Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 267-283
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"Die französischen Könige des Mittelalters"

Heinz Thomas

JOHANN II., König von Frankreich 1350-1364
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* 26. April 1319, + 8.4.1364
Schloß Gue deMaulny  London
bei Le Mans

Salbung und Krönung zu Reims am 26.9.1350
gefangen in der Schlacht von Maupertuis/Poitiers am 19.9.1356
Freilassung am 25.10.1360

Vater:
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Philipp VI. (* 1293), Sohn des Grafen Karl von Anjou und Valois (1270-1325) und der Margarete von Sizilien-Neapel (+ 1299)

Mutter:
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Johanna von Burgund (* 1293/94, + 12.9.1348), Tochter Herzog Roberts II. von Burgund und der Agnes von Frankreich, Tochter König Ludwigs IX.

Bruder:
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Philipp, Herzog von Orleans (* 1.7.1336, + 1.9.1375)
 

  1. oo 6.8.1332
          BONNE (GUTA) VON LUXEMBURG-BÖHMEN
          * 20.5.1315, + 11.9.1349

Tochter König Johanns von Böhmen, Graf von Luxemburg und Elisabeth von Böhmen
 

  2. oo 9.2.1350
          JOHANNA VON BOULOGNE UND AUVERGNE
          * 8.5.1326, + 29.9.1360
 

10 Kinder: darunter
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Karl, König von Frankreich (* 21.1.1337, + 16.9.1380)
Ludwig, Graf (1350) und Herzog von Anjou (1360), König von Sizilien-Neapel (1383) (* 23.7.1339, + 21.9.1384)
Johann, Herzog von Berry nd Auvergne (* 30.11.1340, + 15.6.1416)
Philipp der Kühne, Herzog von Burgund (* 15.1.1342, + 27.4.1404)
Johanna (* 24.6.1343, + 3.11.1373), Gemahlin König Karls II. von Navarra
Maria (* 18.9.1344, + 10.1404), Gemahlin Herzog Roberts von Bar
Margarete (* 20.9.1347, + 25.4.1352)
Isabella (* 1.10.1348, + 11.9.1372), Gemahlin des Herrn von Mailand, Gian Galeazzo Visconti
 

Seit frühester Kindheit muß Johann von auffallend schwacher Konstitution gewesen sein. Über sein Aussehen glaubte man bis vor kurzen sehr gut informiert zu sein, indes wird neuerdings ein heute im Louvre befindliches Gemälde trotz der zeitgenössischen Inschrift "Jehan, roy de France" als Bildnis Karls V. gedeutet. Ein Vergleich des Gemäldes mit Johanns Grabstatue aus St-Denis läßt diese neue These jedoch als fraglich erscheinen: Der Maler präsentiert das nach links gewendete Profil eines Mannes mit dichtem rötlichen, bis auf den Kragen fallenden Haar. Der gestutzte Bart an Kinn und über der Lippe wirkt ein wenig ungepflegt. Als besonders charakteristisch scheint der Maler die lange, bis zur Höhe der Oberlippe herabreichende Nase empfunden zu haben, die das sichtbare braune Auge als etwas zu weit zurückgesetzt erscheinen läßt. Das Grabmal legt die Vermutung nahe, dass Johann am Ende seines Lebens auf die Zeitgenossen einen etwas behäbigen, fast bäuerischen Eindruck gemacht haben könnte.
Auf einen für den Fortbestand des französischen Königtums ungemein wichtigen Bereich hatte Johanns Anfälligkeit für mehr oder minder schwere Krankheiten keine Auswirkungen: Von den sieben die kritische Frist nach der Geburt überlebenden Kindern aus seiner Ehe mit Bonne von Luxemburg entwickelten sich drei zu überragenden Persönlichkeiten ihrer Zeit: Karl V. gilt als einer der größten mittelalterlichen Könige Frankreichs, Philipp war der erste in der einzigartigen Reihe der vier Herzöge von Burgund aus dem Hause VALOIS, Johann wurde als Herzog von Berry einer der bedeutendsten Mäzene des Mittelalters, und selbst der umtriebige Ludwig kann als Herzog von Anjou und Titular-König von Sizilien noch zu den auffälligeren Gestalten unter den Fürsten seiner Zeit gerechnet werden.
Nachdem Philipp VI. 1328 zum König gewählt worden war, setzte er alles daran, die Thronfolge seines Hauses sicherzustellen. Bereits am 17. Februar 1332 erklärte er Johann für volljährig und übertrug ihm die Titel eines Herzogs von Normandie sowie eines Grafen von Anjou und Maine. Wenig später, am 6. August, heiratete Johann in Melun Guta, die zweite Tochter König Johanns von Böhmen, die in ihrer neuen Heimat Bonne genannt wurde.
Johann bewährte sich bei der Verwaltung einiger ihm vom Vater anvertrauter Schloßherrschaften, aber auch im Felde. Im Rahmen des bretonischen Erbfolgekrieges konnte er 1341 Nantes zur Kapitulation zwingen und nahm dabei den von Eduard III. geförderten Prätendenten Johann von Montfort gefangen. Überdies wurde er mit wichtigen diplomatischen Aktionen beauftragt. So war er maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt, die mit dem kinderlosen Dauphin Humbert II. über den Kauf der Grafschaft Vienne geführt wurden, und galt seit 1344 als Humberts künftiger Nachfolger.
Im Frühjahr 1346 belagerte Johann die von Engländern gehaltene Stadt Aiguillon (bei Agen), brach das Unternehmen aber eine Woche vor der Katastrophe von Crecy ab. An dieser Schlacht nahm er nicht teil. Man hat vermutet, in den folgenden Monaten sei es zu einem schweren Konflikt zwischen Vater und Sohn gekommen, und Philipp habe sogar mit dem Gedanken gespielt, Johanns Bruder Philipp als Thronfolger einzusetzen. Das gewichtigste Argument für diese These ist der Freundschaftsbund zwischen Johann und dessen im Juli 1346 zum römischen König gewählten Schwager KARL VON BÖHMEN. Bei näherem Zusehen erweist sich jedoch, dass der Bund zwischen Johann und seinem Schwager den Intentionen Philipps VI. keineswegs zuwiderlief. Im Gegenteil: Während der König weiterhin sein 1341 mit KARLS Rivalen, Kaiser LUDWIG DEM BAYERN, geschlossenes Bündnis aufrechterhalten konnte, hielt der Thronfolger für ihn die Alternative dazu offen. Wenige Monate später machte allerdings KARL IV. diese Rechnung zunichte: Nach dem Tode des Kaisers (11. Oktober 1347) verbündete er sich im Frühjahr 1348 mit dem Sieger von Crecy und schloß dabei nicht einmal Militäraktionen gegen den Schwager aus. Den Ehen zwischen VALOIS und LUXEMBURG war damit die politische Basis entzogen, kurz bevor sie durch den Tod geschieden wurden: KARLS Gemahlin Blanche starb am 1. August 1348, seine Schwester Bonne am 11. September 1349. Bonne ist vermutlich wie wenig später auch ihre Schwiegermutter der Pest zum Opfer gefallen, indes gab es Gerüchte, sie sei auf andere Weise ums Leben gekommen.
