sinsheim nicht genug erheben können, blieb, wie es im voraus zu erwarten ist, mit dem erstgenannten Kloster auch nach dem Tode ihres Gemahls in mehrfacher Berührung. Ihr Oheim, der Bischof Johannes von Speier (1090-1104) tat ohne Zweifel auf ihre Veranlassung besonders viel zur Vollendung des Klosters Blaubeuren, dessen Kirch erst 1124 eingeweiht wurde. In alten Aufzeichnungen des Klosters steht ihr Name neben dem des Abts Rudger zu dem Jahr 1116.
In gleichem Grade nahm sich die fromme Gräfin, die den Ehren der Welt entsagt hatte, des Klosters Sinsheim an. Sie bestätigte als die einzige Erbin ihres Hauses alle von demselben an das Kloster gemachten Schenkungen und machte mit dem Abte Adelgerus 1115 eine zweite Reise nach Rom, um die Bestätigung der Privilegien von Sinsheim auszuwirken. Adelheid schied im Jahr 1122 aus der Welt und fand ihre Ruhestätte im Kloster Sinsheim, mitten unter den Ihrigen.
Da die Gräfin Adelheid die Erbtochter eines reichen Hauses war, so könnte man erwarten, das Haus TÜBINGEN sei durch diese Heirat bedeutend an Besitzungen reicher geworden. Dem ist aber nicht so, was ihre Zweifel hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben ist, dass die Verbindung der Adelheid mit Graf Heinrich mit keinem, wenigstens keinem überlebenden Erben gesegnet war, und Adelheid ihren Gemahl überlebt hat; auch war der Besitzstand ihrer Familie durch die vielen Schenkungen an das Kloster Sinsheim bedeutend verringert.
 
 
 

 
  oo Heinrich Graf von Tübingen
   x         -28.2.1103