Sohn des Herrn
Philipp I. von Bolanden und der Hildegard von Eppstein,
Tochter von Herrn Gottfried I.; Enkel Werners
II. von Bolanden
Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 3
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Werner III. von Bolanden
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+ 1221 (?)
Eltern: Philipp I. von Bolanden und Hildegard von Eppstein; Enkel Werners II.
Werner III. und sein
Bruder sind 1199 im staufischen Gefolge
nachzuweisen. 1200 unterstützten sie aber ihren Onkel Siegfried
von Eppstein als Kandidaten König
OTTOS IV. gegen Lupold von Worms im Kampf um das Mainzer Erzstift.
Nachdem sich die welfische Partei zunächst
nicht halten konnte, wechselte Werner III.
auf die Seite der STAUFER, 1208 nach
dem Tod PHILIPPS von Schwaben und der
Rückkehr Erzbischof
Siegfrieds erneut zu den WELFEN,
um 1212 mit seinem Onkel zu König FRIEDRICH
II. überzutreten. Werner III.
gewann
schnell das Vertrauen des Königs, dessen Rat er wurde. Nachd er Eroberung
Hagenaus im Oktober 1212 wurde Werner III.
erstmals als Reichstruchseß bezeichnet, ein Hofamt, das erblich bei
der Familie verblieb. Zudem ist er mehrfach als Reichsseneschall bezeugt.
Werner III. weilte von 1214 bis
Ende 1220 beständig im Gefolge Kaiser FRIEDRICHS
II. und nahm auch an dessen Kaiserkrönung teil. In dem
Bericht Konrads von Mainz über das daran anschließende Kreuzzugsgelübde
der Großen des Reiches wird Werner III.
unmittelbar nach dem Herzog von Bayern genannt, was sein hohes soziales
Prestige belegt. Werner III. verstarb
vermutlich 1221; ob es sich bei dem im Mai 1221 gemeinsam mit dem
Erzbischof von Trier und Köln urkundenden
BOLANDER noch um Werner III.
oder bereits um dessen Sohn handelt, ist unsicher. Nachdem Werners
jüngerer
Bruder Philipp
II. eine eigene Linie Hohenfels begründet hatte, teilten
Werners
III. Söhne das Haus weiter in die Linien Bolanden
und Falkenstein.
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Bosl Karl: Seite 270-271
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"Die Reichsministerialität der Salier und Staufer"
Für Werners
II. Enkel, den Reichstruchsessen Werner III. von Bolanden
und seinen Bruder Philipp
III. war es von besonderer Bedeutung, dass ihre Mutter Hildegard
von Eppstein die Schwester des Erzbischofs Siegfried von Mainz war,
dem noch weitere EPPSTEINER auf dem Erzstuhl des Willigis im 13.
Jh. folgten. Damit treten sie in engere Beziehungen zur mächtigsten
Territorialgewalt des Gebietes, in dem sie die Interessen des Reiches vertreten
sollten. Das zeigt sich denn auch sofort darin, dass sie 1200 bei der zwiespältigen
Wahl ihres Onkels zum Erzbischof von Mainz die Sache der
STAUFER verließen und auf die Seite OTTOS
IV. traten, der Siegfried von Eppstein stützte; damit öffneten
sie dem WELFEN den Zutritt zum Reichsgut
am Mittelrhein und in der Pfalz, dessen Hut ihnen oblag. Es macht den Eindruck,
dass die BOLANDER vornehmlich durch geschicktes Lavieren zwischen
den Mächten und Lehensherrn ihre Machtentfaltung aufbauten. Das erforderte
Klugheit, Erfahrung, vielseitigen Einfluß und auch eine Streitmacht,
die bald die Unterstützung durch die BOLANDER als wertvoll
erscheinen lassen, bald aber auch den eigenen Wünschen Nachdruck verleihen
konnte. So fasse ich ihren Stellungswechsel 1200 auf und meine, dass sie
vermutlich ihren Reichtum damit zu sichern und zu erweitern hofften. OTTO
IV. hat sicher mit besondere Absicht gerade die BOLANDER
in den Kreis seiner Pläne einbezogen, saßen sie doch an
der Drehachse der mittelalterlichen Kaiserpolitik. Die politische Bedeutung
des Abfalls der BOLANDER macht das Anerkennungsschreiben des Papstes
Innozenz III. besonders klar. Zwischen 1201 und 1202 traten sie allerdings
wieder zu den STAUFERN über, nachdem
sich weder OTTO im Südwesten,
noch Siegfried in Mainz halten konnte, ein klarer Beweis für meine
obige Charakterisierung der Haltung der BOLANDER, die ein bescheidenes
Gegenstück zum oftmaligen Frontwechsel des gleichzeitigen Thüringer
Landgrafen ist, der durch dieses Mittel ein umfassendes Territorium aufbaute.