Vier Wochen nach dem Tode von Johanns Mutter heiratete Philipp VI. zum zweiten Mal, und zwar Blanche, die damals 18-jährige Schwester König Karls II. von Navarra. Johann folgte dem Beispiel des Vaters vier Wochen später: Am 9. Februar fand die Hochzeit mit Johanna von Boulogne-Auvergne statt, deren dreijähriger Sohn aus 1. Ehe Erbe des Herzogtums Burgund und einiger anderer Territorien war, zum Beispiel der vom römisch-deutschen Reich lehnsrührigen Grafschaft Burgund sowie des Artois, die nunmehr bis zur Volljährigkeit des Knaben unter die Herrschaft des Stiefvaters gestellt wurden.
Am 22. August 1350 starb König Philipp. Die Übernahme der Krone geschah ohne erkennbare Probleme: Am 26. September wurde Johann in Reims geweiht und gekrönt. Am 17. Oktober folgte der feierliche Einzug des neuen Königs in seine Hauptstadt. Wenig später wurden die bei dieser Gelegenheit üblichen Feste und Empfänge jäh durch ein ebenso schreckenerregendes wie rätselhaftes, vom König selbst in Szene gesetztes Drama beendet. Schon vor Crecy war der Konnetabel Raoul von Brienne, Graf von Eu und Guines, ein wegen seiner Courtoisie allenthalben geschätzter Herr, in englische Gefangenschaft geraten, aus der man ihn wohl unter der Bedingung entlassen hatte, den Rest des für ihn festgesetzten Lösegeldes aufzubringen. Der nach wie vor im Amt befindliche Konnetabel erschien zur Audienz des neuen Königs, wurde in eine Kammer gebeten, wo ihm Johann einen Brief vorgehalten und ihn voller Wut beschimpft haben soll, anschließend ließ er ihn in den Kerker abführen. Am Morgen des 22. Oktober wurde der Konnetabel in Gegenwart einiger Verwandter des Königs enthauptet.
Die BRIENNE waren eine hochangesehene Dynastie, die einst Könige von Jerusalem gestellt hatte. Raoul gehörte zu den mächtigsten Baronen Frankreichs und nahm als Konnetabel in der Hierarchie der königlichen Amtsträger noch vor dem Kanzler den ersten Rang ein. Über das todbringende Delikt des Konnetabel haben auch die Zeitgenossen gerätselt. Wenn es politischer oder militärischer Verrat gewesen wäre, hätten der König und seine Mitwisser darüber kaum so striktes Stillschweigen bewahrt. Daher liegt es nahe, den Vermutungen Glauben zu schenken, die der Lütticher Jean Le Bel damals notierte, dass nämlich Raoul vor seiner Gefangennahme eine Affäre mit König Johanns Gemahlin Bonne gehabt haben soll. In die Gerüchte wurde auch deren plötzlicher Tod einbezogen: Der englische Chronist Galfrid le Baker behauptete ohne Umschweife, Johann habe seine Frau zu Tode gefoltert. Als seriöser einzuschätzen ist eine der zahllosen im Jahre 1358 vom Dauphin gegen den Bischof von Laon, Robert Le Coq, erhobenen Anklagen, wonach dieser mehrfach erklärt haben soll, König Johann sei des Lebens unwürdig, weil er seine Frau habe ermorden lassen. Eindeutige Klarheit über den Hintergrund des Dramas konnte indes bislang nicht erzielt werden. Es bleibt das Faktum eines düsteren Beginns von Johanns Königtum. Der Tod des Konnetables, so meinte ein Chronist, verstörte einen großen Teil von Frankreichs Adel.
Zu Raouls Nachfolger wurde Karl von La Cerda, genannt von Spanien, erhoben. Dieser war der Enkel einer Tochter König Ludwigs des Heiligen, deren spanische Familie später nach Frankreich emigriert war. Ebenfalls aus dem Blute der Könige Frankreichs stammte ein weiterer von Johanns Günstlingen, König Karl II. von Navarra, zugleich Graf von Evreux. Karls Mutter, eine Tochter König Ludwigs X., hatte zusammen mit ihrem Gemahl, dem Grafen Philipp von Evreux, das fast zu einer französischen Provinz herabgesunkene Navarra wieder zum Rang eines souveränen Reiches erhoben, jedoch war ihr 1331 geborener Sohn schon in den Tagen Philipps VI. bemüht, an dessen Hof Fuß zu fassen. Ein Chronist des 16. Jahrhunderts hat ihm den Beinamen zugeschrieben, unter dem er heute oft genannt wird: 'el Malo', 'der Böse'. Johann, der ebenfalls erst seit dem 17. Jahrhundert 'der Gute' genannt wurde, gab ihm am 12. Februar 1352 seine 9-jährige Tochter Johanna zur Gemahlin.
Indes profitierten nicht nur Verwandte des Königs vom Thronwechsel. Johann sorgte dafür, dass die bislang in einigen Kollegien der Zentralverwaltung herrschende Gleichberechtigung der Mitglieder aufgehoben und jeweils einer zum Premier ernannt wurde. Die unter seinem Vater zuletzt vernachlässigte Verbindung zwischen dem Grand Conseil und den Spitzen der zentralen Verwaltung wurde gestärkt oder wiederhergestellt. Dass einige von Johanns Personalentscheidungen Fehlgriffe waren, gehört zum üblichen Risiko solcher Maßnahmen. Im übrigen hatten die meisten von Johanns Amtsträgern ihre Karriere bereits unter seinem Vater begonnen, darunter auch Robert Le Coq, der sich in den Tagen Philipps VI. als Advocat du roi im Parlament, danach im Hotel des Königs bewährt hatte, und nunmehr von Johann zum Bischof von Laon und damit zum Pair de France erhoben wurde. Über Le Coq sollten die vielen anderen nicht vergessen werden, die als kompetente Fachleute ihre gewohnte Arbeit fortsetzten, so der bereits unter Philipp VI. tätige Raoul de Louppy aus der Grafschaft Bar, der auch noch unter Karl V. für die Beziehungen zu den lothringischen Fürstentümern und zum römisch-deutschen Reich zuständig war. Unter den Neuentdeckungen Johanns kann der Bretone Bertrand Du Guesclin registriert werden. Bertrand gehörte zur Klientel des von Johann zum Marschall ernannten Arnoul d'Audrehem, der sich als einer der zuverlässigsten Helfer des Königs erweisen sollte. Auch in dem von ihm überaus geschätzten Bereich der Geldpolitik griff Johann auf einen bereits bewährten Experten zurück, den mit dem Pariser Kaufmann Etienne Marcel verschwägerten Jean Poilevilain, der jetzt seine Karriere mit den ihm schon vertrauten Erfolgen und Katastrophen fortsetzte. Kurzum:  Die Personalpolitik König Johanns war nicht besser, aber auch nicht schlechter als die seiner Vorgänger und Nachfolger. Als fatal sollte sich freilich erweisen, dass Karl von Navarra und sein jüngerer Bruder Philipp von allen Anfang an eine tiefe Abneigung gegen den mit Johann eng befreundeten Karl von La Cerda hegten, die dieser aus vollem Herzen erwiderte. Dabei sollte das Alter der Rivalen bedacht werden: 1350 war Karl von Navarra 19 Jahre alt, La Cerda 24.
