Sohn des Königs Alexander
I. Philhellen von Makedonien aus
dem Hause der ARGEADEN
Thiele, Andreas: Tafel 235
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
PERDIKKAS II.
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†
wohl 412 v.u.Z.
Perdikkas II. war seit etwa 450 v.u.Z. König und setzte sich in jahrelangen Thronkriegen gegen seine Brüder Philipp I., Menelaos, Alketas II. und Amyntas durch, dehnte seine Herrschaft nach Thessalien und der Olympregion aus und unterwarf erneut die Fürsten von Elimeia, Orestis, Tymphaia, Lynkestis und Pelagonia. Er unterstützte 442 v.u.Z. die Einigung der Chalkidike unter der Führung von Olynthos, der erbitterten Gegnerstadt von Athen. Er schlug 428 v.u.Z. König Sitalkes zurück, der von Athen aufgehetzt worden war und sicherte damit die östlichen Gebiete bis zum Strymon und Teile von Mygdonien, das Olynth pfandweise abgetreten hatte (Raum Thessaloniki). Perdikkas II. etablierte Makedonien im Peloponnesischen Krieg mit ständiger Schaukelpolitik zu einer festen politischen Größe in Greichenland. Er schloß 431 v.u.Z. und 423 v.u.Z. Frieden mit Athen, verbündete sich jedoch bald darauf wieder mit Sparta, das häufiger Bündnispartner war, zumal sich diese beiden Staaten in Herrschaftsform und sozialer Struktur viel ähnlicher waren. Er verstärkte entscheidend die königliche Position. An seinem Hofe lebte jahrelang der "Vater der Medizin" Hippokrates.
1. oo N.N., Sklavin
†
2. oo KLEOPATRA
I.
†
411 Mitregentin
(2. Ehe: oo ARCHELAOS
I., † 399 v.u.Z.)
Bengtson Hermann: Seite 27-35
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"Philipp und Alexander der Große. Die Begründer
der hellenistischen Welt."
Nachfolger Alexanders I.
(etwa 495-450/40 v.u.Z.) war sein Sohn Perdikkas
II., der von etwa 450/40 v.u.Z. bis gegen 413 v.u.Z. regiert
hat. Er hatte vier Brüder, sie hießen Amyntas,
Philippos,
Alketas
und Menelaos. Von ihnen hatte Philippos
eine
Teilherrschaft inne, sein Gebiet lag am unteren Axios. Es dürfte sich
um Päonien, vielleicht mit Einschluß der Amphaxitis, gehandelt
haben. Auch Alketas war Herrscher eines
Teilreichs, doch ist sein Gebiet nicht bekannt. Von Amyntas
und Menelaos berichten die Quellen
keine Einzelheiten. Natürlich waren die Teilreiche einer Entwicklung
Makedoniens zu einem geschlossenen Staat sehr hinderlich, da der König
mehr oder weniger auf den guten Willen seiner Brüder angewiesen war.
Man wundert sich daher nicht, wenn Perdikkas II.
versucht
hat, diesem Zustand ein Ende zu bereiten. Philippos
wurde gezwungen, Makedonien zu verlassen, Alketas
dagegen hat sich König Perdikkas II.
unterstellt. Er scheint seine Teilherrschaft behalten zu haben, seinen
Bruder, den König, hat er sogar noch überlebt.
Zunächst hatte König
Perdikkas II. auf gutem Fuß mit den Athenern gestanden,
doch dies änderte sich, als die Athener die makedonischen Teilfürsten
Philippos und Derdas, den Herrscher von Eleimiotis, unterstützten.
Beide suchten gegen den makedonischen König einen Rückhalt und
fanden ihn an Athen. Und was tat Perdikkas II.?
Er kam im Jahr 432 v.u.Z. der Stadt Potidäda auf der Chalkidike zu
Hilfe, als diese von den Athenern abgefallen war. Auch die Bottiaier und
die Chalkidier traten dem Bündnsi bei. Perdikkas
ist es gewesen, der den Chalkidiern den Rat gegeben haben soll, sich in
der Stadt Olynthos einen Mittelpunkt zu schaffen. Auf jeden Fall ist es
ihm gelungen, ein Gegengewicht gegen die Expansion Athens im Norden der
Ägäis zu schaffen. Die Kämpfe zwischen Makedonen und Athenern,
die sogar bis nach Beroia vorgestoßen sind, brachten zwar keine Entscheidung,
aber sie sind dadurch von Interesse, daß hier eine Landmacht mit
einer Seemacht zusammengestoßen ist. Im übrigen ist das Bild
des Perdikkas II. dadurch verdunkelt
worden, daß man ihm sein Schwanken zwischen den Athenern und Spartanern
im Peloponnesischen Krieg zum Vorwurf gemacht hat. Wer jedoch so urteilt,
der übersieht, daß der makedonische König zuerst und vor
allem die Interessen seines Landes und seiner Dynastie wahrnehmen mußte.
