Ältester Sohn des Fürsten
Svatopluk
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 721
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Mojmir II.
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Letzter Herrscher des Großmährischen Reiches
(894-ca. 905/06), folgte seinem Vater Svatopluk
(+ 894). Mit seiner Herrschaft endete die expansive Phase des
Großmährischen Reiches. 895 verweigerten die böhmischen
duces den Gehorsam und unterstellten sich dem ostfränkischen
König ARNULF. Als Kämpfe mit
Mojmirs jüngerem, von Bayern unterstützten Bruder
Svatopluk
II. ausbrachen, mußte er Angriffe aus Bayern, Böhmen
und Pannonien abwehren, die durch Friedensverträge jeweils nur kurzfristig
unterbrochen wurden. Um 900 gelang es Mojmir II.
dennoch, die Zentralgewalt wieder zu festigen. Doch zerstörte bald
ein vernichtender Angriff der Ungarn das Großmährische
Reich. Die Gefolgschaft (Druzina), der Garant der fürstlichen Macht,
wurde zerstreut; Mojmir II. fand wahrscheinlich
bei den Kämpfen den Tod. Damit war die Geschichte des Dynastie der
"MOJMIRIDEN" beendet; über das Schicksal Svatopluks
II. ist nichts bekannt.
Suatopluk von Mähren
beschloß sein Leben auf dem Krankenbett, indem er sein Reich als
ein geteiltes seinen beiden Söhnen Moimir
und Suatopluk hinterließ.
Die Söhne Suatopluks,
von denen, wenn wir jenem griechischen Berichterstatter glauben dürfen,
der älteste Moimir eine Oberhoheit
über seinen Bruder ausüben sollte, in derselben Weise vielleicht
wie ehedem Rastislav
über Suatopluk,
schlossen noch im Herbst des Jahres 894 Frieden mit
ARNOLF, der das alte Verhältnis der Abhängigkeit und
Zinspflichtigkeit wiederhergestellt haben mag. Ein Einfall der Ungarn bestärkte
ohne Zweifel auf beiden Seiten die Neigung zum Frieden.
Unter Suatopluks beiden
Söhnen brach bald Entzweiung aus, die das Reich an den Rand
des Abgrundes brachte. Vielleicht in Folge davon müssen sich damals
innere Unruhen stattgefunden haben, denn als ARNOLF
zu Oetting das Weihnachtsfest feierte, vernahm er dort eine Botschaft der
Mährer, die ihn ersuchten, zur Sicherung des zwischen beiden Völkern
bestehenden Friedens ihren Verbannten keine Aufnahme zu gewähren.
Nachdem die seit dem Tod Suatopluks
begründete Ordnung der Dinge in Mähren und der mit dem ostfränkischen
Reiche gleichzeitig abgeschlossen Friede vier Jahre hindurch äußerlich
wenighstens bestanden hatte, brach im Jahre 898 zwischen den beiden Brüdern
Moimir
und Suatopluk und ihrem Anhang so bittere
Feindschaft aus, daß jder von ihnen nicht nur nach der Alleinherrschaft,
sondern, wenn er des Bruders habhaft werden konnte, sogar nach dem Leben
des anderen trachtete. Der jüngere und schwächere der Söhne
Suatopluks rief bald den Beistand des
in Regensburg verweilenden Kaisers an: auf ARNOLFS
Befehl verwüsteten die Markgrafen Liutpold und Aribo an der Spitze
eines bairischen Heeres das Gebiet Moimirs
mit Feuer und Schwert und erschlugen viele seiner Leute. Nach ihrer Rückkehr
von diesem Zug, so meldet unser Berichterstatter, daß Aribo selbst,
auf Antrieb seines Sohnes Isanrich, aus irgendwelchen Absichten jenen unheilvollen
Bruderzwist angestiftet und den Kaiser ebenfalls zuerst zur Einmischung
in den Streit angeregt hatte.
Der mährische Krieg nahm auch in diesem Sommer (899)
durch einen neuen Einfall der bairischen Großen seinen Fortgang,
auf welchem sie, wie auf den früheren ohne jeden Widerstand sich plündernd
im Lande ausbreiteten. Suatopluk hatte
trotz ihres Beistandes in dem Bürgerkrieg den kürzeren gezogen
und wurde von seinem Bruder wie ein Gefangener in einer Burg eingeschlossen.
Die Baiern nahmen diese Burg, die sie in Brand steckten und führten
Suatopluk
nebst seinen Leuten aus Mitleid in ihr Land mit sich fort. Moimir,
der kräftigere der beiden Brüder behauptete sich allein im Besitz
der väterlichen Herrschaft und somit wurde dem unglücklichen
Lande jetzt wenigstens der innere Friede wieder gegeben. Der junge Fürst
legte sobald er seines schlimmsten Widersachers ledig geworden, Hand an
die Herstellung der kirchlichen Ordnung, die seit dem Tode des hl. Methodius
und der Vertreibung seines Gegners Wiching gewiß völliger Zerrüttung
gewichen war. Sein Gesuch wurde sogleich gewährt, der Erzbischof Johann
und die Bischöfe Benedikt und Daniel mit päpstlichen Vollmachten
abgeordnet, um für Mähren einen Metropoliten und mehrere Suffragane
einzusetzen. Die Feindschaft zwischen dem bairischen und mährischen
Volk konnte durch diesen Versuch zur Erneuerung der nationalen Kirche natürlich
nur verschärft werden.