Ein Jahr nach der Hinrichtung des Konnetabel von Brienne gründete Johann den Sternen-Orden der Ritter unserer Lieben Frau vom Edlen Hause zu St-Ouen. Maßgeblich für den Titel des Ordens war die Gottesmutter mit ihrem Sternensymbol sowie ein Haus, das der König dem Bund in St-Ouen zwischen Paris und St-Denis zur Verfügung stellte.
Dieser weltliche Ritterbund war das französische Analogon zum Order of the Garter, dem Hosenbandorden, den Eduard III. nach dem Triumph von Crecy gestiftet hatte. Eduard und Johann scheinen beinahe gleichzeitig auf die Idee verfallen zu sein, eine solche Gemeinschaft zu gründen. Anfang 1344 hatte Eduard die Absicht bekundet, die Tafelrunde des Königs Artus wiederaufleben zu lassen, während sich Johann einige Monate später von Clemens VI. eine Serie von Privilegien ausstellen ließ, die seinen Plan absegneten. Johanns Bund sollte der Dreifaltigkeit, der heiligen Jungfrau und dem heiligen Georg geweiht sein.
Als die beiden Orden gegründet wurden, hatten sich die Pläne ihrer Stifter zum Teil beträchtlich geändert. Im Hinblick auf die Zahl der Mitglieder hatten beide Fürsten anfangs ähnliche Vorstellungen verfolgt. Am Ende reduzierte Eduard die Zahl der Ritter von 300 auf 26, Johann erweiterte seine um 300 auf nunmehr 500. Der englische Bund trat somit als exklusiver Club einer kleinen Elite in Erscheinung, der andere sollte einen schon beachtlichen Teil der französischen Ritterschaft umfassen, die damals kaum mehr als etwa 2.400 bis 4.000 Herren zählte.
Die beiden Orden unterschieden sich indes auch unter anderen Aspekten. Zwar wurde die geistliche Komponente der Ritterschaft auch im Hosenbandorden gewährleistet, zum Beispiel durch das Patronat der Gottesmutter und des Ritterheiligen Georg, unter dessen Anrufung die Engländer zu kämpfen und bemerkenswert oft zu siegen pflegten. Der eigentliche Patron des Hosenbandordens aber war der mythische Fest- und Turnierveranstalter des europäischen Mittelalters, der Briten-König Artus. König Johann hatte inzwischen den Frankreich sichtlich nicht gewogenen heiligen Georg verworfen und allein der Gottesmutter das Patronat anvertraut. Ein wesentliches Element aller Ritterschaft, ihre spielerische Selbstbestätigung im Turnier, wurde zwar nicht explizit, aber doch unmißverständlich aus dem Leben des Sternenordens verbannt: Verdienste der Mitglieder durften bei der Ehrung nur berücksichtigt werden, wenn sie in ernsthaftem Kampf erworben waren. Nicht beim Spiel, sondern durch tugendhaftes Leben und Fasten sollten sich die Sternenritter auf ihre Aufgabe vorbereiten, das Wohl Frankreichs und des Königs zu sichern und zu mehren. Der Hosenbandorden verfolgte zwar das gleiche Ziel, indes mit anderen Mitteln: Er war im Vergleich zu seiner Konkurrenz in einem kaum überbietbaren Ausmaß elitär, er rekrutierte auf die profan-mythische Tradition des Königshauses - und er erwies sich als der weitaus erfolgreichere. Bisher hat er den Sternenorden um rund 650 Jahre überlebt.
Wer Johann den Guten als einen in überholten Kategorien lebenden Mann charakterisieren möchte, kann den Sternenorden mithin nicht als Beweis dafür ins Feld führen. Der adelige Ritter war trotz mancher Niederlagen, die Heere von gewappneten Reiterkriegern in voraufgegangenen Jahren hatten hinnehmen müssen, das Rückgrat jeder halbwegs ernstzunehmenden Streitmacht. Kronzeuge dafür ist König Eduard III.: Trotz der entscheidenden Rolle seiner Bogner im Kampf um die Krone Frankreichs gründete er keinen Schützenverein, sondern einen Club hochadeliger Angehöriger der Ritterschaft.
Im übrigen ist zu berücksichtigen, dass König Johann am 30. April 1351, also schon vor der Gründung des Sternenordens, eine große Ordonnanz erlassen hatte, mit der er ebenso triviale wie wichtige Fragen der Heeresorganisation zu regeln versuchte. Anlaß des Edikts war die Erkenntnis, dass die geltenden Soldsätze nicht mehr ausreichten, den Lebensunterhalt der allein darauf angewiesenen Krieger zu bestreiten, und zwar galt das für alle Chargen der im Dienste des Königs stehenden Söldner, für die schwergewappneten wie für die zu Fuß kämpfenden. Das Dekret verfügte als höchste Tarifstufe zwei Tournosenpfund für den Bannerherrn, die niederen Ränge lagen wie seit langem üblich jeweils um 50% unter der nächst höheren Charge. Der König von England zahlte nach demselben System, der Bannerherr erhielt 4 Schillinge, die anderen entsprechend weniger. Zwischen den beiden Besoldungssystemen bestand allerdings in zwei Punkten ein beträchtlicher Unterschied: Zum einen war das englische Pfund die beständigste Silberwährung Europas. Ein Pfund entsprach durchweg 6,6 fl. Demgegenüber herrschte in Frankreich Inflation. Den 4 s. des englischen Bannerherrn entsprachen beständig 1,3 fl., die zwei Pfund des französischen hatten im Februar 1342 einen Gegenwert von 3,2 fl., im Oktober waren es 1,6 fl., Ende 1353 nur noch 1 fl. Dabei ist zusätzlich zu beachten, dass der englische Söldner ziemlich sicher sein durfte, sein Geld so lange zu erhalten, wie er erfolgreich auf dem Kontinent kämpfte, während sein französischer Kollege damit rechnen mußte, im Zweifelsfall ohne jeden Anspruch auf den Bezug seines Soldes nach Hause geschickt zu werden. Der zweite, noch wichtigere Unterschied zwischen den Aussichten der Krieger beider Parteien lag darin, dass der Sold auf englischer Seite nur als Sockelbetrag angesehen wurde, der mit einigem Glück leicht vervielfacht werden konnte. In dieser Hinsicht waren die Söldner des Königs von Frankreich hoffnungslos benachteiligt. Man mochte zwar gelegentlich hochrangige Gefangene machen und dann einen Anteil am Lösegeld erhalten; das relativ gefahrlose Plündern und Brennen aber kam nur in Frage, wenn Gebiete durchzogen wurden, die unter der Herrschaft des Königs von England oder seiner Bundesgenossen standen.
