Tochter des Königs Wilhelm
I. der Eroberer von England und der Mathilde
von Flandern, Tochter von Graf Balduin V. Insilanus
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 142
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Adela von England, Gräfin von Blois-Chartres
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* um 1065, + 8. März 1138
Marcigny (Saone-et-Loire)
Tochter von Wilhelm dem Eroberer
oo vor 1085 Stephan, Sohn des mächtigen Grafen Theobald III. von Blois-Champagne
Stephan
erbte nach dem Tode seines Vaters Theobald
III. 1089 die Grafschften Blois, Chartres und Meaux, nahm 1096
am 1. Kreuzzug teil, kehrte wenig ruhmvoll vorzeitig zurück, wurde
dann von Adela erneut ins Heilige Land
gesandt, wo er 1102 umkam. Während seiner Abwesenheit und nach seinem
Tod bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes
Theobald
IV. regierte die energische Gräfin allein. Aus Chartres machte
sie ein kulturelles Zentrum, wo sie mit Ivo von Chartres, Anselm von Canterbury,
Hildebert von Lavardin verkehrte, sich von Hugo von Fleury eine Kirchengeschichte
widmen und von Baudry de Bourgueil in Gedichten feiern ließ. Auch
nach der Volljährigkeit ihres 1107 zum Ritter geweihten Sohnes, der
seit 1109/11, vor allem seit 1114 persönlich herrschend hervortritt,
hat sie neben ihm erheblichen Einfluß bewahrt und gemeinsam mit ihm
Urkunden ausgestellt, bis sie sich 1122 ins Kloster Marcigny zurückzog.
Sie erlebte noch, dass ein anderer ihrer Söhne,
Stephan,
als Enkel Wilhelms des Eroberers 1135
König von England wurde.
Grafschaft in Frankreich in der Landschaft Beauce
Gräfin Adela von England,
Tochter Wilhelms des Eroberers und
tatkräftige Gattin des wenig bedeutenden Grafen Stephan, war
nicht nur eine fähige Regentin, mit ihr ist auch ein wichtiges
Kapitel der glanzvollenm Geistes- und Kulturgeschicht des hochmittelalterlichen
Chartres verbunden. Die Gräfin förderte Gelehrte und Dichter
(Ivo von Chartres, Anselm von Canterbury, Hildebert von Lavardin, Hugo
von Fleury, Balderich von Bourgeuil) und trug so dazu bei, daß sich
die Bischofsstadt um 1100, nach der durch Fulbert geprägten ersten
Blüteeit des 11. Jh., erneut zu einem kulturellen und intellektuellen
Zentrum entwickelte.
Die französische Bischofsstadt Bayeux, das alte "Bagias"
der Normannen, bewahrt als kostbaren Schatz den fast 900 Jahre alten "Teppich
von Bayeux", der in Wort und Bild die Inbesitznahme Englands durch Wilhelm
den Eroberer schildert. Wenn wir der Überlieferung folgen
wollen, nach der Wilhelms Gemahlin
Matilda
gemeinsam mit ihren Hofdamen die herrliche Stickerei als wahrhaft fürstliches
Geschenk für ihren Mann selbst angefertigt hat, dann dürfen wir
und auch ihr Töchterchen
Adele
über das feine Gewebe geneigt vorstellen, wie sie mit zierlich geführter
Nadel die Ruhmestaten ihres Vaters verherrlicht. Eine der Szenen stellt
ihre Verlobung mit Harald von Kent dar, der aber sein Eheversprechen
brach und später in der Schlacht bei Hastings den Tod fand. 1084 vermählte
sich Adele
mit dem Grafen Stephan
von Blois, dem Erben von Blois und Chartres, dem sie zwei Söhne
schenkte. Mit der Ritterschaft des ersten Kreuzzuges begab sich auch Stephan
ins Heilige Land, aber in den Schreckenstagen von Antiochia verließ
ihn der Mut; vor den rachedürstenden Horden des Emirs Kerbuga floh
er an die Küste bei Alexandretta, wo er sich zur Heimkehr nach Frankreich
einschiffte. Als ihn dort die stolze Tochter Wilhelms
des Eroberers der Feigheit zieh, gesellte er sich erneut zu
den Kreuzfahrern; bei Askalon traf ihn der tödliche Pfeil. Adele,
seine Witwe, verwaltete umsichtig die Grafschaften ihres noch minderjährigen
Sohnes Thibaut, der "so viele Burgen sein eigen nannte, wie das
Jahr Tage hatte." Von Adelas hoher
Bildung zeugt ihr Briefwechsel mit Anselm von Canterbury, dem Wegbereiter
der Scholastik, und mit anderen bedeutenden Gelehrten und Dichtern; ihre
letzten Jahre verbrachte sie als Nonne im Kloster Marcigny. Ihr zweiter
Sohn Stephan wurde 1135 König
von England.
XI. 110. ADELE
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* ca. 1062, + 1137
Gemahl: 1080 Stephan II. Graf von Blois (siehe XI 24)
+ 1102 13. VII.
