Begraben: Lagny-sur-Marne, St-Pierre
2. Sohn des Grafen
Stephan II. von Blois-Chartres und der Adela
von England, Tochter von König
Wilhelm I. dem Eroberer
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 519
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Tedbald IV., Graf von Blois
--------------- T. II. als Graf der Champagne
* um 1090/95, + 10. Januar 1152
Lagny-sur-Marne
Begraben: Lagny-sur-Marne, St-Pierre
Sohn von Graf Stephan Heinrich von Blois und Adela von England, Tochter Wilhelms des Eroberers
oo 1123 Mathilde, Tochter Herzog Engelberts II. von Kärnten
11 Kinder, unter anderem Heinrich, Tedbald, Stephan
Erbte nach dem Tode des Vaters (1102) die Grafschaften
Blois, Chateaudun, Chartres, Sancerre, Provins
und Meaux; zudem erhielt er 1125, als sein Onkel, Graf Hugo von
der Champagne, in den Templerorden eintrat, dessen Lehen. Bis 1109
regierte Adela für ihren Sohn,
der 1107 zum Ritter geweiht wurde; sie konnte ihren Einfluß bis zum
Eintritt ins Kloster 1122 wahren. Auf die Unabhängigkeit seines Fürstentums
von den KAPETINGERN bedacht, stützte
sich Tedbald IV. auf seinen Onkel, König
Heinrich I. von England. In seinen Bemühungen, 1135 dessen
Nachfolge anzutreten, kam ihm jedoch sein jüngerer Bruder Stephan
zuvor. Als sich ihm 1141 erneut der Griff nach der englischen Krone anbot,
lehnte er ab. Statt dessen konzentrierte er sich fortan auf den Ausbau
seiner Stellung im Osten Frankreichs, was 1142/43 zur bewaffneten Auseinandersetzung
mit König Ludwig VII. führte.
Tedbald
IV. war mit Bernhard von Clairvaux befreundet und galt als äußerst
freigebig gegen die Kirche; als junger Mann soll er den Eintritt in den
Prämonstratenserorden erwogen haben. Er erkannte die Bedeutung des
internationalen Handels und förderte gezielt die Champagnemessen.
Der Schwerpunkt seines Fürstentums verlagerte sich unter ihm von den
Loire-Grafschaften in die Champagne.
Gemahlin: a) 1123 Mathilde, Tochter Herzog Engelberts
II. von Kärnten
+ 1160 13. XII.
b) Konkubine
Ehlers Joachim: Seite 100,105,112,121
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"Die Kapetinger"
Damit war Ludwig VI. die
von seinem Vater mehrfach genutzte Möglichkeit zur Spaltung der englischen
Königsfamilie genommen, und bald erreichte Heinrich
I. durch ein Bündnis mit Tedbald IV. von Blois die
Südfront gegen die kapetingische
Monarchie.
Mit dem Banner in der Hand setzte sich Ludwig
an
die Spitze eines Heeres, das Zuzug auch von außerhalb der Domäne
erhalten hatte. Neben den Aufgeboten der Kirchen von Reims, Chalons-sur-Marne,
Laon, Soissons, Orleans, Etampes, Paris und natürlich des Klosters
St-Denis standen die Kontingente der Königshöfe und Städte;
aber auch Herzog Hugo II. von Burgund war
erschienen, die Grafen Tedbald von Blois,
Hugo von der Champagne,
Wilhelm II. von Nevers, Rudolf von Vermandois
und Karl von Flandern.