Die Heeresreform verlief zunächst allerdings im Sande: Die Abwertung des Tournosenpfunds ließ den Sold der Krieger rasch dahinschmelzen, und die ebenfalls dekretierte Vergrößerung der Kampf- und Besoldungsverbände, der Rotten, hat sich offenbar fürs erste nicht durchsetzen lassen. Indes belegen die Reformpläne doch, dass Johann sich im klaren darüber war, dass die Gründe für die Unterlegenheit der französischen Krieger gegenüber denen aus England nicht allein im moralischen Versagen des Adels zu suchen waren.
Der Krieg mit England war nach der Eroberung von Calais und dem Auftreten des Schwarzen Todes durch einen Waffenstillstand unterbrochen, der mehrfach verlängert wurde, zuletzt noch bis zum April 1355. Allerdings hinderte das beide Parteien nicht daran, den Gegner ständig durch Nadelstiche zu beunruhigen. Die gefährlichste Niederlage erlitt Johann damals allerdings innerhalb der eigenen Familie: Im Auftrag Karls von Navarra wurde am 7. Januar 1354 sein Konnetabel von einer unter dem Befehl von Karls Bruder Philipp stehenden Bande ermordet. Der Anstifter bekannte sich offen zu seiner Tat, die Johann über Tage hinweg in stumme Trauer und Wut versetzte. Dann aber ließ er sich davon überzeugen, dass es angesichts der englischen Gefahr besser sei, Rachegelüste zurückzustellen. Karl der Böse indes mußte trotz eines am 22. Februar 1354 zu Mantes geschlossenen Friedens mit dem Schwiegervater von nun an als potentieller Bundesgenosse des Königs von England gefürchtet werden.
Nachdem an der Kurie geführte Friedensverhandlungen gescheitert waren, verkündete Eduard III. am 1. Juni 1355 die Wiederaufnahme des Krieges. Wenig später konnte sein Sohn Eduard, der seit dem 16. Jahrhundert so genannte Schwarze Prinz, im Süden Frankreichs einen aufsehenerregenden Erfolg erzielen: Am 5. Oktober verließ er mit 8.000 Mann Bordeaux, am 8. November erreichte er Narbonne, den östlichsten Punkt seiner chevauchee, am 2. Dezember war er wieder in der Gascogne. Der Statthalter König Johanns, Graf Johann von Armagnac, hatte sich mit 15.000 Mann nach Toulouse zurückgezogen und scheint nur einmal erwogen zu haben, dem Feind entgegenzutreten. Die Grande Chevauchee Prinz Eduards war eine Meisterleistung ritterlicher Kriegsführung. Entlang einer rund 900 km langen Marschroute waren sämtliche unbefestigte Orte in Schutt und Asche gelegt worden. Damit hatte der Prinz aller Welt vor Augen geführt, dass König Johann unfähig war, seine Untertanen wirksam zu schützen.
Im Norden wurde Johann vor andere Probleme gestellt: Der hier als sein Statthalter amtierende Thronfolger ließ sich von Karl von Navarra und dem Bischof Robert Le Coq zur Beteiligung an einem Komplott bewegen, dessen Ziel allem Anschein nach die Beseitigung des Königs war. Ob der Dauphin in diese letzte Konsequenz eingeweiht war, muß bezweifelt werden. Seine Aufgabe bestand darin, sich zu seinem Oheim, Kaiser KARL IV., nach Prag zu begeben. Vermutlich war er es, der die Verschwörung zum Scheitern brachte, indem er dem Vater die ihm bekannten Details offenbarte. Möglicherweise ist der ganze Umfang des Komplotts aber erst durch einen Mann des Königs von Navarra aufgedeckt worden, der im April 1356 zusammen mit seinem Herrn arretiert wurde und dann alles ausplauderte, was man von ihm wissen wollte. Jedenfalls wurde die Angelegenheit in einer seltsam moderaten Weise beigelegt: Am 7. Dezember 1355 übertrug Johann seinem Sohn definitiv das Herzogtum Normandie und gewährte ihm und seinen Komplizen, darunter Karl von Navarra, am 6. und 23. Januar mit zwei Urkunden Verzeihung für die Affäre. Vermutlich war der König aber schon zu diesem Zeitpunkt entschlossen, den Machenschaften des Schwiegersohnes ein radikales Ende zu setzen.
In diesen Tagen versammelten sich in Paris die drei Stände N-Frankreichs. Unter dem Eindruck des englischen Beutezugs im Süden erwiesen sich Klerus, Adel und Bürger als kooperationsbereit und bewilligten die enorme Summe von 5 Millionen Pfund Tournosen (ca. 10 Millionen fl.), die von allen drei Ständen aufgebracht werden sollte; dies allerdings ohne große Rücksicht auf das Vermögen der Betroffenen, denn es handelte sich im wesentlichen um eine Verbrauchssteuer, die vor allem die Ärmeren treffen mußte. Mit dem Geld sollten 30.000 Schwerbewaffnete besoldet werden. Als Preis für die Bewilligung mußte der König unter anderem versprechen, künftig auf Währungsmanipulationen zu verzichten.
Außer dem König von Navarra ließ Johann in diesen Tagen noch einen weiteren Gegner ins Leere laufen, nämlich den seit 1348 mit Eduard III. verbündeten römisch-deutschen König KARL IV., der seit 1354 versuchte, den dominierenden Einfluß Frankreichs auf die am Oberlauf der Maas gelegenen Fürstentümer und Kirchen zurückzudrängen. Als Gefahrenherd erwies sich dabei die Grafschaft Bar, denn die Mutter des noch minderjährigen Grafen Robert, Yolande von Flandern, hatte 1353 Philipp von Navarra geheiratet. Zwar wurde Yolande nach einem ergebnislos verlaufenen Verfahren vor dem Pariser Parlament das Recht auf die Regentschaft aberkannt, aber die Gräfin verstand es, ihre Rivalen zu verdrängen und KARL IV. für sich zu gewinnen. KARL faßte am 13. März 1354 in Metz die zum Reich gehörenden Teile der Grafschaft östlich der Maas zu einem Reichsfürstentum zusammen, der Markgrafschaft von Pont-a-Mousson, und bestätigte Yolandes Recht auf die Regierung des Landes.
