Bayern
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1696
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Bayern
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A. Das Stammesherzogtum des Früh- und Hochmittelalters (ca. 500-1000)

I. DAS ÄLTERE STAMMESHERZOGTUM (ca. 500-788)

[1] Die Ursprünge:
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Die Bayern treten als "Bajuvarii" (= Männer aus dem Lande Baia = Böhmen ?) erstmals in der 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts im Raum der ehemaligen römischen Provinz Noricum und Raetia II auf. Ihre Herkunft ist noch ungelöst und Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen (Kelten-, Markomannen-, Sueben-, Frankenhypothese usw.). Heute besteht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass vermutlich unter dem Ostgoten-König Theoderich (471-526) zu Beginn des 6. Jahrhunderts das Land der von ihm beanspruchten römischen Provinz Noricum und Raetien eine neue germanische Herrschafts- und Bevölkerungsschicht erhielt, die wohl von Böhmen her eingewandert war und mit der die noch ansässigen römischen Provinzialen sowie anderen Stammessplitter der Völkerwanderung verschmolzen. Im Rahmen der Bündnispolitik Theoderichs mit den Thüringern und Franken mag das Machtvakuum in den ehemals römischen Provinzen mit dem Herzogtum von Bayern aufgefüllt worden sein, wobei möglicherweise die Provinz Raetia II westlich des Lechs den von den Franken 496 geschlagenen Alamannen zugeteilt wurde. Nach dem Zusammenbruch der gotischen Vormachtstellung mit dem Tode Theoderichs wurde der gotische Herrschafts- und Einflussbereich nördlich der Alpen an die Franken abgetreten. Unter ihnen begegnet ein dux für die Bayern, Garibald I. Die Abhängigkeit vom Frankenreich war in der Folgezeit unterschiedlich. Seitdem die Langobarden 568 in Nord-Italien ihr Reich begründet hatten, traten die bayerischen Herzöge in Bündnisse mit ihnen ein. Eine Bestätigung hierfür ist die Heirat der Tochter des Bayern-Herzogs Garibald, Theudelinde, mit dem Langobarden-König Authari 589 (Schatz der Theudelinde im Dom zu Monza). 592 wird jedoch Herzog Tassilo I. durch den Franken-König eingesetzt, der 591 mit den Langobarden Frieden geschlossen hatte. Die bayerischen Herzöge gehörtem dem Geschlecht der ARNULFINGER an, das mit Garibald I. (ca. 530-590) seinen ersten urkundlich fassbaren Ahnherrn hat und Bayern bis 788 regierte. Seine Herkunft ist nicht erhellt: in langobardischen Quellen ist fränkische Abstammung bezeugt. Außerdem wird burgundischen und langobardischen Abkunft erwogen.

[2] Die frühe Siedlung:
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Der bayerische Siedlungs- und Herrschaftsraum, der durch die -ing-Orte markiert ist, erstreckte sich am Ende des 6. Jahrhunderts bereits bis zum Lech (starke schwäbische Siedlungsgruppen östlich davon in sich aufnehmend), im Süden bis zu den Alpen, wo die Bayern neben den Langobarden in den seit dem Ausgang des 6. Jahrhunderts vom Balkan aus vordringenden Awaren und Slawen neue Nachbarn erhielten. Ihr weiterer Vorstoß wurde im westlichen Pustertal erstmals 592 unter Herzog Tassilo I. von den Bayern zum Stehen gebracht, die sich damit den Weg nach Italien offen halten wollten. Herzog Tassilo III. bannte die Gefahr 772 endgültig. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts amtete in Bozen bereits ein bayerischer Grenzgraf, und die bayerische Siedlung drang über die Enns hinaus kolonisierend nach Osten vor. Auf dem bayerischen Nordgau verlief 805 die Nordgrenze der bayerischen Siedlung bei Premberg (Burglengenfeld), 905 bei Nabburg. Der Kernraum des Herzogtums war das Land an der Donau mit dem ehemaligen römischen Castrum Regensburg als Sitz des bayerischen Herzogs. Dort lag, meist in der Umgebung alter Römerkastelle, ausgedehntes herzogliches Fiskalgut, das vielleicht auf römisches Domänengut zurückgeht. Der Besitz der fünf anderen bayerischen Hochadels-Geschlechter der HUOSI, FAGANA, HAHILINGA, DROAZZA, ANNIONA scheint im westbayerischen Raum gelegen zu haben, wo sich allerdings auch Herzogsgut findet. Von einer "Zweiteilung" des Herzogtums in agilolfingischer Zeit zu sprechen, ist deswegen wohl überspitzt. Über die soziale Gliederung des Volkes in Adel, Freie und Unfreie gibt das zwischen 739 und 743 kodifizierte bayerische Volksrecht (Lex Bajuwariorum) Auskunft, das auch eine hervorragende Quelle für Volksleben und Volkskultur bildet.

