Konstantin VI. Porphyrogennetos     Kaiser von Byzanz (780-790) (790-797)
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771 15.8.797 ermordet
 

Einziger Sohn des Kaiser Leon IV. der Chasare von Byzanz und der Athenerin Irene
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1376
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Konstantin VI., byzantinischer Kaiser (780-)790-797
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Sohn Leons IV. und der Irene, die von 780-790 als sein Vormund regierte.

Nachdem er mit Hife des Militärs seine Mutter entmachtet hatte, versuchte er, die Erwartungen, die an ihn als letzten Vertreter der Dynastie Leons III., gestellt wurden, zu erfüllen, indem er sozusagen als orthodoxer Konstantin V. die Linie seiner Vorfahren fortsetzte. Da entscheidende militärische Erfolge ausblieben, fehlte ihm der nötige Rückhalt in der Bevölkerung. Die Geburt eines Sohnes in Konstantins zweiter Ehe veranlaßte Irene, die befürchtete, aus ihrer Stellung als Mit-Kaiser (seit 782) verdrängt zu werden, gegen Konstantin VI. zu putschen und ihn blenden zu lassen. Er starb an der Blendung.



Thiele, Andreas: Tafel 194
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

KONSTANTIN VI.
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* 770/71, 797 ermordet

Konstantin VI. Porphyrogennetos folgte 780 unter der Vormundschaft seiner Mutter und führte ab 787 Thronkriege gegen sie, was das Reich schwächte. Er soll von perfider Grausamkeit gewesen sein, verdrängte 790-792 die Mutter völlig, kämpfte 790-792 unglücklich gegen die Bulgaren und mußte die Mutter als Mitregentin wieder anerkennen. Konstantin VI. verlor 792 die Schlacht bei Markellai und wurde zu einem Tributfrieden gezwungen. Seine Mutter ließ ihn 797 blenden und an den Folgen der Blendung starb er. Seine Regierungszeit war eine Zeit übelster Palastintrigen und Sittenverwilderung prägte die Zeit. Seine Mutter Irene erinnerte in vielen Dingen an die Ära der Kaiserin Theodora.



Sein Vater ernannte ihn am 24.4.776 auf Verlangen des Heeres zum Mitregenten und Konstantin gelagte nach dessen Tode unter Vormundschaft seiner Mutter zur Herrschaft. 790 befreite er sich von der mütterlichen Bevormundung, übernahm selbst die Regierung und wurde am 15.8.797 von seiner Mutter gestürzt und geblendet.

