Begraben: Gastriakloster
Tochter des Turmarchen Marinus und der Theoktiste
Phlorina
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 632
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Theodora II., Kaiserin
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* ca. 815, nach
867
Ebissa/Paphlagonien
Tochter eines Drungarios oder Turmarches Marinos und der Theoktiste Phlorina
Begraben: Gastriakloster
oo Juni 830 Kaiser Theophilos
Fünf Töchter:
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Thekla
Anna
Anastasia
Pulcheria
Maria
Zwei Söhne:
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Konstantin
Michael
Nach dem Tod Theophilos (20.
Januar 842) war Theodora II. Regentin
für den noch minderjährigen Michael
III. Ihre Herrschaft, in der Politik maßgeblich durch
den Logotheten Theoktistos bestimmt, war gekennzeichnet von
innerer Stabilität und außenpolitischen und militärischen
Erfolgen gegen die Araber. 843 wurde eine Synode einberufen, die das
Konzil von Nikaia von 787 bestätigte und den Bilderkult offiziell
wiederherstellete (11. März); der erste Fastensonntag wird seither
in der orthodoxen Kirche als "Sonntag der Orthodoxie" gefeiert. Am 20.
November 855 übernahm Michael,
beeinflußt von Theodoras II. BruderBardas,
selbst die Macht; Theokristos wurde ermordet. Theodora
II. wurde am 15. März 856 offiziell abgesetzt, 858
in das Gastriakloster geschickt, einige Jahre später aber wohl wieder
aus der Haft freigelassen und mit einer Funktion bei Hofe ausgestattet.
Führte 842-856 die Regierung für ihren SohnMichael
III. (842-867). Unter ihr
tagte 843 in Konstantinopel eine Synode, die endgültig die Bilderverherung
in der orthodoxen Kirche akpzeptierte.
THEOPHILOS
"DER ARABERFREUND"
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842
830
oo THEODORA, Tochter eines Marinos
867
Die Schwester des Regenten Bardas; will
ihn 858 ermorden und muß deshalb den Schleier nehmen; war seit 842
Mitregentin
für ihren Sohn
Norwich John Julius: Band II Seite 73-77
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Nach fünf Töchtern hatte
Theodora einen Sohn zur Welt gebracht, der den NamenKonstantin
erhielt, doch dieser starb noch als Säugling.
Theophilos bestimmte deshalb Alexios
zum Nachfolger. Dieser Cäsar blieb solange potentieller Erbe, bis
Theodora
840 nach 20 Jahren Ehe zu aller Überraschung dem künftigen
Michael
III. das Leben schenkte.
Während Theophilos'
Herrschaft soll seine Frau Theodora
eines Tages vom Hofnarren Denderis dabei überrascht worden
sein, wie sie Heiligenbilder küßte, die sie in ihrem Schlafzimmer
versteckt hielt. Dabei habe sie ihre Verwirrung verborgen, so gut es ging,
und erklärt, sie habe lediglich mit ein paar Puppen gespielt, die
noch aus ihrer Jugendzeit stammten. Es ist unwahrscheinlich, dass ihr Denderis
glaubte. Jedenfalls berichtete er dem Kaiser davon. Dieser bekam daraufhin
einen Tobsuchtsanfall und beschuldigte sie der Götzenanbetung. Diesmal
gab Theodora eine neue Erklärung
ab: Es seien keine Puppen gewesen; Denderis habe sich von ihrem
eigenen und dem Spiegelbild einiger Hofdamen täuschen lassen.
Theophilos ließ sich anscheinend ebenfalls täuschen
- Spiegel waren im 9. Jahrhundert eine Seltenheit, und so mag ihre Erklärung
damals weniger weithergeholt geklungen haben, als dies heute der Fall wäre.
Einige Zweifel sind ihm offenbar jedoch geblieben, fragte er doch einige
Zeit später den Narren, ob er das seltsame Gebaren seiner Frau etwa
noch einmal beobachtet habe. "Pssst", soll Denderis mit dem einem
Finger an den Lippen geantwortet und dem Kaiser mit der anderen Hand einen
Klaps auf das Hinterteil gegeben haben, "pst, Kaiser - kein Wort über
die Puppen!"
Dies ist eine alberne kleine Geschichte und vermutlich
eine erfundene obendrein. Sie illustrierte jedoch Theodoras
wichtigstes Anliegen, als sie nach dem Tod ihres Mannes als Regentin
für ihren zweijährigen Sohn die Herrschaft übernahm, den
Ikonoklasmus im ganzen Reich auszurotten. Theodora
verhielt sich klüger als die Kaiserin
Irene. Außerdem nutzte sie den Umstand, dass ihr drei
außergewöhnlich fähige Männer als Berater zur Seite
standen: ihr Onkel Sergios Niketiates, ihr Bruder Bardas
und
der Logothet des Dromos Theoktistos. Die vier schmiedeten
ihre Pläne sorgfältig und ließen ankündigen, Anfang
März 843, also vierzehn Monate nach dem Tod von Kaiser
Theophilos,
werde ein Konzil einberufen.