[3] Mission und frühe Kirchengeschichte:
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Über die ursprüngliche Religion der Bajuwaren ist wenig bekannt. Während das Herzogs-Geschlecht von Anfang dem christlichen (katholischen) Glauben anhing, war das Volk in seiner Mehrheit im 6. Jahrhundert noch heidnisch. Die bereits im Lande ansässigen kelto-romanischen Christen konnten ihren Kult jedoch ungestört ausüben, wie es die Verehrung der römischen Märtyrer Afra in Augsburg und Florian im oberösterreichischen Lorch (Lauriacum) bezeugt. Die in der Römerzeit mit großer Wahrscheinlichkeit schon bestehende Kirchenorganisation dürfte allerdings nach dem Abzug der römischen Truppen und Staatsorgane weitgehend untergegangen sein (Vergleiche Vita Severini des Eugippius). Bayern musste deswegen fast wieder von Grund auf neu missioniert werden. Dies geschah hauptsächlich durch angelsächsische, aber auch durch irische und fränkische Mönche, die ihren Rückhalt weniger im Papsttum als bei den fränkischen Königen hatten, welche in der Christianisierung eine wertvolle Hilfe für die politische Erschließung der eroberten Gebiete erblickten. Bereits zu Beginn des 7. Jahrhunderts wirkten die 3 irischen Wandermönche Agilus, Eustasius und Agrestius aus dem Jura-Kloster Luxeuil in Bayern; das Kloster Weltenburg führt seine Gründung auf Eustasius zurück. Gegen 700 kamen die irischen, in ihrer Mehrzahl aber wohl westfränkischen Missionare Erhard von Narbonne und Emmeran von Poitiers nach Regensburg, Rupert aus dem Wormsgau nach Salzburg und Korbinian aus Arpajon bei Melun nach Freising, alle auf Geheiß der bayerischen Herzöge, die an den genannten Orten ihre Pfalzen hatten. Herzog Theodo erreichte 716 von Papst Gregor II. eine Anweisung (älteste Urkunde der bayerischen Geschichte) für die Einrichtung von festen Bistümern in einem bayerischen Metropolitansprengel, doch kam diese nicht oder nur teilweise zur Ausführung. So vollendete der Angelsachse Winfried (Bonifatius) mit seinen Helfern die bayerische Kirchenorganisation 739 im Zusammenwirken mit Herzog Odilo im Auftrag Papst Gregors III. An den früheren Herzogssitzen wurden Bistumssitze eingerichtet und kanonisch geweihte Bischöfe eingesetzt (Regensburg, Freising, Salzburg, Passau). Die Bistümer Säben, Brixen und Augsburg, die älter waren, wurden davon nicht berührt. Entscheidender als die Einrichtung von festen Bischofssitzen waren für die Missionierung des Landes die Klöster, die seit dem 7. Jahrhundert ins Leben gerufen wurden. Die große Welle der benediktinischen Kloster-Gründungen setzte jedoch erst im 8. Jahrhundert unter der Regierung Herzog Tassilos III. (748-788) ein. Tassilo selbst gründete (zumindest gilt er als Gründer) die Klöster Kremsmünster (777, Tassilo-Kelch), Niederaltaich, Innichen (769), Niedermünster zu Regensburg, Thierhaupten, Polling, Wessobrunn, Mondsee, Mattsee usw. Hochadlige Geschlechter des Landes, wie zum Beispiel die HUOSI, gründeten die Stifte Tegernsee und Benediktbeuren. Die Bistümer selbst wurden Besitzer von Eigenklöstern (zum Beispiel Scharnitz-Schlehdorf). Das staatliche und religiöse Leben wurde auf Landessynoden geordnet (Aschheim 750 und 756, Neuching 771, Dingolfing 774). Die Klöster entwickelten sich in kurzer Zeit zu Zentren geistlicher, geistiger und weltlicher Kultur, in denen Schulen eingerichtet und von denen aus das Land gerodet wurde. Im Bund mit den Bistümern wetteiferten sie in der Ostmission (Innichen, Kremsmünster, Chammünster, St. Emmeran, Niederaltaich, Metten), die mit der bayerischen Kolonisation einherging.

II. BAYERN IM KAROLINGERREICH (788-911):

[1] Politische Geschichte:
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Seit dem 8. Jahrhundert versuchten die KAROLINGER, das relativ unabhängig gewordene Herzogtum Bayern wieder stärker unter ihre Kontrolle zu bringen (Vorstoß Karl Martells nach Bayern 725; Sieg Pippins und Karlmanns über Herzog Odilo am Lech 743). Obwohl Herzog Tassilo III. 757 Pippin und seinen Söhnen den Lehnseid schwören musste, führte er seine selbständige Politik im Bündnis mit den Langobarden fort - er heiratete 765 die langobardische Königs-Tochter Liutberga. Die Unterwerfung der Langobarden 774 durch KARL DEN GROSSEN beraubte den Herzog seiner wichtigsten Bundesgenossen. 788 wurde Tassilo von KARL DEM GROSSEN wegen angeblicher Fahnenflucht als Herzog abgesetzt und mit seiner ganzen Sippe in Klöster verbannt. Bayern wurde fränkische Provinz. Nach dem Bericht Einhards gab KARL DER GROSSE Bayern Grafen zum Regieren, was als Einführung der fränkischen Grafschaftsorganisation gedeutet wird, die wohl auf agilolfingische Vorläufer zurückgriff. Die Grafen waren vermutlich Angehörige fränkischer "Reichsaristokratenfamilien", die sich aber bald mit dem einheimischen Adel versippten. Nach der Eingliederung ins Frankenreich blieb Bayern in seinem territorialen Umfang erhalten und behielt sein eigenes Stammesrecht. Die Eigenständigkeit der karolingischen Provinz Bayern wurde noch dadurch erhöht, dass KARL DER GROSSE 798 eine bayerische Kirchenprovinz mit Salzburg als Erzbistum begründete. Die Einrichtung von Marken an der Ostgrenze sicherte das Land vor den Awaren. Unter Ludwig dem Deutschen (817-876) und unter Karlmann (876-880) ist Bayern karolingisches Teil-Königreich. Nach dem Aufgehen Bayerns im ostfränkischen Reich war Regensburg neben Frankfurt der Hauptort des Reiches (Errichtung einer neuen Pfalz durch Kaiser ARNULF "VON KÄRNTEN"; spätkarolingische Grablege in St. Emmeram).

[2] Die Klöster und ihre Bedeutung für die kulturelle Entwicklung:
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Die in der AGILOLFINGER-Zeit begründete Klosterkultur der nunmehrigen Reichsklöster setzte sich ohne Bruch im KAROLINGER-Reich fort. "Der Stamm an der Grenze der abendländischen Welt" rezipierte als erster im Gebiet des heutigen Deutschland die lateinische Bildung durch eigene literarische Schöpfungen. Waren in der Frühzeit des Stammesherzogtums insulare und langobardisch-südliche Kultureinflüsse stärker ausgeprägt, die zur Begegnung mit der lateinischen Liturgie führten, so wurde die von Anfang an vorhandene westliche Kulturströmung aus dem fränkischen Reich aufgrund der herrschaftlich-staatlichen Bindungen seit der KAROLINGER-Zeit immer bestimmender. Träger der kulturellen Aktivität waren seit dem 8. Jahrhundert die Domklöster an den Bischofssitzen (Abt-Bischof Virgil von Salzburg, ca. 700-784) und die benediktinischen Monasterien von Benediktbeuren, Wessobrunn, Niederaltaich, Tegernsee, Herrenchiemsee, Niedernburg (Passau), Monsee und Kremsmünster. Sie setzt sich in die KAROLINGER-Zeit ungebrochen fort (Augsburger beziehungsweise Staffelseer Schreibschule; Wessobrunner Gebet), wobei die Hofkapelle der ostfränkischen KAROLINGER die "dichteste Kontaktstelle zwischen karolingischer Politik und bayerischem Episkopat" war. Theologische, seelsorgerische und hagiographisch-biographische Gebrauchsliteratur überwog, auch gab es bereits Ansätze für annalistische Fixierung, sowie poetische Versuche neben Rechtssammlungen.

