Bia von Ringelheim                        Gräfin im Bardengau
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um 895-25.5. (vor 932??)
 

Tochter des westfälischen Grafen Dietrich von Ringelehim und der Reinhild, Tochter des Normannen Gottfrieds; Schwester der Königin Mathilde
 

Althoff Gerd: Seite 366
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                   K 17

Me: 25.5. Bia soror regine Mathildis,  Schwester der Königin Mathilde
 

Bia begegnet zu diesem Datum auch in der Abschrift eines ottonischen Familiennecrologs im Verbrüderungsbuch von St. Gallen, in einem späteren Gandersheimer Necrolog (dort als praeposita) und in einem heute verlorenen Trierer Diptychon; vgl. Althoff, Unerkannte Zeugnisse vom Totengedenken der Liudolfinger, S. 387 und 402.
Sie starb vor 931/32, da die Liste in St. Gallen zu diesem Zeitpunkt angelegt wurde, und nach 929, da sie in diesem Jahr noch in zwei Einträgen der ottonischen Familie in die Verbrüderungsbücher von St. Gallen und Reichenau erwähnt wird, die nur lebende Personen enthalten; vgl. Schmid, Neue Quellen, S. 168 f.
In der Forschung ist umstritten, ob sie oder ihre Schwester Fridarun die Gemahlin des BILLUNGERS Wichmanns des Älteren war. Gegen beide Annahmen sprechen gewichtige Gründe; vgl. dazu den Kommentar G 39.



Laudage, Johannes: Seite 112
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"Otto der Große. Eine Biographie."

Wichmann war nämlich älter als sein Bruder, und er hatte eine Schwester der Königin Mathilde zur Frau.

Althoff Gerd: Seite 73-74
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen."

In diesem Zusammenhang ist auch ein Problem zu diskutieren, das in der Forschung bis heute nicht gelöst erscheint. Zwar geht man einhellig davon aus, daß der BILLUNGER Wichmann der Ältere eine Schwester der Königin Mathilde geheiratet habe. Strittig und unentschieden ist jedoch, ob es sich um Friderun oder Bia handelte. Ein konkretes Quellenzeugnis gibt es für diese Heirat nicht. Doch werden Wichmann der Jüngere und Egbert der Einäugige, die man mit guten Gründen, jedoch ohne ein direktes Quellenzeugnis, als Söhne Wichmanns des Älteren ansieht, von Widukind von Corvey als consobrini und nepotes OTTOS DES GROSSEN bezeichnet. Außerdem ist von den beiden Brüdern in den Annales Quedlinburgenses und, daraus übernommen, bei Thietmar von Merseburg als von materterae regis filli die Rede. Scheint somit durch die angeführten Quellen das Verwandtschaftsverhältnis genügend genau angegeben, so entdeckt man bei der Durchsicht der anderen einschlägigen Quellenstellen gewichtige Gegengründe, die eine Heirat Wichmanns des Älteren mit einer der genannten Schwestern der Königin Mathilde geradezu ausschließen. Friderun kann, das hat schon Ruth Bork richtig gesehen, deshalb nicht die Frau Wichmanns gewesen sein, weil sie erst im Jahre 971 starb. Widukind bemerkt nämlich schon für die 50-er Jahre in Bezug auf Wichmann den Jüngeren, er sei, destitutus a patre et matre, von OTTO DEM GROSSEN erzogen worden. Ruth Bork entschied sich deshalb für Bia als Gemahlin des älteren Wichmann. Diese muß jedoch auf Grund ihres Todesdatums ebenfalls von der Zuordnung ausgeschlossen werden. Da Bia nämlich in der Abschrift des ottonischen Familiennecrologs im Verbrüderungsbuch von St. Gallen erhalten ist, muß sie spätestens in den Jahren 931/32 gestorben sein [279 Dies ergibt sich zwingend aus der Abfassungszeit der Necrologabschrift im St. Galler Verbrüderungsbuch; vgl. Althoff, Unerkannte Zeugnisse vom Totengedenken der Liudolfinger, Seite 376.]. Nun nennt aber Widukind von Corvey, dem in diesen Fragen zweifelsohne die Rolle eines Kronzeugen zukommt, den jüngeren Wichmann und Egbert noch zu den Jahren 953/54 iuvenes und adolescentes. Selbst wenn also einer von ihnen im letzten Lebensjahr der Bia geboren worden wäre, wäre er zum besagten Zeitraum 22 oder 23 Jahre alt gewesen, der andere Bruder in jedem Fall noch älter. Selbst dieser knappste Zeitansatz schließt daher eine Bezeichnung wie adolescentes in den Jahren 953/54 wohl aus.
Es bleibt also nichts anderes übrig, als entweder anzunehmen, Wichmann habe eine andere, namentlich unbekannte Schwester der Königin Mathilde geheiratet, oder die Tatsache einer verwandtschaftlichen Bindung zwischen der Familie der Königin Mathilde und den BILLUNGERN zu konstatieren, ohne eine genauere genealogische Zuordnung zu wagen. An der Tatsache der Verwandtschaft selbst zu zweifeln, besteht gerade angesichts der neuen Beobachtungen zu den Anfängen des billungischen Gedenkens kein Anlaß.