Norwich John Julius: Band I Seite 448-453
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Der 17-jährige Kaiser Konstantin VI., der die Beschlüsse des 2. Konzils von Nikäa unterzeichnet hatte, war noch immer nicht mehr als eine Gallionsfigur. Und trotz seiner Heirat mit der schönen Paphlagonierin Maria von Amnia im darauffolgenden Jahr war er mit seiner Rolle für den Augenblick zufrieden. Wie lange er sich noch mit dem fast vollkommenen Ausschluß von sämtlichen Regierungsgeschäften abgefunden hätte, wenn seine Mutter ihren Ehrgeiz hätte zügeln können, ist schwer zu sagen. Doch im Jahre 790 ging Irene zu weit. Statt ihren Sohn stärker in die Regierung einzubeziehen, fügte sie ihm eine neue und an sich unnötige Erniedrigung zu, indem sie anordnete, ihr sei als älterer Herrscherin der Vorrang zu geben und ihr Name müsse immer vor dem seinem genannt werden. Ob es Konstantin gefiel oder nicht, von dem Augenblick an richteten sich die Erwartungen aller Gegner seiner Mutter, und damit zwangsläufig auch jene der zahlreichen Bilderstürmer der alten Garde, auf ihn. Es dauerte nicht lange, bis eine Gruppe eine Verschwörung organisierte mit dem Ziel, die Kaiserin festzunehmen und nach Sizilien zu verbannen. Irene, wie immer auf der Hut, bekam jedoch rechtzeitig Wind von dem Plan und verfuhr entschlossen mit den Verantwortlichen. Ihren Sohn warf sie ins Gefängnis. Und um ihre Stellung zusätzlich zu stärken, verlangte sie vom ganzen Heer einen persönlichen Treueeid zu ihren Gunsten.
Damit war sie einmal mehr zu weit gegangen. In Konstantinopel und in den europäischen Provinzen leisteten die Soldaten den Eid zwar bereitwillig, aber in Kleinasien, wo die ikonoklastischen Einheiten immer noch stark waren, gab es hartnäckigen Widerstand. Die von den Truppen aus dem Thema Armeniakon angeführte Revolte dehnte sich rasch. Nach weinigen Tagen wurde Konstantin von allen Seiten zum einzigen rechtmäßigen Herrscher des Reiches ausgerufen. Nachdem er in aller Eile aus dem Gefängnis befreit worden war, schloß er sich seinen Anhängern in Anatolien an. Dann kehrte er in die Hauptstadt zurück. Staurakios, Irenes Logothet und wichtigster Stellvertreter, wurde ausgepeitscht, tonsuriert und nach Armeniakon verbannt. Mehrere weniger wichtige Mitglieder aus dem Hofstaat der Kaiserin erlitten ein ähnliches Schicksal. Kaiserin Irene selbst wurde in ihrem kurz zuvor fertiggestellten Eleutherion-Palast unter Hausarrest gestellt. Es ist kaum anzunehmen, dass Konstantin persönlich für derart einschneidende Maßnahmen verantwortlich war. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Entscheidungen von seinen militärischen Anhängern getroffebn wurden und er sich wie gewöhnlich passiv verhielt. Dennoch: Er war so beliebt wie nie zuvor, seine Stellung unbestritten. Ihm gehörte die Zukunft.
Aber er vertat seine Chance. Unfähig, labil und leicht zu beeinflussen, wie er war, erwarb er sich rasch den Ruf, alles zu glauben, was man ihm sagte, und im er dem neuesten Ratschlag zu folgen. Als im Herbst 791 Harun-al-Raschids Sarazenenscharen in die Ost-Provinzen einfielen, schloß er sofort einen weiteren schmählichen Friedensvertrag mit einer Verpflichtung für eine Tributzahlung, die sich das Reich kaum leisten konnte. Als etwa zur gleichen Zeit Unruhen an der bulgarischen Grenze ausbrachen und er selbst in den Kampf ziehen mußte, erwies er sich als unfähiger Befehlshaber und räumte 792 in Marcellae schmachvoll das Feld. Im selben Jahr ließ er sich überreden, seine Mutter in die Hauptstadt zurückzurufen und ihr die einstige Machtposition wiederzugeben. Für die heimlichen Bilderstürmer Konstantinopels, deren Hoffnung er dadurch zunichte machte, war damit das Maß voll. Eine neue Verschwörung wurde ausgeheckt, diesmal mit dem Ziel, Mutter und Sohn zugunsten von Caesar Nikephoros (einem der fünf Brüder Leons IV.) abzusetzen, und zwar trotz der Priesterweihe, die man ihm zwölf Jahre zuvor aufgezwungen hatte. Doch auch dieser Plan wurde entdeckt, und zum ersten Mal in seinem Leben handelte Konstantin entschlossen. Er ließ Nikephoros blenden. Und für den zwar unwahrscheinlichen Fall, dass ein anderer Onkel ähnliche Ziele verfolgen sollte, ließ er allen vieren die Zunge abschneiden.
Damit erwies sich der Kaiser nicht nur als unentschlossen, illoyal und feige vor dem Feind, sondern auch brutaler Grausamkeit fähig. Wohl wenige seiner Untertanen empfanden noch Respekt für einen so verachtungswürdigen Herrscher. Abgesehen von den Bilderstürmern im Heer Kleinasiens war nur noch eine Gruppe bereit, ihm ein bescheidenes Maß an Unterstützung zu gewähren: die Repräsentanten der alten monastischen Partei, die dankbar zur Kenntnis genommen hatten, dass er, anstatt die Bilderstürmer zu bevorzugen, wie sie befürchtet hatten, ihnen offenbar wohlgesinnt war und zu ihrer noch größeren Genugtuung sogar seine Mutter wieder auf den Thron berufen hatte. Doch dann stieß er auch sie vor den Kopf. Im Januar 795 erfuhren sie zu ihrem Entsetzen, dass er sich von seiner Frau hatte scheiden lassen, um eine zweite Ehe einzugehen. Trotz ihrer Schönheit war Maria von Amnia offenbar nicht die Richtige gewesen. Sie hatte zwar eine Tochter namens Euphrosyne zur Welt gebracht, und diese erlangte dreißig Jahre später als Frau Michaels II. kaiserlichen Rang. Das Paar hatte jedoch keinen Sohn, auf dessen sichere Nachfolge man hätte bauen können. Im übrigen war Konstantin ihrer ohnehin überdrüssig, hatte er sein Herz doch seit langem an die Hofdame Theodote verloren. Maria wurde kurzerhand in ein Kloster gesteckt, Patriarch Tarasios gab der Scheidung widerwillig seinen Segen, und im folgenden August wurden Konstantin und Theodote im Mamaspalast außerhalb von Konstantinopel getraut. Etwas über ein Jahr darauf brachte Theodote einen Sohn zur Welt.