Im Jahre 1142 verstieß der königliche Seneschall
Rudolf
von Vermandois, als Enkel Heinrichs
I. ein naher Verwandter Ludwigs VII.,
seine Gemahlin Eleonore,
Nichte des Grafen Tedbald IV. von Blois-Champagne, um die Schwester
der Königin zu heiraten, Petronilla/Alix von Aquitanien. Rudolfs
Bruder Simon, Bischof
von Noyon, erreichte die Zustimmung seiner Amtsbrüder in
Laon und Senlis zur Auflösung der bestehenden Ehe, und die drei Prälaten
verheirateten den Seneschall anschließend mit der offenbar attraktiven
Dame aus dem Süden. Der in seiner Ehre schwer gekränkte Onkel
Eleonores appellierte daraufhin an den Papst, dessen Legat die Bischöfe
von Noyon, Laon und Senlis suspendierte, Rudolf
von Vermandois aber in den Bann tat. Als der Graf von Blois-Champagne
dem päpstlichen Kandidaten für das Erzbistum Bourges demonstrativ
Exil und Unterstützung bot, griff der König Tedbald an.
Der langwierige und nun zum Krieg eskalierte Konflikt
konnte erst nach dem Tod Innozenz' (+ 1143) durch dessen Nachfolger Coelestin
II. unter Vermittlung Sugers von St-Denis und Bernhards von Clauirvaux
im März dahingehend gelöst werden, daß der König die
Champagne räumte und in Bourges nachgab.
Um die wieder freie Eleonore
warben sogleich die Brüder Heinrich
und Gottfried von Anjou, dazu noch
Tedbald
IV. von Blois-Chartres. Im Bunde mit Gottfried
von Anjou, Eustachius von Blois-Boulogne
und Tedbald von Blois-Chartres versuchte Ludwig
VII. nun einen Angriff auf Heinrich
Plantagenet, der in Barfleur Truppen für die Landung in
England sammelte, doch schon im Herbst 1152 endete der Feldzug mit einer
Niederlage des Königs.
Ehlers Joachim: Seite 88,108
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"
Damit begann ein generationenlanger erbitterter Kampf
der beiden westeuropäischen Monarchien. Im Bunde mit Tedbald IV.
von Blois lenkte der englische König alle französischen Adelskoalitionen
gegen Ludwig VI.
Während des schweren Konflikts, der seit 1142 Ludwig
VII. und den Grafen Tedbald IV. von Blois-Champagne entzweite,
erwies sich Bernhard von Clairvaux als kompromißloser Vertreter der
päpstlichen Autorität auch gegen den König, wobei nicht
übersehen werden darf, daß die Abtei Clairvaux in der Champagne
lag und Tedbald als besonderer Freund der Zisterzienser bekannt
war. Der Streit hatte sich 1142 daraus ergebn, daß der königliche
Seneschall Rudolf von Vermandois seine
Frau, eine Nichte Tedbalds, verstoßen hatte, um Petronilla
von Poitou zu heiraten, die Schwester der Königin
Eleonore. Auf einem Konzil in Lagny, also in der Champagne,
wurde Rudolf mitsamt seiner als Konkubine
geltenden zweiten Faru exkommuziert, und Tedbald, der in der Verstoßung
seiner Nichte einen vom König gebilligten persönlichen Affront
erblickte, stellte sich im Streit des Papstes mit Ludwig
VII. um die Besetzung des Erzbistums Bourges auf die Seite Innozenz'
II. Bernhard von Clairvaux billigte diesen Schritt ausdrücklich, und
als Ludwig gegen die Champagne vorrückte,
Vitry eroberte, während sein Bruder Robert
Reims und Chalons einnahm, rief der Abt die Autorität des Papstes
zur Vermittlung für Tedbald an. Der 1143 in Vitry geschlossene
Friede brachte keine Beruhigung, so daß erst der Nachfolger des im
September
1143 verstorbenen Innozenz, Coelestin II., den Ausgleich erreichen konnte.
