Irene                                               Kaiserin von Byzanz (Frühjahr 790/97-802)
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752 † 9.8.803
Athen auf Lesbos
 

Tochter des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 644
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Irene, byzantinische Kaiserin 797-802
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    †

  oo Leon IV.

Regierte nach dessen Tod (780) als Vormund für ihren minderjährigen Sohn Konstantin VI. (protokollarische Formel: ‚Konstantin mit seiner MutterIrene‘). Bemüht um innenpolitische Zustimmung, distanzierte sie sich vom Bilderstreit Konstantins V. und unterstützte den Bilderkult. Nach geschickter außenpolitischer Vorbereitung (Verzicht Hadrians I. auf die Behandlung der Fragen des Titels ‚Universalis‘ und des Patrimoniums Petri) tagte unter Patriarch Tarasios das 7. Ökumenische Konzil (Nikaia II, 787) und beschloß die Wiederherstellung der Bilder zusammen mit der ersten verbindlichen  Definition der Bilderverherung. Gegen den herangewachsenen Sohn versuchte Irene 790 ihre Stellung zu behaupten, nun nicht mehr als Vormund, sondern als Haupt-Kaiserin, mußte aber, da das gesamte Militär sich gegen sie stellte, auf alles verzichten. 792 von Konstantin wieder akzeptiert, wurde Irene Mit-Kaiserin mit Recht auf Nachfolge (Formel: 'Konstantin und Irene'). Die Geburt eines Sohnes Konstantins wurde zum Anlaß, sich gegen ihn zu verschwören, um ihn zu entmachten: Überraschend ließ Irene ihn ergreifen und blenden. Da Konstantin an der Blendung starb, regierte Irene ab 797 allein als seine Nachfolgerin. Sie rief Konstantins Gegner Theodoros Studites aus der Verbannung zurück und gab ihm Gelegenheit, sich theologisch-literarisch zu profilieren (entscheidender Schritt in die sogenannte byzantinische Renaissance). Im Rahmen der Wiederaufnahme der seit der Spätantike abgerissenen Traditionen beschloß Irene, das Doppelkaisertum wieder aufleben zu lassen. Entsprechende Anregungen an KARL DEN GROSSEN, den sie als Nachfolger der Langobarden und Herrn über Italien anerkannt hatte, fanden dessen Zustimmung. Seine Krönung sollte in Rom durch den Papst im Sinne einer 'Präsentation in Abwesenheit des Präsentierers' stattfinden, doch änderte Leo III. selbständig diese Verabredung (Weglassen der Akklamationen an Irene), womit KARL zum Usurpator wurde. Sogleich aufgenommene Verhandlungen zeitigten kein Ergebnis, da Irene durch einen Putsch abgesetzt wurde.

P. Speck



BERTELSMANN Lexikon Geschichte: Seite 370
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IRENE, EIRENE, byzantinische Kaiserin
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* um 752, † 9.8.803
Athen        auf Lesbos

Frau Leons IV. (775-780), übernahm nach dem Tode ihres Gatten 780 die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Konstantin (VI.). Als Verfechterin des Bilderkultes gelang es ihr, auf dem Konzil von Nicäa 787 den Bilderkult wiedereinzuführen. 790 wurde sie von ihrem inzwischen erwachsenen Sohn verdrängt, der sich allerdings bald die Geistlichkeit und das Militär zum Feind machte. Daraufhin stürzte Irene ihren Sohn, ließ ihn blenden und erhob sich selbst zum "Kaiser". Da ein weibliches Kaisertum in West- und Mitteleuropa nicht anerkannt wurde, war die Voraussetzung für die Kaisererhebung KARLS DES GROSSEN gegeben. Irene wurde 802 durch eine Palastrevolte gestürzt und starb wenig später in der Verbannung.