Dass die BOLANDER ohne Einbuße ihrer Besitzungen und Rechte
sowie ihres Einflusses wieder zum alten Herrn zurückkehren konnten,
macht offenbar, dass sie an dieser entscheidenden Stelle eine Art Zünglein
an der Waage waren, dessen pendeln nach der STAUFER-Seite
dem nicht allzu fest sitzenden PHILIPP schon
genügte. 1202 beschwören Philipp
von Bolanden und der verschwägerte Rheingraf Wolfram bereits
wieder das Bündnis des STAUFER-Königs
mit dem Erzstift Trier, zusammen mit den Reichsdienstmannen Heinrich von
Randeck, Konrad von Boppard, Heinrich von Daun, Burggraf Arnold und seinem
Bruder Johann sowie Arnold und seinem Bruder Hermann von Hammerstein. Später
nahm Werner von Bolanden aktiv am Kampfe gegen den WELFEN
teil; so leitete er 1203 die Erstürmung des welfischen
St. Goar, bis 1208 blieb er auf des STAUFERS
Seite, um dann zusammen mit der staufischen
Reichsministerialität endgültig sich zum welfischen
König zu schlagen, wozu ihnen offenbar Erzbischof Siegfried von Mainz
die Wege ebnete, an dessen Politik sie sich gebunden fühlten, auch
als dieser das Haupt der Opposition gegen OTTO
IV. wurde. So ist Werner III. 1212 bereits Parteigänger
der STAUFER. Die BOLANDER halfen
zusammen mit ihrem Oheim dem jungen König Hagenau erstürmen.
Seit dieser Zeit führt Werner den Titel "Reichstruchseß",
die Übertragung dieses Hofamtes, das erblich wurde, war wohl eine
Anerkennung ihrer Unterstützung, wenn er auch zunächst in Konkurrenz
mit den Truchsessen von Waldburg stand. Werner und sein Bruder Philipp
begegnen in der Zeit des deutschen Aufenthaltes häufig in seine Umgebung.
Ersterer war auch Mitglied der vormundschaftlichen Regierung für den
unmündigen König HEINRICH (VII.)
neben Schenk Konrad von Winterstetten und Truchseß Eberhard von Waldburg,
die neben 5 geistlichen und weltlichen Großen den Einfluß der
Reichsministerialität in diesem Kronrat geltend machten. Werner
III. starb allerdings bald darauf.
oo N.N.
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Kinder:
Philipp IV. von Falkenstein
-
Werner IV. von Bolanden
- ca.
1253
Literatur:
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Schäfer, Regina: Die Herren von Eppstein.
Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts
im Spätmittelalter, Historische Kommisssion Nassau Wiesbaden 2000
Seite 310,312-314 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1:
Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag
Darmstadt 1997, Seite 201,239,250 - Thorau, Peter: Jahrbücher
des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker &
Humblot Berlin 1998, Seite 115,119,121,129,228,295 - Winkelmann,
Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben
und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot
Leipzig 1873, Seite 143,144,191,204,206,265,523,566 - Winkelmann
Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1963, Seite 51,112,349,350,399,535 -