Am 1. Dezember 1135 war König
Heinrich I. von England gestorben. Einziges lebendes Kind war
die imperatrix Mathilde. Sie
war erbberechtigt, aber da man in England eine Herrschaft der
ANJOU nicht wünschte, erkannten die normannischen Barone
am 20. Dezember Tedbald IV. von Blois als Herzog der Normandie
an, während sein jüngerer Bruder Stephan,
als Graf von Mortaim größter Grundherr des Landes und politisch
ambitioniert, zwei Tage später in Westminster zum König von England
gekrönt wurde. Beider Anspruch beruhte darauf, daß ihre Mutter
Adela
eine Tochter Wilhelms des Eroberers
war.
Jäschke Kurt-Ulrich: Seite 172,181-183
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"Die Anglonormannen"
Theobalds IV. jüngerer Bruder Stephan
war ein leistungsfähiger Kriegsmann und trug deshalb seit seiner Residenz
in Boulogne erheblich zur Entlastung der normannischen Ostfront gegen Flandern
bei.
Viele Bestrebungen liefen darauf hinaus, die angevinische
Herrschaft zu vermeiden: Binnen dreier Wochen nach Heinrichs
I. Ableben, nämlich am 20. Dezember 1135, erkannten die
normannischen Großen zu Le Neubourg, 22 km nordwestlich von Evreux,
Herzog Theobald IV. von Blois und der Champagne als Nachfolger des verstorbenen
Königs an; war er doch nicht nur dessen steter Verbündeter gewesen,
sondern auch dessen Neffe und außerdem der älteste Enkel Wilhelms
des Eroberers, nämlich aus der Ehe der Eroberer-Tochter
Adele
mit Graf Stephan von Blois und Chartres. Theobalds jüngerer
Bruder Stephan, allerdings kaum später
als 1100 geboren, hatte seinerseits die Initiative in England ergriffen.
Als Graf von Mortain war er größter Landeigentümer
in England; als erfahrener Kriegsmann konnte er mit wenigen erfahrenen
Rittern die Garnisionen des Robert von Gloucester
zu
Dover und Canterbury überrumpeln und in London Anerkennung finden.
Sein Bruder und Bischof von Winchester Heinrich von Blois gewann
den königlichen Schatzmeister Wilhelm von Pont de l'Arche, ihm Burg
und Schatz zu Winchester auszuliefern, und überzeugte darüber
hinaus den Primas Wilhelm von Corbeil von der Notwendigkeit einer schnellen
Krönung. Sie fand genau drei Wochen nach dem Ableben
Heinrichs
I., nämlich am 22. Dezeber, dem 4. Adventssonntag des Jahres
1135, zu Westminster statt.
Wohl im Vertrauen auf die normannische Praxis, mit oder
in England jeweils den jüngeren Sohn auszustatten, gab Theobald IV.
seine Zustimmung - und mußte jetzt erleben, daß die normannischen
Großen sich ebenfalls dem gekrönten jüngeren Bruder zuwandten.
Theobald
IV. resignierte und schloß gar Friede mit Ludwig
dem Dicken, unterstützte dann aber gleichwohl seinen Bruder
zurückhaltend und doch effektiv.
Vones-Liebestein Ursula: Seite 17,25,39
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"Eleonore von Aquitanien. Herrscherin zwischen zwei Reichen."
Noch im September 1136, vor seinem Aufbruch nach Santiago,
hatte Eleonores Vater als Bündnispartner
Gottfrieds
von Anjou und der Mathilde von England
deren Versuch zur Eroberung der Normandie militäriasch unterstützt
und zwar bewußt gegen die Interessen des Hauses BLOIS-CHAMPAGNE.
