Giselbert I.                                              Graf von Bergamo
--------------                                             Pfalzgraf von Italien
    - nach 14.5.917/vor 19.11.929
 

Sohn des N.N. (Langobarde)
 

Hlawitschka, Eduard: Seite 186
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962)"

LXXIV.                           GISELBERT I.
 

ist einer derjenigen Großen, die im besonderen Maße die Politik der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts mitbestimmten. Aus kleinen Verhältnissen kommend, so daß uns nicht einmal sein Vater bekannt ist, hatte er sich hochgedient; er war königlicher Vasall geworden, hatte - vielleicht während der Kämpfe mit WIDO - die Gunst König BERENGARS erlangt, sich aber doch wiederum nicht so fest an ihn gebunden, daßer nicht bei einem sich anbahnenden Umschwung die Partei des neuen Prätendenten, König Rudolf, ergreifen konnte, ja dann sogar beim Einfall Hugos von der Provence auch sofort in dessen Gunst zu stehen vermochte. Er muß ein besonderes politisches Geschick und einen klaren Blick für die richtige Einschätzung aller Möglichkeiten und Kräfte gehabt haben. Sein kometenhafter Aufstieg, der ihn vom königlichen Vasallen bis zum Pfalzgrafen, also dem ersten Mann nach dem König führte, ist umso mehr der Beachtung wert, als er selbst nicht der fränkischen Herrenschicht und auch nicht den einfachen Zuwanderen aus dem Norden, die damals die führende Schicht stellten, angehörte. Er war Langobarde und der erste dieses Stammes, dem es nach der langen Prädominanz des fränkischen Elements in Oberitalien, die wir zwischen 830 und 930 feststellen können, in die führende Schicht einzudringen gelang. Aber einmal aufgestiegen, konnte er seiner Familie sogar eine solche gefestigte Stellung hinterlassen, daß aus ihr noch zwei weitere Generationen hindurch die Pfalzgrafen bestimmt wurden, so Lanfranc I., sein Sohn, und Giselbert II., sein Enkel.
Die erste sichere Kunde, die wir von Giselbert haben, ist seine Anwesenheit als vassus et missus Kaiser BERENGARS bei einem Gerichtstag in Bonate Superiore bei Bergamo im November 919, wo ein Güterstreit zwischen einigen Privatleuten und Bischof Adalbert von Bergamo ausgetragen wurde. Nicht sicher ist es dagegen, ob er mit den Giselbertus vassus domni regis, der mit anderen als iudex in einem am 4. März 899 in Pavia abgehaltenen Placitum zu Gericht saß, idenfiziert werden darf. - War Giselbert als missus schon in BERENGARS Gunst, so hinderte ihn dieser Umstand aber nicht, sich eine oppositionellen Adelsgruppe anzuschließen. Liudprand, der uns im Buch II seiner Antapodosis von der wachsenden Unzufriedenheit der oberitaliensichen Großen mit Kaiser BERENGAR und von seiner 921 ausgebrochenen Rebellion des Markgrafen Adelbert von Ivrea, des Pfalzgrafen Odelrich, des Erzbischofs Lambert von Mailand und einiger anderer principes Italiae gegen ihren Kaiser berichtet, erwähnt auch Giselbert als Teilnehmer am Komplott - und zwar als Gislebertus predives comes et strenuus. Den Comestitel scheint Liudprand ihm allerdings schon aus späterer Sicht beizulegen. - Boten mit der Einladung an König Rudolf II. von Hoch-Burgund, nach Italien zu kommen, waren bereits abgegangen, als BERENGAR die Hilfe der Ungarn erlangte und die in den Alpenvorbergen bei Brescia versammelten Aufständischen überfallen lassen konnte. Während der Pfalzgraf Odelrich im Kampfe fiel, geriet der Markgraf Adalbert mit Giselbert in Gefangenschaft. Der erste konnte sich listig von einem eigenen Vasallen loskaufen lassen; Giselbert hingegen wurde dem Kaiser vorgeführt, erhielt aber Vergebung und Freiheit. Sofort setzte er sich mit den anderen Rebellen wieder in Verbindung; als Bote eilte er dann selbst nach Burgund und vermochte König Rudolf zu bewegen, binnen 30 Tagen in Italien zu erscheinen.
Selbstverständlich stand Giselbert dann bei Rudolf in hoher Gunst. Wenn man ihn in einer Urkunde Rudolfs vom 3. Dezember 922 zum ersten Mal als comes und dannach in einer Gerichtsurkunde aus dem jahre 923 als Giselbertus comes et missus domni regis (sc. Rudolf) comitatus istius Bergomensis genannt findet, so scheint es, daß er zum Dank für seinen Einsatz von Rudolf mit der Grafschaft Bergamo ausgestattet wurde. Er wurde damit Nachfolger Suppos IV., der 919 noch inluster comes Bergomensis war. Als Intervenienten in verschiedenen Belangen sieht man Giselbert nun in Rudolfs Urkunden. Im Diplom vom 3. Dezember 922 für den Bischof Adalbert von Bergamo werden die Intervenienten, Erzbischof Lambert von Mailand, die Bischöfe Wido von Piacenza und Beatus von Tortona sowie der illustris comes Giselbertus, als dilecti consiliarii Rudolfs bezeichnet. 924 sind es die dilectissimi fidelis Erzbischof Lambert, Graf Giselbert, Graf Samson und Graf Wilhelm, die als Fürsprecher für Bischof Wido auftreten und der Piacentiner Kirche ein Stück der Stadtmauer von Pavia mit angrenzendem Bauland erwirken. Auch in der im Mittelteil verfälschten, aber in den Einleitungs- und Schlußstücken auf echter Grundlage beruhenden Urkunde König Rudolfs, die das Datum des 18. Juli 925 trägt, tritt Giselbert neben dem Grafen Samson und den Bischöfen Leo von Pavia, Beatus von Tortona und Haichard von Parma als Intervenient auf.
Rechtzeitig muß er aber seine engen Beziehungen zu diesem König gelöst haben; sofort nach dem Erscheinen Hugos aus der Provence finden wir ihn in der Gunst des neuen Herrschers. Diese Verschiebung der Machtverhältnisse während des Sommers 926 brachte ihm das Pfalzgrafenamt ein. Als comes palatii interveniert er bereits am 3. September 926 in einer Urkunde König Hugos für das S.-Sisto-Kloster in Piacenza und am 12. November desselben Jahres in einem Diplom für die Kirche von Asti. Dilectusfidelis noster wird er dabei wieder genannt. - Auf Intercession des Bischofs Adalbert von Bergamo und der "Giselbertus, des edlen Pfalzgrafen und geliebten Getreuen", bestätigte König Hugo am 28. November 926 schließlcih der Antoninus- und Justinakirche in Piacenza die Abtei Sancta Cristina in Pavia. Wie man sieht, war Giselbert eine auch beim König Hugo äußerst einflußreiche Persönlichkeit geworden.
Zum letzten Mal findet man Giselbert am 14. Mai 927 in Pavia aktiv in der Reichsverwaltung. In seinem eigenen Hause in der Hauptstadt des regnum hält er einen Gerichtstag ab, wobei unter anderem auch sechs seiner Vasallen als Beisitzer fungieren. - Wann Giselbert I. verstarb, ist unbekannt. Da aber am 19. November 929 Samson als comes palatii auftritt, muß sein Tod in der Zwischenzeit eingetreten sein.
Giselbert hatte Rotruda, eine Tochter des angesehenen Königsrichters Walpert aus Pavia, zur Frau genommen; ein Sohn, der spätere Pfalzgraf Lanfranc I., ging aus dieser Ehe hervor [Von dieser Ehe berichtet auch Liudprand, Antapod. lib.- III, cap. 39 bei der Darlegung des Aufstandes der Königsrichter Walpert und Heverardus Gezo, der von König Hugo leicht niedergeworfen werden konnte; vgl. L. M. Hartmann, Geschichte Italiens im MA III, 2 Seite 199ff.].


