Giso II.                                            Graf in Hessen
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    -   1073
 

Sohn des Grafen Giso I.
 

Geschichtsverein Wetter e.V.
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Giso II.

Eine Geschichte von Verschwörung und Tod

Im Jahre 1049 ist in einer Fuldaer Kaiserurkunde ein Graf Giso im Gefolge Heinrichs III. bezeugt. Es ist anzunehmen, daß es sich hier um jenen Grafen Giso handelt, der auch zum engeren Kreis um Heinrich IV. gezählt wird [Diefenbach 120 f ], und der am Königshof als Drahtzieher einer aufsehenerregenden, hinterhältigen Machenschaft in Erscheinung trat. Diese Intrige aber sollte ihn am Ende das Leben kosten.

Nach dem Tode seines Vaters bestieg Heinrich IV. als Sechsjähriger den Thron. Die Regentschaft für den jungen König übernahm seine Mutter, Kaiserin Agnes von Poitou. Als Folge ihrer Politik, sie belehnte Rudolf von Rheinfelden mit dem Herzogtum Schwaben und Otto von Nordheim mit dem Herzogtum Bayern, hatte sie wichtige Kronlande an am Ende unsichere Gefolgsleute aus der Hand gegeben und den politischen Spielraum ihres Sohnes massiv beschnitten.
Das Königshaus besaß nun kein Herzogtum mehr und Heinrich versuchte, nachdem er im Jahre 1065 die Amtsgeschäfte übernommen hatte, die Grundlage seiner Herrschaft durch „Abrunden" seines verbliebenen Besitzes zu verbessern und auch die Herzogtümer zurückzugewinnen. Er hatte hierbei insbesondere die sächsischen und thüringischen Gebiete ins Auge gefaßt, die seinen Ländereien benachbart waren.
Als er gegen die Besitzungen und Lehen Ottos von Nordheim am West- und Südrande des Harzes vorging, die seinem Ziel dabei unmittelbar im Wege standen, kam es zum offenen Konflikt. Otto widersetzte sich.

Heinrich IV. hielt sich über die Pfingstfeiertage des Jahres 1070 in Fritzlar auf. Dort erschien Egeno, ein niederer Adliger von zweifelhaftem Ruf, und erhob Anklage gegen Otto. Er berichtete, er sei von Otto von Nordheim angeworben worden, um in dessen Auftrag den König zu erschlagen. Zum Beweis präsentierte er den Anwesenden das Schwert, das man ihm angeblich für diese Tat übergeben hatte.
Dieser Vorwurf wog schwer, und obwohl der Beklagte seine Unschuld beteuerte, wurde Otto zu einem klärenden Zweikampf, einem Gottesurteil, mit Egeno aufgefordert und mußte vor seinem König erscheinen. Der Bayern-Herzog stand bei den Reichsfürsten in hohem Ansehen. Die Aufforderung, durch ein Duell mit einem „gemeinen Strauchdieb" seine Ehre wiederherzustellen, sich so vom Vorwurf reinwaschen zu müssen, erregte allgemein böses Blut.
Als Otto für die Durchführung seines Kampfes unerfüllbare Forderungen stellte [Gebhard 251] und nicht erschien, verhängte Heinrich die Acht, setzte ihn als Herzog ab und zog seinen Besitz ein. Schon seit fränkischer Zeit war dies die rechtliche Konsequenz für jene Art der Verweigerung. Der Bestrafte verlor seinen Anspruch auf Schutz, wurde vogelfrei, ein „Wolfsgenoß", und konnte nun wie ein Vogel oder Wolf von jedem straflos erschlagen werden.
Otto griff zu den Waffen, verbündete sich mit Magnus Billung, dem Sohn des Sachsen-Herzogs, und zog in den Kampf. Bereits Anfang 1071 mußten sie sich geschlagen geben und der Gnade des Königs unterwerfen. Sie wurden in Haft genommen.

Als Anstifter und Urheber des Komplotts werden Graf Giso von Hollenden und Graf Adalbert von Schauenburg bezeichnet. Sie sollen, wohl mit Wissen oder gar auf Befehl des Königs, den Plan geschmiedet, die Anklage formuliert und durch ihr gekauftes Werkzeug Egeno an die Öffentlichkeit getragen haben. Ziel war die vollständige Entmachtung des Bayern-Herzogs, sowie die Enteignung seines gesamten Besitzes. Auch der direkte Zugriff auf sächsische und thüringische Gebiete wäre Heinrich IV. dann leicht gefallen.
Auf Fürsprache Erzbischofs Adalbert von Bremen wurde Otto von Nordheim nach einem Jahr begnadigt. Er mußte der Krone einen Teil seiner verbliebenen Reichslehen abtreten, erhielt aber seinen Familienbesitz, sein Allodialgut, zurück. Nur Magnus Billung blieb weiter in Haft. Der Konflikt war damit in keiner Weise beigelegt. In der Auseinandersetzung mit den Sachsen bedeutete dieser Friede lediglich einen Waffenstillstand.

„ Als der König 1073 zu einem Feldzug gegen Polen aufbot, machten die sächsischen Fürsten ihre Teilnahme davon abhängig, daß vorher ihre Beschwerden berücksichtigt wurden. Da der König dies ablehnte, kam es zu einer förmlichen Verschwörung der sächsischen Fürsten, deren Führer immer mehr Otto von Nordheim wurde. Als der König einer neuen Gesandtschaft abermals eine hinhaltende Antwort gab, zog man mit einer Heeresmacht vor die Harzburg, auf der sich der König aufhielt. Heinrich mußte nach Hessen flüchten, da er den Sachsen militärisch nicht gewachsen war. Die Aufstandsbewegung erfaßte ganz Sachsen und Thüringen, auch ein Teil der Burgen fiel in die Hand der Gegner."   [Gebhard 251 ]

Der Chronist Lampert von Hersfeld erwähnt für das selbe Jahr dann folgende Begebenheit :

Giso quoque comes et Adalbertus cum quatuor filiis suis ( ) ob hostibus suis ob privatas quasdam inimicicias occisi sunt in castello ipsius Gisonis Hollenden ."  [Reuling 416]
dt. : „ Graf Giso und Graf Adalbert ( von Schauenburg ) mit dessen vier Söhnen ( ) sind von Feinden aufgrund gewisser persönlicher Feindschaften in Gisos Burg Hollende erschlagen worden."

Otto von Nordheim hatte sich mit dieser Bluttat offenbar gezielt der Auslöser seines Unglückes auf endgültige Art und Weise entledigt. Auch Egeno, dem Ankläger Ottos, blieb ein unrühmliches Ende nicht erspart. Er wurde, so Lampert von Hersfeld, nach einem weiteren Straßenraub ergriffen und geblendet und soll danach als Bettler von Haus zu Haus gezogen sein.

Giso von Hollenden ist durch seinen literarisch belegten Tod der erste Gisone, dem die Hollende als Sitz zweifelsfrei zugeschrieben werden kann und gilt damit kritischen Autoren als eigentlicher Namensgeber des Grafengeschlechtes. [Diefenbach 115]



Literatur:
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DIE SALIER UND DAS REICH. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band I Seite 342,346,355, 360,362 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 214 -