Tochter des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 644
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Irene, byzantinische Kaiserin 797-802
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oo Leon IV.
Regierte nach dessen Tod (780) als Vormund für ihren minderjährigen Sohn Konstantin VI. (protokollarische Formel: Konstantin mit seiner MutterIrene). Bemüht um innenpolitische Zustimmung, distanzierte sie sich vom Bilderstreit Konstantins V. und unterstützte den Bilderkult. Nach geschickter außenpolitischer Vorbereitung (Verzicht Hadrians I. auf die Behandlung der Fragen des Titels Universalis und des Patrimoniums Petri) tagte unter Patriarch Tarasios das 7. Ökumenische Konzil (Nikaia II, 787) und beschloß die Wiederherstellung der Bilder zusammen mit der ersten verbindlichen Definition der Bilderverherung. Gegen den herangewachsenen Sohn versuchte Irene 790 ihre Stellung zu behaupten, nun nicht mehr als Vormund, sondern als Haupt-Kaiserin, mußte aber, da das gesamte Militär sich gegen sie stellte, auf alles verzichten. 792 von Konstantin wieder akzeptiert, wurde Irene Mit-Kaiserin mit Recht auf Nachfolge (Formel: 'Konstantin und Irene'). Die Geburt eines Sohnes Konstantins wurde zum Anlaß, sich gegen ihn zu verschwören, um ihn zu entmachten: Überraschend ließ Irene ihn ergreifen und blenden. Da Konstantin an der Blendung starb, regierte Irene ab 797 allein als seine Nachfolgerin. Sie rief Konstantins Gegner Theodoros Studites aus der Verbannung zurück und gab ihm Gelegenheit, sich theologisch-literarisch zu profilieren (entscheidender Schritt in die sogenannte byzantinische Renaissance). Im Rahmen der Wiederaufnahme der seit der Spätantike abgerissenen Traditionen beschloß Irene, das Doppelkaisertum wieder aufleben zu lassen. Entsprechende Anregungen an KARL DEN GROSSEN, den sie als Nachfolger der Langobarden und Herrn über Italien anerkannt hatte, fanden dessen Zustimmung. Seine Krönung sollte in Rom durch den Papst im Sinne einer 'Präsentation in Abwesenheit des Präsentierers' stattfinden, doch änderte Leo III. selbständig diese Verabredung (Weglassen der Akklamationen an Irene), womit KARL zum Usurpator wurde. Sogleich aufgenommene Verhandlungen zeitigten kein Ergebnis, da Irene durch einen Putsch abgesetzt wurde.
P. Speck
Frau Leons IV. (775-780),
übernahm nach dem Tode ihres Gatten 780 die Regentschaft für
ihren minderjährigen Sohn Konstantin (VI.).
Als Verfechterin des Bilderkultes gelang es ihr, auf dem Konzil
von Nicäa 787 den Bilderkult wiedereinzuführen. 790 wurde sie
von ihrem inzwischen erwachsenen Sohn verdrängt, der sich allerdings
bald die Geistlichkeit und das Militär zum Feind machte. Daraufhin
stürzte
Irene ihren Sohn, ließ
ihn blenden und erhob sich selbst zum "Kaiser". Da ein
weibliches Kaisertum in West- und Mitteleuropa nicht anerkannt wurde, war
die Voraussetzung für die Kaisererhebung
KARLS DES GROSSEN gegeben. Irene
wurde 802 durch eine Palastrevolte gestürzt und starb wenig später
in der Verbannung.
LEON
IV. DER CHASARE
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* 750, 780
768
oo IRENE
803
Die Athenerin Irene war bilderfreundlich
eingestellt, wurde 780 Regentin und Mit-Kaiserin und ab 797
alleinige
Kaiserin. Sie schlug Putsche zweier Schwäger nieder und mußte
781 den Tributfrieden mit den Arabern erneuern. 787 stellte sie auf dem
7. Ökumenischen Konzil von Nikäa, dem letzten von der Westkirche
akzeptierten Konzil, die Bilderverehrung wieder her. Schon seit 781 zählten
die Päpste nicht nach Regierungsjahren der Kaiser, sondern nach ihren
Pontifikatsjahren. Irene geriet schroff
gegen KARL DEN GROSSEN, der ihre Herrschaft
nicht anerkannte und den byzantinischen Thron für vakant ansah. Sie
anerkannte nicht dessen Kaisertum, verlor Istrien, Venedig und Dalmatien,
drängte die Slawen zurück, ließ ihren Sohn blenden und
wurde 802 verjagt.