Stephan wiederum, der die englische
Krone nach dem Tode Heinrichs I. für
sich gewonnen und damit die Ansprüche Mathildes
durchkreuzt hatte, war an Ostern 1137 zu einer Einigung mit seinem älteren
Bruder Graf Theobald von Blois-Champagne gelangt. Der Ausfall
Aquitaniens als Machtfaktor stellte für die bedien Brüder einen
beachtlchen Vorteil dar. So verwunderts es nicht, Graf Theobald
an hervorragender Stelle unter den Teilnehmerns der Brautfahrt Ludwigs
VII. zu finden.
Zweimal hatte sich Graf Thebald IV. von der Champagne
(1125-1152) geweigert, dem König in aquitanischen Angelegenheiten
Heerfolge zu leisten, und sich dabei auf seine Pflicht berufen, zuvor den
Rat seiner Vasallen einzuholen. Er hatte die Ehe Eleonores
mit Ludwig VII. vor allem deshalb begrüßt,
weil sie zu einer Isolierung der angevinischen Partei führte, die
die Rechte des Hauses BLOIS auf die englische Krone bestritt. Nun
hatte aber nach Ausbruch des Bürgerkrieges in England im Frühjahr
1141 verschiedene Umstände zu einer Einigung des Grafen mit dem Hause
ANJOU und seinem Verzicht auf eigene Ansprüche geführt.
Die von Ludwig VII. angestrebte enge
Verzahnung zwischen Aquitanien und dem französsichen Reich wurde damit
zu einer Bedrohung des angevinisch-champagnischen
Bündnisses.
Deshalb kehrte Theobald zu seiner bis 1135 verfolgten Politik zurück
und vollzog erneut den Bruch mit dem kapetingischen
Königshaus. Anfang 1142 gewährte er dem von Ludwig
VII. vertriebenen, geweihten Erzbischof von Bourges Zuflucht,
und im Frühjahr desselben Jahres berief er ein Legatenkonzil in sein
Hauskloster Lagny ein, das die Scheidung des Seneschalls Raoul
von Vermandois für ungültig erklärte.
Während die alten Vertrauten des Königs, Suger
von Saint-Denis (+ 13. Janaur 1151) und Theobald von der Champagne (+
10. Januar 1152), die 1137 als Ehevermittler gewirkt hatten, von der
politischen Bühne abgetreten waren, erschien seit 1150 Thierry Galeran
als Ludwigs Berater.
1123
oo Mathilde von Sponheim-Kärnten, Tochter
des Grafen Engelbert I.
-13.12.1160/61
Kinder:
Marie
- um
1190
1145
oo Odo II. Herzog von Burgund
um 1118- 9.1162
Agnes
-
1207
um 1155
oo Rainald I. Graf von Bar
-25.7.1170
Adelheid Regentin Frankreichs
um 1145-4.6.1206
1160
oo 3. Ludwig VII. König von Frankreich
1120-19.9.1180
Elisabeth
-
1139/40
1. oo Roger Herzog von Apulien
1118-2.5.1148
2. oo Wilhelm IV. Goet, Seigneur von Montmiral
- um 1170
Wilhelm Bischof von Chartres (1164-1202)
-7.9.1202
Erzbischof von Reims (1176-1202)
Erzbischof von Sens (1176-1202)
Heinrich I. Graf von Champagne
um 1126-16.3.1181
Mathilde
-
vor 1160
oo Rotrou III. Graf du Perche
-13.7.1191
vor Akkon
Stephan I. Graf von Sancerre (1152-1191)
1130- 1191
vor Akkon
Margarete Nonne zu Fontevrault
-
Hugo Abt von Citeaux 1155
-
Theobald V. der Gute Graf von Blois
-
1191
Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 8 Seite 16 - Ehlers
Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000 Seite 100,105,112,121 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs
im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 88,94,105,108,113,123 - Ehlers
Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die
französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII.
888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 127,132, 134,138,142
- Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515.
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 113 - Houben, Hubert:
Roger II. von Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident, Primus
Verlag Darmstadt 1997, Seite 92,93A - Jäschke Kurt-Ulrich:
Die Anglonormannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz
1981 - Vones-Liebestein Ursula: Eleonore von Aquitanien. Herrscherin
zwischen zwei Reichen. Muster-Schmidt Verlag Göttingen 2000 Seite
17,25,39 -