Sohn des vornehmen Byzantiners Ardebast und einer
Schwester-Tochter von König Chindaswinth
Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 2190
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Ervig, westgotischer König 680-687
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†
Sohn des byzantinischen Verbannten Ardabast und
einer Verwandten König Chindasvinths.
Als comes am Hof König Wambas
erzwang Ervig mit einer Intrige dessen
Abdankung und seine Designation zum Nachfolger; eine Wahl fand nicht
statt. Er ließ sich am 21. Okt. 680 vom Metropoliten Julian von
Toledo zum
König salben und den Regierungswechsel im Januar
681 von einem Reichskonzil (12. Toletanum) sanktionieren; ein weiterer
Konzilsbeschluß sollte einer Rückkehr des tonsurierten
Wamba auf den Thron vorbeugen. Am 21. Oktober 681 setzte Ervig
eine neue Fassung des westgotischen Gesetzbuches (Leges Visigothorum) in
Kraft. Das adelsfreundliche 13. Konzil von Toledo (683) untersagte dem
Herrscher, angeklagte Palastadlige und Bischöfe ohne Verfahren vor
einem Standesgericht ihrer Würde zu entkleiden, einzukerkern oder
zu enteignen; Kanones zum Schutz von Ervigs
Angehörigen für den Fall seines Todes lassen die prekäre
Lage des Königs erkennen. In seinem mit Wamba
verwandten Schwiegersohn Egica, den
er am 14. Novomber 687, tödlich erkrankt, zum Nachfolger bestimmte,
hatte Ervig einen erbitterten Feind.
J. Prelog
ERWICH
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Sohn des Prinzen Adabast der Westgoten und einer Nichte König Wambas; Urenkel des Königs Hermengild
Erwich zwang 680 König Wamba zum Verzicht und wurde selbst König zu Toledo. Er versuchte mit Milde einen Ausgleich zwischen den Parteien zu erreichen, lebte in der Furcht vor dem gleichen Schicksal wie es König Wamba erteilte und markierte den Höhepunkt königlicher Ohnmacht. Er dankte 687 ab und wurde Mönch.
oo LIUBIGOTONA
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Tochter des Westgoten-Königs Swintila
Claude, Dietrich: Seite 166-168,170,181-184
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"Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich. Vorträge
und Forschungen Sonderband 8"
Die Regierungszeit Wambas
fand durch eine Hofintrige ein plötzliches Ende. Der Oströmer
Ardabast, der unter Chindasvinth
ins Westgoten-Reich gekommen war,
hatte eine Verwandte des Königs geheiratet [55 Chron. Rotense,
(siehe Seite 76, Anm. 121), p. 610.]. Der Sohn, der aus dieser Ehe hervorging,
Ervig, gab Wamba
einen Trunk ein, der ihm die Besinnung raubte. Da die Anwesenden glaubten,
daß Wamba dem Tod nahe sei, ließen
sie ihm das Sakramant der letzten Buße erteilen [56 Ibid.,
1. c.]; es handelt sich hierbei um eine im Westgoten-Reich verbreitete
Sitte, durch die der Sterbende die Tonsur erhielt und symbolisch in den
geistlichen Stand aufgenommen wurde. Damit war Wamba
regierungsunfähig. Mehr oder weniger freiwillig unterschrieb er ein
Dokument, durch das er Ervig als seinen
Nachfolger designierte. In einem zweiten Schreibern ersuchte er den Metropoliten
Julian von Toledo, Ervig zum König
zu salben. Es ist vermutlich das erste Mal in der westgotischen Geschichte,
daß ein König seine Würde durch Designation erhielt. Von
einer Wahl ist nirgends die Rede.
Am Abend des 14. Oktober 680 hatte Wamba
die letzte Buße empfangen, am folgenden Tag übernahm Ervig
die
Regierung. Die Salbung wurde auf den folgenden Sonntag, den 21. Oktober,
verschoben.
Obwohl der Regierungswechsel anscheinend ohne Schwierigkeiten
von statten ging, scheint sich bald Widerstand gegen Ervig
geregt zu haben. Die Eile, mit der er innerhalb der ersten vier Wochen
seiner Regierung ein Reichskonzil einberief, das am 9. Januar 681 zusammenkam,
legt den Verdacht nahe, daß Ervig
glaubte, der kirchlichen Unterstützung zu bedürfen.