Die Mönche waren außer sich. Dass ein Kaiser nach dem Tod seiner Frau wieder heiratete, mochte noch angehen, dass er aber die rechtmäßige Kaiserin zugunsten einer anderen einfach wegschickte - das bedeutete eine Sünde gegen den Heiligen Geist. Sie rasten: Konstantins Verbindung mit Theodote könne unter keinen Umständen geduldet werden; und keinesfalls werde man das illegitime Kind als möglichen Nachfolger betrachten. Die führenden Protestanten Platon, der Abt des Sakkudionklosters in Bithynien, und sein Neffe Theodor, der später als Abt des Studiosklosters in Konstantinopel berühmt werden sollte, wurden nach Thessalonike verbannt. Ihre Gefolgschaft ließ sich jedoch nicht zum Schweigen bringen. Nicht nur der ehebrecherische Kaiser war Zielscheibe dieses monastischen Donnerwetters, der Zorn richtete sich ebensosehr gegen Tarasios, weil er die Eheschließung gebilligt, wenn auch wohlweislich die Trauung nicht selbst vorgenommen hatte.
Ob der weltliche Patriarch seinen Anklägern je enthüllte, dass ihm Konstantin gedroht hatte, sich offen mit den Bilderstürmern zu verbinden, wenn er ihm die nötige Erlaubnis verweigere, ist nicht überliefert. Es bewahrte ihn jedenfalls nicht vor der Anklage der Häresie, die gegen ihn vorbereitet wurde. Die Monate verstrichen, und der sogenannte Moicheanische Streit sollte sich als von weit größerer Tragweite erweisen denn nur als vergleichsweise kleineres Problem einer zweiten kaiserlichen Ehe.
Mittlerweile hatte Konstantin die Gunst der letzten potentiellen Anhänger in Konstantinopel verwirkt und war nun hilflos seiner größten Gegnerin ausgeliefert, seiner Mutter Irene. Sie hatte ihm die, wenn auch nur vorübergehende, Absetzung nie verziehen und wußte, wie leicht sich so etwas wiederholen konnte. Auch war ihr vollkommen klar, dass die wahren Sympathien ihres Sohnes bei den Bilderstürmern lagen und umgekehrt, und sie gab sich keinen Illusionen in bezug auf deren Stärke bei den Truppen Kleinasiens hin: Solange Konstantin lebte, war ein neuer Staatsstreich jederzeit möglich, und zwar einer, der nicht nur ihr Ende bedeuten, sondern auch ihr ganzes Werk zunichte machen und der ikonoklastischen Lehre im gesamten Reich erneut zum Durchbruch verhelfen konnte. Sie hatte deshalb, seit sie wieder an die Macht gekommen war, keine Gelegenheit ausgelassen, um Konstantins Stellung auf jede erdenkliche Weise zu untergraben. Man kann sich sogar gut vorstellen, dass sie seine Scheidung und neuerlichen Heiratsabsichten mit voller Absicht unterstützte, weil sie wußte, dass ihn dies in den Augen ihrer eigenen eifrigsten Anhänger, der Mönche, um so mehr in Mißkredit brachte. Ziemlich sicher waren es auch ihre Spione, die Konstantin, als er mit dem Heer im Frühjahr 797 gegen die Sarazenen marschierte, die falsche Information zuspielten, der Feind habe sich hinter die Grenze zurückgezogen. Dass Harun al-Raschid nichts dergleichen getan hatte und noch immer ausgedehnte Landstriche des byzantinischen Reichsgebietes besetzt hielt, fand Konstantin erst heraus, als er sich wieder in Konstantinopel befand, aber da waren die nie ganz verstimmten Stimmen, die behaupteten, er sei feige, bereits wieder lauter geworden - ganz nach Irenes Plan.
Im Juni war sie bereit zuzuschlagen. Als Konstantin eines Tages vom Hippodrom zur Mamaskirche in den Blachernen ritt, sprang eine Gruppe Soldaten aus einer Seitenstraße hervor und stürzte sich auf ihn. Seine Garde verteidigte ihn, und im darauffolgenden Durcheinander gelang es ihm, zu entkommen und sich über den Bosporus rudern zu lassen, wo er auf Unterstützung hoffte. Doch Irene handelte schneller als ihr Sohn. Er wurde fast unverzüglich festgenommen und in den Kaiserpalast zurückgebracht. Dort stach man ihm am 15. August um 3 Uhr nachmittags im Porphyrpavillon, wo er siebenundzwanzig Jahre zuvor zur Welt gekommen war, die Augen aus. Es heißt, man sei dabei besonders brutal verfahren, um sicherzustellen, dass er nicht überlebte. Zwar wissen wir nicht genau, wie lange er danch noch lebte, aber es gibt kaum Zweifel, dass Irene an seiner Ermordung die Schuld trug. Theophanes zufolge soll sich, natürlich als Zeichen göttlicher Mißbilligung, darauf der Himmel für volle siebzehn Tage verdunkelt haben.
Da der Sohn von Theodote und Konstantin wenige Monate nach der Geburt gestorben war - wahrscheinlich eines natürlichen Todes, obwohl wir dessen in Kenntnis seiner Großmutter nie ganz sicher sein können -, war Irene nun Alleinherrscherin auf dem byzantinischen Thron.
 