III. DAS "JÜNGERE" STAMMESHERZOGTUM (ca. 907-1180):

[1] Politische Geschichte:
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Der gegen Ende des 9. Jahrhunderts einsetzende Niedergang des Reiches ließ führende Adelsgeschlechter in den Stämmen wieder zu Herzögen aufsteigen, wodurch das sogenannte "jüngere" Stammes-Herzogtum begründet wurde. Der Sohn des mit dem bayerischen Heerbann gegen die Ungarn bei Pressburg 907 gefallenen Markgrafen Luitpold, Arnulf (907-937) nannte sich wieder Herzog von Bayern. 919 zum König (von Bayern? von Ost-Franken?) gewählt, unterwarf er sich nach anfänglichem Widerstand dem von KONRAD I. designierten, von Franken und Sachsen zum König erhobenen Heinrich I. von Sachsen, der ihm sonst außen- und kirchenpolitische Selbständigkeit beließ. Durch die Säkularisierung von Klostergütern, die Arnulf an berittene Vasallen zur Ungarnabwehr zu Lehen ausgab (Beiname: der Böse), konsolidierte er seine Macht. König OTTO I. entsetzte die LUITPOLDINGER des Herzogtums Bayern 947, das er seinem Bruder Heinrich, der mit der LUITPOLDINGERIN Judith, Tochter Herzog Arnulfs, verheiratet war, übertrug. Unter seinem Sohn Heinrich dem Zänker (955-976 und 985-995) erhielt Bayern seine größte territoriale Ausdehnung überhaupt (953 Markgrafschaft Verona, Mark Krain und Istrien zu Bayern, aber bereits 976 dem von Bayern abgetrennten Herzogtum Kärnten zugeschlagen). Der Sohn des Zänkers, Heinrich IV. (995-1004), wurde 1002-1024 deutscher König (HEINRICH II.). Er stattete das 1007 von ihm begründete Bistum Bamberg vor allem mit bayerischen Herzogsgut aus. Unter den salischen Kaisern wurde Bayern zu einer Art Kronland, das von den regierenden Königen meist an Familienmitglieder verliehen wurde. Die Wahl durch die bayerischen Großen war dabei auf die Akklimation reduziert (1026-1027 Herzog Konrad = König KONRAD II.; 1027-1042 und 1047-1049 Herzog Heinrich VI. = Kaiser HEINRICH III.; 1054-1055 Herzog Konrad II., Sohn Kaiser HEINRICHS III.; 1053-1054 Herzog Heinrich VIII. = König HEINRICH IV.; 1055-1061 Herzogin Agnes, Witwe Kaiser HEINRICHS III.). Bayern wurde so eine entscheidende Machtgrundlage der deutschen Könige, Regensburg sogar einer der Hauptorte des Reiches. Seit 1070 herrschten für mehr als ein Jahrhundert die WELFEN als Herzöge von Bayern (bis 1180; mit Unterbrechung des Jahres 1139 bis 1156, in denen das Herzogtum in den Händen der BABENBERGER lag). Die Familie der jüngeren, italienischen WELFEN errang unter Herzog Heinrich dem Stolzen (1126-1138) 1137 auch das Herzogtum Sachsen, womit sie zur mächtigsten Familie im Reich aufstieg. So war der Grund zur Rivalität mit den STAUFERN gelegt, die 1180 mit der Absetzung Heinrichs des Löwen durch FRIEDRICH BARBAROSSA und der Verleihung des bayerischen Herzogtums an Otto von Wittelsbach sein Ende fand. Dieser war ein Nachkomme der seit der Mitte des 11. Jahrhunderts urkundlich nachweisbaren Grafen von Scheyern(-Wittelsbach), die seit ca. 1120 das bayerische Pfalzgrafen-Amt innehatten.

[2] Siedlung und Verfassung:
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Nach dem Sieg auf dem Lechfeld 955 über die Ungarn begann die zweite Welle der bayerischen Ostsiedlung. Um 970 war die in den Ungarnstürmen untergegangene bayerische Ostmark wieder aufgerichtet und über den Wienerwald hinaus erweitert worden. 976 wurden die BABENBERGER Markgrafen in der Ostmark, die Ende des Jahrhunderts erstmals "Ostarrichi" genannt wird. 1156 wird sie beim Ausgleich der BABENBERGER mit den WELFEN vom Herzogtum Bayern abgetrennt und mit der Verleihung an Heinrich Jasomirgott als Herzog zum selbständigen Herzogtum erhoben. Die Steiermark wurde 1180 abgetrennt, während das Kolonisationsgebiet in Kärnten und in den südlichen Marken Krain und Istrien schon seit 976 verloren war. Träger des Landesausbaus waren Bistümer, Klöster und der hohe Adel, deren Spuren in Besitz und Ortsnamen zum Teil bis in die Gegenwart nachwirken.
Grundherrschaft und Lehenswesen, die ihre Anfänge in agilolfingisch-karolingischer Zeit haben, kamen auch in Bayern seit dem ausgehenden 10. und 11. Jahrhundert zu voller Entfaltung. Zusammen mit Allodialbesitz wurden sie zu Grundlagen der Hochadelsherrschaften des 12. Jahrhunderts, wie sie die gräflichen Dynastengeschlechter der ANDECHS(ER), WITTELSBACH(ER), FALKENSTEIN (ER) (Codex Falkensteinensis), BOGEN(ER) usw. innehatten. Seit etwa 1000 begegnen in Bayern auch Ministerialen, die im ausgehenden 13. Jahrhundert zum landsässigen Adel aufstiegen und Landstände wurden. Bereits in agilolfingischer und karolingischer Zeit finden wir eine ausgebildete Großgrundherrschaft der größeren Stifte und Klöster (Fronhof- und Hufenverfassung; älteste Traditionsbücher: Indiculus Arnonis, Breviarius Urolfi, Freisinger Traditionscodex des Cozroh, Breviarium Exempla usw.). Seit der in ottonischer Zeit erfolgten Unterstellung der Bistümer und größerer Klöster unter Königsherrschaft, womit zugleich auch die Immunität (Freiheit vom Grafengericht, Einrichtung einer Gerichtsvogtei) verbunden war, verfügte das Königtum in Bayern über eine unmittelbare, vom Herzogtum unabhängige Machtgrundlage. Dies erklärt unter anderem die königstreue Haltung vieler alter bayerischer Stifte im Investiturstreit, während der Hochadel mit den von ihm gegründeten Familien-Klöstern (Reform- und päpstliche Klöster) zum Teil der päpstlichen Partei anhing. Über den Umweg der Vogtei gelang es den gräflichen Dynasten, auch die Herrschaft über den Besitz der Reichskirche an sich zu reißen. Die vizekönigliche Stellung des bayerischen Herzogs, die sich gerade in der Reichslandepoche herausgebildet hatte, verhinderte mit der hier schon früh (1094) einsetzenden herzoglichen Landfriedenswahrung den vorzeitigen Auseinanderfall des landrechtlich/stammesherzoglichen Verbandes, der allerdings auch durch vasallitische Bindungen der Dynasten zum Herzog untermauert war. Die tatkräftige Wahrnehmung vizeköniglich-herzoglicher Rechte durch die ersten WITTELSBACHER war zusammen mit dem Erwerb unmittelbarer Herrschaften des aussterbenden Hochadels ein Hauptgrund für die Bewahrung des stammesherzoglichen Kernraumes in landesfürstlichen Territorialstaat.
 

