Einziger Sohn des Herzogs
Alberich I. von Spoleto und der Römerin
Marozia, Tochter von Theophylakt
Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 280
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Alberich, princeps Romanorum
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+ 31.August 954
Rom
Aus dem Geschlecht der Markgrafen von Spoleto
Eltern:
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Markgraf Alberich und Marozia, die Tochter Theophylakts
Er heiratete 936 Alda, die Tochter seines Stiefvaters, König Hugos von Italien. 932 vertrieb er Hugo mit Hilfe der Römer, um selbst ein auf persönlicher Macht beruhendes Regiment in Rom und im Kirchenstaat aufzurichten. Sein Titel "princeps ac senator omnium Romanorum" - den Titel "patricius" hat Alberich nicht geführt - dokumentiert einen umfassenden Herrschaftsanspruch, dem sich im politischen Bereich auch das Papsttum beugen mußte. Alberichs Herrschaft, zugleich "die dynastische Tradition und die Revolution" verkörpernd (Falco), ist einer der vielen Versuche, unabhängige Gebilde zu schaffen, territorial begrenzt, ohne expansive Ziele (Ausnahme: Sabina; erster Rektor 939 belegt), mit einer gestrafften und zentralisierten Verwaltung, in die offenbar auch die Bischöfe einbezogen wurden. Gleichzeitig bemühte Alberich sich um gute Beziehungen zu den süditalienischen Herrschern und Byzanz (ein Heiratsprojekt scheiterte) und unterstützte - nicht zuletzt auch aus politischen Erwägungen - die Klosterreform Abt Odos von Cluny. Sein Sohn Oktavian, den Alberich 954 durch den stadtrömischen Adel zum Papst "designieren" ließ (Johann XII.) sollte weltliche und kirchliche Macht wieder in einer Hand vereinigen. Unter dem Druck der politischen Verhältnisse mußte dieser jedoch schließlich in der Erneuerung des Kaisertums durch OTTO I. Zuflucht suchen, dessen Begehren Alberich noch 951 zurückzuweisen gewußt hatte, und bereitete so dem System seines Vaters das Ende.
Literatur:
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DBI I, 647-656 - A. Rota, La riforma monastica del "princeps"
Alberico II nello stato Romano, ASRSP 79,1956, 11-22 - G. Falco, Geist
des MA, 1958, 162-177 - B. Hamilton, The monastic revival in tenth century
Rome, Studia monastica 4, 1962, 35-68 - R. Hiestand; Byzanz und das regnum
Italicum im 10. Jh., 1964 - H. Zimmermann, Papstabsetzungen des MA, 1968
- P. Partner, The Lands of St. Peter, 1972 - P. Toubert, Les structures
du Latium medieval, 1973 - Hb. europ. Gesch. I, 660ff. -
Görich Knut: Seite 237-239
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"Otto III."
Unter Alberich trat der personale Aspekt der Herrschaft klarer hervor, seine Titel princeps und senator omnium Romanorum legen dafür ein deutliches Zeugnis ab. Durch die Ausübung der Machtpolitik im römischen Umland sicherte er sich die faktische Superiorität über den Papst, dem er nur als geistlichen Führer der Christenheit freie Hand ließ, nicht aber als Herrscher im Patrimonium. Während die Päpste dieser Zeit von ihm abhängig waren, schuf der princeps durch die Überlassung einzelner Rechte an lokale Machthaber und die daran geknüpfte Verleihung von Titeln wie rector und comes sowie durch Eingriffe in die Besitzrechte des bis dahin immunen Reichsklosters Farfa eine zunehmend intensivierte Territorialherrschaft unter seinem bestimmenden Einfluß. Alberich II. hatte kurz vor seinem Tod die Römer eidlich verpflichtet, bei der nächsten Sedisvakanz seinen Sohn Oktavian zum Papst zu wählen; der Fürst scheint damit der Erkenntnis Rechnung getragen zu haben, dass der Herrschaftsanspruch seiner Familie nur erfolgreich behauptet werden könne, wenn der Inhaber des Papstamtes nicht nur vom princeps abhängig war, sondern auch dessen Familie angehörte; das tusculanische Familienpapsttum des frühen 11. Jahrhunderts erscheint hier bereits vorweggenommen.
Schreiber Hermann: Seite 84
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"Geschichte der Päpste"
Nur die Jahre, in denen Alberich
II. von Tuszien als "Fürst und Senator aller Römer"
ein wenig antiken Glanz und altrömische Rechtschaffenheit erkennen
ließ, dürfen wir als eine Pause in diesem düsteren Zeitalter
ansehen. Es waren 22 Jahre, in denen ein hochbegabter Fürst - Sohn
der Marozia aus ihrer 1. Ehe - gegen
das Unheil auftrat, das seine eigene Mutter angerichtet hatte. Er überwachte
sowohl seinen Halbbruder, den Papst, als auch seine in ihrer kriminellen
Aktivität ungebrochene Mutter genau und gab damit dem großen
Reformwerk eine Chance, das sich aus dem Kloster Cluny (bei Macon in Burgund)
über ganz Mitteleuropa ausgebreitet hatte. Die Wiederherstellung der
strengen Benediktinerregel und die Erneuerung des klösterlichen Lebens
unter der Führung des Abtes von Cluny waren die Hilfe, die
Alberich als Princeps Romanorum,
als der weltliche Herr der Stadt Rom, von der Kirche empfing - von einer
Kirche, die außerhalb Roms gesünder geblieben war als in der
Tiberstadt selbst.