Frauen der Weltgeschichte: Seite 239
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KAISERIN IRENE
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752 9.VIII.803
Orient und Okzident zur "Einen Welt" zu verschmelzen war
der Traum KARLS DES GROSSEN. Als er
nach der Kaiserkrönung 800 die Herrschaft fast über ganz Italien
innehatte, sandte er seine Werber nach Byzanz und hielt dort um die Hand
der 49-jährigen Kaiserin-Witwe
Irene an. Diese kluge, gelegentlich auch grausame
Herrscherin regierte seit 780 als Mit-Kaiserin für ihren
Sohn Konstantin VI. Kopronymos. Schon
glaubten die fränkischen Gesandten ihres Jawortes sicher zu sein,
als in Konstantinopel ein Aufstand der griechischen Patrioten ausbrach;
ihr Führer Nikephoros, der "Siegträger",
stürzte die Kaiserin, bemächtigte sich des Thrones und verbannte
die Unglückliche auf die Insel Lesbos, wo sie ein halbes Jahr später
im Elend starb. - Eine große Herrscherin ging mit ihr dahin. Es war
ihr gelungen, die anstürmenden Araber und Bulgaren abzuwehren, ihrer
klugen Taktik war auch die Beilegung des berüchtigten Bilderstreites
zuzuschreiben, der jahrzehntelang das Ostreich erschüttert hatte.
Den Bilderstriet hatte Kaiser
Leo III. entfesselt und sein Sohn Konstantin
VI. hatte ihn zum Blutgericht über die widerstrebenden
Mönche werden lassen. Die verwitwete Kaiserin erreichte es,
dass auf dem Konzil von Nicäa 787 die Bilderverehrung im Morgenlande
wieder zugelassen wurde. Schon während der Vorbereitungen zu diesem
Konzil hatte sich die erste Möglichkeit zu einer politischen Verbindung
von Ost und West ergeben. KARL DER GROSSE
bot seine Tochter dem Sohne Irenes
als Braut an. Da aber die Kaiserin es unterließ, die fränkische
Kirche zur Kirchenversammlung einzuladen, zog KARL
das
Verlobungsangebot zurück. Als er später selbst als Bewerber die
Hand zur Versöhnung ausstreckte, entsprach die kühne Idee der
Wiedervereinigung nicht mehr den gegebenen politischen Machtverhältnissen.
Irene, die als zweite
Athenerin
den
Thron von Byzanz bestieg, hätte sich charakterlich kaum mehr von der
brillanten, jungen Athenais unterscheiden
können, die 350 Jahre zuvor Theodosios II.
geheiratet
hatte. Intrige und Doppelspiel nutzend wie so viele Herrscher vor ihr und
von ebenso unersättlichem Ehrgeiz und
unstillbarem Machthunger
getrieben, beherrschte sie das Reich fast ein Vierteljahrhundert lang in
einer Zeit der Uneinigkeit und Unruhe. Der dunkelste Punkt ihrer Laufbahn
ist einer der abscheulichsten Morde, welche die an Grausamkeiten ja nicht
gerade arme byzantinische Geschichte aufzuweisen hat. Zu Lebzeiten ihres
Mannes konnte sie nur durch ihn handeln, aber da er sowohl charakterlich
als auch körperlich schwach, sie jedoch in jeder Hinsicht stark und
ihm überlegen war, ist ihr Einfluß von dem Augenblick an spürbar,
da er die höchste Regierungsgewalt übernahm.
Warum Leon - oder
wahrscheinlicher sein Vater - sie erwählte, ist nicht bekannt. Sie
war zwar von überwältigender Schönheit, aber es gab
im Reich eine Menge schöner Frauen. Sie muß also noch andere
Qualitäten besessen haben, auch wenn diese im dunkeln bleiben. Ihre
Familie und ihre Vorfahren waren nichts Besonderes. Den Namen Irene
hat sie offenbar erst bei der Heirat angenommen, aber ein anderer ist nicht
überliefert. Unbeeinflußt wäre ihr Mann ohne Zweifel Ikonoklast
gewesen wie sein Vater, ließ er doch in einer seiner seltenen Anwandlungen
von Entschlossenheit eine Gruppe von älteren Beamten öffentlich
auspeitschen und wegen Ikonenanbetung inhaftieren. Seine Frau machte jedoch
keinen Hehl aus ihrer Sympathie und unternahm stete Anstrengungen, um dem
Ikonoklasmus und allem, was damit zusammenhing, ein für allemal ein
Ende zu setzen.