Thiele, Andreas: Tafel 194
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

LEON IV. DER CHASARE
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* 750, † 780

 768
  oo IRENE
           † 803

Die Athenerin Irene war bilderfreundlich eingestellt, wurde 780 Regentin und Mit-Kaiserin und ab 797 alleinige Kaiserin. Sie schlug Putsche zweier Schwäger nieder und mußte 781 den Tributfrieden mit den Arabern erneuern. 787 stellte sie auf dem 7. Ökumenischen Konzil von Nikäa, dem letzten von der Westkirche akzeptierten Konzil, die Bilderverehrung wieder her. Schon seit 781 zählten die Päpste nicht nach Regierungsjahren der Kaiser, sondern nach ihren Pontifikatsjahren. Irene geriet schroff gegen KARL DEN GROSSEN, der ihre Herrschaft nicht anerkannte und den byzantinischen Thron für vakant ansah. Sie anerkannte nicht dessen Kaisertum, verlor Istrien, Venedig und Dalmatien, drängte die Slawen zurück, ließ ihren Sohn blenden und wurde 802 verjagt.



Irene übernahm nach dem Tode ihres Gemahls die Regentschaft für ihren Sohn Konstantin VI. Als Verfechterin des Bilderkultes gelang es ihr, auf dem Konzil von Nikäa 787 den Bilderkult wiedereinzuführen. 790 wurde sie von ihrem inzwischen erwachsenen Sohn verdrängt, der sich allerdings bald die Geistlichkeit und das Militär zum Feinde machte. Ihre Herrschsucht trieb sie so weit, ihren Sohn zu stürzen und 797 blenden zu lassen; sie ließ sich zum "Kaiser" ausrufen. Da ein weibliches Kaisertum in West- und Mitteleuropa nicht anerkannt wurde, war die Voraussetzung für die Kaisererhebung KARLS DES GROSSEN gegeben. Einige Jahre ging KARL DER GROSSE mit dem Gedanken um, sich mit Irene zu vermählen und somit beide Reiche zu vereinigen. Die Verhandlungen waren noch nicht zum Abschluß gelangt, als Irene durch eine Palastrevolution gestürzt und auf die Prinzeninsel in der Propontis verbannt wurde. Sie starb auf Lesbos.

Frauen der Weltgeschichte: Seite 239
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KAISERIN IRENE
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752 † 9.VIII.803

Orient und Okzident zur "Einen Welt" zu verschmelzen war der Traum KARLS DES GROSSEN. Als er nach der Kaiserkrönung 800 die Herrschaft fast über ganz Italien innehatte, sandte er seine Werber nach Byzanz und hielt dort um die Hand der 49-jährigen Kaiserin-Witwe Irene an. Diese kluge, gelegentlich auch grausame Herrscherin regierte seit 780 als Mit-Kaiserin für ihren Sohn Konstantin VI. Kopronymos. Schon glaubten die fränkischen Gesandten ihres Jawortes sicher zu sein, als in Konstantinopel ein Aufstand der griechischen Patrioten ausbrach; ihr Führer Nikephoros, der "Siegträger", stürzte die Kaiserin, bemächtigte sich des Thrones und verbannte die Unglückliche auf die Insel Lesbos, wo sie ein halbes Jahr später im Elend starb. - Eine große Herrscherin ging mit ihr dahin. Es war ihr gelungen, die anstürmenden Araber und Bulgaren abzuwehren, ihrer klugen Taktik war auch die Beilegung des berüchtigten Bilderstreites zuzuschreiben, der jahrzehntelang das Ostreich erschüttert hatte. Den Bilderstriet hatte Kaiser Leo III. entfesselt und sein Sohn Konstantin VI. hatte ihn zum Blutgericht über die widerstrebenden Mönche werden lassen. Die verwitwete Kaiserin erreichte es, dass auf dem Konzil von Nicäa 787 die Bilderverehrung im Morgenlande wieder zugelassen wurde. Schon während der Vorbereitungen zu diesem Konzil hatte sich die erste Möglichkeit zu einer politischen Verbindung von Ost und West ergeben. KARL DER GROSSE bot seine Tochter dem Sohne Irenes als Braut an. Da aber die Kaiserin es unterließ, die fränkische Kirche zur Kirchenversammlung einzuladen, zog KARL das Verlobungsangebot zurück. Als er später selbst als Bewerber die Hand zur Versöhnung ausstreckte, entsprach die kühne Idee der Wiedervereinigung nicht mehr den gegebenen politischen Machtverhältnissen.