Johann hat mit seinen Räten auf die Aktivitäten des einstigen Schwagers an der O-Grenze Frankreichs flexibel reagiert: Die Rechte des römischen Königs in Bar, Lothringen, Verdun und anderswo respektierte er, konnte aber darauf vertrauen, dass die stete Präsenz seiner Regionalbeamten nach dem Abzug KARLS IV. bald wieder für den alten Zustand sorgen werde. Nach seiner Kaiserkrönung (Oktober 1355) unternahm dieser einen neuen Vorstoß: Unmittelbar nach der Rückkehr aus Rom schickte KARL zwei Urkunden nach Paris - eine eigene, bereits gesiegelte und datierte sowie die entsprechende Gegenurkunde des Königs von Frankreich, die Johann nur noch hätte datieren, siegeln und nach Prag zurücksenden müssen. Der Kaiser mochte glauben, dass Johann nach der neuerlichen Kriegserklärung Eduards III. seinen Vorschlag als indirekte Absage an den Engländer werten und freudig akzeptieren werde. Johann reagierte wiederum in verhaltener Manier: Am Tage, nachdem er dem Thronfolger seine Verzeihung dafür gewährt hatte, dass er zum Kaiser hatte fliehen wollen, schickte er beide Urkunden an den Absender zurück, erklärte sich aber zu weiteren Verhandlungen bereit. Im Mai ließ er einen eigenen Vertragsentwurf nach Böhmen expedieren, in dem mehrere ihm unannehmbar erscheinende Formulierungen des Prager Entwurfs getilgt waren, der zugleich aber dem Bemühen des Kaisers um die Wahrung von dessen Recht und Prestige entgegenkam. KARL IV. hat diesem Entwurf erst nach der Änderung der Gesamtlage durch Johanns Niederlage bei Maupertuis zugestimmt, worauf im Kapitel über Karl V. noch einzugehen sein wird.
Dieser soll auch nach der Aussöhnung mit dem Vater weiterhin mit Karl von Navarra konspiriert haben. Möglich ist aber auch, dass er die Verschwörer nur in eine Falle locken sollte. Am 5. April 1356 veranstaltete er in der Burg von Rouen ein Diner für den hohen Adel des Landes, in das völlig unvermutet der König mit einer von Audrehem kommandierten Eskorte hineinplatzte. Johann soll den Schwiegersohn am Kragen gepackt und mit dem Tode bedroht haben, ließ ihn dann aber nur in den Kerker schleppen. Der Graf von Harcourt und drei weitere Herren wurden in Ketten gelegt, vor die Stadt gekarrt und in Gegenwart von König und Dauphin enthauptet. Vor dem Coup hatte Johann befohlen, alle Anhänger der Navarresen zu arretieren. So ließ Raoul von Louppy in Paris die Gemahlin von Karls Bruder Philipp, des Kaisers Favoritin, Yolande von Bar, ins Gefängnis bringen. Philipp selbst aber entkam. Zunächst bemühte er sich mit Rücksicht auf das Leben des Bruders um eine Versöhnung mit dem König und beteuerte dabei Karls und seine Unschuld. Aber Johann beabsichtigte, dem Vetter einen schönen Prozeß zu machen. Am 28. Mai war Philipps Geduld erschöpft, und er erklärte Johann den Krieg.
Vier Wochen später führte Herzog Heinrich von Lancaster von La Hogue aus eine chevauchee in Richtung Rouen. Johann konnte ihn zum Rückzug zwingen und begann dann mit der Belagerung von Breteuil, das von Engländern und Navarresen gehalten wurde. Als ihm Mitte August gemeldet wurde, dass Prinz Eduard im Berry erscheinen war, konzedierte er den Belagerten freien Abzug, nahm die Feste in Besitz und marschierte dann nach Süden - seiner Katastrophe entgegen.
Prinz Eduard hatte seine chevauchee am 4. August in Bergerac eingeleitet. Er scheint vorausgesetzt zu haben, dass sein Vater von Calais aus in Richtung auf Paris vorstoßen werde und er selbst an der Loire mit Lancaster zusammentreffen könne. Indes fand der Zug des Vaters gar nicht statt, und Lancaster war zwar in Richtung Angers aufgebrochen, kam aber zu spät, um seine Truppen mit denen des Prinzen vereinigen zu können.
Ende August erfuhr Eduard, dass König Johann ihm entgegenzog. Er drehte nach Westen ab und wandte sich vor Tours in Richtung auf seine Bastionen in der Gascogne. Im Süden von Poitiers, bei dem Dörfchen Maupertuis, konnte Johann den Prinzen einholen und stellen. Sein Aufgebot dürfte 14.000 bis 20.000 Mann umfaßt haben, während Eduard nur über etwa 8.000 Krieger verfügt haben wird. In Johanns Heer befanden sich seine vier Söhne sowie sein Bruder, das heißt alle für die Thronfolge in Frage kommenden Mitglieder seiner engeren Familie.
Am 17. September, einem Samstag, konnten zwei in Johanns Begleitung reisende Kardinäle für den Sonntag eine Waffenruhe aushandeln. Der König soll Bedingungen offeriert haben, unter denen er den Prinzen ungeschoren abziehen lassen würde, indes waren diese so hoch angesetzt, dass er mit ihrer Ablehnung rechnen mußte.
Als gesichert kann gelten, dass die Masse der französischen Krieger zu Fuß kämpfen sollte. Nur zwei kleinere Abteilungen unter den Marschällen Audrehem und Clermont sollten zu Pferde den ersten Stoß führen. Die im Nordosten stehenden Franzosen waren an ihrer rechten Flanke durch einen zum Flüßchen Miosson abfallenden Hand daran gehindert, ihre zahlenmäßige Überlegenheit zu entfalten. Vermutlich waren sie in vier tief gestaffelten Schlachtreihen aufmarschiert, wobei der König sich zusammen mit seinem jüngsten Sohn in weiter Entfernung von der vordersten Linie befand. Die Engländer waren in drei Treffen gegliedert. Der linke Flügel mit dem Grafen Warwick stand an besagtem Abhang, der rechte mit Salisbury hielt die Front beiderseits einer nach Süden führenden Straße und war an der Flanke durch umgestürzte Troßwagen geschützt. Das Zentrum unter Prinz Eduard und Lord Chandos stand hinter den Flügeln auf dem Rücken eines flachen Hügels. Gegen den ersten Anprall einer Attacke waren die Engländer durch eine dichte Hecke geschützt.
Der Kampf begann am frühen Morgen des 19. September, nachdem Warwick seinen Trupp aus unbekanntem Grund nach der Seite hin in Bewegung gesetzt hatte. Audrehem und Clermont nutzten die vermeintliche Chance zum Angriff auf die äußersten Flügel der beiden vorderen Schlachtreihen des Prinzen. Die Reiter gerieten in den Pfeilhagel der englischen Bogner, der aber erst Wirkung zeigte, als es Warwicks Leuten gelang, dem rechten Flügel der Franzosen in der Flanke zu fassen. Audrehem wurde gefangengenommen, sein Kollege fiel.
Allem Anschein nach war das zweite Treffen der Franzosen unter dem Dauphin den Reitern unmittelbar gefolgt und geriet mit den beiden vorderen Abteilungen des Feindes in einen Nahkampf, der am Ende von den Franzosen abgebrochen werden mußte. Die Pause wurde dazu genutzt, den Dauphin sowie dessen Brüder Ludwig und Johann aus der Gefahrenzone zu bringen. Einige Herren kamen daraufhin zu dem Schluß, es sei wohl besser, die Gesundheit ebenfalls gar nicht erst aufs Spiel zu setzen. Unter ihnen war Johanns Bruder Philipp von Orleans, der zusammen mit seinen Leuten das Schlachtfeld geräumt haben soll, ohne überhaupt in die Kämpfe eingegriffen zu haben.