Hlawitschka, Eduard: Seite 94,97
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"Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“

Im Reichenauer Eintrag folgen nach 15 Namen, um die es hier besonders geht, im 3. Teil, den wir hier zunächst vorziehen wollen, Königin Mathildes Vater Theoderich, dessen Bruder Widukind, Königin Mathildes Mutter Reginhild und sodann vier Schwestern der Königin (Perehtheid [32 Perehtheid ist von Karl Schmid, Neue Quellen Seite 188; ND Seite 393, lediglich wegen ihrer Nennung in den beiden Einträgen neben bzw. zwischen den Schwestern Mathildes als Schwester der Königin vermutet worden. Das ist sehr plausibel. Eventuelle könnte Perehtheid aber auch die Gemahlin von Mathildes Onkel Widukind gewesen sein, der kurz vorher genannt ist.], Pia, Friderun, Amalrat).
Mit dem Namen Sigepert sind wir auch schon zu den letzten drei Namen der Reichenauer Liste überhaupt, die der Gruppe der engeren Angehörigen der Königin Mathilde angehängt sind, gelangt. Da oben bereits der zweite Name - Ekkipert - mit Ekbert dem Einäugigen, dem Sohn des Grafen Wichmann und einer Schwester der Königin Mathilde - wahrscheinlich Bias - in Verbindung gebracht worden ist [54 Vgl. oben Seite 94 mit Anmerkung 33. - Zur Frage, welche der Schwestern Mathildes die Mutter Ekberts des Einäugigen war, vgl. jetzt E. Hlawitschka, Kontroverses aus dem Umfeld König Heinrichs I. Gemahlin Mathilde, in: Festschrift für A. Becker, Sigmaringen 1987, Seite 50 ff.], bleibt somit nur noch die Frage, ob auch der Träger des letzten Namens - Piso - in der Verwandtschaft HEINRICHS I. und Mathildes nachzuweisen ist.

Hlawitschka, Eduard: Seite 50-54
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"Kontroverses aus dem Umfeld von König Heinrichs I. Gemahlin Mathilde"