Alberich
als Person ist eine tragische, aber auch begeisternde Erscheinung,
denn sein Vater kam noch aus dem Nichts; er war ein Abenteurer fränkischer
oder langobardischer Herkunft, der nach der Grafschaft Fermo durch Mord
auch noch die Herrschaft über Spoleto erlangte. Alberich
II. nun gilt als ein Prinz "aus dem Geschlecht der Grafen von
Spoleto" - so schnell geht das, wenn der Vater den letzten echten Markgrafen
ermorden läßt und seine offenbar eindrucksvoll-wilde kriegerische
Erscheinung die Marozia für ihn
interessiert. Einen Usurpator und Mörder zum Vater zu haben, eine
Frau wie Marozia zur Mutter, gegen
den Stiefvater, König Hugo von Italien,
ein Leben lang kämpfen zu müssen und den eigenen Sohn als Papst
und Princeps über das geistliche wie das weltliche Rom zu setzen,
das ist mehr Kühnheit, als irgend jemand sonst in diesem Jahrhundert
erkennen läßt. Und diesem Alberich,
dem späten germanischen Eroberer des längst verlorenen Italien,
erwächst nun in einem klugen und strengen Priester im fernen Burgund
der Verbündete, der diesem ganzen blutigen Machtrausch erst einen
Sinn gibt und der Herrschaft des Marozia-Sohnes
neben dem weltlichen auch ein geistliches Ziel.
Mit Alberich II. endet
die kurze Phase der Frauenherrschaft in Rom, nicht aber die Vormacht der
weltlichen Fürstentums über das geistliche. Nach vielen Jahrhunderte,
in denen in Rom die Kleriker regiert und die Frauen somit keine Stimme
gehabt hatten, war im Zusammenbruch der Papstmacht zunächst der Machtzuwachs
für die Frauen gekommen, für Theodora
die Ältere und die
Jüngere und für Marozia,
die bedeutendste, sichtbarste, rücksichtsloseste von allen. Aber ihr
Sohn verdammte sie zur Untätigkeit, ja er soll sie eingekerkert haben,
ihr Sohn, dem sie als einzigem nicht mißtraut hatte. Und es dürfte
sie kaum getröstet haben, dass auch Alberich
II. mit seinem Sohn, Marozias
Enkel, die tiefste Enttäuschung erleben mußte. Noch als Knabe
und unter dem Namen Oktavian war dieser Sohn des Alberich
den
Römern vorgestellt worden, und sie hatten jubelnd geschworen, dass
er ihr Fürst und Papst sein sollte. Alberich
starb am 31. August 954 eben rechtzeitig, um nicht mehr erleben
zu müssen, was für ein Papst sein 955 gekrönter Sohn wurde.
Beumann, Helmut: Seite 51,70
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"Die Ottonen"
Doch ehe es zur versprochenen Kaiserkrönung ihres
Gemahls kommen konnte, wurde Marozia
von Alberich II., dem Sohn aus ihrer
ersten Ehe mit Alberich von Spoleto, gestürzt. Dieser übte
nunmehr bis zu seinem Tode (954) eine stabile Herrschaft über
Rom und Teile des Kirchenstaates aus.
Zur Vorbereitung der Gewinnung der Kaiserwürde wurden
Erzbischof Friedrich von Mainz, der Erzkapellan und päpstliche
Vikar für Deutschland, und Bischof Hartbert von Chur nach Rom entsandt,
kehrten jedoch ohne Ergebnis zurück. Vermutlich hat Alberich,
Roms nach wie vor mächtiger Stadtherr, der schon König
Hugos Kaiserpläne verhindert hatte und gegen den sich der
Papst schwerlich durchsetzen konnte, abgewinkt.
Holtzmann Robert: Seite 99,103,144,188,202,260,364
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"Geschichte der sächsischen Kaiserzeit"
Hugo mochte glauben,
unmittelbar vor dem Ziele seiner Wünsche zu stehen. Aber der junge
Alberich
erregte einen Aufstand der Römer gegen seinen Stiefvater und gegen
"die Gier und den Übermut der Burgunder". Hugo
mußte fliehen,
Marozia verschwand
im Gefängnis; das war das Ende der Pornokratie. Die nächsten
22 Jahre gebot Alberich als "Fürst
und Senator der Römer" über die ewige Stadt und die Päpste,
eine bedeutende Erscheinung, ein Mann, der sich um Rom sowie, in Verbindung
mit dem Abt Odo von Cluny, um die Wiederherstellung von Zucht und Ordnung
in den römischen Kirchen sehr verdient gemacht hat. Aber er war nicht
gewillt, einen Kaiser neben sich zu dulden; auch später, als er sich
mit einer Tochter Hugos vermählte,
hatte er alle Pläne seines Schwiegervaters auf Rom zu Schanden gemacht.