B. Der Territorialstaat des Spätmittelalters (1180-1508)

I. DIE ERSTEN WITTELSBACHER HERZÖGE (1180-1255)

Die Belehnung des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach mit dem Herzogtum Bayern 1180 begründete eine neue Dynastie. Sein früher Tod 1183 stürzte das noch unfertige Herzogtum in eine schwere Krise. Sein Sohn Ludwig I. (1183-1231) musste sich gegenüber den zentrifugalen Tendenzen des Hochadels und der Bischöfe durchsetzen. In der Bogener Fehde unterlag er und wurde erst durch das Eingreifen Kaiser HEINRICHS VI. 1193 gerettet. Im Krieg mit den Bischöfen von Regensburg um die Rechte in der Stadt konnte er die Lösung des Hochstiftes und der Stadt vom Herzogtum nicht verhindern, dafür aber wichtige bischöfliche Lehen erhalten. Auch im Konflikt mit Erzbischof Eberhard II. 1218/19 musste er die Ausbildung des Erzstiftes Salzburg anerkennen, konnte aber das Peilsteiner Erbe Reichenhall behaupten. Obwohl seit 1198 auf staufischer Seite, erkannte er 1208 OTTO IV. an, was ihm die Bestätigung der Erblichkeit des Herzogtums Bayern sowie die Reichslehen des Mörders König PHILIPPS VON SCHWABEN, des Pfalzgrafen Otto VIII., sowie des (angeblich gleichfalls an der Mordtat beteiligten) ANDECHSER Heinrich von Istrien eintrug. Die Verlobung seines Sohnes Otto mit Agnes, Tochter des welfischen Pfalzgrafen Heinrich des Langen und die Anerkennung König FRIEDRICHS II. im Jahre 1212 brachte 1214 die Belehnung mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein. Durch dieses Amt stärker an der Reichspolitik beteiligt, leitete er 1221 den Kreuzzug nach Kairo; 1226 wurde er Reichsgubernator und Vormund König HEINRICHS (VII.). Dessen Verbindung mit den 1227 rehabilitierten ANDECHSERN ließ das Verhältnis zu den STAUFERN abkühlen, doch wurde 1229/30 der Frieden  wiederhergestellt. Otto II. (1231-1253) kam in seinem Krieg mit HEINRICH (VII.) und den bayerischen Bischöfen in schwere Bedrängnis, aus der ihn erst der Anschluss an Kaiser FRIEDRICH II. befreite. Doch als 1238 Otto II. Hoffnungen auf die Länder des geächteten Herzogs Friedrich II. von Österreich enttäuscht wurden, konnte ihn der päpstliche Legat Albert Behaim, der ihn gegen die Bischöfe unterstützte, vorübergehend für den Kampf gegen FRIEDRICH II. gewinnen. Die wachsende Isolierung führte den Herzog 1241 an die staufische Seite zurück. Die Verbindung wurde durch die Vermählung König KONRADS IV. mit Elisabeth, Tochter Ottos II., noch enger geknüpft, womit sich dieser die Exkommunikation zuzog. Die Erwerbung Österreichs gelang auch 1246 nicht, doch konnte der Herzog 1242 die Grafen von Bogen, 1248 die ANDECHSER und die älteren ORTENBURGER beerben und Konrad, den letzten Grafen Wasserburg, vertreiben.
 

