Sohn des Kaisers
Herakleios
I. von Byzanz aus seiner 2. Ehe mit der Martina
Thiele, Andreas: Tafel 193
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
HERAKLONAS
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* 626, † ?
Seine Mutter ist die Nichte des Kaisers
Herakleios. Heraklonas wurde
641 Mit-Kaiser unter seiner Mutter, die sehr verhaßt war und
wurde bald mit ihr verjagt.
Norwich John Julius: Band I Seite 373,375
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Im Jahre 628 sah er im Palast seine Familie wieder: den
sechszehnjährigen ältesten Sohn Konstantin,
der sich bereits während der Belagerung mutig hervorgetan hatte; die
Tochter Epiphania, die hoffentlich
niemals vernommen hat, was für ein Schicksal ihr Vater für sie
vorgesehen hatte, dem sie knapp entronnen war; Herakleonas,
den jüngeren Sohn von Martina,
nun dreizehn Jahre alt; und natürlich Kaiserin
Martina, die schon ein paar Monate vorher mit ihrem Baby aus
dem Osten zurückgekehrt war.
Ob sie sich darum aber viel kümmerte, ist ungewiß,
konzentrierte sie doch nun ihre gesamte Energie darauf, die Einsetzung
ihres Erstgeborenen Herakleonas
als Mit-Kaiser Konstantins, des
Sohnes von Herakleios' erster
Frau Eudokia, sicherzustellen.
Das Vorhaben schien nicht allzu schwierig; der junge Konstantin
war trotz der Kühnheit, die er während der Belagerung Konstantinopels
im Jahre 626 bewiesen hatte, zu einem kränkelnden jungen Mann herangewachsen
und litt vermutlich an Schwindsucht. Zwar besteht kein Grund zur Annahme,
dass er geistig zurückgeblieben war, doch soll er nicht ohne ständige
Betreuung ausgekommen sein. Auch verfügte Herakleios
nicht
mehr über die Kraft, sich seiner Frau zu widersetzen, selbst wenn
er dies gewünscht hätte. So setzte er am 4. Juni 638 im Palast
am Bosporus, in Martinas und
Konstantins
Anwesenheit, Herakleonas
mit zitternden
Händen das kaiserliche Diadem auf. Die beiden Söhne, mittlerweile
dreiundzwanzig und sechsundzwanzig Jahre alt, herrschten von nun an gemeinsam
mit ihrem Vater, standen ihm bei offiziellen Feierlichkeiten zur Seite,
wenn er überhaupt in Erscheinung trat, und vertraten ihn immer häufiger
ganz.
Obwohl Herakleios'
Tod schon so lange zu erwarten war, stürzte er Byzanz in ein Chaos.
Ein Grund des Übels war Martinas Ehrgeiz.
Sie hatte sich nicht damit begnügt, ihren Mann zur Einsetzung ihres
Sohnes Herakleonas als Mit-Kaiser
zu überreden, sondern ihn zusätzlich dazu gedrängt, ein
entsprechendes Testament zu verfassen, nach dem die Regierung des Reichs
an seinen ältesten Sohn und eigentlichen Erben
Konstantin III., an Herakleonas
und an sie gemeinsam übergehen solle. Eine ihrer ersten Amtshandlungen
als Witwe war die Veranstaltung eines öffentlichen Rennens im Hippodrom,
bei dem sie das Testament verkündete und gleichzeitig allen Anwesenden
vor Augen führte, dass sie die eigentliche Macht zu übernehmen
gedachte.
Im Sommer 641 wurde der kleine Herakleios
unter wachsendem Druck von der Straße zum Kaiser gekrönt
und nahm - vermutlich um eine Verwechslung mit seinem Großvater auszuschließen
- den Namen Konstantin an. Im
September desselben Jahres offenbarte sich der Machtkampf hinter den Kulissen
endgültig. Auf Befehl des Senats wurden Martina
und Herakleonas überraschend
verhaftet. Ihr riß man die Zunge heraus, ihm schnitt man die Nase
ab. Dann wurden die beiden
auf die Insel Rhodos verbannt, ohne
jemals wieder in ihre Heimat Konstantinopel zurückzukehren. War Ehrgeiz
das einzige Vergehen der Kaiserin, dann hat sie schwer dafür bezahlt.
Sollten sie und ihr Sohn den Kaiser tatsächlich ermordet haben, wären
sie eher glimpflich davongekommen.
Thiess Frank: Seite 435,513,540,553
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."
Beim griechischen Heere befand sich ein Säugling,
den es als kostbarsten Besitz hütete: die Kaiserin hatte in Lazika
einen Sohn geboren, der den Namen seines Vaters erhielt, aber Heraklonas
(kleiner Herakleios) genannt wurde.
