Tochter des Herzogs Nikolaus von Lothringen-Mercour
aus
seiner 1. Ehe mit der Margarete von Egmont, Tochter von Herzog Johann
II.
Treffer Gerd: Seite 263-265
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada
bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"
LUISE VON LOTHRINGEN-VAUDEMONT
- die "Reisebekanntschaft"
* 30. April 1553, + 29. Januar 1601
Nomeny
Moulins
Gemahlin Heinrichs III. von Valois
(* 1551; König: 1574-1589)
Heirat: 15. Feabruar 1575 Reims
Im Herbst 1573 geleitet Katharina
von Medici - ihr Sohn Karl
IX. herrscht über Frankreich
- mit dem gewohnten Pomp und dem ganzen Hof ihren jüngeren Sohn Heinrich
zur Grenze. Er reist nach Polen, wo er zum König gewählt wird.
Der glänzenden Zug macht in Nancy halt, wo eine der Töchter der
Königin-Mutter, Claudia
von Lothringen, gerade niedergekommen
ist. Natürlich läßt sich der Hof ein rauschendes Tauffest
nicht entgehen. Dabei lernt Heinrich
ein junges, blondes, schüchternes Mädchen kennen, Luise
von Vaudemont.
Luise entstammt der ersten Ehe des Nicolas
von Lothringen-Vaudemont mit einer aus Flandern stammenden EGMONT.
Sie ist nicht begütert, gehört dem jüngeren Zweig des lothringischen
Herzogshauses an - Herzog Karl III. ist ihr Cousin. Große Zukunftshoffnungen
kann sie sich nicht machen.
Heinrich
ist der Lieblingssohn Katharinas.
Mit sechzehn Jahren Generalleutnant des Königreiches, hatte man versucht,
ihn mit Elisabeth von England
zu verheiraten. Er trägt den Glorienschein seiner militärischen
Siege von Jarnac und Montcontur. Seine Rolle bei der grausamen Bartholomäusnacht
bedrückt ihn nicht.
Der brillante, tapfere Prinz verliebt
sich auf der Stelle. Er, der schon Beute der größten Extravaganzen
ist, hängt sich an eine so unbedeutende Person? Hat er die Eitelkeit,
die Korruption, die Sinnlosigkeit des Hoflebens satt, die er seit seiner
Kindheit erlebt hat? Oder erinnert ihn Luise,
blond
und zurückhaltend, an Maria von Kleve, die einzige Frau, die er
wirklich geliebt hat?
Während des dreitägigen
königlichen Aufenthalts in Nancy weicht Heinrich
zum Erstaunen der Beobachter, Luise
nicht von der Seite. Dann zieht er weiter nach Polen, wo ihn seine Stellung
als König auf dem JAGELLONEN-Thron
erwartet. Luise
ihrerseits kehrt zu ihrem zurückgezogenen Leben im Schloß der
VAUDEMONT
in Nomeny zurück, wo sie unter der Fuchtel ihrer Stiefmutter Catherine
d'Aumale zu leiden hat.
Als
Karl IX. am 30. Mai 1574 stirbt, kehrt
Heinrich aus Polen heim, um den Thron
zu besteigen. Er hat es nicht eilig. Er läßt sich kein Programm
diktieren. Er hält sich hier und da auf, vorzugsweise an Orten des
Vergnügens - und man munkelt, er habe sich dabei eine Krankheit
zugezogen,
die ihn zeugungsunfähig macht. Anfang September ist er endlich
in Paris und erfährt vom Kindbettod seiner Jugendgeliebten Maria von
Kleve. Ihn erfaßt eín wahrhaft mystisches Delirium: er betet,
kleidet sich ins Bußgewand - er, der Mann, der seine extravagante
Kleidung zum Stil erhoben hatte. Er erinnert sich seiner Bekanntschaft
von Nancy, der Luise von Vaudemont.
Der Kanzler de Cheverny jedenfalls schreibt in seinen Lebenserinnerungen:
"Er hatte für Melle de Vaudemont eine vorgeformte und ausgeprägte
Zuneigung." Sicher ist, Heinrich
trifft seine Wahl selbst und erstaunt Katharina,
die eine schwedische Allianz favorisiert. Einem Freund schreibt Heinrich:
"Ich habe Mademoiselle de Vaudemont erwählt ebenso wegen ihrer Tugend
wie der Hoffnung wegen, daß Gott mir die Gnade erweise, von ihr Kinder
zu haben." Katharina
akzeptiert die Wahl. Eine Verbindung mit Lothringen, das mit den GUISE
versippt ist, gefällt der katholischen Partei.
Heinrich nimmt
Luise zu seiner Krönung in Reims
am 13. Februar 1575 mit und heiratet sie am übernächsten Tag.
Die prunkvolle Zeremonie verzögert sich, weil der Bräutigam darauf
bestanden hat, die Braut selbst zu frisieren und anzukleiden. Luise
sieht darin eher ein Zeichen seiner Zuneigung als ein drohendes Anzeichen
seiner geistigen Verwirrung. Mit zweiundzwanzig Jahren ist sie eine langbeinige
Schönheit. Luise
ist Königin, zieht mit ihrem Mann am 27. Februar in Paris und
im Louvre ein. Die Zügel des Reiches hält aber nach wie vor Katharina
von Medici, ihre Schwiegermutter, in der
Hand. Luise
tritt in diesen Hof aus "Samt und Blut" ein, an dem die letzten Lichter
der Renaissance erloschen und den Schrecken der Religionskriege gewichen
sind. Von den Geschäften des Reiches ferngehalten, teilt sie den sonderbaren
Lebensstil ihres Mannes.