Norwich John Julius: Band I Seite 441-461
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Irene, die als zweite Athenerin den Thron von Byzanz bestieg, hätte sich charakterlich kaum mehr von der brillanten, jungen Athenais unterscheiden können, die 350 Jahre zuvor Theodosios II. geheiratet hatte. Intrige und Doppelspiel nutzend wie so viele Herrscher vor ihr und von ebenso unersättlichem Ehrgeiz und unstillbarem Machthunger getrieben, beherrschte sie das Reich fast ein Vierteljahrhundert lang in einer Zeit der Uneinigkeit und Unruhe. Der dunkelste Punkt ihrer Laufbahn ist einer der abscheulichsten Morde, welche die an Grausamkeiten ja nicht gerade arme byzantinische Geschichte aufzuweisen hat. Zu Lebzeiten ihres Mannes konnte sie nur durch ihn handeln, aber da er sowohl charakterlich als auch körperlich schwach, sie jedoch in jeder Hinsicht stark und ihm überlegen war, ist ihr Einfluß von dem Augenblick an spürbar, da er die höchste Regierungsgewalt übernahm.
Warum Leon - oder wahrscheinlicher sein Vater - sie erwählte, ist nicht bekannt. Sie war zwar von überwältigender Schönheit, aber es gab im Reich eine Menge schöner Frauen. Sie muß also noch andere Qualitäten besessen haben, auch wenn diese im dunkeln bleiben. Ihre Familie und ihre Vorfahren waren nichts Besonderes. Den Namen Irene hat sie offenbar erst bei der Heirat angenommen, aber ein anderer ist nicht überliefert. Unbeeinflußt wäre ihr Mann ohne Zweifel Ikonoklast gewesen wie sein Vater, ließ er doch in einer seiner seltenen Anwandlungen von Entschlossenheit eine Gruppe von älteren Beamten öffentlich auspeitschen und wegen Ikonenanbetung inhaftieren. Seine Frau machte jedoch keinen Hehl aus ihrer Sympathie und unternahm stete Anstrengungen, um dem Ikonoklasmus und allem, was damit zusammenhing, ein für allemal ein Ende zu setzen.
Es gibt keinen Grund, an der Aufrichtigkeit von Irenes Glauben zu zweifeln. Und solange sich ihre Aktivitäten darauf beschränkten, einen mäßigenden Einfluß auf ihren Mann auszuüben, erwies er sich als segensreich. So war es in hohem Maße ihr zu verdanken, dass verbannte Nonnen und Mönche in ihre Klöster zurückkehren durften, dass die Mutter Gottes wieder Gegenstand der Verehrung wurde und nicht mehr Zielscheibe derber Späße war und dass der Kaiser als "Freund der Mutter Gottes" bejubelt wurde - eine Bezeichnung, die bei seinem Vater einen Tobsuchtsannfall hervorgerufen hätte. Am 8. September 780 starb Leon IV. und sein und Irenes Sohn war erst zehn Jahre alt. Das war Irenes Chance. Sie erklärte sich unverzüglich zur Regentin für ihren Jungen und herrschte als solche die folgenden elf Jahre über das Römische Reich.
Ihre Stellung war allerdings keinesfalls unumstritten. Das noch immer überwiegend ikonoklastische Heer in Anatolien revoltierte innerhalb weniger Wochen zugunsten des einen oder anderen der fünf Brüder des verstorbenen Kaisers, die zwar alle hoffnungslos unfähig waren, aber eine nützliche Zielscheibe boten, um Unfrieden zu stiften. Der Aufstand wurde schnell niedergeschlagen und die Rädelsführer bestraft. Die fünf Brüder, die vielleicht sogar unschuldig waren, bekamen die Tonsur verpaßt und wurden zur Priesterweihe gezwungen. Damit auch niemandem nur der leiseste Zweifel an ihrem religiösen Stand blieb, wurden sie genötigt, am folgenden Weihnachtsfeiertag gemeinsam in der Hagia Sophia das Abendmahl zu spenden. Irene erkannte die Lektion und lernte daraus. Mehr denn je wurde ihr das Ausmaß der Opposition bewußt. Sämtliche hohen Staats- und Kirchenämter sowie die Mehrheit der Armee waren in der Hand von Bilderstürmern. Wenn sie ihr Ziel erreichen wollte, mußte sie ihre Mittel umsichtig und klug wählen.
