Bolanden, Herren von
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 356
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Bolanden, Herren von
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Ein vermutlich aus der Mainzer Dienstmannschaft hervorgegangenes und seit 1128 nachweisbares Reichsministerialengeschlecht im rheinhessisch-pfälzischen Raum.

Ihre Stammburg am Donnersberg wurde 1206 die durch Burg Neubolanden ersetzt. Als Hauskloster diente das seit 1129 bezeugte und nach der Obversanz von Springiersbach lebende Chorherrenstift Bolanden, um 1160 nach Hane verlegt und in den 70-er Jahres des 12. Jh. gegen das Frauenstift Rodenkirchen ausgetauscht; beide schlossen sich dem Prämonstratenserorden an. Zentren des im ganzen Mittelrheingebiet verstreuten Besitzes der BOLANDEN waren Lehen und Vogteien der Reichsgutbezirke um den Donnersberg, um Nierstein und Germsheim sowie das Ingelheimer Reich. Sie besaßen die Hauptvogtei der Klöster und Stifte Immerheimershausen, St. Nikomedien in Mainz, Voivre, Marieborn, Bolanden/Hane und Rodenkirchen; das nach verschollenen Vorlagen 1250/60 zusammengestellte Lehnbuch der BOLANDEN verzeichnet 21 Burgen und 45 Lehnsherren. Die Hauptlinie erlosch in Mannesstamm 1376. Die 1199 abgespaltene Seitenlinie Hohenfels (unweit von Donnersberg) lebte bis 1602 fort; die wahrscheinlich schon 1398 entstandene Seitenlinie Falkenstein (westlich von Donnersberg), die 1258 das Ministerialengeschlecht MÜNZENBERG beerbte, die Landvogtei der Wetterau und die Reichsvogtei im Dreieichforst innehatte und 1398 in den Reichsgrafenstand aufstieg, dauerte bis 1407.
An bedeutenden Persönlichkeiten ist Werner II. zu nennen; seit 1170 regelmäßig im Gefolge FRIEDRICH BARBAROSSAS auf westdeutschen Hoftagen, neben dem Pfalzgrafen die Hauptstütze der staufischen Territorialpolitik am Mittelrhein, wußte er die gegen das Mainzer Erzstift gerichtete Politik zum Ausbau des eigenen Hauses zu nutzen; selbst noch mit der Schwester des Mainzer Kämmerers verheiratet, waren seine Söhne bereits (erstmalig für Ministerialen) Schwäger von adligen Dynasten. Im Dienst HEINRICHS VI. sind die BOLANDEN auch nicht mehr anzutreffen. Im Zuge des Thronstreites gewannen sie durch die Bischofswahl ihres Verwandten Siegfried I. von Eppstein einen dominierenden Einfluß auf das Mainzer Erzstift und begünstigten vorübergehend die WELFEN und später entscheidend FRIEDRICH II. am Mittelrhein. Werner III. führte seit 1212 den Titel des Reichstruchseß und gehörte zu dem Gremium, das für den unmündigen HEINRICH (VII.) die Reichsgeschäfte besorgte. Während des Endkampfes der STAUFER am Mittelrhein blieb die Familie politisch gespalten. Werner IV. aus der Hauptlinie trat schon 1243 auf die Seite des Mainzer Erzbischofs über, sein Bruder Philipp von Falkenstein erst 1249; die Familie hatte wieder so viel Einfluß auf den Mainzer Erzstuhl, dass sie im Familienmitglied Christian II. 1249 den neuen Erzbischof stellen konnte. Philipp von Hohenfels dagegen führte 1249 die kleineren Ministerialen an, verteidigte Boppard erfolgreich für KONRAD IV. und wechselte erst 1252 die Partei. Zusammen mit seinem Vetter Philipp von Falkenstein beteiligte er sich an den Vorbereitungen zur Gründung des Rheinischen Städtebundes von 1254. Der Falkensteiner Vetter fungierte seit 1246 als Verwalter des Reichsamtes Trifels und wurde vom deutschen König RICHARD von Cornwall zum Reichstruchseß und schließlich zum Reichskämmerer ernannt.

Quellen:
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W. Sauer, Die ältesten Lehnbücher des Herrschaft B., 1882.

Literatur:
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E. Jacob, Unters. über Herkunft und Aufstieg des Reichsministerialengeschlechtes B. [Dis. Gießen 1936] - Bosl, Reichsministerilität I, 260-274 und passim - K.E. Demandt, Der Endkampf des stauf. Kaiserhauses im Rhein-Main-Gebiet, HJL 7, 1957, 102-164 - W. H. Struck, Aus den Anfängen der territorialen Finanzverwaltung. Ein Rechnungsfragment der Herren v. B. um 1258/62, Archival. Zs. 70, 1974, 1-21 - A. Eckhardt, Das älteste Bolander Lehnbuch. Versuch einer Neudatierung, ADipl. 22, 1976, 317-344 - W. Peters, Springiersbacher Einflüsse in der Mainzer Erzdiözese. Zur Observanz des Kanonikerstiftes Bolanden in der ersten Hälfte des 12. Jh., Archiv für mittelrhein. Kirchengesch. 30, 1978, 91-99.
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