Illegitimer Sohn des Königs Perdikkas
II. von Makedonien aus dem Hause der ARGEADEN
von der Sklavin Simiche
Thiele, Andreas: Tafel 235
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
ARCHELAOS I. "PHILHELLEN"
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† 399
v.u.Z. ermordet
Archelaos I. Philhellen folgte dem Vater und war zuerst nur Regent für den Halbbruder und Stiefsohn Amyntas, den er um 411 v.u.Z. beseitigen ließ. Er galt wegen seiner Mutter als unehelich und mußte sich blutig den Weg zum Thron bahnen (Mörder seiner Onkel Alketas II. und Amyntas und seines Stiefsohnes). Er schloß einen Handelsvertrag mit Athen, machte Pella zur Residenz, eroberte Pydna zurück und unterwarf in etlichen Feldzügen die abgefallenen Randprovinzen. Er baute das Heerwesen aus, erschloß das Land mit Straßen und neuen Städten und Burgen und förderte das Griechische.
1. oo N.N.
†
2. oo KLEOPATRA
I., Stiefmutter, Mitregentin
† nach 390 v.u.Z.
Bengtson Hermann: Seite 21,36-37
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"Philipp und Alexander der Große. Die Begründer
der hellenistischen Welt."
Auf sicheren Boden gelangen wir mit Archelaos,
er hat von 413 v.u.Z. bis 399 v.u.Z. regiert. Er ist einem Mordanschlag
zum Opfer gefallen. Sein Sohn mit Namen Orestes
saß nur drei Jahre auf seinem angestammten Thron, wahrscheinlich
von 399 v.u.Z. bis 396 v.u.Z. Nach ihm kam Aeropos
II., der auch nur kurze Zeit regiert hat, von 396 v.u.Z. bis
393 v.u.Z., vorher war er Vormund des unmündigen Orestes
gewesen, eine Tatsache, die quellenmäßig gut bezeugt ist. Es
mag sein, daß Orestes in seiner
Regierung niemals mündig geworden ist. Pausanias,
der Sohn des Aeropos, hat nur ein einziges
Jahr regiert (393 v.u.Z.-392 v.u.Z.).
Mit dem Namen des Königs Archelaos
beginnt in Makedonien eine neue Zeit. Man hatte es ihm nicht vorausgesagt,
daß er jemals den Thron besteigen würde. Denn sein Vater und
Vorgänger Perdikkas II. hatte
noch einen anderen Sohn, der nach seinem Willen sein Nachfolger werden
sollte, aber er war beim Tode des Vaters erst sieben Jahre alt, und dies
war für den tatkräftigen und rücksichtslosen Archelaos
der Grund, nicht nur den jungen Prinzen (dessen Namen wir nicht kennen),
sondern auch seinen Oheim Alketas und
dessen
Sohn Alexander ins Reich der Schatten
zu senden. Mag sein, daß Perdikkas II.
den Archelaos zum Vormund für
den jungen unmündigen Prinzen bestimmt hatte - aber darüber
steht in den Quellen kein Wort. Auch Archelaos
I. war ein Sohn des Perdikkas II.,
aber seine Mutter soll eine Sklavin namens Simiche gewesen sein.
Er war jedenfalls nicht nachfolgeberechtigt und hat sich den Weg auf den
Thron durch blutigen Mord gebahnt. Für die Zustände am makedonischen
Hof sind die Ereignisse sehr charakteristisch: Wer in Makedonien herrschen
wollte, durfte vor Gewalt und Mord nicht zurückschrecken. Es gibt
Gelehrte, die wie Ulrich Koehler an der Geschichtlichkeit dieser
Ereignisse zweifeln, aber dazu liegt kein Grund vor, sie passen so gut
zu der Mentalität der makedonischen Könige, daß sie schwerlich
erfunden sein können.