Der König verfügte trotzdem noch immer über ein frisches, dem Feind zumindest ebenbürtiges Aufgebot. Eduard ergriff jetzt selbst die Initiative: Während der gascognische Captal (Baron) von Buch, Jean de Grailly, mit einem Trupp berittener Leute die linke Flanke der Franzosen zu umgehen suchte, trat er selbst der Attacke des Königs entgegen. Der Captal griff im rechten Moment ein, die Reihen der Franzosen lösten sich auf. Der König soll sich am Ende allein verteidigt haben, während einige Gegner schon in Streit gerieten, wer von ihnen den einzigartigen Fang bergen dürfe.
Prinz Eduard bezifferte die eigenen Verluste auf 40 Mann, die des Feindes auf 2.446. Glaubwürdiger sind die Angaben über die Gefangenen: 1.994 Mann, darunter Johanns jüngster Sohn, Philipp, 13 Grafen, 5 Vizegrafen und 25 Bannerherren.
Im Hinblick auf die Frage nach der Schuld an der Katastrophe kann festgestellt werden: Das Scheitern der beiden ersten Attacken gehört zu den Fehlschlägen, die auch geniale Heerführer schon einmal einstecken müssen. Auch das Beharren auf der Fortsetzung des Kampfes nach den ersten Mißerfolgen gehört nicht zur Kategorie tödlicher Fehler, denn die Franzosen konnten damit rechnen, dass der Gegner erschöpft war.
Als gravierende Fehler müssen jedoch registriert werden:
1. die Anwesenheit der Söhne Johanns
2. die Hinnahme des von den Engländern ausgesuchten Schlachtfeldes
3. die Sorglosigkeit, die es dem Captal von Buch ermöglichte, unbehelligt in Flanke oder Rücken des Feindes zu stoßen.
Die Zeitgenossen erörterten die Frage nach der Schuld an der Katastrophe vor allem unter moralischem Aspekt. Zum einen wurde der Adel generell bezichtigt, seiner im Grunde einzigen Aufgabe, nämlich zu kämpfen, nicht nachgekommen zu sein, ja mit den Engländern gemeinsame Sache gemacht zu haben, und zum anderen bürdete man die  Hauptschuld an der Niederlage dem gerade 21-jährigen Philipp von Orleans auf. Während die erste Variante der Schuldzuweisung offenbar weit verbreitet war und keiner Pflege bedurfte, scheint die zweite später besonders im Umkreis Karls V. kultiviert worden zu sein: Der Onkel Philipp wurde offenbar als schwarzes Schaf der Familie geopfert, um König und Thronfolger zu salvieren.
Die folgenden Jahre ließen sichtbar werden, dass in Frankreich nicht nur die Person des Königs von der politischen Bühne verschwunden war: Das monarchische System des Landes schien in sich zusammenzusinken. Der Bericht gehört in die Biographie Karls V. Allerdings hat der König mehrfach auf den Lauf der Dinge einzuwirken versucht. Zunächst war er nach Bordeaux gebracht worden, wo Kardinäle einen auf zwei Jahre befristeten Waffenstillstand aushandeln konnten. Am 11. April 1357 ging es nach London, wo König Eduard dem König von Frankreich mit dem Manor of Savoy an der Straße von der City nach Westminster ein standesgemäßes Domizil zur Verfügung stellte.
Den Bürgern von Paris ließ Johann erklären, dass es unmöglich sei, ihn durch Krieg zu befreien, sondern nur durch einen Friedensvertrag. Indes wollte König Eduard sich nicht mit Geld begnügen. Zwar ließ er erkennen, dass er den Anspruch auf die Krone Frankreichs fallenlassen wolle, das aber nur als Preis für Konzessionen, die ihn zu einem dem König von Frankreich überlegenen Herrscher auf dem Kontinent hätten aufsteigen lassen.
Im Januar 1358 wurde zu London ein Vertrag beurkundet, wonach das Herzogtum Guyenne mit einigen anderen Regionen und Orten, darunter Poitou und Limousin, Calais und Ponthieu, zu vollem, souveränem  Eigentum an England übergehen solle, alles in allem ein gutes Drittel des französischen Königreiches. Als Lösegeld für den König wurden 4 Millionen ecus (ca. 5 Millionen fl.) festgesetzt. Der Dauphin stimmte dem Ergebnis zu, geriet aber in dieser Zeit durch den Aufstand des Etienne Marcel in argte Bedrängnis; außerdem kehrten die Lösegeldeintreiber mit fast leeren Händen nach England zurück. Eduard III. glaubte, die Gunst der Stunde nutzen zu können, ließ Johann in ein weniger komfortables Gefängnis bringen und nötigte ihn am 24. März 1358 zu einem zweiten Vertrag, der über die ursprüngliche Abtretungen hinaus das gesamte Gebiet nördlich der Loire sowie die Küstenregionen zwischen Somme und Calais unter englische Herrschaft gestellt hätte: Frankreich wäre vom direkten Zugang zum Atlantik abgeschnitten gewesen.
Indes hatte England sich verkalkuliert: König Karl von Navarra sah sich übergangen und schloß mit dem Dauphin den Frieden von Pontoise. Daraufhin entschied sich Eduard, das Auslaufen des Waffenstillstands zur Fortsetzung des Krieges zu nutzen. Als er damit scheiterte, handelte Prinz Eduard mit dem Dauphin einen neuen Vertrag aus, der am 8. Mai 1360 in Bretigny paraphiert, danach von den beiden Thronfolgern und schließlich von deren Vätern beschworen wurde. Am 24. Oktober erfolgte in Calais die definitive Ratifikation. Das Lösegeld war auf 3 Millionen ecus gemindert worden und sollte in 6 Raten gezahlt werden. Auch die territorialen Verluste blieben hinter denen des zweiten Londoner Vertrages zurück. Betroffen waren aber immer noch Guyenne, Gascogne, Poitou, Saintonge, Perigord, Limousin, Quercy, Guines, Ponthieu und Calais. Als sehr folgenreich sollte sich ein Zusatzabkommen erweisen, das die Realisierung des Vertrages regelte. Die darin enthaltene Vereinbarung, dass Eduards Verzicht auf die Krone Frankreichs und die Anerkennung der englischen Souveränität über die abgetretenen Regionen durch Johann II. bis zum November 1361 zu erfolgen habe, wurde nicht eingehalten - der Krieg konnte jederzeit von neuem begonnen werden. Eingehalten aber wurde eine der Bedingungen für Johanns Freilassung: Frankreich hatte für die Erfüllung des Vertrags Geiseln zu stellen, darunter die drei jüngeren Söhne des Königs sowie dessen Bruder Philipp.