II. VON DER ERSTEN TEILUNG BIS ZUM TODE LUDWIGS DES BAYERN (1255-1347)

Die Söhne Herzog Ottos II. teilten 1255 Bayern: Ludwig II. (1253/55-1294) bekam den kleineren westlichen Teil Bayerns ("Ober-Bayern"), den Nordgau und die Pfalzgrafschaft bei Rhein, Heinrich XIII. (1253/55-1290) den größeren östlichen Teil Bayerns ("Nieder-Bayern"). Als staufische Parteigänger traten die Herzöge für ihren Neffen Konradin ein. 1269 teilten sie das "Konradinische Erbe" auf dem Nordgau und am oberen Lech. Sie übten beide bei den Königswahlen von 1257 und 1273 jeweils für Bayern und die Pfalzgrafschaft das Kurrecht aus. Von seinem Bruder im Stich gelassen, musste Heinrich XIII. 1282 die Festsetzung der HABSBURGER in Österreich und 1289 den Verlust der bayerischen Kur an Böhmen hinnehmen. Der Kampf an der Seite König ADOLFS gegen seinen habsburgischen Gegner ALBRECHT I. führte die Herzöge Rudolf I. von Ober-Bayern und Otto III. von Nieder-Bayern 1298 in die Niederlage von Göllheim. Nach dem Zusammenbruch einer weiteren Erhebung gegen ALBRECHT I. musste Herzog Rudolf einen Teil des "Konradinischen Erbes" abtreten und seinen Bruder LUDWIG IV. (1294/1301-1347) zum Mitregenten annehmen. Zur Schuldentilgung bewilligte 1302 der oberbayerische Adel auf einem Rittertag zu Oberschneidbach erstmals eine Viehsteuer. 1307 verpfändeten die Herzöge den drei Ständen der Ritter, Prälaten sowie Städten und Märkten gegen eine weitere Steuerbewilligung die Ingolstädter Münze. Inzwischen war Otto III. als Enkel König Belas IV. von Ungarn 1305 zum ungarischen König gekrönt worden, konnte sich jedoch gegen den Prätendenten Karl Robert von Anjou nicht halten und musste 1307 Ungarn verlassen. Die bei diesem Unternehmen und im österreichischen Krieg 1309-1311angehäuften Schulden nötigten Otto III. 1311 zum Erlass der "Ottonischen Handfeste": Gegen die Gewährung einer einmaligen Vieh- und Getreidesteuer erhielten Ritter und Prälaten die niedere Gerichtsbarkeit in ihren Hofmarken. Die Wahrung der Vormundschaft über die 3 nieder-bayerischen Herzöge nach dem Tod Ottos III. (+ 1312) veranlasste LUDWIG IV. zur Aussöhnung mit seinem Bruder Rudolf und zum Bruch mit Österreich. Der Sieg bei Gammelsdorf 1313 wehrte den Zugriff der HABSBURGER auf Nieder-Bayern ab und verbreitete LUDWIGS Ruhm im Reich. 1314 wurde LUDWIG von der luxemburgischen Partei der Kurfürsten zum Römischen König gewählt. In seinem Kampf um den Thron zwang er Herzog Rudolf 1317 zum Verzicht auf die Herrschaft und schlug zusammen mit seinen niederbayerischen Vettern 1322 den Gegen-König FRIEDRICH DEN SCHÖNEN bei Mühldorf entscheidend. Bayern bildete seitdem die unerschütterliche Basis seiner Reichspolitik, auch nach seiner Exkommunikation (1324). Noch 1323 hatte er seinen Sohn Ludwig V. die durch das Aussterben der ASKANIER erledigte Mark Brandenburg verliehen. Nach der Einigung mit FRIEDRICH DEM SCHÖNEN und der Kaiserkrönung (1328) verglich er sich mit den Erben seines Bruders Rudolf: Im Hausvertrag von Pavia trat er 1329 an Rudolf II., Ruprecht I. und II. die Pfalzgrafschaft bei Rhein und fast den ganzen Nordgau ("Ober-Pfalz") ab. Die Ausübung der Kur sollte künftig zwischen den beiden wittelsbachischen Linien wechseln. 1340 erlosch die niederbayerische Linie; ihr Territorium fiel an Ober-Bayern zurück. 1342 ließ Kaiser LUDWIG die Ehe der Gräfin Margarethe Maultasch von Tirol mit Johann Heinrich von Luxemburg für ungültig erklären und vermählte sie mit seinem Sohn Ludwig V. 1346 brachte er auf Grund des Erbrechts seiner zweiten Gattin Margarethe die Grafschaften Holland, Seeland, Friesland und Hennegau an sich. Seine Hausmachtpolitik untergrub schließlich seine Stellung. Der Tod LUDWIGS DES BAYERN (1347) verhinderte den Entscheidungskampf mit KARL IV.