Archelaos war ein
Mann, der als Herrscher und als Persönlichkeit die Aufmerksamkeit
der Griechen, und unter ihnen insbesondere des Geschichtsschreibers
Thukydides auf sich gezogen hat. Dieser hat den Zustand Makedoniens
mit folgenden Worten charakterisiert: "Früher gab es nicht viele ummauerte
Orte in Makedonien, später erbaute jedoch der König Archelaos,
der Sohn des Perdikkas; diese ummauerten
Plätze, wie man sie jetzt findet im Lande, er ließ gerade Landstraßen
ziehen, und auch in allen anderen Dingen traf er die besten Vorbereitungen
für kriegerischen Unternehmungen durch Aufstellung eines Reiterkorps,
durch Waffen und die nötige Rüstung, die größer war
als die aller acht Könige vor ihm." Thukydides' Zeugnis ist
ohne Zweifel ein wertvoller Beleg für die Aktivitäten des Archelaos,
und dies um so mehr, weil er von einem Zeitgenossen des Königs stammt,
der diesen vielleicht sogar persönlich gekannt hat. Man wird Thukydides'
Worte doch wohl so verstehen, daß Archelaos
die Wehrhaftigkeit seines Volkes auf vielen Gebieten gehoben hat. Er wollte
nicht mehr zulassen, daß Makedonien das Ziel von Raubzügen fremder
Feinde bildete, wie dies die Invasion der Thraker unter Sitalkes
gezeigt hatte. Wichtig war auch die Aufstellung einer schlagkräftigen
Reiterei: Sie war in der Tat von großer Bedeutung, denn sie allein
konnte im Falle einer fremden Invasion rasch zur Stelle sein. Die Stunde
des Fußvolkes war noch nicht gekommen. Natürlich hat eine Infanterie
auch schon unter Archelaos existiert,
aber sie kam für weitausgreifende Operationen nicht in Betracht. Die
Aufrüstung Makedoniens konnte nur durchgeführt werden, wenn man
die entsprechenden Voraussetzungen schuf, und diese bestanden vor allem
in zwei Dingen: in der Erfassung der für den Wehrdienst Geeigneten
und in der Übung der Soldaten. Von einem stehenden Heer war natürlich
nicht die Rede, ein stehendes Heer hatten auch die griechischen Gemeindestaaten
nicht, sie zogen in jener Zeit in immer größeren Umfang Söldner
heran, eine Entwicklung, die besonders im 4. Jahrhundert v.Chr. fortgeführt
worden ist. Von Söldnern verlautet unter Archelaos
in Makedonien nichts, und dies kann nur bedeuten, daß der König
imstande war, den Bedarf für sein Heer durch Landeskinder zu decken.
Und wenn dies so ist, so wird man um die Annahme einer Art von Stammrolle
schwerlich herumkommen, auch muß es Beauftragte für die einzelnen
Aushebungsbezirke gegeben haben.
Seit der Schaffung der Pezhetairen, der Hetairen zu Fuß,
unter Alexander I. Philhellen war dies
die bedeutednste Heeresreform, die Makedonien erlebt hat. Sie war längst
notwendig gewesen, aber man hatte sie, wahrscheinlich aus wirtschaftlichen
Gründen, nicht durchgeführt. Mauerbau, Straßenbau und die
Aufstellung einer leistungsfähigen Reiterei kosteten viel Geld. Wenn
dem König auch reiche Einnahmen aus dem Abbau der Edelmetalle in den
Bergwerken zuflossen, so werden diese kaum ausgereicht haben, um die Wehrkraft
Makedoniens entscheidend zu heben - noch wichtiger waren die Handelsüberschüsse,
die durch die Ausfuhr von Holz und Pech aus Makedonien erzielt wurden.
Und man kann sich kaum vorstellen, daß Archelaos
ohne die Hilfe griechischer Spezialisten im Bergbau und im Handel ausgekommen
ist.
Der Mörder des Archelaos,
der Makedone Krateuas, konnte sich seiner Tat nur wenige Tage erfreuen,
dann wurde er beseitigt, und es liegt wohl nahe, daß die makedonische
Heeresversammlung mit ihm nichts zu tun haben wollte.
1. oo NN
†
414/11 v.u.Z.
2. oo 2. Kleopatra, Witwe seines Vaters
um 435 v.u.Z.
† nach 390 v.u.Z.
Kinder:
1. Ehe
Amyntas II. der Kleine
†
um
390 v.u.Z. ermordet
2. Ehe
Orestes König (400/399-397/96 v.u.Z.)
†
396 v.u.Z. ermordet
Er folgte seinem Vater in der Regierung. Er dürfte noch nicht volljährig gewesen sein, denn ihm wurde als Vormund und Reichsverweser Aeropos zur Seite gestellt. Dieser hat einige Zeit regiert, dies zeigen die von ihm geprägten Münzen (während von Orestes keine Münzen erhalten sind).
Tochter
†
oo Amyntas II. der Kleine
† um 390 v.u.Z. ermordet
Literatur:
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Bengtson Hermann: Philipp und Alexander der Große.
Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs Verlag
München 1997 Seite 21,36-37 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 235 -