Nach der Bezahlung eines Großteils der ersten Lösegeldrate konnte Johann am 25. Oktober 1360 das englische Calais als freier Mann verlassen. In Boulogne wurde er vom Dauphin empfangen, dem er schon vorher eine generelle Bestätigung von dessen Verfügungen als Regent gewährt hatte. Wenig später verließ Karl den Vater und kehrte nach Paris zurück, wo binnen weniger Tage seine beiden bis dahin einzigen Kinder verstorben waren. Indes waren diese Trauerfälle wohl nicht das einzige Motiv für den Rückzug des Thronfolgers aus der Sphäre der königlichen Politik. Für die Reise in die Hauptstadt ließ sich Johann viel Zeit, nutzte sie jedoch, um ohne erkennbare Beteiligung des Dauphin einige Zentralbehörden neu zu ordnen und die Mitglieder des Grand Conseil zu benennen. In Paris folgte dann noch die Einsetzung von Generaux reformateurs, Bevollmächtigten für die Reform des Reiches, sowie die Inhaftierung Jean Poilevilains, den Johann für die inflationäre Geldpolitik des Regenten verantwortlich machte, wogegen dieser zunächst vergeblich protestierte. Am Ende hatte er aber doch noch Erfolg damit: Poilevilain wurde im April 1361 erneut zum maitre general des monnaies ernannt.
Als wichtigste Maßnahme von Johanns gesamter Regierungszeit gilt eine am 5. Dezember 1360 in Compiegne erlassene Ordonannz: Sie dekretierte die Prägung einer Goldmünze, mit deren abgekürztem Namen noch heute die französische Münz- und Währungseinheit benannt wird, des Franc. Der franc d'or a cheval lag mit 3,89 g unter dem ecu (4,5 g) und über dem alten Gulden von Florenz (3,53 g). Die seit Jahrzehnten arg malträtierte Silberwährung wurde fest an die neue Münze gekoppelt. Trotz einiger Kursschwankungen war damit die inflationäre Tendenz der königlichen Geldpolitik in nachhaltiger Weise unterbrochen.
Indes stellte das nur die goldene Kehrseite jener Ordonnanz dar, deren primäres Ziel die Sicherung der Lösegeldzahlungen war. Johann hielt es für sinnvoll, die Notwendigkeit seiner Maßnahmen wortreich zu erläutern und ließ dabei die Worte "nostre pueple" ungewohnt häufig in den Text einfließen. Diesem Volk wurde nunmehr auferlegt, die Kosten des verlorenen Krieges zu übernehmen, unter anderem mit einer Salzsteuer (gabelle) und Abgaben auf den Kauf anderer Waren des täglichen Bedarfs. Zwar wurde ausdrücklich erklärt, dass diese aides nur bis zur Bezahlung des Lösegeldes erhoben würden, aber die Ordonnanz von Compiegne markierte dann doch den Beginn einer dauerhaften Besteuerung des "pueple de France", wobei freilich einschränkend anzumerken ist, dass die Könige Frankreichs schon seit geraumer Zeit das Sozialprodukt des Landes in einem Ausmaß abzuschöpfen pflegten, von dem römisch-deutsche Kaiser nur träumen konnten.
Die Besteuerung war jedoch nur eines der vielen Übel, von denen Johanns Volk heimgesucht wurde. Ein nicht unerheblicher Teil davon hatte mit ihm freilich nichts mehr zu tun, sondern mußte die Herrschaft des Königs von England anerkennen. Schlimmer erging es der Bevölkerung jener Regionen, von den herrenlos gewordenen Söldnern und ihrer Kompanien heimgesucht wurden. Die Anfänge dieser Plage gehen in die Zeit des Regenten Karl zurück und werden daher in dessen Biographie berücksichtigt. Die Kompanien setzten nach dem Frieden von Bretigny ihr Treiben fort und blieben bis über das Ende von Karls V. Herrschaft hinaus eine Last, die Frankreich mitunter zu erdrücken drohte. Die Kriegsfurie entledigte sich ihrer letzten Fesseln und ließ ganze Landstriche im Chaos versinken. Johann hat den Terror keineswegs tatenlos zugesehen, jedoch waren die Banden zu stark und ihre Hauptleute zu kaltblütig, um sich von den kleinen Militäteinheiten schrecken zu lassen, über die der König von Frankreich jetzt noch verfügte. Zwar hat Johann in Urkunden mehrfach ausdrücklich Recht und Würde seines ältesten Sohnes und Nachfolgers hervorgehoben. Indes scheint er den Sohn gezielt von der Regierung ausgeschlossen zu haben. Bei Abwesenheit oder Verhinderung des Königs trat ein ständig in Paris präsenter Conseil in Aktion, dem der Dauphin nicht angehörte.
Am 21. November 1361 starb Johanns Stiefsohn Philipp von Rouvres, der letzte kapetingische Herzog von Burgund. Während einer Reise nach Dijon nahm Johann das Fürstentum, auf das auch Karl von Navarra Ansprüche erheben konnte, als sein persönliches Erbe in Besitz, nachdem er zuvor noch in Paris dekretiert hatte, dass es zusammen mit den Grafschaften Champagne und Toulouse sowie - unter Vorbehalten - dem Herzogtum Normandie der Krone Frankreichs einzuverleiben sei: Nur der König und der Thronfolger sollten künftig diese Fürstentümer innehaben. Die Ordonnanz war im Conseil erlassen worden und zwar allem Anschein nach, ohne dass zuvor die Zustimmung des Dauphin eingeholt worden wäre, der ja auch den Titel eines Herzogs von Normandie führte. Johann erklärte, dass er dessen Rechte nicht mindern wolle, verfügte jedoch, dass Karl zu Beginn seiner eigenen Herrschaft die Vereinigung der Normandie mit der Krone unter Eid zu bestätigen habe. Die Ordonnanz richtete sich auch kaum gegen den Dauphin, sondern gegen Karl von Navarra, der nicht auf Burgund, sondern auch auf Champagne und Normandie Ansprüche geltend machen konnte. Von nun an wäre Karls Beharren auf diesen Rechten gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an die Krone Frankreichs gewesen. Es war jedoch nicht Karl von Navarra, sondern der Thronfolger, der den Kampf um die Erbschaft kurz vor dem Tode des Vaters und während dessen Abwesenheit in London eröffnete.
Im Herbst 1362 unternahm Johann eine längere Reise, die ihn durch die Champagne wiederum bis nach Burgund und weiter nach Lyon führte. Vermutlich hier erhielt er die Nachricht vom Tode Papst Innozenz' VI. am 12. und der Wahl von dessen Nachfolger Urban V. am 28. September. Er beschloß, den neuen, nicht aus dem ihm vertrauten Kardinalskolleg gewählten Papst aufzusuchen und einige Bitten an ihn zu richten. Johann hatte die Kurie bereits mit nahezu leeren Händen wieder verlassen, als er die Nachricht erhielt, dass König Peter von Zypern erscheinen werde, um für die Ausrufung eines neuen Kreuzzuges zu werben, der zugleich ein Feldzug zur Eroberung desjenigen Reiches sein würde, als dessen Herrscher Peter sich wähnen durfte, führte er doch als ersten Titel den eines Königs von Jerusalem.