Adele konnte ihren
Mann nicht begleiten. Sie hat das sicher bedauert, denn Adele,
Gräfin
von Blois-Chartres, war keine andere als die leibliche Tochter Wilhelms
des Eroberers. Vor dem Reisen hat sie sich bestimmt nicht gefürchtet,
das lag den Normannen im Blut. Zudem machte sich mit ihrem Gatten Stephan
auch ihr Bruder
Robert Curthose auf
den Weg.
Adele wurde wahrscheinlich
im selben Jahr geboren, in dem die Eroberung Englands stattfand, nämlich
1066. Sie war also etwas über 30 Jahre alt, als ihr Gemahl aufbrach.
Sie mußte sich um die Verwaltung ihrer riesigen Besitzungen, der
Grafschaften
Blois-Chartres, sowie um die Erziehung ihrer drei Söhne kümmern.
Der Älteste, Wilhelm,
war vermutlich schwachsinnig, weshalb er von der Erbfolge ausgeschlossen
wurde. Den beiden anderen, Theobald und Stephan,
stand eine glänzende Zukunft bevor. Vorläufig waren sie noch
minderjährig, und Adele wachte
sorgsam über ihre Erziehung.
Adele begnügte
sich nicht mit der prachtvollen Umgebung, auch nicht mit den literarischen
Huldigungen, die ihr die Dichter ihrer Zeit in großer Zahl widmeten.
Sie feierten sie als "Rose des Vaterlandes" oder "Glanzlicht
ihres Geschlechts". Sie priesen ihre Schönheit, ihre großartige
Herkunft und auch ihre untadelige Treue und Aufrichtigkeit. Aus der Korrespondenz
des Bischofs Ivo von Chartres geht hervor, dass Adele
auf
seinen Rat hin ihre Kusine Adelheid von der Champagne dazu bewog,
ihr ehebrecherisches Verhältnis mit Wilhelm von Breteuil aufzugeben.
Sie war in den Augen ihrer Zeitgenossen ein Vorbild an Treue, was "seltener
ist als ein weißer Rabe", schreibt einer von ihnen.
Röhrig Dorothee: Seite 38
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"Frauen im Mittelalter" in P.M. Das historische Ereignis
Nr. 14
Adele von Blois zum
Beispiel. Wie weit ihre Aufgaben gingen, zeigt ein Brief ihres Gatten Graf
Stephan, der eine Truppe des Ersten Kreuzzuges führte. Am
8. März 1098 schrieb er aus Antiochia: "Ich empfehle Euch, gut zu
handeln, sorgfältig über meine Ländereien zu wachen, Eure
Pflicht zu tun, wie es sich gehört, Euren Kindern und Vasallen gegenüber.
Ihr werdet mich wiedersehen, sobald ich zu Euch zurückkehren kann.
Adieu." Adele konnte wie viele adelige
Gutsherrinnen nicht nur sticken und Schach spielen. Sie kannte sich auch
in Feudalrecht und Verwaltung aus. In Abwesenheit ihres Mannes verpachtete
sie selbständig Grund, zog Abgaben ein, ließ Gebäude instandhalten,
beaufsichtigte Bauern und weiteres Personal. Denn neben der Landwirtschaft
gehörten Bachstuben, Brauereien, und Webereien zum Gutsbetrieb.
Adele von Blois soll
ausdrücklich gewünscht habenm, Stephan möge seinen
christlichen Auftrag erfüllen. Der schien wenig begeistert, wurde
liebeskrank und fahnenflüchtig und kehrte zu Adela
nach Frankreich zurück. Doch die zeigte ihm nur die kalte Schulter:
"Erinnere dich an den Mut, der dich in deiner Jugend berühmt gemacht
hat", soll sie enttäuscht gesagt haben. Stephan sah sich "gezwungen,
aus Furcht und Bestürzung zum Heer der Kreuzfahrer zurückzukehren",
berichtet der Chronist Ordericus Vitalis. Im Zweiten Kreuzzug kam der von
Heimweh geplagte Krieger ums Leben.
vor 1085
oo Stephan II. Graf von Blois-Chartres
1046-13.7.1102
Kinder:
Heinrich Bischof von Winchester (1128-1171)
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Odo
-jung nach
1107
Mathilde
-25.11.1120
ertrunken
1115
oo Richard von Avranches Graf von Chester
-25.11.1120 ertrunken
Adele
-
um 1112
oo Miles II. von Montlhery Vicomte von Troyes
- 1118
Eleonore
-
1120/25
oo Rudolf I. Graf von Vermandois-Valois
-14.10.1152
Agnes
-
1104
oo Hugo III. Sire de Puiset
- 1132
Theobald IV. Graf von Blois
-8./10.1.1152
Stephan III. Graf von Boulogne
vor 1102-25.10.1154
Wilhelm I. Sire de Sully wegen Ehe
enterbt
- vor
1150
oo Agnes von Sully, Tochter des Seigneur Gilles
-
Literatur:
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Appleby John T.: Heinrich II. König von England.
Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutgart 1962 Seite 20
- Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag
Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 20 Seite 40 - Ehlers
Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000 Seite 113 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter.
W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 109 - Houben, Hubert: Roger II. von
Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident, Primus Verlag Darmstadt
1997, Seite 92 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge
Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 31-37 - Runciman,
Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C.
Beck München 1978, Seite 159,162, 228-229,334,360,388 -