Pauler Roland: Seite 134
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"Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit"

Das Neue an dieser Urkunde ist, daß der grafenfeindliche Passus von BERENGARS Privileg wegelassen wurde, weil sich mit Giselbert, dem ehemaligen Vasallen BERENGARS, einer der hervorragendsten Helfer Rudolfs im Kampf um die italienische Krone als Graf von Bergamo etabliert hatte. Im Jahre 926 wandten sich sowohl Bischof Adalbert als auch Graf Giselbert gegen König Rudolf und unterstützten gemeinsam den neuen Prätendenten auf die italienische Krone, den Grafen Hugo von Vienne, obwohl sie als consiliarii regis zu den einflußreichsten Männern im Gefolge Rudolfs zählten.
Graf Giselbert stieg unter Hugo zum Pfalzgrafen auf, gewann also noch an Macht, während für Bischof Adalbert die Privilegien nicht bestätigt wurden. In der zweiten Hälfte des Jahres 927 scheinen Giselbert und Adalbert in einen Aufstand gegen Hugo verwickelt gewesen zu sein und verloren jegliche reichspolitische Bedeutung; die Familie Giselberts behielt allerdings die Grafenwürde.
Jarnut ist es Beleg genug, eine dauernde Feindschaft der GISELBERTINER mit dem König anzunehmen, daß das Pfalzgrafenamt nach 927 auf Graf Samson überging, und Giselberts Sohn Lanfranc es unter dem Einfluß des Markgrafen Berengar von Ivrea zurückerhielt.
 
 
 
 

  oo Rotruda, Tochter des Königrichters Walpert
             -29.3.945
 
 
 
 

Kinder:

  Lanfranc I. Pfalzgraf von Italien
         - um 952

 Franca
         -
 
 
 
 

Literatur:
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Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 33,74,83,89,95,102-104,128,175,186-188,189,202, 216,233,243,258,260,274,278,291,295 - Pauler Roland: Das Regnum Italiae in ottonischer Zeit. Max Niemeyer Verlag Tübingen 1982 Seite 134 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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