Johann kehrte nach Avignon zurück. Am 31. März 1363 rief Urban zum Kreuzzug auf und setzte dessen Beginn auf den 1. März 1365 fest. Zum Hauptmann ernannte er den König von Frankreich, dem damit die Aussicht auf einen gewichtigen Anteil an der vom Papst auszuschreibenden Kreuzzugssteuer eröffnet wurde. Außerdem wollten er und der Papst die Chance nutzen, um die allenthalben marodierenden Kompanien unter Sold zu nehmen, übers Meer zu schicken und sie beim Kampf um das heilige Land ausbluten zu lassen. Obendrein aber galt der Krieg gegen die Heiden nach wie vor als primäre Pflicht eines jeden christlichen Herrschers: Der König von Frankreich hätte mit einem Schlage das dahingeschwundene Prestige eines kaisergleichen Herrschers der Christenheit zurückgewinnen können.
Nach der Heimkehr verbrachte Johann nur wenige Wochen in Paris. Es folgten Gespräche mit Vertretern der Städte in Reims, anschließend fand im Dezember 1363 zu Amiens eine große Versammlung aller Stände statt, zu der auch der Dauphin erschien. Karls Rückkehr an die Spitze der Zentralregierung war erforderlich geworden, weil Johann sich mit dem Gedanken trug, nach London zu reisen, um mit Eduard III. einige offene Probleme zu regeln. Zuvor jedoch wurde auf der Versammlung von Amiens beschlossen, zur Verteidigung des Königreichs gegen die Kompanien eine Truppe von 6.000 Mann aufzustellen und zu deren Finanzierung eine Steuer auf jedes Herdfeuer (fouage) zu erheben, die je nach Vermögen des betreffenden Haushalts bis zu 9 fr. betragen  und einen durchschnittlichen Ertrag von 3 fr. je Feuer erbringen sollte. Die Stände stimmten zu. Die ins Auge gefaßte Truppenstärke wurde dann bis zum Ende der Regierung Karls V. als für die Verteidigung Frankreichs ausreichend angesehen.
Die Versammlung von Amiens stand unter dem Eindruck eines dem Ansehen der Dynastie höchst abträglichen Vorgangs. Nachdem der Termin verstrichen war, bis zu dem beide Könige den Verzicht auf ihre unterschiedlichen Ansprüche hätten erklären sollen, schlossen die in Geiselhaft befindlichen Mitglieder der königlichen Familie im November 1362 mit Eduard III. einen Vertrag, der diesem andere Unterpfänder und ihnen die sofortige Freilassung einräumte. Zwar berührten die Konzessionen in kaum einem Punkt die der Krone Frankreichs belassene Souveränität, jedoch erregte das unautorisierte Vorgehen der Geiseln beträchtlichen Unmut. Dann brach Johanns zweiter Sohn Ludwig das Gelöbnis, bis zur Erfüllung der Vertragsklauseln in der Haft zu verbleiben, und kehrte aus einem ihm gewährten Urlaub nicht mehr nach Calais zurück, wohin die Geiseln im Mai verbracht worden waren. Ludwigs Eidbruch war zwar ein schmachvoller Vorgang, wurde aber von Eduard III. fürs erste nicht als gravierende Verletzung der Vereinbarungen bewertet, da er ja noch immer über andere hochrangige Geiseln verfügte.
Johanns Entschluß, in Englands Hauptstadt zu reisen, war nach mittelalterlichen Vorstellungen ungewöhnlich: Normalerweise trafen sich ebenbürtige Herrscher an der Grenze ihrer Reiche. Das hat der Meinung Vorschub geleistet, Johann habe dem ritterlichen Ehrenkodex den Vorzug vor der Staatsraison gegeben und sich anstelle des Sohnes selbst als Geisel in englischen Gewahrsam begeben. Jedoch spricht gegen diese Deutung von Johanns Englandreise schon die Tatsache, dass er sich von Eduard III. einen Geleitbrief für sich selbst sowie für eine Eskorte von 200 Rittern ausstellen ließ. Gewiß sollte auch über Genugtuung für das Verhalten von Johanns Sohn Ludwig gesprochen werden, aber das eigentliche Ziel der Reise bestand darin, die Befreiung der anderen Geiseln zu erreichen. Vermutlich wollte Johann sich auch um eine Zusage Eduards bemühen, sich bei einem künftigen Konflikt mit Karl von Navarra neutral zu verhalten.
Johann scheint schon bei Beginn der Reise nicht bei bester Gesundheit gewesen zu sein. Anfang März erkrankte er und starb in der Nacht vom 8. auf dem 9. April 1364 im Alter von 44 Jahren. Sein Gastgeber war zutiefst erschüttert und ließ den Leichnam mit allen königlichen Ehren nach Dover geleiten. Von dort aus wurde der tote Herrscher über Calais nach Paris gebracht, wo er am 5. Mai eintraf und in dem nahe der Stadt gelegenen Kloster St-Antoine mit der Lilienkrone auf dem Haupt - einem Schlafenden gleich - auf einem Bett aufgebahrt wurde. Erst einen Monat nach seinem Tode wurde Johann am 7. Mai in der Kirche von St-Denis beigesetzt.
Johann II. wurde in der Historiographie seines Landes durchweg sehr negativ beurteilt. Das geht wenigstens im Ansatz wohl schon auf die Chronisten zurück, die unter Karl V. die Geschichte der ersten Könige aus dem Hause VALOIS konzipierten. In jüngerer Zeit hat Raymond Cazelles dieses Urteil in Frage gestellt und zu revidieren versucht. Er konnte darauf verweisen, dass Johann von einigen Zeitgenossen, darunter Petrarca, als höchst kultivierte und umgängliche Persönlichkeit gewürdigt worden sei. Umstritten ist mittlerweile kaum noch, dass die Gründung des Sternenordens nicht nostalgisch geprägter Verschwendungssucht entsprang, sondern unter dem Aspekt der "Sozialpolitik" jener Zeit durchaus sinnvolle Maßnahme war, die freilich nicht ausreichte, die militärische Überlegenheit der Engländer zu kompensieren. Im übrigen unterschied sich Johanns Regierungsstil nicht grundsätzlich von dem seines Vaters, und sein Sohn wiederum hat im wesentlichen das Personal des Vaters beibehalten. Insofern gab es Kontinuität im Guten wie im Schlimmen. Auch die Währungsmanipulationen der Könige Frankreichs setzte Johann fort, aber als er 1360 die Herrschaft wieder übernahm, erklärte er diese Methode der Sanierung von Staatsfinanzen als verderbliches Übel und zog die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis. All das kann allerdings nicht Anlaß sein, Johann den Guten zum grandiosen Herrscher und Staatsmann aufzuwerten. Die Hinrichtungen des Konnetabel sowie des Grafen von Hartcourt und seiner Gefährten mögen nach Maßgabe der zeitgenössischen Anschauungen berechtigt gewesen sein, die Begleitumstände ließen sie indes in den Augen von Frankreichs Adel als Willkürakte eines Tyrannen erscheinen. Entscheidend für seine Stellung im Geschichtsbild war jedoch letztlich eine einzige, binnen weniger Stunden erlittene Niederlage, die allerdings nicht mit einem Mangel an Fortüne entschuldigt werden kann. Seinem durchaus erkennbaren und wohl auch erfolgversprechenden Bemühen, Land und Leute aus dem von ihm mitverursachten Elend herauszuführen, setzte dann der Tod das abrupte Ende.