Dem sollte nun für immer ein Riegel vorgeschoben
werden, und die Vorgänge der formalen Inthronisation seines Sohnes
Konstantin
aus erster Ehe im Jahre 613 und seines Sohnes Heraklonas
aus
der Ehe mit Martina am 4. Juli 638
sind unverkennbare Zeichen seines Willens zur Sicherung der Dynastie.
Am 1. Januar 639 wurde des Heraklonas
achtjähriger Bruder David zum
Caesar ernannt. Das alles ging in den feierlichsten Formen vor sich; der
kleine Heraklonas schritt an der
Hand seines Bruders Konstantin im königlichen
Gewand durch die riesigen Säle des Heiligen Palastes und empfing vom
greisen Patriarchen das Diadem.
Damit hatte aber Philagrius nur den ersten Schritt
getan. Es folgte nun der zweite. Er wußte, daß Konstanins
Tage
gezählt waren und daß dann Heraklonas,
das heißt in Wirklichkeit Martina,
das Reich unangefochten regieren würde. Das mußte verhindert
werden. Konstantin hatte zwei Söhne,
Herakleios
und Theodosios, und Philagrius
überzeugte den Kaiser davon, daß die Gefahr bestünde, die
beiden Kinder könnten nach seinem Tode einem Anschlag der bösen
Stiefmutter zum Opfer fallen.
Was sollte nach Konstantins
Tod geschehen. Wer sollte das Reich regieren? Es wäre der reine Selbstmord
gewesen, wenn Martina ihren unmündigen
Sohn der Verbrecherclique überlassen hätte, die Konstantin
und die Bevölkerung gegen sie aufgehetzt und Heraklonas
als einen aus Inzest geborenen Knaben erklärt hatte. Die Anhänger
Konstantins
verlangten gegen das Testament des Herakleios,
daß die Macht auf Konstantins
ältesten Sohn, den damals zehnjährigen Herakleios
Konstantinos, übertragen werde. Martina
verweigerte
die Annullierung des Testaments und die Krönung ihres Stiefenkels
mit dem Hinweis darauf, daß ihr zweiter Sohn David
Tiberios als Cäsar Anspruch auf die Regentschaft hatte.
Mit der Krönung des ältesten Sohnes
Konstantins III. war eine neue und
recht verrückte Situation entstanden, weil angesichts der legitimen
Thronrechte Davids
als möglichen
Nachfolger des Heraklonas jetzt drei
Kinder auf dem Thron von Byzanz saßen, die nun gemeinsam das Weltreich
regieren sollten.
Das Gesicht zu wahren schien nicht mehr nötig, nachdem
auch der Senat seine Zustimmung zur Absetzung des Kaisers gegeben hatte.
Valentinos, der Rebellenführer Theodoros und wahrscheinlich
auch ein gewisser Dometianos, der seinerseits die Krönung des
Konstans betrieben hatte, drangen in
den Palast ein, schnitten Heraklonas die
Nase, seiner Mutter die Zunge ab und ließen den kleinen David
Tiberios, der wegen seiner Cäsar-Würde gefährlich
werden konnte, wahrscheinlich gleich an Ort und Stelle umbringen [3
Theophanes
und Sebenos berichten vom Abschneiden der Zunge und der
Verstümmelung
des Heraklonas. Sebeos schreibt, Martina
sei
mit ihren Söhnen getötet worden, womit nicht gesagt ist, daß
dies sofort geschehen sei, was immerhin einen gewissen Grad an Humanismus
bewiesen hätte. Daß Heraklonas
an seiner furchtbaren Verletzung gestorben ist, berichtet Johann von Nikiu,
auch daß sie Theodosios wegen
seiner Taubheit für ungefährlich hielten und darum am Leben ließen.
Letzte Mitteilung findet sich auch bei Nikephoros, der wissen will, daß
die Verschwörer nach dem Verbrechen an Martina
und ihren Söhnen das Testament für ungültig erklärten,
was nicht recht glaubhaft erscheint, obwohl es zugleich mit der zweiten
Ausrufung des Konstans zum Basileus
(Nikephoros 24, 18f.) geschehen sein könnte. Georgios Kedrenos berichtet,
daß man die Verstümmmelten in ein Kloster verbannt habe.]. Dem
jüngsten Sohne Martinas,
Theodosios, der taub war, schenkte
man das Leben. Die Verstümmelten wurden nach Rhodos verbannt,
wo Heraklonas an seiner schweren Wunde
bald gestorben ist. Von Martina hört
man nichts mehr, sie wird schwerlich das Verbrechen an ihren Söhnen
und an sich lange überlebt haben.
Der Senat und Valentinos konnten zufrieden sein. Die
verhaßte Gemahlin des großen Kaisers war zu ewigem Schweigen
verurteilt, Heraklonas starb an der
Blutvergiftung
und den Patriarchen schickte man in die Verbannung.
Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 373,375 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 - Thiess Frank: Die griechischen
Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien
1959 Seite 435,513,538,540, 553 -