Perdikkas II.                                   König von Makedonien (450-414/11 v.u.Z.)
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um 470 v.u.Z. 414/11 v.u.Z.
 

Sohn des Königs Alexander I. Philhellen von Makedonien aus dem Hause der ARGEADEN
 

Thiele, Andreas: Tafel 235
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

PERDIKKAS II.
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    wohl 412 v.u.Z.

Perdikkas II. war seit etwa 450 v.u.Z. König und setzte sich in jahrelangen Thronkriegen gegen seine Brüder Philipp I., Menelaos, Alketas II. und Amyntas durch, dehnte seine Herrschaft nach Thessalien und der Olympregion aus und unterwarf erneut die Fürsten von Elimeia, Orestis, Tymphaia, Lynkestis und Pelagonia. Er unterstützte 442 v.u.Z. die Einigung der Chalkidike unter der Führung von Olynthos, der erbitterten Gegnerstadt von Athen. Er schlug 428 v.u.Z. König Sitalkes zurück, der von Athen aufgehetzt worden war und sicherte damit die östlichen Gebiete bis zum Strymon und Teile von Mygdonien, das Olynth pfandweise abgetreten hatte (Raum Thessaloniki). Perdikkas II. etablierte Makedonien im Peloponnesischen Krieg mit ständiger Schaukelpolitik zu einer festen politischen Größe in Greichenland. Er schloß 431  v.u.Z. und 423 v.u.Z. Frieden mit Athen, verbündete sich jedoch bald darauf wieder mit Sparta, das häufiger Bündnispartner war, zumal sich diese beiden Staaten in Herrschaftsform und sozialer Struktur viel ähnlicher waren. Er verstärkte entscheidend die königliche Position. An seinem Hofe lebte jahrelang der "Vater der Medizin" Hippokrates.

  1. oo N.N., Sklavin
             

  2. oo KLEOPATRA I.
                

411 Mitregentin
(2. Ehe: oo ARCHELAOS I., 399 v.u.Z.)



Perdikkas II. betrieb während des Peloponnesischen Krieges eine geschickte Schaukelpolitik zwischen Athen und Sparta, um Makedoniens Stellung zu heben.

Bengtson Hermann: Seite 27-35
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"Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt."