Der dritte hier zu behandelnde Fragenkreis betrifft das Problem, von welcher der Schwestern Königin Mathildes die in mehreren Aufständen gegen OTTO DEN GROSSEN hervorgetretenen Brüder Ekbert der Einäugige und Wichmann der Jüngere abstammten [91 Zu diesen beiden Brüdern vgl. die eindrucksvolle Skizze von W. Goez, Gestalten des Hochmittelalterts (1983), Seite 41-53.]. Zumal sich die Jahrbücher der deutschen Geschichte für die Zeit Kaiser Ottos des Großen von R. Köpke und E. Dümmler dafür ausgesprochen hatten, Friderun als diejenige Mathilden-Schwester anzusehen, die mit dem Grafen Wichmann dem Älteren vermählt war und die Mutter der beiden später so oft aufrührerischen Grafen Wichmann der Jüngere und Ekbert gewesen ist, schien anschließend für die meisten Historiker lange Zeit diese Frage endgültig gelöst zu sein [93 Vgl. zuletzt W. Goez, Gestalten (wie Anmerkung 91) Seite 43, wo Friderun ohne jede Einschränkung als Gemahlin Wichmanns des Älteren genannt ist.]. Erst neuerdings ist sie bei Untersuchungen von Nekrologproblemen durch G. Althoff wieder aufgeworfen worden. Dieser kommt zum Ergebnis, dass weder Friderun noch Bia die Mutter dieser Rebellen gewesen sein könne. Muß dies das letzte Wort bleiben ?
Wie schon von R. Köpke und E. Dümmler - aufgrund vor allem der Angaben bei Widukind von Corvey und bei Thietmar von Merseburg - festgestellt worden ist, hatte Graf Wichmann der Ältere (+ 23.4. oder 12.5.944) zwei Brüder, nämlich den von OTTO I. als Markgrafen der Nordmark eingesetzten Hermann Billung (+ 27.3.973) und den Bischof Amelung von Verden (+ 5.5.962). Von diesen Autoren ist desgleichen schon bemerkt worden, dass eigentümlicherweise nur insofern als Söhne des älteren Wichmann erscheinen, als Markgraf Hermann als patruus Wichmanns des Jüngeren beziehungsweise Wichmann der Jüngere und Ekbert als nepotes Herimanni und als confratres auftreten, der erste auch als propinquus OTTOS I. und als materterae regis filius bezeichnet wird, der zweite zudem als consobrinus regis genannt ist. Zugleich ist dabei nicht zu vergessen, dass Wichmann der Jüngere 953 seinen patruus Hermann Billung beschuldigte, der paternae hereditatis raptor zu sein, und dass sich Ekbert ihm anschloß, so dass sich beide unter der gleichen Argumentationsweise (eadem sententia) gegen Hermann erhoben; und das ist nur möglich, wenn beide Brüder waren und ihr Vater damals schon nicht mehr lebte, was wiederum auf den 944 verstorbenen Wichmann den Älteren zurückverweist [96 Widukind, Res gestae Sax. II 4 Seite 70f., und Thietmar, Chron. II 31 f. Seite 76 ff. (zu Wichmann dem Älteren und seinen Brüdern); Widukind, Res gestae Sax. III 24 Seite 116, III 29 Seite 117, III 50 Seite 130, III 69 Seite 145, III 18f Seite 114; Thietmar, Chron. II 12 Seite 52 f. (zu Wichmann dem Jüngeren und Ekbert dem Einäugigen). Desgleichen heißt Ekbert in den Annales Quedlinburgenses ad 955, MGH SS 3 Seite 58, von denen Thietmar auch abhängig ist, materterae regis filius; ebenso die Annales Hildesheimenses ad 955, ed. G. Waitz, MGH SS rer. Germ. (1878) Seite 21, und die Annales Altahenses maiores ad 955, ed. E. von Oefele, MGH SS rer. Germ. (1891) Seite 9.]. Wichmann der Jüngere und Ekbert der Einäugige waren demnach - wie wohl unabweisbar ist - Brüder und zugleich Söhne Wichmanns des Älteren und einer Schwester der Gemahlin HEINRICHS I.
Dass Friderun diese Schwester nicht gewesen sein kann, hat schon R. Bork damit begründet, dass diese erst im Jahre 971 verstarb, während Widukind von Corvey schon für die Mitte der 50-er Jahre von Wichmann dem Jüngeren sagte, er sei ehedem destitutus a patre et matre gewesen und deshalb von OTTO DEM GROSSEN an Sohnes Statt aufgenommen und erzogen worden [97 R. Bork, Die Billinger (wie Anmerkung 70) Seite 40 und 45 ff.; Widukind, Res gestae Sax. II 50 Seite 129.]. Entschied sich R. Bork sonach für Bia als Mutter Wichmanns des Jüngeren und Ekberts, so wandte sich aber G. Althoff auch gegen diese Ansicht. Er geht nämlich davon aus, dass Bia schon vor 936 verstorben ist, da sie damals (das heißt zwischen 931/32 und 936) bereits in das in Gandersheim geführte ottonische Familiennekrolog, das wir aus einer von Althoff entschlüsselten Abschrift im St. Galler Verbrüderungsbuch rekonstruieren können, mit ihrem uns bekannten Todestag eingeschrieben war [98 G. Althoff, Unerkannte Zeugnisse (wie Anmerkung 9) Seite 402. Zur Datierung des Gandersheimer Nekrologauszuges vgl. ebd. Seite 376.], den ein Auszug aus einem Trierer Nekrolog oder Diptychon und die in Merseburg überlieferte Fassung des ottonischen Totengedenkens aufweisen [99 Zur Nennung Bias im Trierer Nekrolog- oder Diptychonauszug vgl. oben Anmerkung 64; zum Merseburger Nekrolog, das das ottonische Totengedenken enthält vgl. E. Dümmler, das alte Merseburger Todtenbuch, Neue Mitteilungen aus dem Gebiet histor.