Als daher auf dem Regensburger Reichstag (901) die Mährer
durch eine Gesandtschaft um Frieden baten, wurde ihnen dieser ohne Anstand
bewilligt und die Bedingungen desselben sodann auch vom Herzog
Moimir und den vornehmsten Männern seines Volkes eidlich
bekräftigt, in Gegenwart des zu diesem Behufe abgeordneten Bischofs
Richarius und des Grafen Udalrich vom schwäbischen Linz- und
Argengau. Der Friede war also wieder hergestellt, zu spät aber, um
die letzte Stunde des mährischen Reiches abzuwenden und den deutschen
Grenzen die Sicherheit wieder zu geben.
Der Grund, weshalb Baiern mit seinen Marken von dem furchtbaren
Feinde noch nicht schwerer heimgesucht worden, lag jedoch nicht bloß
in der tapferen Gegenwehr des bairischen Volkes, als vielmehr darin, daß
die Ungarn sich zugleich mit dem Mährern herumschlugen und wahrscheinlich
gerade in den Jahren 904 bis 906 das mährische Reich vollständig
ihrer Herrschaft unterwarfen.
Wir wissen aus einem Zeugnis eines Zeitgenossen, daß
die Söhne
Suatopluks, das heißt
nach Vertreibung des jüngeren Suatopluk Moimir
die Regierung nur kurze Zeit unglücklich führten,
da die Ungarn alles von Grund aus verwüsteten. Als dies geschrieben
wurde, das heißt im Jahre 907 oder 908 war also
Moimir
nicht mehr auf dem Throne.
Mühlbacher Engelbert: Seite 425,444,453,462
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"Deutsche Geschichte unter den Karolingern"
Mit dem Tode Zwentibalds
ging es auch mit der Herrlichkeit des mährischen Reiches zu Ende.
Seine Söhne Moimir und Zwentibald,
die ihm in der Regierung folgten, beeilten sich, mit dem deutschen Reich
Frieden zu schließen, wohl unter Bedingungen, welche die deutsche
Oberhoheit wieder anerkannten. Es geschah zur selben Zeit, da die Ungarn,
ein viel gefährlicherer Feind als die Mährer, sengend und brennend
in Pannonien einfielen und damit ihre Raubzüge eröffneten.
Wie im W, hatte sich die Lage des Reiches auch im O verschlimmert.
Zwischen den beiden Söhnen des Mährer-Fürsten
Zwentibald, Moimir und Zwantibald,
war erbitterte Zwietracht um die Alleinherrschaft ausgebrochen, "so zwar,
daß, wenn einer des anderen hätte habhaft werden können,
dieser dem Tod verfallen gewesen wäre". ARNOLF
ergriff für den jüngeren der Brüder Partei, der bei
ihm Hilfe und Zuflucht suchte. Er gab den Markgrafen Liutbold und Aribo
Befehl, diesen zu unterstützen. Die Markgrafen rückten in Mähren
ein und verheerten das Land mit Feuer und Schwert (897). Diesen Hader und
Friedensbruch hatte - näheres wird nicht berichtet - Markgraf Aribo
auf Betreiben seines Sohnes Isanrich angestiftet, doch nur zu eigennützigem
Zweck, um in der Plünderung des Landes Beute zu gewinnen. Aribo wurde
als "Verräter" seiner Grafschaft entsetzt, aber bald wieder vollständig
begnadigt. Der Krieg gegen Mähren dauerte fort. Im folgenden Jahr
brach abermals ein bayerisches Heer in Mähren ein und verheerte das
Land. Nochmal wurde 899 ein Heer dahin entsandt; es befreite den deutschen
Schützling Zwantibald, der mit
seinen Anhängern in einer Burg eingeschlossen war und nahm ihn "aus
Mitleid" mit nach Bayern. Damit war der mährische Bruder krieg beendet.
Aber zu Ungunsten des deutschen Reichs. Moimir
blieb allein Herr in Mähren, durch diesen Krieg war er ein Feind geworden,
die deutsche Oberhoheit über Mähren war wieder in Frage gestellt.
Auch das alte Verhältnis zu Mähren stellte
sich wieder her. Ein Feldzugdes durch die Böhmen verstärkten
bayrischen Heerbanns brachte wie gewöhnlich nur eine Verwüstung
des Landes, aber keinen weiteren Erfolg (900). Damals richtete auch der
bayrische Episkopat einen geharnischten Protest gegen den Wiederaufbau
einer selbständigen Kirche in dem untertänigen Mähren, dessen
geistliche Leitung eigentlich der Kirche von Passau zustehee, an den Papst.
Schom im nächsten Jahre suchten die Mährer, denen die Bedrängnis
durch die Ungarn näher rückte, selbst um Frieden an. Ein Gesandtschaft
erschien in Regensburg, der Friede wurde bewillgt und beschworen; ein Bischof
und ein Graf wurden nach Mähren entsandt, um dort in gleicher Weise,
wie es in Regensburg von Seiten der Bayern geschehen war, den Frieden von
Herzog
Moimir und allen seinen Edlen beschwören zu lassen. Die
Oberherrlichkeit des Reiches über Mähren war damit zwar wiederhergestellt,
bald brach sie mit dem mährischen Reich zusammen.
Das Reich der Mährer wurde um 905 vernichtet,
es verschwand, wie eine Kreideschrift mit dem Schwamm ausgelöscht
wird; als Mähren nach einem Jahrhundert wieder erwähnt wird,
ist es böhmische Provinz.
Literatur:
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Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen
Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 389-391,451,458,
461,511,514,531 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte
unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion
Band II Seite 425,444,453,462 -