Bald nachdem die Ikonen wieder zu Ehren gekommen waren,
gelang es dem Logotheten Theoktistos, seine beiden Kollegen
zu verdrängen. In den folgenden dreizehn Jahren stand er besonders
in Theodoras
Gunst und hatte gemeinsam
mit ihr die Herrschaft inne. Am 20. November 855 wurde Theoktistos
von Bardas, dem Bruder der Kaiserin
Theodora, mit dem Einverständnis von Kaiser
Michael
III., ermordet. Mit dem Tod von Thektistos ging auch
Theodoras
Macht zu Ende. Sie lebte zwar vorläufig weiterhin im Kaiserpalast,
hatte aber keinen Einfluß mehr auf den Gang der Dinge.
Eine Gelegenheit ergab sich einige Monate später,
als Michael II., der Theodora
immer
weniger traute, schließlich entschied, sie mitsamt ihren unverheirateten
Schwestern kurzerhand in das nahe Karianoskloster zu verfrachten.
Um sicherzugehen, dass sie dort auch blieben, wollte er sie außerdem
kahlscheren lassen. Patriarch Ignatios weigerte sich aber schlankweg,
diese Maßnahme auszuführen, als man ihn dazu aufforderte, was
zu seiner Entmachtung führte.
Nach der Ermordung ihres Sohnes, dessen verstümmelter
Leib in eine Pferdedecke gehüllt war, durfte sie mit ihren Töchtern
das Kloster verlassen und den Ermordeten betrauern.
Browning Robert: Seite 60-62
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"Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des
Byzantinischen Weltreiches."
842 starb Theophilos,
die Regentschaft für seinen minderjährigen Sohn Michael
III. übernahm die Mutter, Kaiserin
Theodora.
Sie war keine zweite Irene;
Theodora
stützte sich auf den Rat von Verwandten bzw. hohen Beamten, stand
dem Ikonoklasmus aber sehr kritisch gegenüber. Auf Veranlassung des
Staatsrats, dem auch ihre Brüder Bardas und Petronas
angehörten, sowie Theoktistos, ein erfahrener Minister, ließ
TheodoraJohannes
absetzen und verbannen. 843 schließlich berief sie eine Synode
ein, welche die Bilderverehrung wieder legalisierte. Das war das Ende des
Ikoniklasmus, was seine sozialpolitische Wirkung anging.
Theodoras Regierung
ging gegen die Paulicaner mit äußerster Grausamkeit und Brutalität
vor. Dem jungen Kaiser Michael
III. wurde die Bevormundung durch seine Mutter und die Konzentration
der Macht in Theoktistos' Händen sehr lästig. 856 konspirierte
er mit anderen Mitgliedern seiner Familie gegen beide; nach einem Staatsstreich
wurde Theoktistos ermordet und Theodora
in
ein Kloster gesperrt.
Runciman, Steven: Seite 29
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"Geschichte der Kreuzzüge"
Um die Mitte des Jahrhunderts wurde, hauptsächlich dank der umsichtigen Sparsamkeit der Kaiserin-Regentin Theodora, die byzantinische Flotte neu aufgestelt und ausgerüstet. Mit ihrer Hilfe wurde die byzantinische Oberhoheit über Süd-Italien und Dalmatien bald neuerlich gefestigt.
Collenberg, Weyprecht Hugo Graf Rüdt von:
Seite 49
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"Wer war Theophano?"
Unter Einbeziehung anderer verwandter Familien, wie die der SKLEROS und der TARONITEN, gibt diese Tafel ein getreues Bild der mannigfachen und nicht selten äußerst komplizierten Verbindungen jener armenischen Familien, die sich seit der Zeit der Kaiserin Theodora Manikonain, die 830 den Kaiser Theophilos heiratete, um das byzantinische Kaiserdiadem drängten und rissen.
Ferdinandy Michael de: Seite 276,285
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"Der heilige Kaiser. Otto III. und seine Ahnen."
Schon hundert Jahre vor ihren Versuchen konnte sich eine
Weiberherrschaft großen Formats über Byzanz eben in Gestalt
der Regentschaft einer Kaiserin-Witwe - und eine solche war auch
Theophano
- verwirklichen. Wir denken an die Kaiserin
Theodora, Gattin Kaiser
Theophilus' und MutterMichaels
III.
Ihre Herrschaft war jedoch nur eine blassere Wiederholung
der ersten Alleinherrschaft eines Weibes über Byzanz, der weiblichen
Tyrannis der Kaiserin
Eirene, der übrigens die Regierung der Theodora
in
vielem ähnlich ist.