-antiquarischer Forschungen 11 (1867) Seite 234: VIII K. Iun. Bia soror regine Mathildis obiit, Faksimile in: MGH Libri mem. N. Seite 2, hg. von G. Althoff und J. Wollasch (1983) Seite 6.]. Ein Todesjahr 931/32 - auf diesen Zeitpunkt reduziert Althoff die korrekterweise bis 936 währende Spanne -, das sich somit für Bia ergibt, sei nämlich für die Mutter sowohl Wichmanns des Jüngeren als auch Ekberts, die beide von Widukind von Corvey zu 953/54 noch als iuvenes und adolescentes bezeichnet werden, zu früh. "Selbst wenn einer von ihnen im letzten Lebensjahr der Bia geboren worden wäre", so wird argumentiert, "wäre er zum besagten Zeitraum (953/54) 22 oder 23 Jahre alt gewesen, der andere Bruder in jedem Fall noch älter." [100 G. Althoff, Adels- und Königsfamilien (wie Anmerkung 9) Seite 74; Widukind, Res gestae Sax. III 25 und 29 Seite 116f.] Das aber passe nicht zu iuvenes und adolescentes. Außerdem müsse man wohl die erst 939 geborene Hathwig, die 1014 als Äbtissin von Gernrode (und Vreden) verstarb, als Tochter Wichmanns des Älteren und als Schwester des jüngeren Wichmann und Ekberts des Einäugigen ansehen, was noch weniger mit Bia als Gemahlin Wichmanns des Älteren vereinbar sei. Schließlich sei Bia auch mit ihrem Todestag (25. Mai) in einem in Abschrift des 17. Jahrhunderts erhaltenen spätmittelalterlichen Nekrolog, das aus älteren Zeiten die Gründer der Nonnengemeinschaft und die Äbtissinnen überliefert, als praeposita eingeschrieben worden; sie werde also an ihrem Lebensende einer geistlichen Gemeinschaft angehört haben, "was eine Ehe mit dem 944 verstorbenen Wichmann dem Älteren ebenfalls ausschließt". Und letztlich seien zudem "weder Friderun noch Bia im Lüneburger Nekrolg" zu finden, "was angesichts der sonstigen Vollständigkeit der Eintragung von Familienangehörigen (der BILLUNGER) auffällt und ebenfalls gegen eine Ehe der genannten Frauen mit Wichmann dem Älteren spricht". So bleibt ihm "nichts anderes übrig, als entweder anzunehmen, Wichmann habe eine andere unbekannte Schwester der Königin Mathilde geheiratet, oder die Tatsache einer verwandtschaftlichen Bindung zwischen der Familie der Königin Mathilde und den BILLUNGERN zu konstatieren, ohne eine genauere genealogische Zuordnung zu wagen".
Betrachtet man diese Alternative, so ist man zunächst auf jene Perehtheid, die in den Reichenauer und der St. Galler Gedenklisten HEINRICHS I. vom Jahre 929 in der Gruppe der bekannten Schwestern Mathilde enannt ist, als mögliche Mathilden-Schwester und Gemahlin Wichmanns des Älteren verwiesen. Nur sie kann eigentlich - wie diese Lebendenliste der OTTONEN-Familie und ihrer Verwandten von 929 zeigen - überhaupt noch in Frage kommen. Schon K. Schmid hat ja bei seiner ersten Beschäftigung mit jenen Namenslisten gemeint: "Weil in beiden Einträgen unter den Namen der anderweitig bekannten Schwestern Mathildes eine Perehtheid erscheint, darf man wohl annehmen, auch sie sei eine bislang nicht bekannte Schwester, jedenfalls aber eine nahe Verwandte der Königin gewesen". Eine Perehtheid als weitere Mathilden-Schwester kann in der Tat das von Althoff gezeigte Dilemma auflösen.
Bei aller Hinneigung zu dieser Erklärung bleiben aber auch einige Bedenken. Die in die beiden Reichenauer und St. Galler Gedenkbucheinträge aufgenommene Perehtheid kann nämlich ebenso gut wie eine Schwester Mathildes auch eine Tante der Königin - eventuell die Gemahlin Widukinds, des Bruders von Mathildes Vater Dietrich (Theoderich), der ja gleichfalls mit in das Gedenken aufgenommen wurde - gewesen seien. Außerdem ist eine Perehtheid genauso wenig im Lüneburger Nekrolog, das die BILLUNGER und ihre Angehörigen verzeichnet, aufgenommen wie Friderun und Bia; und sie fehlt dazu auch im sonstigen ottonischen Totengedenken, nämlich im Merseburger Nekrolog und im Gandersheimer und im Gandersheimer Nekrologsauszug von "931/32-936" (wenn man sie nicht mit einer Mitte Juni oder gegen Ende November vor "931/32-936" verstorbenen Berehta [105 Vgl. G. Althoff, Unerkannte Zeugnisse Seite 402 f., Nr. 40 und 71. - An dieser Stelle kann man wohl noch darauf verweisen, dass die Gründerin des Klosters Borghorst (+ 988) Berta hieß, eine Tochter Bertheidis (neben einer weiteren Tochter Hadwig) hatte und dass sich von dieser Familie Beziehungen zu den BILLUNGERN feststellen, wenn