III. DIE TEILUNG UND DIE TEILHERZOGTÜMER DES 14. UND 15. JAHRHUNDERTS (1347/49-1450)

Gegen LUDWIGS DES BAYERN Pläne teilten seine 6 Söhne 1349 beziehungsweise 1351/53 Bayern und die hinzuerworbenen wittelsbachischen Territorien dergestalt auf, dass Ludwig V. Ober-Bayern mit Tirol, Ludwig VI. und Otto V. gemeinsam die Mark Brandenburg, Stephan II. fast ganz Nieder-Bayern mit der Hauptstadt Landshut, Wilhelm I. und Albrecht I. das Straubinger Land und die Niederlande erhielten. Bei dieser Zersplitterung ihrer Hausmacht waren die bayerischen Herzöge Kaiser KARL IV. nicht gewachsen und mussten es hinnehmen, dass in der Goldenen Bulle (1356) unter Umgehung der bayerischen Ansprüche allein die pfälzische Kurwürde anerkannt wurde. Schon 1363 fiel Ober-Bayern an Stephan II. von Nieder-Bayern zurück. Dagegen konnte dieser Tirol, das die Herzogin-Witwe Margarethe sogleich an Herzog Rudolf IV. von Österreich übergab, gegen die mit Kaiser KARL IV. verbündeten HABSBURGER nicht halten. Im Frieden von Schärding musste Stephan II. 1369 Tirol preisgeben. KARL IV. konnte inzwischen seinen Einfluss auch auf die Mark Brandenburg ausdehnen und nötigte den schwachen Otto V., der bereits seinen Neffen Friedrich zum Erben eingesetzt hatte, nach zwei militärischen Einfällen im Frieden von Fürstenwalde (1373) zur Abtretung Brandenburgs. In Bayern regierten die drei Söhne Stephans II. (+ 1375) gemeinsam. Die Aussöhnung mit den LUXEMBURGERN und die erfolgreiche Vermittlung im Städtekrieg (1377) brachte den Herzögen Stephan III. und Friedrich vorübergehend die Reichslandvogteien in Ober- und Nieder-Schwaben ein. Auch schlossen sie sich dem Rothenburger beziehungsweise Nürnberger Landfrieden König WENZELS an. Der kurze bayerisch-österreichische Krieg um den Einfluss auf die Propstei Berchtesgaden endete mit einem Bündnis der bayerischen Herzöge mit Herzog Leopold III. gegen die Städtebünde (1382) und mit einem Vergleich über Berchtesgaden (1384). Das Bündnis der schwäbischen Städte mit Erzbischof Pilgrim II. von Salzburg führte 1388 zum Krieg der bayerischen Herzöge mit König WENZEL und dem schwäbischen und rheinischen Städtebund. Zur Wahrung des Egerer Reichslandfriedens von 1389 diente ein Sechserausschuss von Fürsten, an deren Spitze seit 1390 Herzog Friedrich stand. Auf Drängen Herzog Johanns II., der sich bei der ehrgeizigen Politik seiner Brüder zurückgesetzt fühlte, kam es 1392 zu der von den Landesständen durchgeführten dritten bayerischen Landesteilung. Demnach erhielt Herzog Johann II. den geschlossenen südwestlichen Teil Ober-Bayerns (Bayern-München), Herzog Friedrich Nieder-Bayern im Umfang von 1353 (Bayern-Landshut), Herzog Stephan III. aber einen unglücklich verteilten Streubesitz an der oberen Donau und im Alpenvorland (Bayern-Ingolstadt). Der Streit um die Vormundschaft über Herzog Friedrichs (+ 1393) Sohn Heinrich XVI. (1393-1450) endete 1395 mit einer Versöhnung der Herzöge, die eine vorübergehende gemeinschaftliche Regierung Ober-Bayerns brachte. Doch der Führungsanspruch Herzog Stephans III. gegenüber seinen Münchener Neffen Ernst (1397-1438) und Wilhelm III. (1397-1435) schuf neuen Zwist, zumal Stephan III. und sein Sohn Ludwig VII. in den Münchner Bürgerunruhen die Partei der aufständischen Zünfte ergriffen und München zu besetzen suchten. Erst 1403 ergab sich die von Stephan III. nicht länger unterstützte Stadt ihren Herzögen. Das Königtum des Kurfürsten Ruprecht III. von der Pfalz, von den Ingolstädter Herzögen seit 1399 betrieben, wurde 1401 auch von der Münchener Linie anerkannt. Der Österreichische Krieg von 1410 war ein letzter erfolgloser Versuch zur Rückgewinnung Tirols. Im Abendländischen Schisma hatten sich die bayerischen Herzöge seit 1378 einhellig zur römischen Obödienz bekannt, traten aber 1409 zur Pisaner Obödienz über. Das von allen bayerischen Herzögen beschickte Konzil von Konstanz bildete den Hintergrund für den erbitterten Hausstreit zwischen Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt (1413-1445/47) und seinem Landshuter Vetter Heinrich. Dieser sammelte in der Konstanzer Liga alle wichtigen Nachbarn des Ingolstädters gegen diesen. Der Streit flackerte im Bayerischen Krieg von 1420 erneut auf, in dessen Verlauf Ludwig VII. schließlich halb S-Deutschland gegen sich aufbrachte. Auch der 1422 von König SIGISMUND vermittelte Waffenstillstand von Regensburg brachte keinen Ausgleich. 1425 erlosch mit Herzog Johann III. die Straubinger Linie im Mannesstamm. Seine Nichte Jakobäa musste Herzog Philipp von Burgund 1428 die Mitregierung, 1433 die Alleinherrschaft über die Niederlande abtreten. König SIGISMUND zog bei der Uneinigkeit der bayerischen Herzöge die Entscheidung über das Erbe an sich und fällte nach dem Erbverzicht Herzog Albrechts V. von Österreich 1429 den Pressburger Schied: Gemäß der von den Ständevertretern der 4 Teil-Herzogtümer vollzogenen Teilung fiel das Straubinger Land zur Hälfte an die beiden Münchner Herzöge, zu je einem Viertel an Bayern-Landshut und Bayern-Ingolstadt. Der bayerische Hausstreit verhinderte eine gemeinsame Front gegen die Hussiten. Die militärischen Erfolge des Pfalzgrafen Johann von Neumarkt stärkten die Abwehrkraft des Grenzlandes, doch erst die Verhandlungen Herzog Wilhelms III., des Protektors des Basler Konzils, beendeten die Einfälle. Das Konzil wurde von allen bayerischen Herzögen unterstützt, am längsten von Albrecht III. von Bayern-München (1438-1460), der erst 1448 zur römischen Obödienz zurückkehrte. Seit 1438 befehdete Herzog Ludwig VIII. von Bayern-Ingolstadt (+ 1445) seinen Vater Ludwig VII. und nahm ihn schließlich gefangen. Aus der Pfandschaft des Markgrafen Albrecht Achilles von Heinrich XVI. ausgelöst, starb er in dessen Haft 1447 als letzter seiner Linie. Ohne Widerstand vermochte Heinrich, das Ingolstädter Territorium einzuziehen.

IV. DER WEG ZUR EINHEIT DES HERZOGTUMS (1450-1508):

Im Erdinger Vertrag von 1450 trat Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut seinen Münchner Vetter einen kleinen Teil des Erbes ab. Ludwig IX. bewahrte im Krieg des Markgrafen Albrecht Achilles mit der Reichsstadt Nürnberg eine für den Markgrafen wohlwollende Neutralität und vermittelte einen Ausgleich. Der Anspruch des Markgrafen auf die Zuständigkeit seines kaiserlichen Landgerichts Nürnberg auch für Bayern führte zum Bruch zwischen beiden Fürsten. Durch die Besetzung der Reichsstadt Donauwörth 1458 zog sich Ludwig IX. die Reichsacht zu, mit deren Vollstreckung der Markgraf beauftragt wurde. Gestützt auf sein Bündnis mit dem Pfälzer Kurfürsten Friedrich I. und die Neutralität des böhmischen Königs Georg Podiebrad behauptete sich der Herzog erfolgreich. Im Prager Frieden musste er auf Donauwörth, der Markgraf auf die Ausdehnung seines Landgerichts verzichten. Die Absetzung des böhmischen Königs durch den Papst veranlasste den Herzog zur Abwendung von ihm und zur Aussöhnung mit dem Kaiser (1468). Herzog Albrecht IV. von Bayern-München (1463-1508) nützte die finanziellen Schwierigkeiten Herzog Siegmunds von Tirol aus, der ihm seit 1478 zahlreiche Besitzungen verpfändete. 1487 verschrieben sich die beiden Herzöge gegenseitig 1 Million Gulden auf ihre Lande. Zur Aufbringung der nötigen Summen verständigte sich Herzog Albrecht IV. mit Herzog Georg (1479-1503) von Bayern-Landshut, der 1486 von Siegmund Burgau, 1487 zusammen mit Albrecht Vorderösterreich kaufte. 1485 zog Albrecht IV. die Grafschaft Abensberg ein; 1487 unterstellte sich die verschuldete Reichsstadt Regensburg seiner Landeshoheit. Gegen die Expansionspolitik des Herzogs schlossen sich schon 1485 die bedrohten Nachbarn im Schwäbischen Bund zusammen, den der König gegen Albrecht in Bewegung setzte. Die Diplomatie König MAXIMILIANS I. neutralisierte Herzog Georg, der 1489 auf Burgau verzichtete. Nach der Niederwerfung des Adelsbundes der Löwler vom Kaiser geächtet und von Herzog Georg verlassen, musste sich Albrecht 1492 dem Augsburger Spruch König MAXIMILIANS beugen und auf alle Erwerbungen außer Abensberg verzichten. Gegen die Verträge von 1392 und 1450 setzte der erbenlose Herzog Georg 1496 seine Tochter Elisabeth und deren künftigen Gatten Pfalzgraf Ruprecht zu Erben ein. Nach dem Tod des Herzogs löste der rasche Zugriff des Pfalzgrafen auf Landshut und Burghausen noch im Jahre 1503 den Landshuter Erbfolgekrieg aus. Albrecht IV. wurde 1504 mit Bayern-Landshut belehnt, Ruprecht geächtet; den Ausschlag gab das militärische Eingreifen des Königs zugunsten Albrechts. Im "Kölner Schied" König MAXIMILIANS I. (1505) wurde das Landshuter mit dem Münchener Territorium vereinigt, doch musste Albrecht IV. an die Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp, Söhne Ruprechts und Elisabeths (beide + 1504), verstreute Gebiete zwischen Fichtelgebirge und oberer Donau zur Bildung des Fürstentums der "Jungen Pfalz" (Pfalz-Neuburg) und erheblichen "Interessen" an den König (Gerichte Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel) sowie an die Reichsstadt Nürnberg abtreten. Das Primogenitur-Gesetz von 1506 sicherte für die Zukunft die Einheit Bayerns.



