Hadwig                                                   Äbtissin von Gernrode (959-1014)
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939-4.7.1014
 

Nichte der Königin Mathilde
Tochter des Grafen Wichmann der Ältere im Bardengau aus dem Hause der BILLUNGER und der Bia,Tochter von Graf Dietrich
 

Thiele Andreas: Tafel 155
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

HADWIG
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    + 1014

Nach 959 Äbtissin von Gernrode und Vreden.

  oo 952
      SIEGFRIED Markgraf der Ostmark
             + 959



Althoff Gerd: Seite 350
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                       A 42

Me:  4.7.  Haduui abb   + 1014  Gernrode und Vreden

Es handelt sich um Hadwig, die Witwe Siegfrieds (G 69), des Sohnes Markgrafen Gero, die seit ca. 959 Äbtissin in Gernrode war (Schulze, Gernrode, S. 4); zu anderen Verwandten vgl. Kommentar G 2.
Da Thietmar VII, 3 berichtet, sie habe Mathilde, die Tochter des BILLUNGERS Bernhard I. iure consanguinitatis in Gernrode erzogen und sie ferner als neptis der Königin Mathilde bezeichnet, wird sie in der Forschung wohl zu Recht als Tochter Wichmanns des Älteren angesehen (vgl. Bork, Billunger, S. 78 ff.).
Zur Ehe Wichmanns mit einer Schwester der Königin Mathilde vgl. Kommentar G 39. Tenhagen, Die Vredenschen Äbtissinnen, S. 145 versucht nachzuweisen, dass sie auch Äbtissin von Vreden war, was billungische Verwandtschaftszusammenhänge zusätzlich wahrscheinlich macht; vgl. auch Althoff, Borghorst, S. 248.
Zum Todesdatum: Thietmar VII, 3.


Glocker Wilfried: Seite 355
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

S 11) HADWIG
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* 939, + 1014 VII 4

952
oo Siegfried, Graf, Sohn des Markgrafen Gero
           + c 959

dann Äbtissin von Gernrode und (?) Vreden

Hadwig ist bei Thietmar VII c. 3, Seite 400 als eine "neptis" der Königin Mathilde bezeugt. Die Forschung hielt sie daher gemeinhin für eine Schwester der Grafen Wichmann der Jüngere und Ekbert, auch wenn hierfür keinerlei Quellenzeugnis vorliegt. Althoff, Adelsfamilien, argumentierte nun, da wir das Geburtsjahr der Äbtissin Hadwig mit 939 kennen und Bia, die Schwester der Königin Mathilde, spätestens 931/32 gestorben ist, dass sie keinesfalls die Mutter der Äbtissin Hadwig und auch nicht als die Mutter Wichmanns des Jüngeren und Ekberts in Frage käme. Mit Hlawitschka, Kontroverses III., ist gegen Althoff einzuwenden, dass Hadwig ja nur als Nichte der Königin Mathilde bezeugt ist und somit eben eine Tochter der Friderun gewesen sein dürfte (wobei allerdings noch die oben S. 353 bereits erwähnte Perechtheit die Mutter Hadwigs und der Brüder Wichmann und Ekbert gewesen sein könnte).
Eckhardt, Funde (2. Aufl.) Seite 86, macht im Zusammenhang mit dem verwandtschaftlichen Umfeld der Königin Mathilde noch auf die Familie der Harzgrafen (WETTINER aufmerksam, die auf Grund ihres Namensgutes zu Mathildes Verwandtenkreis gehören könnte.
Zu Unrecht gilt in einem Teil der Literatur der Erzbischof Theoderich I. von Trier (965-977) als Verwandter der OTTONEN, ja sogar als Neffe der Königin Mathilde, so in dem Artikel von Franz-Josef Heyen im LThK Bd. 3, Sp. 387, bei Pauly, Geschichte Bd. 2, S. 56, und auch bei Althoff, Necrolog S. 250 f. Wie Bosdorf, Trier S. 9, Anm. 38, feststellt, handelt es sich um die Verwechslung Theoderichs von Trier mit Bischof Theoderich von Metz (vgl. S 6).
Ebenfalls ungesichert scheint die Argumentation Althoffs, Necrolog S. 268-279, den Continuator Reginonis (Erzbischof Adalbert von Magdeburg) der Verwandtschaft der Königin Mathilde zuzuordnen: vgl. dazu die recht skeptischen Äußerungen bei Karpf, Herrscherlegitimation S. 47, Anm. 4.
Eine Tafel zum verwandtschaftlichen Umfeld der Königin Mathilde findet man bei Schmid, Nachfahren S. 87.



Annalen von Quedlinburg:
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Das Jahr 1014.