auch nicht näher konkretisieren lassen.] gleichsetzen will), und desgleichen in den Fuldaer Totenannalen. Insofern ist auch das letzte - gerade gegen Bia als Wichmann-Gemahlin angeführte - Argument Althoffs, das die Nichterwähnung Bias im Lüneburger Totenbuch aufgreift, gewiß nicht sehr tragfähig. Und das gilt sicherlich auch für die Mitteilung aus dem spätmittelalterlichen Gandersheimer Nekrolog, das eine am 25. Mai verstorbene Bia praeposita festhält; praeposita könnte nämlich durchaus eine Verlesung des Kopisten oder eine Falschauflösung einer Abkürzung (etwa von praebenda, der Festlegung der Memoriengabe, oder von praepotens = sehr mächtig, vornehm) sein. Aber dieses Problem löst sich sogar viel einfacher: am 25. Mai, dem Todestag der Mathilden-Schwester Bia, verstarb nämlich tatsächlich eine Gandersheimer Pröpstin Bia, - allerdings erst 1251 oder 1252. Und da außerdem die erst 1014 verstorbene Äbtissin Hathwig von Gernrode durch Thietmar von Merseburg lediglich als eine inclita neptis reginae Mathildis bezeugt ist, nicht indessen mit den Wichmann-Söhnen in Verbindung gebracht wird, spricht auch hier nichts zwingend gegen Bia als Gemahlin Wichmanns des Älteren; denn Hathwig kann selbstverständlich eine Tochter der erst 971 verstorbenen Friderun gewesen sein. Deshalb bleibt allein das Argument ernstlich zu prüfen, ob die Bezeichnung der beiden Söhne Wichmanns des Älteren - das heißt Wichmanns des Jüngeren und Ekberts des Einäugigen - zum Jahre 953/54 als iuvenus und adolescentes noch möglich war, auch wenn sie schon vor "931/32-936", der Todeszeit Bias, geboren waren, oder ob es diese Bezeichnungen unmöglich machen, sie auch als Bias Kinder zu betrachten.
Nun hat schon A. Hoffmann festgestellt, dass die im Mittelalter gängigen Lebensalterseinteilungen fast ausschließlich auf die Differentiae und Etymologiae Isidors von Sevilla zurückgehen. Diese zeigen nach der infantia (bis zu 7 Jahren) und der pueritia (bis zu 14 Jahren) als dritten Abschnitt die adolescantia, die vom 15. bis zum 28. Lebensjahr reicht, gefolgt von der iuventus, die die Zeit vom 28. bis zum 49. oder 50. Jahr ausfüllt, und der senectus oder gravitas und dem senium. Besonders heimisch gemacht hat dieses System im Ostfrankenreich oder vielmehr im werdenden deutschen Reich der "Praeceptor Germaniae", Hrabanus Maurus: Gradus aetatis sex sunt: infantia, pueritia, adolescentia, juventus, gravitas atque senectus. Primaetas infantia est pueri nascentis ad lucem, quae porrgitur in septem annis. Secunda aetas pueritia is est, pura et necdum ad generandum apta, tendens usque ad 14 annos. Tertia, adolescantia ad gignendum adulta, quae porrigitur usque ad 28 annos. Quarta, juventus, firmissima aetatum omnium, finiens in quinquagesimum annum etc. Setzt man diese damals gängige Schema der Lebensalterbezeichnungen auch bei Widukind von Corvey voraus - und es ist nichts darüber bekannt, dass Widukind ein anderes System entwickelt haben sollte -, so entfällt letztlich aber auch dieses Argument. Als iuvenes und adolescentes wurden Wichmann der Jüngere und Ekbert für die Zeit um 953/54 von Widukind durchaus richtig charakterisiert, auch wenn sie schon um 928/30 von Bia - nicht erst etwa 934/35, was gleichfalls möglich ist - geboren waren [111 Bei dieser Frage ist zunächst daran zu erinnern, dass Widukind, Res gestae Sax. III 50 Seite 129, sagt, Wichmann der Jüngere sei destitutus a patre et matre von OTTO DEM GROSSEN loco filiorum aufgenommen, erzogen und mit der väterlichen Amtsposition betraut worden. Da Wichmann der Ältere 944 verstarb, dürfte diese Quasiadoption, die keinerlei rechtliche Folgen hatte und eher einer Annahme zur Pflegekindschaft gleichkam, wohl 944 stattgefunden haben. Wenn man sich dies vor Augen hält und das damalige Großjährigkeitsalter des vollendeten 12. Lebensjahres (so nach dem Sachsenspiegel) einkalkuliert, dürfte Wichmann der Jüngere sogar erst 932/33 geboren sein (eventuell verstarb seine Mutter im Kindbett). Und auch das schließt Bia nicht als Mutter Wichmanns des Jüngeren und Ekberts des Einäugigen aus, denn der Gandersheimer Nekrologauszug, der Bias Todestag bereits enthielt, ist korrekt nur auf "931/32 bis Sommer 936" zu datieren, nicht auf 931/32 als Entstehungszeit zu reduzieren, vgl. oben Anmerkung 98.]. Damit scheint in der Tat Bia, wie schon R. Bork meinte, die Gemahlin Wichmanns des Älteren und Mutter der so oft rebellischen Wichmann-Söhne gewesen zu sein, wenngleich auch eine Perehtheid als die an jener Stelle stehende Schwester Mathildes nicht völlig auszuschließen ist.

