Begraben: St-Denis
Ältester Sohn des Königs
Ludwig II. der Stammler von Frankreich aus seiner 1. Ehe mit der
Ansgard
von Burgund, Tochter von Graf Harduin
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2176
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Ludwig III., westfränkischer König 879-882
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+ 5. August 882
St-Denis
Begraben: St-Denis
Sohn König Ludwigs II. und Ansgards
Führende Adelsgruppen unter Hugo Abbas und Gauzlin ermöglichten nach dem Tod Ludwigs II. die Nachfolge der Söhne Ludwig III. und Karlmann. Der Weihe im September 879 durch Erzbischof Ansegis von Sens in Ferrieres folgten Verträge mit König Ludwig dem Jüngeren (Abtretung des westlichen Lotharingien, Ribemont) und im März 880 eine Reichsteilung in Amiens (Ludwig III. erhielt Franzien und Neustrien, Karlmann den Süden) zur Sicherung des durch Ansprüche Hugos und Bosos von Vienne gefährdeten Königtums. In seiner kurzen Regierung konnte Ludwig III. die Normanneneinfälle im Sieg von Saucourt (3. August 881) nur zeitweise abwehren.
Quellen:
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Recueil des actes de Louis II le Begue, L. III et Carloman
II, rois de France, ed. R.-H. Bauthier u. a., 1978 -
Literatur:
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K. F. Werner, Gauzlin v. St. Denis und die westfrk. Reichsteilungen
v. Amiens (März 88), DA 35, 1979, 395-462 - Ders., Hist. de France,
I, 1984, 417-419 -
Schieffer Rudolf:
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"Die Karolinger"
Gegen die von Hugo dem Abt beim König durchgesetzte
alleinige Nachfolge Ludwigs III. gingen
sogleich nach Eintreten des Erbfalls Gauzlin von Saint-Denis sowie der
welfische
Graf Konrad von Paris, ein Vetter Hugos des Abtes, mit weiteren Repräsentanten
der Franci vor, indem sie Ludwig denn Jüngeren
von O-Franken auf den Plan riefen und mit ihm in Verdun zusammentrafen.
Ihr Angebot an den - nach Karlmanns Erkrankung
- ältesten handlungsfähigen und vollbürtigen
KAROLINGER,
auch bei ihnen die Herrschaft zu übernehmen, stand in der Tradition
solcher "Einladungen" seit den 850-er Jahren und bezweckte anstelle der
angebahnten Sulzession konkret, "entweder eine gewaltsame andere Lösung
zu erzwingen oder aber Hugo den Abt und seine Partei zum Nachgeben, zum
Herausgeben eines der beiden Prinzen, zu bewegen" (K.F. Werner). Eine spezifische
Loyalität gegenüber dem westfränkischen Zweig des Hauses
oder legitimistische Vorbehalte gegenüber den Sprößlingen
einer aufgelösten Ehe waren offenbar kein Thema.
Der Schachzug zeitigte in der Tat Wirkung: Noch im Mai
879 ließ Hugo Ludwig dem Jüngeren,
um ihn von weiterem Vormarsch abzuhalten, die Abtretung der in Meersen
erworbenen W-Hälfte Lotharingiens und die Nachfolge beider westfränkisher
Thronerben, also auch des 13-jährigen
Karlmann,
zusichern. Mit der Ausführung hatte er es nach Ludwigs
Abzug
weniger eilig, doch kam es im September immerhin zur Krönung der jungen
Könige im Kloster Ferrieres durch Erzbischof Ansegis von Sens, kaum
zufällig eben in den Tagen, da die Königin
Adelheid am 17.9. den postumen Sohn des
Stammlers zur Welt brachte, der nach dem kaiserlichen Großvater
KARL
genannt wurde. Dessen ungeachtet hielt Hugo der Abt weiter an seinem faktischen
Regiment übber ein ungeteiltes W-Franken fest, provozierte den Bruch
mit dem ehrgeizigen Boso von Vienne,
der sich im Oktober selbst zum König der Rhonelande aufschwang (nun
mit Hinweis auf die fehlende Legitimität der Ansgard-Söhne),
und forderte schließlich doch noch den Einmarsch Ludwigs
des Jüngeren heraus, dessen Heer, verstärkt um die
Gefolgsleute Gauzlins, dem seinen im Januar 880 bei Saint-Quentin gegenüberstand.
Erst durch diese Zuspitzung fand man zur verbindlichen Form der Einigung,
nämlich dem Vertrag von Ribemont (Oise) im Februar, der ganz Lotharingien
dem O-Frankenreich zuschlug und den Gegnern Hugos die Machtbeteiligung
im W gewährte; seine Konsequenz war die im März in Amiens vollzogene
Reichsteilung, bei der Ludwig III.
