Werner III.                                               Herr von Bolanden
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um 1165-   1221(?)
 

Sohn des Herrn Philipp I. von Bolanden und der Hildegard von Eppstein, Tochter von Herrn Gottfried I.; Enkel Werners II. von Bolanden
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 3
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Werner III. von Bolanden
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     + 1221 (?)

Eltern: Philipp I. von Bolanden und Hildegard von Eppstein; Enkel Werners II.

Werner III. und sein Bruder sind 1199 im staufischen Gefolge nachzuweisen. 1200 unterstützten sie aber ihren Onkel Siegfried von Eppstein als Kandidaten König OTTOS IV. gegen Lupold von Worms im Kampf um das Mainzer Erzstift. Nachdem sich die welfische Partei zunächst nicht halten konnte, wechselte Werner III. auf die Seite der STAUFER, 1208 nach dem Tod PHILIPPS von Schwaben und der Rückkehr Erzbischof Siegfrieds erneut zu den WELFEN, um 1212 mit seinem Onkel zu König FRIEDRICH II. überzutreten. Werner III. gewann schnell das Vertrauen des Königs, dessen Rat er wurde. Nachd er Eroberung Hagenaus im Oktober 1212 wurde Werner III. erstmals als Reichstruchseß bezeichnet, ein Hofamt, das erblich bei der Familie verblieb. Zudem ist er mehrfach als Reichsseneschall bezeugt. Werner III. weilte von 1214 bis Ende 1220 beständig im Gefolge Kaiser FRIEDRICHS II. und nahm auch an dessen Kaiserkrönung teil. In dem Bericht Konrads von Mainz über das daran anschließende Kreuzzugsgelübde der Großen des Reiches wird Werner III. unmittelbar nach dem Herzog von Bayern genannt, was sein hohes soziales Prestige belegt. Werner III. verstarb vermutlich 1221; ob es sich bei dem im Mai 1221 gemeinsam mit dem Erzbischof von Trier und Köln urkundenden BOLANDER noch um Werner III. oder bereits um dessen Sohn handelt, ist unsicher. Nachdem Werners jüngerer Bruder Philipp II. eine eigene Linie Hohenfels begründet hatte, teilten Werners III. Söhne das Haus weiter in die Linien Bolanden und Falkenstein.
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Bosl Karl: Seite 270-271
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"Die Reichsministerialität der Salier und Staufer"

Für Werners II. Enkel, den Reichstruchsessen Werner III. von Bolanden und seinen Bruder Philipp III. war es von besonderer Bedeutung, dass ihre Mutter Hildegard von Eppstein die Schwester des Erzbischofs Siegfried von Mainz war, dem noch weitere EPPSTEINER auf dem Erzstuhl des Willigis im 13. Jh. folgten. Damit treten sie in engere Beziehungen zur mächtigsten Territorialgewalt des Gebietes, in dem sie die Interessen des Reiches vertreten sollten. Das zeigt sich denn auch sofort darin, dass sie 1200 bei der zwiespältigen Wahl ihres Onkels zum Erzbischof von Mainz die Sache der STAUFER verließen und auf die Seite OTTOS IV. traten, der Siegfried von Eppstein stützte; damit öffneten sie dem WELFEN den Zutritt zum Reichsgut am Mittelrhein und in der Pfalz, dessen Hut ihnen oblag. Es macht den Eindruck, dass die BOLANDER vornehmlich durch geschicktes Lavieren zwischen den Mächten und Lehensherrn ihre Machtentfaltung aufbauten. Das erforderte Klugheit, Erfahrung, vielseitigen Einfluß und auch eine Streitmacht, die bald die Unterstützung durch die BOLANDER als wertvoll erscheinen lassen, bald aber auch den eigenen Wünschen Nachdruck verleihen konnte. So fasse ich ihren Stellungswechsel 1200 auf und meine, dass sie vermutlich ihren Reichtum damit zu sichern und zu erweitern hofften. OTTO IV. hat sicher mit besondere Absicht gerade die BOLANDER in den Kreis seiner Pläne einbezogen, saßen sie doch an der Drehachse der mittelalterlichen Kaiserpolitik. Die politische Bedeutung des Abfalls der BOLANDER macht das Anerkennungsschreiben des Papstes Innozenz III. besonders klar. Zwischen 1201 und 1202 traten sie allerdings wieder zu den STAUFERN über, nachdem sich weder OTTO im Südwesten, noch Siegfried in Mainz halten konnte, ein klarer Beweis für meine obige Charakterisierung der Haltung der BOLANDER, die ein bescheidenes Gegenstück zum oftmaligen Frontwechsel des gleichzeitigen Thüringer Landgrafen ist, der durch dieses Mittel ein umfassendes Territorium aufbaute. Dass die BOLANDER ohne Einbuße ihrer Besitzungen und Rechte sowie ihres Einflusses wieder zum alten Herrn zurückkehren konnten, macht offenbar, dass sie an dieser entscheidenden Stelle eine Art Zünglein an der Waage waren, dessen pendeln nach der STAUFER-Seite dem nicht allzu fest sitzenden PHILIPP schon genügte. 1202 beschwören Philipp von Bolanden und der verschwägerte Rheingraf Wolfram bereits wieder das Bündnis des STAUFER-Königs mit dem Erzstift Trier, zusammen mit den Reichsdienstmannen Heinrich von Randeck, Konrad von Boppard, Heinrich von Daun, Burggraf Arnold und seinem Bruder Johann sowie Arnold und seinem Bruder Hermann von Hammerstein. Später nahm Werner von Bolanden aktiv am Kampfe gegen den WELFEN teil; so leitete er 1203 die Erstürmung des welfischen St. Goar, bis 1208 blieb er auf des STAUFERS Seite, um dann zusammen mit der staufischen Reichsministerialität endgültig sich zum welfischen König zu schlagen, wozu ihnen offenbar Erzbischof Siegfried von Mainz die Wege ebnete, an dessen Politik sie sich gebunden fühlten, auch als dieser das Haupt der Opposition gegen OTTO IV. wurde. So ist Werner III. 1212 bereits Parteigänger der STAUFER. Die BOLANDER halfen zusammen mit ihrem Oheim dem jungen König Hagenau erstürmen. Seit dieser Zeit führt Werner den Titel "Reichstruchseß", die Übertragung dieses Hofamtes, das erblich wurde, war wohl eine Anerkennung ihrer Unterstützung, wenn er auch zunächst in Konkurrenz mit den Truchsessen von Waldburg stand. Werner und sein Bruder Philipp begegnen in der Zeit des deutschen Aufenthaltes häufig in seine Umgebung. Ersterer war auch Mitglied der vormundschaftlichen Regierung für den unmündigen König HEINRICH (VII.) neben Schenk Konrad von Winterstetten und Truchseß Eberhard von Waldburg, die neben 5 geistlichen und weltlichen Großen den Einfluß der Reichsministerialität in diesem Kronrat geltend machten. Werner III. starb allerdings bald darauf.
 
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Philipp IV. von Falkenstein
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  Werner IV. von Bolanden
         - ca. 1253
 
 
 
 

Literatur:
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Schäfer, Regina: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter, Historische Kommisssion Nassau Wiesbaden 2000 Seite 310,312-314 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 201,239,250 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 115,119,121,129,228,295 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 143,144,191,204,206,265,523,566 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 51,112,349,350,399,535 -