Bork Ruth: Seite 40-42
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"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

Wie auch aus dem letzten Abschnitt hervorgeht, führen die Fragen, die um das Erbe und die Nachkommenschaft Wichmanns des Älteren kreisen, immer wieder zu seiner Gemahlin, die eine der beiden in Frage kommenden Schwestern der Königin Mathilde, Frederuna oder Bia - meines Erachtens mit größerer Wahrscheinlichkeit die letztere - gewesen sein muß [4 Als Schwestern der Königin Mathilde, der Tochter des westfälischen Grafen Theoderich, sind Frederuna, Bia und Amalrada bekannt, von denen die letztgenannte ausscheidet, da sie nachweislich mit dem Grafen Eberhard von Hamaland verheiratet war und von einer eventuell zweiten Ehe in Siegberts Vita Deoderici SS IV, 464, nichts vermeldet wird. Weitere Angaben, bzw. Belegstellen über die Herkunft der Mathilde, die mütterlicherseits aus dänischen und friesischen Geschlechtern stammte, finden sich in der Vita Math. reg. SS. IV, 284, und in der Vita Math. reg. ant., SS. X, 576, und bei Thietmar I,9 (6) Seite 14. Angaben für Bia im Mers. Necrol. (N. Mitt. XI,2 Seite 234) und für Frederuna in Browers Annal. Forts. v. A. 4) .. (I, 470), die allein einige Auszüge des später verloren gegangenen Trierer Domnekrologiums enthalten, in den sich das Zeugnis für die Schwesternschaft der Frederuna und der Mathilde wie auch der Bia und der Mathilde befand (siehe auch Wilmans I, 433 Anmerkung 6).].
Als Anzeichen dafür dürften folgende Momente in Frage kommen: Wichmann der Jüngere bezeichnet sich als er sterbend seine Waffen dem Kaiser zu übergeben befiehlt, als dessen Verwandter. Widukind bedient sich dabei des Ausdrucks "propinquus", [1 Widukind, III, 69 Seite 145.], den er sonst nur zu Anfang seiner Erzählungen für das Verhältnisder miteinander verschwägerten Könige Thiadrich und Irminfried gebraucht [2 Widukind I, 9 Seite 11 und I, 10 Seite 17.], sodaß wir daraus kaum ganz bestimmte Beziehungen herauslesen können, sondern zunächst nur die Tatsache eines Verwandtschaftsverhältnisses irgendwelcher, eventuell auch fernerer Art feststellen. Nun nennt er aber Ekbert, dessen brüderliches Verhältnis zu Wichmann dem Jüngeren aus seinen Schilderungen deutlich genug hervorgeht, [3 Widukind, III, 25 Seite 116, III, 29, Seite 117, III, 50 Seite 129, III, 53 Seite 132, III, 55 Seite 135.] einmal den "consobrinus regis" [4 Widukind III, 19 Seite 114.], ein Ausdruck, der allgemein für Geschwisterkinder gebraucht wurde, in der älteren Literatur aber auch speziell für das Geschwisterkind von mütterlicher Seite [5 Vgl. Du Gange, Diefenbach Suppl. Bd. und Georges.]. Dafür, daß das letztere auch hier in Frage kommt, spricht eine Aussage Thietmars [6 Thietmar, II, 12 Seite 52 ... "confratres autem ... Wigmannum materterae regis filium et Ekbertus fugavit."], in der er Wichmann den Jüngeren im Zusammenhang mit dem Kaiser einen Sohn der Schwester seiner, nämlich OTTOS, Mutter nennt.