Auch diese Frau, die "selige" Theodora,
ist Mitglied - ebenso wie die "sehr fromme" Eirene
es
war - einer vornehmen Beamtenfamilie, gehört also wie sie dem
Großbürgertum an. Sie wird von Theophilos,
dem jungen Kaiser selbst, aus einer Gruppe vornehmer und schöner Mädchen
zur Kaiserin gewählt, die seine Stiefmutter
Euphrosine
für
ihn aus allen Teilen des Reiches zusammenkommen ließ.
Euphrosyne
war die einzige Tochter des unglücklichen Konstantin
und
also Enkelin der Eirene. "In der letzten
Enkelin lebt die Mutter fort, durch die Mutter die erste Urmutter": so
ist sie die Leib gewordene Idee der rechts- und traditionsgemäßen
Herrschaft über Byzanz. Michael II.,
der
Stammler, Begründer der
phrygischen
Dynastie,
holte sie - um seine frischgebackene Herrschaft zu legitimieren - aus einem
Kloster und nahm sie zur Frau, ebenso wie anderthalb Jahrhunderte später
Johannes Tzimiskes es mit einer Tochter
des Konstantinos Porphyrogenetos
tun sollte.
Auch Euphrosynes
Ehe mit Michael II. blieb kinderlos.
Sie hatte mit dem bloßen Titel der "Mutter des Theophilus"
vorliebzunehmen. Durch ihre Ehe und diesen Ehrentitel wurde sie aber zum
ersten Bindeglied in einer fiktiven, richtiger: symbolischen "Dynastie",
die sich zuletzt von Leon III. (741)
bis zu der Kaiserin Theodora
(
1056) erstreckte und der sich auch in Zukunft noch sämtliche
Kronräuber durch Einheirat anschlossen, um dadurch ihre Usurpation
als legitime Herrschaften hinstellen zu können [40 Der erste
MAKEDONIER,
Basilios
I., heiratete die Geliebte des letzten PHRYGIERS,
Michaels
III. Sein Erbe, Leon VI.,
ist wahrscheinlich nicht von ihm, sondern noch von Michael
III. gezeugt worden. Der Kronräuber Romanos
I. gab seine Tochter dem legitimen Kaiser Konstantin
VII. zur Frau. Nikephoros II. heiratete
die
Kaiserin Theophano;
Johannes
Tzimiskes eine Tochter
Konstantins
VII., Theodora. Zoe
vermählte sich nacheinander mit Romanos III.,
Michael
IV. und Konstantin IX. und
adoptierte Michael V.].
Wie einst Eirene,
die seltsame "Ahnherrin" eines fiktiven Geschlechts, tritt nun Theodora
als
Bilderverehrerin
in das bilderstürmende Kaiserhaus der PHRYGIER
ein. Auch bei ihr wird eines Tages der kaiserliche Gatte die Bilder der
Heiligen entdecken, wie es ihrerseits mit Eirene
geschah,
wenngleich der Vorfall diesmal keine endgültige Entfremdung der Ehepartner
nach sich zieht. Auch Theodora ergreift
nach dem frühen Tode ihres Mannes das Ruder und leitet vierzehn Jahre
hindurch die Geschäfte des Reiches. Auch sie stellt die Verehrung
der heiligen Ikonen wieder her. Auch hier ist die Wiederherstellung der
Orthodoxie mit Wiederaufrichtung des Kults um die Muttergottes gleichbedeutend.
Dadurch scheint in der symbolischen Mitte der östlichen Welt wieder
das Urbild der Mutter, des Weibes als Göttin und Herrin - in der christlichen
Umgebung als Gottesgebärerin - auf. Auch hinter Theodora
steht während ihrer ganzen Regierung ein Verschnittener, der LogothetTheoktiskos,
diesmal jedoch nicht nur ein Günstling, sondern ein Staatsmann von
Format. Die Übereinstimmungen zwischen Eirene
und Theodora fallen selbst den Zeitgenossen
in solchem Maße auf, daß bald Gerüchte umgehen, die über
angebliche Pläne der "seligen" Theodora
berichten, Pläne, den einzigen Sohn blenden zu lassen, um die Herrschaft
über Byzanz an sich zu reißen.
oo Theophilos Kaiser von Byzanz
804
20.1.842
Kinder:
Michael III. der Trunkenbold
838 23.9.867
Maria
838
oo Alexios Musele Cäsar
Pulcheria
Konstantin
Thekla
Anna
Anastasia
Literatur:
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BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 751
- Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte
des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch
Gladbach 1982 Seite 60-62 - Collenberg, Weyprecht Hugo Graf Rüdt
von: Wer war Theophano? Seite 49 - Ferdinandy Michael de: Der heilige
Kaiser. Otto III. und seine Ahnen. Rainer Wunderlich Verlag Tübingen
1969 Seite 276,285,291 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg
des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band II Seite 73-77 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge,
Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 29 -