Vielleicht dachte HEINRICH
auch, daß der mächtige Alberich
in Rom ihn als einen Gegner Hugos begünstigen
werde - eine Rechnung, die allerdings wahrscheinlich getrogen hätte.
Gleichfalls von Pavia aus, wohl schon bald nach seiner
Ankunft, hat
OTTO
den Erzbischof Friedrich
von Mainz und den Bischof Hartbert von Chur an den Papst Agapet II. geschickt,
um wegen des Einzuges in Rom und der Kaiserkrönung zu verhandeln.
Hier aber stieß er auf taube Ohren. Denn, wie seine Vorgänger,
so stand auch Agapet völlig unter Einfluß und Gewalt des mächtigen
Fürsten und Senators der Römer, Alberich,
der von keinem Kaiser etwas wissen wollte, da er selbst die weltliche Herrschaft
in Rom in der Hand hielt.
Hatte OTTO im Jahre
951 vergeblich auf Rom und die Kaiserkrone gehofft, so waren die Aussichten
jetzt erheblich günstiger, seitdem der allmächtige "Fürst
und Senator der Römer", Alberich,
im Jahre 954 gestorben war. Er hatte zwar seinen noch jungen Sohn
Octavian
zum Nachfolger, ja er nahm vor seinem Tod dem römischen Adel den Eid
ab, wonach diesem Sohn, den er Kleriker hatte werden lassen, nach dem Tode
Agapets auch das Papsttum zufallen sollte. Er wollte also die höchste
weltliche und geistliche Gewalt in Rom in einer Hand wissen und hat das
auch wirklich erreicht.
Riche Pierre: Seite 282
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"Die Karolinger. Eine Familie formt Europa."
Da bot die allmächtige Senatrix dem König von Italien ihre Hand an und verlockte ihn wohl auch mit dem Hinweis auf die Kaiserkrone. Die Hochzeit wurde 932 in der Engelsburg in Anwesenheit von Papst Johannes XI. gefeiert. Aber es gab einen Störenfried: Alberich II., Marozias Sohn aus erster Ehe, der den Namen seines Vaters trug. Er war ungefähr 18 Jahre alt, erregte einen Aufstand der Römer gegen die "Fremden" und ließ Marozia samt Johannes XI. gefangensetzen, während Hugo von Arles fliehen konnte. Die ruhmreiche Regierung von Alberich als princeps ac senator omnium Romanorum begann also mit einem "coup d'eclat", einem aufsehenerregenden Staatsstreich. Unter seiner Herrschaft, die bis 954 dauerte, kehrten Ordnung und Anstand nach Rom zurück.
Brühl Carlrichard: Seite 168
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"Die Geburt zweier Völker. Deutsche und Franzosen."
Gerade als Hugo kurz
vor Erlangung der Kaiserwürde stand, zweifelsohne war sie für
Weihnachten 932 vorgesehen, zettelte der älteste Sohn Marozias,
Alberich
II., einen Aufstand an. Seine Mutter wurde gefangengesetzt und
verschwindet aus der Geschichte. Alle Bemühungen
Hugos in der Folgezeit, sich Roms zu bemächtigen, schlugen
fehl, obwohl er Alberich im Jahre 936
sogar seine Tochter Alda zur Gemahlin
gab.
936
oo Alda von der Provence, Tochter des Königs
Hugo
925-
954
Kinder:
Johannes XII. Papst
937-14.5.964
Deodat
-
Gregor I. Graf von Tusculum?
-
Literatur:
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Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft
ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 114
- Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin
Köln, Seite 51, 70,89,117 - Brühl Carlrichard: Die Geburt
zweier Völker. Deutsche und Franzosen Böhlau Verlag GmbH &
Cie, Köln Seite 168 - Görich Knut: Otto III. Romanus Saxonicus
et Italicus, Jan Thorbecke7 Verlag Sigmaringen 1995, Seite 203,237-239,244,247,256-258,260
- Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit.
Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite99,103,144,184,188,202,260,
364 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher
Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 282 - Schneidmüller
Bernd/Weinfurter Stefan: Otto III. Heinrich II. Eine Wende? Jan
Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997 Seite 274,283 - Schnith Karl Rudolf:
Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den
Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 132,136 - Schulze
Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und
Salier. Siedler Verlag, Seite 188,193,197,201,252,272 - Wies, Ernst W.:
Otto der Große, Bechtle Esslingen 1989 Seite 135,211 -