Es gibt keinen Grund, an der Aufrichtigkeit von Irenes
Glauben
zu zweifeln. Und solange sich ihre Aktivitäten darauf beschränkten,
einen mäßigenden Einfluß auf ihren Mann auszuüben,
erwies er sich als segensreich. So war es in hohem Maße ihr zu verdanken,
dass verbannte Nonnen und Mönche in ihre Klöster zurückkehren
durften, dass die Mutter Gottes wieder Gegenstand der Verehrung wurde und
nicht mehr Zielscheibe derber Späße war und dass der Kaiser
als "Freund der Mutter Gottes" bejubelt wurde - eine Bezeichnung, die bei
seinem Vater einen Tobsuchtsannfall hervorgerufen hätte. Am 8. September
780 starb Leon IV. und sein und Irenes
Sohn
war erst zehn Jahre alt. Das war Irenes
Chance.
Sie erklärte sich unverzüglich zur Regentin für ihren
Jungen und herrschte als solche die folgenden elf Jahre über das Römische
Reich.
Ihre Stellung war allerdings keinesfalls unumstritten.
Das noch immer überwiegend ikonoklastische Heer in Anatolien revoltierte
innerhalb weniger Wochen zugunsten des einen oder anderen der fünf
Brüder des verstorbenen Kaisers, die zwar alle hoffnungslos unfähig
waren, aber eine nützliche Zielscheibe boten, um Unfrieden zu stiften.
Der Aufstand wurde schnell niedergeschlagen und die Rädelsführer
bestraft. Die fünf Brüder, die vielleicht sogar unschuldig waren,
bekamen die Tonsur verpaßt und wurden zur Priesterweihe gezwungen.
Damit auch niemandem nur der leiseste Zweifel an ihrem religiösen
Stand blieb, wurden sie genötigt, am folgenden Weihnachtsfeiertag
gemeinsam in der Hagia Sophia das Abendmahl zu spenden. Irene
erkannte die Lektion und lernte daraus. Mehr denn je wurde ihr das Ausmaß
der Opposition bewußt. Sämtliche hohen Staats- und Kirchenämter
sowie die Mehrheit der Armee waren in der Hand von Bilderstürmern.
Wenn sie ihr Ziel erreichen wollte, mußte sie ihre Mittel umsichtig
und klug wählen.
Der im Keim erstickte Aufstand lieferte ihr den Vorwand
für eine Säuberungsaktion in den Reihen der Armee, doch der Preis,
den sie dafür bezahlte, war hoch. Die Entlassung vieler der besten
und beliebtesten Offiziere bewirkte eine solche Unzufriedenheit und Demoralisierung
bei den Truppen, die der Säuberung entgangen waren, dass sie sich
der Krone nicht mehr zu Loyalität verpflichtet fühlten. Auf Sizilien
erklärte der byzantinische Gouverneur die Unabhängigkeit und
schloß sich kurz darauf den Sarazenen in Nord-Afrika an. Als im Osten
782 der Kalifen-Sohn
Harun al-Raschid an der Spitze eines auf 100.000 Mann geschätzten
Heeres die Grenze überschritt, fiel der armenische Feldherr Tatzates
sogleich auf dieselbe Weise von ihr ab, und seine Leute folgten ihm, ohne
zu zögern. Schließlich wurde ein demütigender, teurer Waffenstillstand
von Harun erwirkt:
Irene mußte ihm in den folgenden drei Jahren einen jährlichen
Tribut von 70.000 Golddinaren entrichten. Es ist bezeichnend, dass
Irene die einzigen militärischen Erfolge in ihrer griechischen
Heimat erringen konnte, wo das Heer größtenteils aus Westlern
bestand und es nur wenige Ikonoklasten gab. Dorthin entsandte sie 783 ihren
wichtigsten und bevorzugten Magistraten, den Eunuchen Staurakios.
Nachdem er mit seinem Heer slawische Aufstände in Makedonien und Thessalien
niedergeworfen hatte, stieß er tief in den noch immer nicht unterworfenen
Peloponnes vor und kehrte mit reicher Beute zurück.