Trillmich Werner: Seite 93
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Um die Mitte des 6. Jahrhunderts dürften sich die germanischen Neusiedler zwischen Donau und Zentralalpen zum Stamme der Bayern zusammengeschlossen haben. Der Eisack folgten sie zunächst bis ins Brixener Becken. Später gelang es ihnen, die langobardischen Nachbarn über Bozen hinaus hinter die Salurner Klausen zurückzudrängen. Im Passeiertale rückten bayerische Höfe nahe an den Vintschgau heran. Währenddessen mischten sich unter awarischer Herrschaft im Donautale bis in den Linzer Raum aufwärts Slawen mit der germanischen Bevölkerung. In den Ostalpen erreichten ihre Spitzen von der Mur aus über den Tauernpass hinweg die Oberläufe der Enns, Traun und Salzach. Östlich von Bruneck blieb das Pustertal eine menschenleere Siedlungszone gegen die Karantanen, bis sich deren Fürst 772 Bayern unterordnete. Die Zerschlagung des Awarenreiches durch KARL DEN GROSSEN führte 788/805 zur Annexion des Donaulaufs bis zum Wienerwald und Oberpannonien östlich der Alpen. Seitdem blühte der Handel mit den slawischen Nachbarn. Bayern lieferte Salz, Luxusgüter, Metallwaren und Waffen. Eingeführt wurden Pferde, Sklaven, Wachs und Honig. Zum bedeutendsten Marktort des Landes entwickelte sich Regensburg, das im Schutze der römischen Ummauerung seine Bedeutung wohl nie ganz verloren hatte. Im Fernhandel tätige Juden unterhielten von hier aus wirtschaftliche Beziehungen zu Italien und zum Rheinland. Den Verkehr auf der Donau überwachten Zollstellen in Lorch, Linz, Raffelstedten, Ybbs und Mautern.
Während des 9. Jahrhunderts entwickelte sich Bayern, dessen rechtliche Besonderheit die Franken ungeschmälert bestehen ließen, zu einem selbstbewussten Teilreich, doch ging ihm durch die Landnahme der Magyaren das Vorfeld östlich der Alpen verloren. Im Donautale musste die Grenze 907 hinter die Enns in den Traungau zurückgenommen werden. Die militärisch bedrohliche Lage stärkte indessen die innere Geschlossenheit des Stammes. Freiwillig ordneten sich weltliche und geistliche Herren dem zum Reichsadel gehörenden LIUTPOLDINGER Arnulf (907-937) als ihrem Herzog unter. Sie überließen ihm das karolingische Krongut, das Recht der Bischofserhebung und den Vorsitz auf geistlichen Synoden. Er hielt am Protektorat über Böhmen fest, erwarb Vintschgau und Engadin. Nur die Annahme des Königstitels konnte ihm HEINRICH I. verwehren, und auch sein kühner Griff nach der lombardischen Krone misslang.
Erst OTTO DER GROSSE konnte nach Arnulfs Tode Bayern fest ins Reich einbinden. Domänen und Ödländereien unterstellte er der Aufsicht eines Pfalzgrafen. Auch den Schutz der Kirche und ihrer Güter nahm er wieder für den Herrscher in Anspruch. Dem neuen Amts-Herzog, Arnulfs Bruder Berthold (938-947), verblieben Heerbannführung, Vorsitz auf Landtagen, schiedsrichterliche Gewalt über Adel und Klerus zur Wahrung des Landfriedens, Kammergut, Salinen, Vogteien, ererbte Grafschaften und die gewaltigen Allodien seines Hauses. Um Bayern aber der sächsischen Dynastie noch enger zu verbinden, erhob der König seinen Bruder Heinrich, den Gemahl einer LIUTPOLDINGERIN, zum Herzog (947-955). Mit Verona, Trient und Istrien überließ er ihm 952 sogar den Zugang zur Poebene und die Häfen der nördlichen Adria. Die Grenze an der Donau wurde nach der siegreichen Lechfeldschlacht 955 abermals bis an Kamp und Traisen vorverlegt. Dieser beachtliche Zuwachs an Macht erlaubte es Herzog Heinrich dem Zänker (955-976, 985-995) beim Thronwechsel der Jahre 973 und 983, nochmals den Anspruch seines Stammes auf die Krone nachdrücklich, wenn auch vergeblich geltend zu machen. Sein Scheitern hatte zur Folge, dass Kärnten mit den Marken südlich der Alpen als selbständiges Herzogtum angetrennt wurde.
Eng verwandt mit den ARIBONEN waren die gräflichen Stifter von Kloster Sonnenburg im Pustertal und St. Georgen im Lurngau (um 1010). Dieser das Eisacktal beherrschenden Familie entstammtem die Bischöfe Hartwig von Brixen (1022-1039) und Ulrich von Trient (1022-1055). Ihr stehen die Grafen von Suben nahe, die sich nach einer Burg am Unterlauf des Inn benannten, die aber auch im Alpenraume begütert waren. Verwandte von ihnen erwarben vom Lurngau aus Lehen in Friaul und beteiligten sich als Kolonisatoren um Görz an der Erschließung des Isonzotals. Aus der gleichen Wurzel stammen die genealogisch schwer fassbaren SIGEHARDINGER oder SIZZONEN im Isen- und Chiemgau, um Burghausen, im Gasteintale, östlich der Salzach, in Kärnten, um Melk und St. Pölten, auch im Nordgau. Man kennt sie als Stifter des Klosters Baumburg und Förderer von Michaelbeuren. Verschwägert waren ihnen die Grafen im Jaunetale, die Inhaber der Mark an der Drau. Zu ihnen gehörte Bischof Albwin (um 975-1006), der seinen Sitz nach Brixen verlegte und sich durch Gütererwerb eine beherrschende Stellung an den Passstraßen zwischen Kärnten und Friaul verschaffte. Als Grafen im Ries- und Sundergau erwarben sie durch Verschwägerung mit den Grafen von Öhringen auch schwäbischen Besitz. Von ihnen stammen die HOHENSTAUFEN ab. Zum Sippenverband der ARIBONEN zählen ferner die den EBERSBERGERN nahestehenden Grafen von Rott in Isen-, Chiem-, Sunder- und Westgau, in Tirol und Ostmark.
 