Als Gegenleistung für die vielfältigen Beschränkungen
der monarchischen Gewalt beschloß das Konzil einen Kanon zugunsten
des Königs. Die Familienangehörigen Ervigs,
seine Frau und seine Kinder, sollten für den Fall des Todes des Königs
geschützt werden. Es wurde verboten, sie zu verbannen, zu schlagen,
zu verstümmeln, zu enteignen oder sie zu Geistlichen zu scheren. Wenn
eine solche Bestimmung, die im Grunde nur die elementarsten Rechtsgarantien
enthielt, erlassen wurde, muß Ervig
für den Fall seines Todes das Schlimmste für seine Angehörigen
befürchtet haben. Seit 636 war keine vergleichbare Schutzbestimmung
erlassen worden.
Ein weiterer Kanon war dem Schutz der Königin gewidmet.
Nach dem Tode eines Herrschers durfte sie nicht zu einer neuen Ehe gezwungen
werden.
Die beiden königsfreundlichen Kanones enthüllen
durch ihre Schutzbestimmungen die bedrohte Lage Ervigs.
Der Herrscher, der mit den maßlosen Forderungen des Adels konfrontiert
wurde, muß sich in einer bedrohlichen Lage befunden haben. Vermutlich
vermochte er seine Herrschaft nur durch äußerste Nachgiebigkeit
zu bewahren. Mit einem Schlag waren alle Vorteile, die das Königtum
seit Chindasvinth errungen hatte, verloren
gegangen. Die Niederlage Ervigs war
weitaus schwerer als die Reccesvinths
653.
Eher dürfte eine Verbindung zur Hochzeit einer
Tochter Ervigs mit Egica,
einem Verwandten Wambas, bestehen,
deren Zeitpunkt allerdings unbekannt ist [127 683 waren einige Kinder
Ervigs
verheiratet, von anderen erwartete man eine baldige Eheschließung:
Conc. Tolet. XIII, c. 4, p. 420.].
Zweifellos handelte es sich um eine politische Heirat;
da Egica nach 687 seine Feindschaft
gegen Ervig offen bekundete, wird man
ihn schon früher für einen Gegner des Königs zu halten haben,
was ohnehin auf Grund seiner Verwandtschaft mit dem von
Ervig seiner Herrschaft beraubten Wamba
wahrscheinlich
ist. Die Eheverbindung dürfte den Zweck gehabt haben,
Egica an die Familie
Ervigs
zu binden und eine Aussöhnung mit der Familie Wambas
herbeizuführen.
Obwohl Ervig Söhne
besaß, erkor er seinen Schwiegersohn Egica
zu seinem Nachfolger. Vielleicht waren seine Söhne in unmündigem
Alter; es ist auch gut möglich, daß Ervig
unter einem starken Druck stand, da Egica
als Verwandter Wambas einigen Anhang
besessen haben dürfte. Der Thronwechsel vollzog sich, wie schon 680,
in der Form einer Designation. Als Ervig
tödlich erkrankte, "wählte" er Egica
zu seinem Nachfolger.
Am 14. November 687 erfolgte die Designation, am 15.
dankte
Ervig durch diie Annahme der letzten Buße
ab und befahl den Großen, mit Egica
nach Toledo zu ziehen. Da die Salbung erst am Sonntag, dem 24. November
erfolgte, muß sich der Hof in einiger Entfernung von Toledo aufgehalten
haben.
oo Liubigotona, Tochter des Königs Chindaswinth
†
Kinder:
Cixilane (Cixilo)
†
oo Egika König der Westgoten
† 15.11.702
Literatur:
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Claude, Dietrich: Adel, Kirche und Königtum
im Westgotenreich. Vorträge und Forschungen Sonderband 8, Jan Thorbecke
Verlag Sigmaringen 1971 Seite 166-177 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung.
Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt
1977 Seite 146,176 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum
Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover
2001 Seite 103 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 219 - Thiess Frank: Die griechischen
Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien
1959 Seite 665,727 -