Nachfolger Alexanders I. (etwa 495-450/40 v.u.Z.) war sein Sohn Perdikkas II., der von etwa 450/40 v.u.Z. bis gegen 413 v.u.Z. regiert hat. Er hatte vier Brüder, sie hießen Amyntas, Philippos, Alketas und Menelaos. Von ihnen hatte Philippos eine Teilherrschaft inne, sein Gebiet lag am unteren Axios. Es dürfte sich um Päonien, vielleicht mit Einschluß der Amphaxitis, gehandelt haben. Auch Alketas war Herrscher eines Teilreichs, doch ist sein Gebiet nicht bekannt. Von Amyntas und Menelaos berichten die Quellen keine Einzelheiten. Natürlich waren die Teilreiche einer Entwicklung Makedoniens zu einem geschlossenen Staat sehr hinderlich, da der König mehr oder weniger auf den guten Willen seiner Brüder angewiesen war. Man wundert sich daher nicht, wenn Perdikkas II. versucht hat, diesem Zustand ein Ende zu bereiten. Philippos wurde gezwungen, Makedonien zu verlassen, Alketas dagegen hat sich König Perdikkas II. unterstellt. Er scheint seine Teilherrschaft behalten zu haben, seinen Bruder, den König, hat er sogar noch überlebt.
Zunächst hatte König Perdikkas II. auf gutem Fuß mit den Athenern gestanden, doch dies änderte sich, als die Athener die makedonischen Teilfürsten Philippos und Derdas, den Herrscher von Eleimiotis, unterstützten. Beide suchten gegen den makedonischen König einen Rückhalt und fanden ihn an Athen. Und was tat Perdikkas II.? Er kam im Jahr 432 v.u.Z. der Stadt Potidäda auf der Chalkidike zu Hilfe, als diese von den Athenern abgefallen war. Auch die Bottiaier und die Chalkidier traten dem Bündnsi bei. Perdikkas ist es gewesen, der den Chalkidiern den Rat gegeben haben soll, sich in der Stadt Olynthos einen Mittelpunkt zu schaffen. Auf jeden Fall ist es ihm gelungen, ein Gegengewicht gegen die Expansion Athens im Norden der Ägäis zu schaffen. Die Kämpfe zwischen Makedonen und Athenern, die sogar bis nach Beroia vorgestoßen sind, brachten zwar keine Entscheidung, aber sie sind dadurch von Interesse, daß hier eine Landmacht mit einer Seemacht zusammengestoßen ist. Im übrigen ist das Bild des Perdikkas II. dadurch verdunkelt worden, daß man ihm sein Schwanken zwischen den Athenern und Spartanern im Peloponnesischen Krieg zum Vorwurf gemacht hat. Wer jedoch so urteilt, der übersieht, daß der makedonische König zuerst und vor allem die Interessen seines Landes und seiner Dynastie wahrnehmen mußte. In der Bedrängnis zwischen Athen und Sparta war es denn Perdikkas II. nicht anders möglich, als seine Fahne nach dem Wind zu drehen, um für sein Land das Beste zu erreichen. Dies ist ihm auch, alles in allem, gelungen: Er hat die territoriale Hoheit seines Landes gewahrt, er hat die Angriffe seiner Gegner abgewehrt, und er hat, wenn dies mit seinen Interessen vereinbar war, den Bundesgenossen wirksame Hilfe geleistet. Dabei wäre noch darauf hinzuweisen, daß er nach allem, was die Quellen berichten, über kein sehr großes Heer verfügte; für die Aktionen im Felde ka-men nur die Reiter in Betracht, und hier konnte Perdikkas auf den Leistungen seines Vorgängers aufbauen. Von einem leistungsfähigen Fußvolk in Makedonien ist noch nicht die Rede.
Gegenüber der Invasion der Thraker unter Sitalkes stand Perdikkas auf verlorenem Posten. Die Thraker eroberten die Ortschaften am Axios von Norden nach Süden, sie begannen mit Eidomene und gelangten bis Atalante - aber die thrakische Invasion mußte bereits vor dem Einbruch des Winters 429 v.u.Z. wieder abgebrochen werden, dauernde Eroberungen in Makedonien waren dem Thraker-König Sitalkes nicht vergönnt. Wie es scheint, ist zwischen Sitalkes und Perdikkas ein Ehebündnis geschlossen worden. Es mag sein, daß der Makedonen-König eine thrakische Fürsten-Tochter heiratete. Während des Peloponnesischen Krieges haben sowohl Athen als auch Sparta auf seine Hilfe großen Wert gelegt. Doch es gab für den Makedonen-König auch noch andere Schwierigkeiten. So hatte sich der Herrscher der Lynkestis mit Namen Arrhabaios dem Einfluß des Perdikkas zu entziehen versucht, und gerade auf diese Landschaft an der Westgrenze Makedoniens wollte Perdikkas am allerwenigsten verzichten. Die Zusammenarbeit mit dem spartanischen Feldherrn Brasidas war nicht immer ohne Schwierigkeiten. Im Jahre 423/22 v.u.Z. gelangte der Makedonen-König sogar zu einem Friedensschluß und zu einem Bündnis mit Athen, woran auch der Herrscher der Lynkestis Anteil hatte. Bereits im folgenden Jahr zerfiel das Bündnis mit Athen.
Perdikkas II. starb, wahrscheinlich im Jahre 413 v.u.Z., als der Krieg in Hellas wieder entbrannt war. Wenn man die Persönlichkeit des Perdikkas zutreffend beurteilen will, so darf man sich nicht ausschließlich an griechischen Quellen orientieren. Perdikkas muß vor allem als König der Makedonen beurteilt werden. Er ist sicher keine überragende Persönlichkeit, aber er war ein guter Diplomat, in allen Winkelzügen der antiken Staatskunst bewandert. Den Wechsel von einer Koalition zur anderen wird man ihm nicht verargen, denn wenn er sich und sein Land erhalten wollte, so blieb ihm nichts anderes übrig, als den Pressionen der Großmächte Athen und Sparta nachzugeben, wenn er nur nicht aus seinem Stammland vertrieben wurde. Aber daran hatten beide kein Interesse; was sie wollten, war seine Hilfe bei kriegerischen Aktionen am Rande der nördlichen Ägäis. Natürlich hatte der König, ebenso wie seine Vorgänger, an der griechischen Bildung Anteil. So wird es kein Zufall sein, wenn der berühmte Arzt Hippokrates von Kos an seinem Hof geweilt hat. Perdikkas wird ihn wegen seiner Gesundheit konsultiert und entsprechend belohnt haben. Auch ein Dichter namens Melanippos wurde nach Pella berufen, er soll in Makedonien gestorben sein.
 
 
 
 

  1. oo Simiche (Sklavin)
               

  2. oo 1. Kleopatra I.
                     nach 390 v.u.Z.

          2. oo Archelaos I. König von Makedonien
                         399 v.u.Z.
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Archelaos I.
       399 v.u.Z. ermordet

2. Ehe

  Amyntas
       um 411 v.u.Z. ermordet

  Er wurde 7-jährig vom Halbbruder ermordet.
 
 
 
 

Literatur:
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Bamm Peter: Alexander der Große. Ein königliches Leben. Droemersche Verlagsanstalt AG Zürich 1968 Seite 40 - Bengtson Hermann: Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 20,22,27-35 - Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Primus Verlag 1998 Band I Seite 53 - Errington Malcolm: Geschichte Makedoniens. C.H. Beck Verlag München 1986 Seite 15,23,25,30,201 -Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 235 -