 
 
Liutpold  899- 907
Arnulf  907- 937
Eberhard   937- 938
Berthold   938- 947
Heinrich I. von Sachsen   947- 955
Heinrich II. der Zänker   955- 976
Otto I. Herzog von Schwaben   976- 982
Heinrich III.   982- 985
Heinrich II. der Zänker  985- 995
HEINRICH II. (IV.)   995-1004
Heinrich V. von Luxemburg  1004-1009
HEINRICH II. (IV.)  1009-1017
Heinrich V. von Luxemburg  1017-1026
KONRAD II.  1026-1027
HEINRICH III. (VI.) 1027-1042
Heinrich VII. von Luxemburg  1042-1047
HEINRICH III. (VI.) 1047-1049
Konrad I. von Zütphen  1049-1053
Konrad II. 1053-1055
HEINRICH IV. (VIII.)  1055-1061
Otto II. von Northeim  1061-1070

WELFEN   1070-1180
 
 
Welf I. (IV.) 1070-1077
HEINRICH IV. (VIII.)  1077-1096
Welf I. (IV.)  1096-1101
Welf II. der Dicke 1101-1120
Heinrich IX. der Schwarze  1120-1126
Heinrich X. der Stolze  1126-1139
Leopold IV. von Österreich  1139-1141
Heinrich XI. Jasomirgott 1141-1156
Heinrich XII. der Löwe  1156-1180

WITTELSBACHER 1180-1918
 
 
Otto I.  1180-1183
Ludwig I. der Kelheimer  1183-1231
Otto II. der Erlauchte  1231-1253

OBER-BAYERN                                                                 NIEDER-BAYERN
Ludwig II. der Strenge 1253-1294 Heinrich XIII.  1253-1290
Rudolf I. von der Pfalz 1294-1319 Otto III.  1290-1312
LUDWIG IV.  1294-1347 Ludwig III.  1294-1296
Ludwig V. der Ältere  1347-1349 Stephan I.  1294-1310
Stephan II.  1347-1349 Heinrich XIV.  1310-1339
Ludwig VI. der Römer  1347-1349 Otto IV.  1310-1334
Wilhelm I.  1347-1349 Heinrich XV. 1310-1333
Albrecht I. 1347-1349 Johann I.  1339-1340
Otto V. de Faule  1347-1349

                                           Teilung 1349
 
 
 
 
OBER-BAYERN NIEDER-BAYERN
Ludwig V. der Ältere 1349-1361 Stephan II.  1349-1353
Ludwig VI. der Römer  1349-1351 Wilhelm I. 1349-1353
Meinhard  1361-1363 Albrecht I. 1349-1353

 
NIEDER-BAYERN-STRAUBING NIEDER-BAYERN-LANDSHUT
Wilhelm I.  1353-1358 Stephan II.  1353-1375
Albrecht I.  1353-1404 Otto V. der Faule 1375-1379
Wilhelm II. 1404-1417 Stephan III. 1375-1392
Johann III. 1404-1425 Friedrich  1375-1392
Johann II. 1375-1392

 
 
B-MÜNCHEN B-LANDSHUT B-INGOLSTADT
Johann II.   1392-1395 Friedrich 1392-1393 Stephan III.   1392-1395
mit Ingolstadt vereinigt 1395 Heinrich IV. der Reiche   1393-1450 mit München vereinigt 1395
Johann II.  1395-1397 Ludwig IX. der Reiche  1450-1479 Stephan III.  1395-1402
Stephan III.    1395-1402 Georg der Reiche   1479-1503 Ernst  1395-1402
Ernst   1397-1402 Wilhelm III.  1395-1402
Wilhelm III.   1397-1402
von Ingolstadt getrennt 1402 von München getrennt 1402
Ernst  1402-1438 Stephan III. 1402-1413
Wilhelm III.  1402-1435 Ludwig VII.  1413-1443
Albrecht III. der Fromme  1438-1460 Ludwig VIII. 1443-1445
Johann IV. 1460-1463
Sigismund  1460-1467

 
 
BAYERN-MÜNCHEN
Albrecht IV. der Weise 1465-1508/seit 1505 Herzog von Gesamt-Bayern
Wilhelm IV. 1508-1550
Ludwig X. in Landshut  1508-1545
Albrecht V.  1550-1579
Wilhelm V. der Fromme  1579-1598
Maximilian I. Kurfürst seit 6.3.1623 1598-1651
Ferdinand Maria 1651-1679
Maximilian II. Emanuel  1679-1726
KARL VII. ALBERT  1726-1745
Maximilian III. Joseph 1745-1777
Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach 1777-1799
Maximilian I. (IV.) von Pfalz-Birkenfeld 
                    König seit 26.12.1805
1799-1825
Ludwig I.  1825-1848
Maximilian II.  1848-1864
Ludwig II.  1864-1886
Otto  1886-1913
Ludwig III.  1913-1918