Archelaos I. Philhellen                   König von Makedonien (414/11-399 v.u.Z.)
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      399 v.u.Z. ermordet
 

Illegitimer Sohn des Königs Perdikkas II. von Makedonien aus dem Hause der ARGEADEN von der Sklavin Simiche
 

Thiele, Andreas: Tafel 235
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

ARCHELAOS I. "PHILHELLEN"
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    † 399 v.u.Z. ermordet

Archelaos I. Philhellen folgte dem Vater und war zuerst nur Regent für den Halbbruder und Stiefsohn Amyntas, den er um 411 v.u.Z. beseitigen ließ. Er galt wegen seiner Mutter als unehelich und mußte sich blutig den Weg zum Thron bahnen (Mörder seiner Onkel Alketas II. und Amyntas und seines Stiefsohnes). Er schloß einen Handelsvertrag mit Athen, machte Pella zur Residenz, eroberte Pydna zurück und unterwarf in etlichen Feldzügen die abgefallenen Randprovinzen. Er baute das Heerwesen aus, erschloß das Land mit Straßen und neuen Städten und Burgen und förderte das Griechische.

  1. oo N.N.
              

  2. oo KLEOPATRA I., Stiefmutter, Mitregentin
                 nach 390 v.u.Z.



Archelaos I. Philhellen setzte die von Alexander I. begonnene Heeresreform fort, indem er die Adelsreiterei der "Gefährten" (Hetairen) des Königs mit der Phalanx des Fußvolks, den "Gefährten zu Fuß" (Pezhetairen), verband und damit die Grundlage der makedonischen Militärmacht legte. Durch eine Neuordnung der Verwaltung, Förderung des Städtewesens und durch Straßenbau festigte er die inneren Verhältnisse des Landes. Der Zugang zur See wurde durch Unterwerfung der griechischen Hafenstadt Pydna an der Westküste des Golfs von Thessalonike erreicht, und damit konnte auch in Thessalien politisch Einfluß gewonnen werden. Er befreite Makedonien aus der naturalwirtschaftlichen Isolierung (Ausbau des Handels und Verkehrs, Angleichung der Währung an die persische) und stellte kulturelle Verbindungen mit Griechenland her. Er verlegte die Hauptstadt von Aigai nach Pella (Küstennähe), wo er einen Kreis griechischer Dichter und Künstler um sich sammelte. Er wurde von seinem Günstling Krateros auf der Jagd getötet.

Bengtson Hermann: Seite 21,36-37
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"Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt."

