Einzige Tochter des Grafen Robert
I. von Artois und der Mathilde von Brabant, Tochter von
Herzog Heinrich II.
Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 260
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Blanca (Blanche d‘ Artois), Königin von Navarra
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+ 1302
Nichte König Ludwigs IX., Tochter von Robert I., Grafen von Artois und Mathilde von Brabant
oo 1269 Henri (Heinrich), Graf von Rosnay, der 1270 Graf der Champagne und König von Navarra wurde
1274 verwitwet, schloß sie mit ihrem Vetter, Philipp
III., König von Frankreich, einen Vertrag, durch den sie
ihm die Regierung von Navarra überließ und ihre Erb-Tochter
Jeanne
(Johanna) dem künftigen
König
Philipp IV. versprach. Wenig später heiratete sie in zweiter
Ehe Edmund, Earl von Lancaster, den
Bruder Eduards I., Königs von England.
Edmund (+ 1296) regierte
die Champagne bis zur Großjährigkeit von Jeanne
(1284).
Aus der Ehe gingen eine Tochter und drei Söhne hervor (Thomas,
Henri,
nacheinander als Earls von Lancaster,
Jean, Herr
von Beaufort in der Champagne.
Ehlers Joachim: Seite 168
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"
Am 22. Juli 1274 starb König Heinrich III. von Navarra, Sohn Tedbalds III. von Champagne, und hinterließ die unmündige Erbtochter Johanna unter der Regentschaft seiner Witwe Blanche von Artois. Diese Situation mußte den französischen Königshof alarmieren, denn Kastilien und vor allem Aragon bemühten sich um den Besitz Navarras, außerdem hätte schon Heinrich III. von England Johanna gern als Schwiegertochter gehabt. Karl von Anjou durfte einen größeren aragonesischen Machtgewinn nicht zulassen und erreichte im Mai 1275 durch den Vertrag von Orleans, daß Blanche von Artois ihre Vormundschaft über Johanna an Philipp III. abgab; gleichzeitig wurde Johanna mit dem französischen Thronfolger verlobt.
Favier, Jean: Seite 257
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"Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515"
Und Blanca von Artois, die Witwe des Königs von Navarra und theoretisch der Vormund der jungen Johanna von Navarra, übertrug diese Funktion 1275 ihrem Vetter, dem König von Frankreich, so daß bis zu Johannas Vermählung der Seneschall Eustache de Beaumarchais in Navarra regierte, der während dieser Zeit auch einen Aufstand niederzuschlagen hatte.
Treffer Gerd: Seite 161
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada
bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"
Johanna von Navarra
ist nicht "Spanierin", wie es ihr Name vermuten ließe. Ihre Mutter
ist Blanche von Artois, eine Nichte
Ludwigs
des Heiligen, ihr Vater Heinrich II.
von der Champagne, Graf von Brie und später König
von Navarra. Die Nachbarn aus Kastilien und Aragon setzen nach Heinrichs
Tod (21. Juli 1274) zum Sturm auf Navarra an, und Blanche
von Artois muß ihre Politik ändern. Sie verspricht
Johanna
dem
Sohn des Königs von Aragon. Dann übergibt sie Pamplona einem
Stathalter und reist zu ihrer Tochter in die Champagne.
Da sich die Situation in Spanien zuspitzt, wendet sich
Blanche
mit einem Hilfeersuchen an
Philipp III., König
von Frankreich. Ein Vertrag wird in Orleans im Mai 1275 geschlossen.
Der König wird Navarra beistehen. Im Gegenzug soll Johanna
einen seiner Söhne heiraten.
1269
1. oo Heinrich I. König von Navarra
um 1240-22.7.1274
1276
2. oo Edmund von Crouchback Graf von Lancaster
1245-5.6.1296
Kinder:
1. Ehe
Theobald
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1273
Johanna I.
1271/72-2.4.1304
1284
oo Philipp IV. der Schöne König von
Frankreich
1268-29.11.1314
Kinder:
2. Ehe
Thomas Graf von Lancaster
-16.3.1322
hingerichtet
Heinrich Graf von Lancaster
um 1282-22.9.1345
Johann, Herr von Beaufort
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Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter.
W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 168 - Ehlers Joachim/Müller
Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996 Seite 199 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft
1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 257 - Le
Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 823
- Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada
bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg
1996 Seite 161 -