Heinrich
widmet ihr viel Zeit, verbringt Stunden damit, sie bei der Wahl ihrer Kleider
und ihres Schmuckes zu beraten, kümert sich um immer neue Ausstattung
ihrer Apartements. Er nimmt sie mit bei seinen Ausflügen durch die
Stadt, wo er immer auf der Suche nach Tieren, vor allem Hunden ist. Dann
wieder zieht er sich von ihr zurück und gibt sich mit seinen Höflingen
ganz anderen gewagten Vergnügungen, Extravaganzen und Ausschweifungen
hin.
Zehn Jahre lang unterzieht sich
das Königspaar zahllosen Kuren und Wallfahrten, doch der ersehnte
Thronfolger stellt sich nicht ein. 1579 ziehen sie nach Chartres. Im ganzen
Land finden Bittprozessionen statt. Luise
pilgert nach Notre-Dame-de-Liesse, nach Notre-Dame-de-l'Epine, nach Notre-Dame-de-Clery.
1580 notiert der venezianische Botschafter: "Der König hat seine Frau
zu den Bourbon-Bäder geführt, um ihr zu helfen, Kinder zu haben."
Er reist regelmäßig mit ihr zu den Bädern von Spa, Pougues
und Bourbon-Lancy. Nichts hilft. Nach dem Tod von Katharinas
jüngstem Sohn Hercule-Francois d'Alencon
1584 wird die Lage für das Königshaus kritisch. Eine lange Lebensspanne
ist dem König nicht mehr beschieden. Am 2. August 1589 wird er in
Saint-Cloud von dem Dominikaner Jacques Clemens erdolcht.
Luise
kämpft um das Andenken ihres Mannes, interveniert in Rom, um das Bild
des letzten VALOIS
in der Geschichte zu mildern und ihn vom Mord am Herzog von Guise reinzuwaschen,
sie fordert gar von Heinrich IV.,
daß die Anstifter seines Mordes bestraft werden. Bei Hofe aber hat
sie keinen Platz mehr. Die Königin
Luise zieht sich zurück, entfernt
sich von den Intrigen und Kämpfen, die sich um die Thronfolge ranken.
Sie lebt, auf die eitle politische Welt verzichtend, erst in Chenonceaux,
dann in einem Kloster in Moulins. Dort stirbt sie mit achtundvierzig Jahren
am 29. Januar 1601 - als alle Welt sie schon vergessen hat.
Die bewegte Geschichte des Hauses
VALOIS ist zu Ende.
Heinrich III. hat Heinrich
IV. auf seinem Totenbett beschworen, zum
Katholiszismus überzutreten, um seine Nachfolge antreten zu können.
Heinrichs
IV. Ausspruch: "Paris ist eine Messe wert",
ist der Auftakt zu zwei Jahrhunderten Königsherrschaft der BOURBONEN.
Zur allgemeinen Überraschung fiel Henris
Wahl auf ein sanftmütiges und freundliches Mädchen, das er 1573
in Blamont flüchtig gesehen hatte: Loiuse
de Vaudemont (1553-1601), die aus einer jüngeren Linie
des lothringischen Herzogshauses stammte, ohne Ansprüche und Vermögen
war, aber, das stand zu erwarten, dem König treu ergeben sein würde.
Am 13.2.1575 fand in der Kathedrale von Reims die mit
der Krönung verbundene feierliche Weihe (sacre) des Königs statt,
der am 15.2. die Vermählung mit Louise
folgte.
Louise wurde ihm
eine gute Königin, auf die er sich verlassen und stützen konnte.
Sie war nicht machthungrig und vergaß nie, zu welchem Rang sie Henri
erhoben
hatte. Treu und dankbar blieb sie zeitlebens im Schatten des Königs.
Über die Kinderlosigkeit dieser Ehe, an der das
ganze Königreich Anteil nahm, haben sich schon die Zeitgenossen den
Kopf zerbrochen. Offensichtlich ist Louise
infolge einer künstlich herbeigeführten Fehlgeburt, die
zu einer chronischen Gebärmutterentzündung führte,
steril geworden. Unter den Nachwirkungen dieser Behandlung hat sie jahrelang
gelitten.
15.2.1575
oo Heinrich III. König von Frankreich
x 19.9.1551-2.8.1589
Literatur:
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Hartmann Peter Claus: Französische Könige
und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag
C. H. Beck München 1994 Seite 71,91,99,120,132 - Jurewitz-Freischmidt
Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen
um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seitze 343,360-364,369,379,391,407,413,425,454
- Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin von Frankreich.
Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 251,263,265,276,321 - Taillander
Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich IV. Der Hugenotte auf Frankreichs
Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 109,115, 128, 135,149,152,191,195,216,255
- Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada
bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg
1996 Seite 263-265 -