Nach diesem kleinen Triumph fühlte sich Irene
stark genug, um ihre kirchenpolitischen Ziele weiterzuverfolgen. 784 dankte
der ikonoklastische Patriarch ab - aus gesundheitlichen Gründen, wie
er angab, doch scheint ein gewisses Maß an Überredungskunst
nicht ausgeschlossen. Seinen Platz nahm Tarasios ein, ein ehemaliger
Sekretär der Kaiserin. Irenes erste
Priorität galt der Wiederherstellung der Beziehungen mit Rom. Am 29.
August 785 schrieben sie und ihr Sohn deshalb an Papst Hadrian I.
und luden ihn ein, Delegierte an ein neues Konzil nach Konstantinopel zu
entsenden, das die häretischen Beschlüsse des vorangegangenen
Konzils widerrufen würde.
Gibbon bezeichnete dieses zweite Konzil von Nikäa
als "ein merkwürdiges Denkmal des Aberglaubens und der Unwissenheit,
der Unredlichkeit und der Torheit". In gewisser Hinsicht trifft dies zu,
vor allem wenn man bedenkt, dass es trotz äußerlich manifestierter
Einstimmigkeit nur eine kurze Unterbrechung des Bilderstreits einleitete.
Fünfundzwanzig Jahre später wurden nämlich auch seine Beschlüsse
widerrufen und die Darstellung von Heiligen einmal mehr verurteilt.
Da der Sohn von Theodote und
Konstantin
wenige Monate nach der Geburt gestorben war - wahrscheinlich eines natürlichen
Todes, obwohl wir dessen in Kenntnis seiner Großmutter nie ganz sicher
sein können -, war Irene nach
der Ermordung ihres Sohnes Konstantin VI.
nun nicht nur
Alleinherrscherin auf dem byzantinischen Thron, sondern
auch die erste Frau, die dem Reich nicht nur als Regentin, sondern von
Rechts wegen vorstand. Diese Stellung hatte sie seit langen angestrebt.
Leider war ihr aber nicht vergönnt, sich daran zu erfreuen. Über
die letzten Jahre hinweg hatte sich zwischen ihren beiden wichtigsten Beratern,
den Eunuchen Staurakios und Ätios, eine fast krankhafte
Eifersucht entwickelt, und ihre unaufhörlichen Intrigen machten ein
wirksames Regieren nahezu unmöglich. Irenes
Beliebtheit bei ihren Untertanen, die selbst zu ihren besten Zeiten nie
besonders groß gewesen war nahm nach dem Mord an ihrem Sohn schlagartig
ab. Sie versuchte das mit enormen Steuerrückzahlungen wiederaufzuholen,
die sich das Reich jedoch im Grunde gar nicht leisten konnte. Zu den am
meisten bevorzugten Günstlingen gehörten die klösterlichen
Institutionen, die von jeher die Hauptquelle ihrer Unterstützung dargestellt
hatten. Zusätzlich wurden die in Abydos und an den Meerengen erhobenen,
äußerst gewinnbringenden Zölle sowie die Verbrauchssteuer
um jeweils die Hälfte gekürzt, und die verhaßte Einkommenssteuer
sowie eine Art Kopfsteuer, die alle freien Bürger Konstantinopels
zu entrichten hatten, ganz abgeschafft.
Solche Maßnahmen konnten das Unvermeidliche jedoch
höchstens für kurze Zeit hinauszögern. Wer von
Irenes Untertanen etwas auf sich hielt, gab sich schockiert
über die Unverantwortlichkeit ihrer Handlungsweise und voller Verachtung
für die Annahme, ihre Gunst lasse sich so leicht erkaufen. Die mehrheitlich
ikonoklastischen Truppen Kleinasiens, die sie schon immer gehaßt
hatten und nach Konstantins Ermordung
fast gemeutert hätten, waren empört und fühlten sich durch
den neuen und erhöhten Tribut, den sie Harun
al-Raschid zugestanden hatte, gedemütigt. Man muß
sich im Heer auch gefragt haben, wo denn inskünftige der Sold herkommen
sollte. Die Beamtenschaft sah hilflos zu, wie die Reichsschatzkammer sich
jeden Tag mehr leerte, und langsam schwand die Hoffnung, dass man die Wirtschaft
je wieder würde in Ordnung bringen können. Indes sahen die Reaktionären
jeglichen Alters und Standes im ganzen Reich, denen ein weibliches Reichsoberhaupt
prinzipiell und von Anfang an gegen den Strich gegangen war, all ihre schlimmsten
Befürchtungen bestätigt. Klar, dass es nur noch eine Frage der
Zeit war, bis sich die eine oder andere Gruppierung - natürlich nicht
im eigenen, sondern im Interesse von Byzanz - erheben und sie stürzen
würde.