Goez, Werner: Seite 41,43
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"Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer."

Wichmann war OTTOS leiblicher Vetter, seine Mutter Bia (?) eine Schwester von HEINRICHS I. Gemahlin Mathilde.
Um die Jahrhundertmitte waren die Eltern Wichmanns des Jüngeren längst verstorben. Als sich sein gleichnamiger Vater - der dritte der Brüder - wohl mit Bia vermählte, einer Schwägerin König HEINRICHS I., kann die Braut nicht mehr jung gewesen sein. Es läßt sich vermuten, daß bei dieser Eheschließung der Wunsch des Grafen im Gau Wigmodia die Hauptrolle spielte, in familiäre Beziehungen zum Herrscherhaus zu kommen und dadurch eine weitere soziale Aufwertung zu erfahren.
 
 
 
 

  oo Wichmann I. der Ältere Graf im Bardengau und in Wigmodien
        um 900-23.4.944
 
 
 
 

Kinder:

  Wichmann II. der Jüngere
  um 930-22.9.967

  Ekbert der Einäugige
  um 930-4.4.994

  Bruno Bischof von Verden (962-976)
          -26.4.976

  Er stiftete das Kloster zu Odenstadt.

  Hadwig Äbtissin von Gernrode (959-1014)
  939-4.7.1014

  oo Siegfried, Sohn Geros
             -24.6.959
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 73,158,161, 165,366 K 17 - Bork Ruth: Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert. Dissertation Greifswald 1951 Seite 40-42 - Goez, Werner: Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer, Primus Verlag Darmstadt 1998 Seite 41,43 - Hlawitschka, Eduard: Kontroverses aus dem Umfeld von König Heinrichs I. Gemahlin Mathilde, in Festschrift für Alfons Becker, Sigmaringen 1987 Seite 50-54 - Hlawitschka, Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 88,94,97 - Köpke, Rudolf/Dümmler Ernst: Kaiser Otto der Große, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1962 Seite 580 - Laudage, Johannes: Otto der Große. Eine Biographie. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 112 -