(mit Gauzlin als restituiertem Erzkanzler) die Francia und Nesutrien erhielt,
während Karlmann (mit Hugo dem
Abt als "Beschützer" und Feldherrn) Burgund, Aquitanien und Gothien
zufielen. Die Art, wie sich beide Parteien gegenseitig einen eigenen lenkbaren
König abgenötigt hatten, unterschied sich kaum noch vom Umgang
der fränkischen Großen des 7. Jahrhunderts mit den späten
MEROWINGERN.
Die Niederringung unerwünschter Konkurrenten im
Inneren band jahrelang politische und militärische Energien, die den
KAROLINGERN
bei der Abwehr eines neuen, alles zuvor Dagewesene übertreffenden
Ansturms der Normannen fehlten. Nach einem angelsächsischen Defensiverfolg
durch Alfred den Großen (878)
setzte die inzwischen zum "Großen Heer" vereinigte Hauptmasse der
Feinde im Sommer 879 nach Flandern über, verwüstete den gesamten
Schelderaum und richtete sich in Gent als festem Ausgangspunkt auch für
winterliche Überfälle ein. Die Konfrontation der westlichen und
der östlichen Franken bei Saint-Quentin im Februar 880 spielte sich
daher gewissermaßen unter den Augen der Wikinger ab und schlug nach
der Einigung augenblicklich um in einen gemeinsamen Aufmarsch gegen die
Nordmänner, wodurch eine beutebeladene Gruppe auf dem Rückweg
zu ihren Schiffen bei Thimeon in der Nähe von Charleroi gestellt und
unter Führung Ludwigs des Jüngeren bezwungen
werden konnten. Die Aktion blieb indes einmalig, denn durchweg gingen die
Teilkönige und Teilreiche zur Bekämpfung der Eindringlinge weiterhin
getrennte Wege. In W-Franken zogen es beide Könige im Sommer 880 vor,
gegen Hugo und Boso
einzuschreiten,
und überließen dem Erzkanzler Gauzlin ein Kontingent zur Verteidigung
des N, mit dem er jedoch an der Schelde scheiterte. Neue schwere Verheerungen
bis weit ins ungeschützte Landesinnere waren die Folge und bewogen
881 König Ludwig III. zu einer
eigenen Anstrengung: Bei Saucourt unweit der Somme-Mündung führte
er Anfang August gegen ein größeres Normannenheer einen Überraschungsschlag,
bei dem er sich auch durch persönliche Tapferkeit auszeichnete. Der
Erfolg war alles andere als kriegsentscheidend, doch zeigt seine zeitgenössische
Verherrlichung im volkssprachigen Ludwigslied was mit beherztem Vorgehen
gegen die beutegierigen Heiden an königlichem Prestige zu gewinnen
war.
Am 5.8.882 kam der junge, unvermählte König
infolge eines Unfalls, den er in Tours erlitt, wie berichtet wird, bei
der scherzhaften Verfolgung einer Adelstochter zu Tode.
Literatur:
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Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino
von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 66,67,75
- Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin
Köln 2000, Seite 15,20,61 - Ehlers Joachim/Müller
Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996, Seite 23,25,86 - Eickhoff Ekkehard: Theophanu und der König.
Otto III. und seine Welt. Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 262 - Fried
Johannes: König Ludwig der Jüngere in seiner Zeit. Zum 1100.
Todestag des Königs. Vortrag, gehalten in Lorsch am 18. November 1982
- Hlawitschka, Eduard: Adoptionen im mittelalterlichen Königshaus,
in: Schulz Knut: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des
Mittelalters, Festschrift für Herbert Helbig zum 65. Geburtstag, Köln
Seite 1-32 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der
Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite
21,28,29,35,61,90-92,208,221-225,227,229,230-237 - Hlawitschka,
Eduard: Nachfolgeprojekte aus der Spätzeit Kaiser Karls III., in Stirps
Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern
- New York - Paris, Seite 123-155 - Hlawitschka, Eduard: Vom Frankenreich
zur Formierung der europäischen Staaten- und Völkergemeinschaft
840-1046, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1986 - Hlawitschka,
Eduard: Vom Frankenreich zur Formierung der europäischen Staaten-
und Völkergemeinschaft 840-1046, Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1986 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen
Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971, Seite 57 -
Riche
Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch
Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 249,252,360 - Schieffer
Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992,
Seite 159,171,173-178,180,182,225 -