Welcher der obenerwähnten Gründe mag die Verschwörer
letztlich wohl zum Staatsstreich bewogen haben, als sie endlich handelten?
Vermutlich gar keiner; denn nun gab es einen anderen, und dieser verlangte
noch dringender nach einer raschen und entscheidenden Aktion. Am Weihnachtsfeiertag
des Jahres 800 wurde KARL, der
Sohn des
Franken-Königs Pippin,
in der Peterskirche in Rom von Papst Leo III. zum römischen
Kaiser gekrönt. Und im Sommer 802 sandte er Botschafter zu Irene
mit
einem Heiratsantrag.
Wie sehr die Bevölkerung ihre Kaiserin auch hassen
mochte und obschon verschiedentlich versucht worden war, sie abzusetzen,
stand ihr grundsätzliches Recht auf den Kaiserthron außer
Frage. Um so größer war deshalb ihre Besorgnis, als ihnen
klar wurde, dass Irene die Vorstellung
einer Heirat mit einem in ihren Augen barbarischen Analphabeten (KARL
konnte zwar ein bißchen lesen, machte aber keinen Hehl daraus, dass
er nicht schreiben konnte) keineswegs von vornherein von sich wies, ja
sich nicht einmal gekränkt fühlte, dass er sich einen derartigen
Antrag überhaupt angemaßt hatte, sondern im Gegenteil interessiert,
geschmeichelt und grundsätzlich geneigt war, ihn anzunehmen.
Angesichts dessen, was wir über ihre Situation wissen,
sind ihre Motive nicht schwer zu verstehen. Irene
war
pragmatisch veranlagt und nicht zuletzt auf ihr eigenes Wohl bedacht. Als
KARLS
Abgeordnete
802 in Konstantinopel eintrafen, befand sich ihr Reich in einem vollkommen
heruntergewirtschafteten Zustand. Bei den Untertanen war sie verhaßt
und verachtet, ihre Berater hingen sich gegenseitig an der Kehle, ihr
Schatzmeister war erschöpft. Früher oder später - eher früher
als später - war vermutlich ein Staatsstreich nicht mehr zu vermeiden,
und der konnte sie durchaus das Leben kosten. Hier aber präsentierte
sich unerwartet eine Chance, dem ganzen Schlamassel zu entkommen. Weder
dass ihr Freier ein gegnerischer Kaiser war noch dass er ihr als Abenteuer
und Häretiker erscheinen mußte, fand sie von Bedeutung. Wenn
er so ungebildet war, wie die Berichte nahelegten, würde sie ihn ohnehin
ebenso leicht beeinflussen können wie ihren verstorbenen Mann und
ihren Sohn. Mit dieser Heirat konnte sie die Einheit des ganzen Reiches
bewahren - und ihre Haut retten.
Doch es kam anders. Ihre Untertanen waren offenbar nicht
gewillt, den Kaiserthron diesem ungehobelten Franken in seinem komischen
Leinenrock und den lächerlichen, mit gekreuzten Sockenhaltern befestigten
roten Beinkleidern zu überlassen, der eine vollkommen unverständliche
Sprache sprach und außer mit Hilfe einer goldenen Schablone nicht
einmal seinen Namen schreiben konnte - wie der Ostgote Theoderich
300 Jahre vor ihm. Am 31. Oktober 802 - Irene
erholte sich gerade von einem geringfügigen Unwohlsein in Eleutherios
- übernahm eine Gruppe ranghoher Beamter den Palast, berief eine Versammlung
im Hippodrom ein und erklärte sie für abgesetzt.
Sie wehrte sich nicht, als man sie verhaftete und in die Stadt brachte,
und stellte sich der Situation gefaßt und würdig, vielleicht
sogar mit einer gewissen Erleichterung. Sie wurde zuerst auf die Prinzeninsel
im Marmarameer und dann nach Lesbos verbannt. Ein Jahr später
war sie tot.
769
oo Leon IV. der Chasare
25.1.750
8.9.780
Kinder:
Konstantin VI.
771 7.797
Literatur:
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