 
 
 

  v. oo Rotrud, Tochter KARLS I. DES GROSSEN
          775 6.6.810

    789-795
  1. oo Maria von Amnia
           um 770 nach 800

    795
  2. oo Theodote (Hofdame)
                 nach 800
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Euphrosyne
       

  oo Michael II. Kaiser von Byzanz
             1.10.829

2. Ehe

  Sohn
  796 797
 
 
 
 

Literatur:
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Becher Matthias: Karl der Grosse. Verlag C.H. Beck München 1999 Seite 80-83,85,110 - Boshof Egon: Ludwig der Fromme. Primus Verlag Darmstadt 1996 Seite 25 - Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 56,114 - Ferdinandy Michael de: Der heilige Kaiser. Otto III. und seine Ahnen. Rainer Wunderlich Verlag Tübingen 1969 Seite 278,285 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987 Seite 129,149,168,178,244,288 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987 Seite  125,134 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 448-453 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 128,151 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 194 - Wahl Rudolph: Karl der Grosse. Der Vater Europas. Fischer Bücherei Frankfurt/Main - Hamburg. 1954 Seite 91,163 - Wahl Rudolph: Karl der Grosse. Eine Historie. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 227, 228 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986 Seite 94,206,239,241 - Wies Ernst W.: Otto der Große. Kämpfer und Beter. Bechtle Verlag Esslingen 1989 Seite 197,252 -