Die Aebtissin Hatwig guten Andenkens starb. Es starb auch der Bischof Bernhar von Farden, und ihm folgte der Kölner Propst Wikkier.
In demselben Jahre übergab auch die Liebe des Kaisers an Frau Adelheid zwei Schwestern mit ihren Töchtern und zugehörigen Gütern, nämlich Montag den 1. November das Kloster des seligen Markgrafen Gero, welches derselbe dem Andenken seiner Seele und seines Sohnes erbaut, und wo er seine Schwiegertochter Hatuwig, welche geistlich lebte, einer Genossenschaft von Nonnen vorgesetzt hatte, und Dienstag den 2. desselben Monats die edle Genossenschaft zu Frethun. Als sie diese erhalten, nährt, liebt, pflegt sie dieselben auf edle Art,  wie es so hohem Range geziemte, und angeleitet durch die  Weisheit ihrer ausgezeichneten Tante, an der sie sich gebildet hatte, lehrt sie sie emsig im Eifer der Frömmigkeit, daß sie niemanden, sei es an Verdiensten oder an Beispielen für diesen Zweck ihrer Stiftung nachzustehen scheinen sollten.

Althoff Gerd: Seite 74,79,214
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen."

Außerdem wird in der Forschung angenommen, daß auch Hadwig, die 1014 verstorbene Äbtissin von Gernrode und Vreden, eine Tochter Wichmanns des Älteren gewesen sei [Hierfür gibt es zweifelsohne gute Gründe; vgl. Bork, Billunger, Seite 78f. und unten Kommentar A 42.]. Über deren Lebensdaten sind wir durch Thietmar von Merseburg sehr genau unterrichtet. Sie wurde 13-jährig mit Siegfried, dem Sohn des Markgrafen Gero, verheiratet, der nach siebenjähriger Ehe um das Jahr 959 verstarb. Demzufolge muß sie 939 geboren sein. Ihre vermeintliche Mutter Bia war zu diesem Zeitpunkt schon längst gestorben. Hinzu kommt, daß Bia im Gandersheimer Necrolog als praeposita bezeichnet wird. Sie gehörte also an ihrem Lebensende einer geistlichen Gemeinschaft an, was eine Ehe mit dem 944 verstorbenen Wichmann dem Älteren ebenfalls ausschließt. Zu diesen Befunden paßt, daß weder Friderun noch Bia im Lüneburger Necrolog erscheinen, was angesichts der sonstigen Vollständigkeit der Eintragungen von Familienangehörigen auffällt und ebenfalls gegen eine Ehe einer der genannten Frauen mit Wichmann dem Älteren spricht. Es bleibt also nichts andere übrig, als entweder anzunehmen, Wichmann habe eine andere, namentlich unbekannte Schwester der Königin Mathilde geheiratet, oder die Tatsache einer verwandtschaftlichen Bindung zwischen der Familie der Königin Mathilde und den BILLUNGERN zu konstatieren, ohne eine genauere genealogische Zuordnung zu wagen [Der für die Heirat entscheidende Beleg, in dem Egbert als materterae filius eius (sc. OTTO I.) bezeichnet wird, stammt aus den Annales Quedlinburgenses des Jahres 955 und wurde dort von Thietmar von Merseburg übernommen. Die Nachricht der Annales Quedlinburgenses ist wiederum aus den verlorenen Hersfelder Ananlen übernommen (vgl. Holtzmann, Die Quedlinburger Annalen, Seite 84.]. An der Tatsache der Verwandtschaft selbst zu zweifeln, besteht gerade angesichts der neuen Beobachtungen zu den Anfängen des billungischen Gedenkens kein Anlaß.
So heiratete Hathwig, die als Tochter Wichmanns des Älteren angesehen wird, Siegfried, den Sohn des Markgrafen Gero. Durch diese Ehe erklären sich wohl die zahlreichen Einträge von Mitgliedern der Sippe des Markgrafen im Lüneburger Necrolog, von denen die ältesten die der beiden vor 959 verstorbenen Söhne Geros, des eben genannten Siegfried und seines Bruders Gero, sind [Die verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen BILLUNGERN und der Sippe des Markgrafen Gero wurden zweimal geknüpft: zunächst heiratet Hathwig (A 42) Siegfried (G 69), den Sohn des Markgrafen Gero; später verband die Ehe der BILLUNGERIN Swanhild (G 168)mit dem Grafen Thietmar (G 98) beide Sippen erneut. Zu den Angehörigen der Sippe Geros im Lüneburger Necrolog vgl. Kommentar G 2.].
 
 
 

 952
  oo Siegfried, Sohn des Markgrafen Gero
  x        -24.6.959
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 74,79,214,350 A 42 - Annalen von Quedlinburg a. 1014 - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 36,52 - Beumann, Helmut: Die Ottonen, Verlag W. Kohlhammer, 1991 Seite 98 - Bork Ruth: Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert. Dissertation Greifswald 1951 Seite 78-80 - Freytag, Hans-Joachim: Die Herrschaft der Billunger in Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1951 Seite 70 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 S 11 Seite 354 - Hlawitschka, Eduard: Kontroverses aus dem Umfeld von König Heinrichs I. Gemahlin Mathilde, in Festschrift für Alfons Becker, Sigmaringen 1987 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 149,182,206 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar 1995 Seite 246 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 752 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 10,39,190,232 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 11 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 155 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 54, 246,344,346,354,356 -