Der im Keim erstickte Aufstand lieferte ihr den Vorwand für eine Säuberungsaktion in den Reihen der Armee, doch der Preis, den sie dafür bezahlte, war hoch. Die Entlassung vieler der besten und beliebtesten Offiziere bewirkte eine solche Unzufriedenheit und Demoralisierung bei den Truppen, die der Säuberung entgangen waren, dass sie sich der Krone nicht mehr zu Loyalität verpflichtet fühlten. Auf Sizilien erklärte der byzantinische Gouverneur die Unabhängigkeit und schloß sich kurz darauf den Sarazenen in Nord-Afrika an. Als im Osten 782 der Kalifen-Sohn Harun al-Raschid an der Spitze eines auf 100.000 Mann geschätzten Heeres die Grenze überschritt, fiel der armenische Feldherr Tatzates sogleich auf dieselbe Weise von ihr ab, und seine Leute folgten ihm, ohne zu zögern. Schließlich wurde ein demütigender, teurer Waffenstillstand von Harun erwirkt: Irene mußte ihm in den folgenden drei Jahren einen jährlichen Tribut von 70.000 Golddinaren entrichten. Es ist bezeichnend, dass Irene die einzigen militärischen Erfolge in ihrer griechischen Heimat erringen konnte, wo das Heer größtenteils aus Westlern bestand und es nur wenige Ikonoklasten gab. Dorthin entsandte sie 783 ihren wichtigsten und bevorzugten Magistraten, den Eunuchen Staurakios. Nachdem er mit seinem Heer slawische Aufstände in Makedonien und Thessalien niedergeworfen hatte, stieß er tief in den noch immer nicht unterworfenen Peloponnes vor und kehrte mit reicher Beute zurück.
Nach diesem kleinen Triumph fühlte sich Irene stark genug, um ihre kirchenpolitischen Ziele weiterzuverfolgen. 784 dankte der ikonoklastische Patriarch ab - aus gesundheitlichen Gründen, wie er angab, doch scheint ein gewisses Maß an Überredungskunst nicht ausgeschlossen. Seinen Platz nahm Tarasios ein, ein ehemaliger Sekretär der Kaiserin. Irenes erste Priorität galt der Wiederherstellung der Beziehungen mit Rom. Am 29. August 785 schrieben sie und ihr Sohn deshalb an Papst Hadrian I. und luden ihn ein, Delegierte an ein neues Konzil nach Konstantinopel zu entsenden, das die häretischen Beschlüsse des vorangegangenen Konzils widerrufen würde.
Gibbon bezeichnete dieses zweite Konzil von Nikäa als "ein merkwürdiges Denkmal des Aberglaubens und der Unwissenheit, der Unredlichkeit und der Torheit". In gewisser Hinsicht trifft dies zu, vor allem wenn man bedenkt, dass es trotz äußerlich manifestierter Einstimmigkeit nur eine kurze Unterbrechung des Bilderstreits einleitete. Fünfundzwanzig Jahre später wurden nämlich auch seine Beschlüsse widerrufen und die Darstellung von Heiligen einmal mehr verurteilt.
Da der Sohn von Theodote und Konstantin wenige Monate nach der Geburt gestorben war - wahrscheinlich eines natürlichen Todes, obwohl wir dessen in Kenntnis seiner Großmutter nie ganz sicher sein können -, war Irene nach der Ermordung ihres Sohnes Konstantin VI. nun nicht nur Alleinherrscherin auf dem byzantinischen Thron, sondern auch die erste Frau, die dem Reich nicht nur als Regentin, sondern von Rechts wegen vorstand. Diese Stellung hatte sie seit langen angestrebt. Leider war ihr aber nicht vergönnt, sich daran zu erfreuen. Über die letzten Jahre hinweg hatte sich zwischen ihren beiden wichtigsten Beratern, den Eunuchen Staurakios und Ätios, eine fast krankhafte Eifersucht entwickelt, und ihre unaufhörlichen Intrigen machten ein wirksames Regieren nahezu unmöglich. Irenes Beliebtheit bei ihren Untertanen, die selbst zu ihren besten Zeiten nie besonders groß gewesen war nahm nach dem Mord an ihrem Sohn schlagartig ab. Sie versuchte das mit enormen Steuerrückzahlungen wiederaufzuholen, die sich das Reich jedoch im Grunde gar nicht leisten konnte. Zu den am meisten bevorzugten Günstlingen gehörten die klösterlichen Institutionen, die von jeher die Hauptquelle ihrer Unterstützung dargestellt hatten. Zusätzlich wurden die in Abydos und an den Meerengen erhobenen, äußerst gewinnbringenden Zölle sowie die Verbrauchssteuer um jeweils die Hälfte gekürzt, und die verhaßte Einkommenssteuer sowie eine Art Kopfsteuer, die alle freien Bürger Konstantinopels zu entrichten hatten, ganz abgeschafft.