Auf sicheren Boden gelangen wir mit Archelaos, er hat von 413 v.u.Z. bis 399 v.u.Z. regiert. Er ist einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Sein Sohn mit Namen Orestes saß nur drei Jahre auf seinem angestammten Thron, wahrscheinlich von 399 v.u.Z. bis 396 v.u.Z. Nach ihm kam Aeropos II., der auch nur kurze Zeit regiert hat, von 396 v.u.Z. bis 393 v.u.Z., vorher war er Vormund des unmündigen Orestes gewesen, eine Tatsache, die quellenmäßig gut bezeugt ist. Es mag sein, daß Orestes in seiner Regierung niemals mündig geworden ist. Pausanias, der Sohn des Aeropos, hat nur ein einziges Jahr regiert (393 v.u.Z.-392 v.u.Z.).
Mit dem Namen des Königs Archelaos beginnt in Makedonien eine neue Zeit. Man hatte es ihm nicht vorausgesagt, daß er jemals den Thron besteigen würde. Denn sein Vater und Vorgänger Perdikkas II. hatte noch einen anderen Sohn, der nach seinem Willen sein Nachfolger werden sollte, aber er war beim Tode des Vaters erst sieben Jahre alt, und dies war für den tatkräftigen und rücksichtslosen Archelaos der Grund, nicht nur den jungen Prinzen (dessen Namen wir nicht kennen), sondern auch seinen Oheim Alketas und dessen Sohn Alexander ins Reich der Schatten zu senden. Mag sein, daß Perdikkas II. den Archelaos zum Vormund für den jungen unmündigen Prinzen bestimmt hatte - aber darüber steht in den Quellen kein Wort. Auch Archelaos I. war ein Sohn des Perdikkas II., aber seine Mutter soll eine Sklavin namens Simiche gewesen sein. Er war jedenfalls nicht nachfolgeberechtigt und hat sich den Weg auf den Thron durch blutigen Mord gebahnt. Für die Zustände am makedonischen Hof sind die Ereignisse sehr charakteristisch: Wer in Makedonien herrschen wollte, durfte vor Gewalt und Mord nicht zurückschrecken. Es gibt Gelehrte, die wie Ulrich Koehler an der Geschichtlichkeit dieser Ereignisse zweifeln, aber dazu liegt kein Grund vor, sie passen so gut zu der Mentalität der makedonischen Könige, daß sie schwerlich erfunden sein können.
Archelaos war ein Mann, der als Herrscher und als Persönlichkeit die Aufmerksamkeit der Griechen, und unter ihnen insbesondere des Geschichtsschreibers Thukydides auf sich gezogen hat. Dieser hat den Zustand Makedoniens mit folgenden Worten charakterisiert: "Früher gab es nicht viele ummauerte Orte in Makedonien, später erbaute jedoch der König Archelaos, der Sohn des Perdikkas; diese ummauerten Plätze, wie man sie jetzt findet im Lande, er ließ gerade Landstraßen ziehen, und auch in allen anderen Dingen traf er die besten Vorbereitungen für kriegerischen Unternehmungen durch Aufstellung eines Reiterkorps, durch Waffen und die nötige Rüstung, die größer war als die aller acht Könige vor ihm." Thukydides' Zeugnis ist ohne Zweifel ein wertvoller Beleg für die Aktivitäten des Archelaos, und dies um so mehr, weil er von einem Zeitgenossen des Königs stammt, der diesen vielleicht sogar persönlich gekannt hat. Man wird Thukydides' Worte doch wohl so verstehen, daß Archelaos die Wehrhaftigkeit seines Volkes auf vielen Gebieten gehoben hat. Er wollte nicht mehr zulassen, daß Makedonien das Ziel von Raubzügen fremder Feinde bildete, wie dies die Invasion der Thraker unter Sitalkes gezeigt hatte. Wichtig war auch die Aufstellung einer schlagkräftigen Reiterei: Sie war in der Tat von großer Bedeutung, denn sie allein konnte im Falle einer fremden Invasion rasch zur Stelle sein. Die Stunde des Fußvolkes war noch nicht gekommen. Natürlich hat eine Infanterie auch schon unter Archelaos existiert, aber sie kam für weitausgreifende Operationen nicht in Betracht. Die Aufrüstung Makedoniens konnte nur durchgeführt werden, wenn man die entsprechenden Voraussetzungen schuf, und diese bestanden vor allem in zwei Dingen: in der Erfassung der für den Wehrdienst Geeigneten und in der Übung der Soldaten. Von einem stehenden Heer war natürlich nicht die Rede, ein stehendes Heer hatten auch die griechischen Gemeindestaaten nicht, sie zogen in jener Zeit in immer größeren Umfang Söldner heran, eine Entwicklung, die besonders im 4. Jahrhundert v.Chr. fortgeführt worden ist. Von Söldnern verlautet unter Archelaos in Makedonien nichts, und dies kann nur bedeuten, daß der König imstande war, den Bedarf für sein Heer durch Landeskinder zu decken. Und wenn dies so ist, so wird man um die Annahme einer Art von Stammrolle schwerlich herumkommen, auch muß es Beauftragte für die einzelnen Aushebungsbezirke gegeben haben.
Seit der Schaffung der Pezhetairen, der Hetairen zu Fuß, unter Alexander I. Philhellen war dies die bedeutednste Heeresreform, die Makedonien erlebt hat. Sie war längst notwendig gewesen, aber man hatte sie, wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Gründen, nicht durchgeführt. Mauerbau, Straßenbau und die Aufstellung einer leistungsfähigen Reiterei kosteten viel Geld. Wenn dem König auch reiche Einnahmen aus dem Abbau der Edelmetalle in den Bergwerken zuflossen, so werden diese kaum ausgereicht haben, um die Wehrkraft Makedoniens entscheidend zu heben - noch wichtiger waren die Handelsüberschüsse, die durch die Ausfuhr von Holz und Pech aus Makedonien erzielt wurden. Und man kann sich kaum vorstellen, daß Archelaos ohne die Hilfe griechischer Spezialisten im Bergbau und im Handel ausgekommen ist.
Der Mörder des Archelaos, der Makedone Krateuas, konnte sich seiner Tat nur wenige Tage erfreuen, dann wurde er beseitigt, und es liegt wohl nahe, daß die makedonische Heeresversammlung mit ihm nichts zu tun haben wollte.
 
 
 
 

  1. oo NN
              

 414/11 v.u.Z.
  2. oo 2. Kleopatra, Witwe seines Vaters
               um 435 v.u.Z. nach 390 v.u.Z.
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Amyntas II. der Kleine
         um 390 v.u.Z. ermordet

2. Ehe

  Orestes König (400/399-397/96 v.u.Z.)
        396 v.u.Z. ermordet

Er folgte seinem Vater in der Regierung. Er dürfte noch nicht volljährig gewesen sein, denn ihm wurde als Vormund und Reichsverweser Aeropos zur Seite gestellt. Dieser hat einige Zeit regiert, dies zeigen die von ihm geprägten Münzen (während von Orestes keine Münzen erhalten sind).

  Tochter
     

  oo Amyntas II. der Kleine
            um 390 v.u.Z. ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Bengtson Hermann: Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs  Verlag München 1997 Seite 21,36-37 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 235 -