In der Bedrängnis zwischen Athen und Sparta war es denn Perdikkas
II. nicht anders möglich, als seine Fahne nach dem Wind
zu drehen, um für sein Land das Beste zu erreichen. Dies ist ihm auch,
alles in allem, gelungen: Er hat die territoriale Hoheit seines Landes
gewahrt, er hat die Angriffe seiner Gegner abgewehrt, und er hat, wenn
dies mit seinen Interessen vereinbar war, den Bundesgenossen wirksame Hilfe
geleistet. Dabei wäre noch darauf hinzuweisen, daß er nach allem,
was die Quellen berichten, über kein sehr großes Heer verfügte;
für die Aktionen im Felde ka-men nur die Reiter in Betracht, und hier
konnte Perdikkas auf den Leistungen
seines Vorgängers aufbauen. Von einem leistungsfähigen Fußvolk
in Makedonien ist noch nicht die Rede.
Gegenüber der Invasion der Thraker unter Sitalkes
stand Perdikkas auf verlorenem Posten.
Die Thraker eroberten die Ortschaften am Axios von Norden nach Süden,
sie begannen mit Eidomene und gelangten bis Atalante - aber die thrakische
Invasion mußte bereits vor dem Einbruch des Winters 429 v.u.Z. wieder
abgebrochen werden, dauernde Eroberungen in Makedonien waren dem Thraker-König
Sitalkes
nicht vergönnt. Wie es scheint, ist zwischen Sitalkes
und Perdikkas ein Ehebündnis geschlossen
worden. Es mag sein, daß der Makedonen-König eine thrakische
Fürsten-Tochter heiratete. Während des Peloponnesischen Krieges
haben sowohl Athen als auch Sparta auf seine Hilfe großen Wert gelegt.
Doch es gab für den Makedonen-König auch noch andere Schwierigkeiten.
So hatte sich der Herrscher der Lynkestis mit Namen Arrhabaios
dem Einfluß des Perdikkas zu
entziehen versucht, und gerade auf diese Landschaft an der Westgrenze Makedoniens
wollte Perdikkas am allerwenigsten
verzichten. Die Zusammenarbeit mit dem spartanischen Feldherrn Brasidas
war
nicht immer ohne Schwierigkeiten. Im Jahre 423/22 v.u.Z. gelangte der Makedonen-König
sogar zu einem Friedensschluß und zu einem Bündnis mit Athen,
woran auch der Herrscher der Lynkestis Anteil hatte. Bereits im folgenden
Jahr zerfiel das Bündnis mit Athen.
Perdikkas II. starb,
wahrscheinlich
im Jahre 413 v.u.Z., als der Krieg in Hellas wieder entbrannt war.
Wenn man die Persönlichkeit des Perdikkas
zutreffend beurteilen will, so darf man sich nicht ausschließlich
an griechischen Quellen orientieren. Perdikkas
muß vor allem als König der Makedonen beurteilt werden. Er ist
sicher keine überragende Persönlichkeit, aber er war ein guter
Diplomat, in allen Winkelzügen der antiken Staatskunst bewandert.
Den Wechsel von einer Koalition zur anderen wird man ihm nicht verargen,
denn wenn er sich und sein Land erhalten wollte, so blieb ihm nichts anderes
übrig, als den Pressionen der Großmächte Athen und Sparta
nachzugeben, wenn er nur nicht aus seinem Stammland vertrieben wurde. Aber
daran hatten beide kein Interesse; was sie wollten, war seine Hilfe bei
kriegerischen Aktionen am Rande der nördlichen Ägäis. Natürlich
hatte der König, ebenso wie seine Vorgänger, an der griechischen
Bildung Anteil. So wird es kein Zufall sein, wenn der berühmte
Arzt Hippokrates von Kos an seinem Hof geweilt hat. Perdikkas
wird
ihn wegen seiner Gesundheit konsultiert und entsprechend belohnt haben.
Auch ein Dichter namens Melanippos wurde nach Pella berufen, er
soll in Makedonien gestorben sein.
1. oo Simiche (Sklavin)
†
2. oo 1. Kleopatra I.
† nach 390 v.u.Z.
2. oo Archelaos I. König von Makedonien
† 399 v.u.Z.
Kinder:
1. Ehe
Archelaos I.
†
399 v.u.Z. ermordet
2. Ehe
Amyntas
†
um
411 v.u.Z. ermordet
Er wurde 7-jährig vom Halbbruder ermordet.
Literatur:
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Bamm Peter: Alexander der Große. Ein königliches
Leben. Droemersche Verlagsanstalt AG Zürich 1968 Seite 40 - Bengtson
Hermann: Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der
hellenistischen Welt. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 20,22,27-35
- Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Primus Verlag
1998 Band I Seite 53 - Errington Malcolm: Geschichte Makedoniens.
C.H. Beck Verlag München 1986 Seite 15,23,25,30,201 -Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 235 -