Solche Maßnahmen konnten das Unvermeidliche jedoch höchstens für kurze Zeit hinauszögern. Wer von Irenes Untertanen etwas auf sich hielt, gab sich schockiert über die Unverantwortlichkeit ihrer Handlungsweise und voller Verachtung für die Annahme, ihre Gunst lasse sich so leicht erkaufen. Die mehrheitlich ikonoklastischen Truppen Kleinasiens, die sie schon immer gehaßt hatten und nach Konstantins Ermordung fast gemeutert hätten, waren empört und fühlten sich durch den neuen und erhöhten Tribut, den sie Harun al-Raschid zugestanden hatte, gedemütigt. Man muß sich im Heer auch gefragt haben, wo denn inskünftige der Sold herkommen sollte. Die Beamtenschaft sah hilflos zu, wie die Reichsschatzkammer sich jeden Tag mehr leerte, und langsam schwand die Hoffnung, dass man die Wirtschaft je wieder würde in Ordnung bringen können. Indes sahen die Reaktionären jeglichen Alters und Standes im ganzen Reich, denen ein weibliches Reichsoberhaupt prinzipiell und von Anfang an gegen den Strich gegangen war, all ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis sich die eine oder andere Gruppierung - natürlich nicht im eigenen, sondern im Interesse von Byzanz - erheben und sie stürzen würde.
Welcher der obenerwähnten Gründe mag die Verschwörer letztlich wohl zum Staatsstreich bewogen haben, als sie endlich handelten? Vermutlich gar keiner; denn nun gab es einen anderen, und dieser verlangte noch dringender nach einer raschen und entscheidenden Aktion. Am Weihnachtsfeiertag des Jahres 800 wurde KARL, der Sohn des Franken-Königs Pippin, in der Peterskirche in Rom von Papst Leo III. zum römischen Kaiser gekrönt. Und im Sommer 802 sandte er Botschafter zu Irene mit einem Heiratsantrag.
Wie sehr die Bevölkerung ihre Kaiserin auch hassen mochte und obschon verschiedentlich versucht worden war, sie abzusetzen, stand ihr grundsätzliches Recht auf den Kaiserthron außer Frage. Um so größer war deshalb ihre Besorgnis, als ihnen klar wurde, dass Irene die Vorstellung einer Heirat mit einem in ihren Augen barbarischen Analphabeten (KARL konnte zwar ein bißchen lesen, machte aber keinen Hehl daraus, dass er nicht schreiben konnte) keineswegs von vornherein von sich wies, ja sich nicht einmal gekränkt fühlte, dass er sich einen derartigen Antrag überhaupt angemaßt hatte, sondern im Gegenteil interessiert, geschmeichelt und grundsätzlich geneigt war, ihn anzunehmen.
Angesichts dessen, was wir über ihre Situation wissen, sind ihre Motive nicht schwer zu verstehen. Irene war pragmatisch veranlagt und nicht zuletzt auf ihr eigenes Wohl bedacht. Als KARLS Abgeordnete 802 in Konstantinopel eintrafen, befand sich ihr Reich in einem vollkommen heruntergewirtschafteten Zustand. Bei den Untertanen war sie verhaßt und verachtet, ihre Berater hingen sich gegenseitig an der Kehle, ihr Schatzmeister war erschöpft. Früher oder später - eher früher als später - war vermutlich ein Staatsstreich nicht mehr zu vermeiden, und der konnte sie durchaus das Leben kosten. Hier aber präsentierte sich unerwartet eine Chance, dem ganzen Schlamassel zu entkommen. Weder dass ihr Freier ein gegnerischer Kaiser war noch dass er ihr als Abenteuer und Häretiker erscheinen mußte, fand sie von Bedeutung. Wenn er so ungebildet war, wie die Berichte nahelegten, würde sie ihn ohnehin ebenso leicht beeinflussen können wie ihren verstorbenen Mann und ihren Sohn. Mit dieser Heirat konnte sie die Einheit des ganzen Reiches bewahren - und ihre Haut retten.
Doch es kam anders. Ihre Untertanen waren offenbar nicht gewillt, den Kaiserthron diesem ungehobelten Franken in seinem komischen Leinenrock und den lächerlichen, mit gekreuzten Sockenhaltern befestigten roten Beinkleidern zu überlassen, der eine vollkommen unverständliche Sprache sprach und außer mit Hilfe einer goldenen Schablone nicht einmal seinen Namen schreiben konnte - wie der Ostgote Theoderich 300 Jahre vor ihm. Am 31. Oktober 802 - Irene erholte sich gerade von einem geringfügigen Unwohlsein in Eleutherios - übernahm eine Gruppe ranghoher Beamter den Palast, berief eine Versammlung im Hippodrom ein und erklärte sie für abgesetzt. Sie wehrte sich nicht, als man sie verhaftete und in die Stadt brachte, und stellte sich der Situation gefaßt und würdig, vielleicht sogar mit einer gewissen Erleichterung. Sie wurde zuerst auf die Prinzeninsel im Marmarameer und dann nach Lesbos verbannt. Ein Jahr später war sie tot.
 
 
 
 

 769
  oo Leon IV. der Chasare
       25.1.750 † 8.9.780
 
 
 
 

Kinder:

  Konstantin VI.
  771 † 7.797
 
 
 
 

Literatur:
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Becher Matthias: Karl der Grosse. Verlag C.H. Beck München 1999 Seite 20,80-82,85 - BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 370 - Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 56,69,74,76 - Faber Gustav: Das erste Reich der Deutschen. Geschichte der Merowinger und Karolinger. C. Bertelmanns Verlag GmbH, München 1980 Seite 240 - Ferdinandy Michael de: Der heilige Kaiser. Otto III. und seine Ahnen. Rainer Wunderlich Verlag Tübingen 1969 Seite 105,149,152,169,277,285,291,294,344 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987 Seite 129,149,168,173,178,243,251,261,300,315 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987 Seite 125-126,133-135,166 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 441-461 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 129,150,155 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 70 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 194 - Wahl Rudolph: Karl der Grosse. Der Vater Europas. Fischer Bücherei Frankfurt/Main - Hamburg. 1954 Seite 86,91,102,109,149,150,163,174,186 - Wahl Rudolph: Karl der Grosse. Eine Historie. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 125,126,152,153,208,209,227-229, 242,257,259 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986 Seite 94,207,235,241,283 -