Herakleios II. Herakleonas             Kaiser von Byzanz (25.5.-Ende September 641)
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615 oder 627 641
Lazika              Insel Rhodos
 

Sohn des Kaisers Herakleios I. von Byzanz aus seiner 2. Ehe mit der Martina
 

Thiele, Andreas: Tafel 193
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

HERAKLONAS
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* 626, ?

Seine Mutter ist die Nichte des Kaisers Herakleios. Heraklonas wurde 641 Mit-Kaiser unter seiner Mutter, die sehr verhaßt war und wurde bald mit ihr verjagt.



Herakleios II. Herakleonas wurde am 4. Juni 638 zum Caesar ernannt und nach seines Vaters Tode auf Wunsch der Mutter Mitregent seines kränklichen Halbbruders Konstantin III. Als dieser Ende Juni 641 starb, verbreiteten die Gegner Martinas das Gerücht von einer Vergiftung. Es kam zu einer Revolte und der Senat setzte Herakleonas ab, ließ ihm die Nase abschneiden, seiner Mutter die Zunge und verbannte beide nach Rhodos.

Norwich John Julius: Band I Seite 373,375
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Im Jahre 628 sah er im Palast seine Familie wieder: den sechszehnjährigen ältesten Sohn Konstantin, der sich bereits während der Belagerung mutig hervorgetan hatte; die Tochter Epiphania, die hoffentlich niemals vernommen hat, was für ein Schicksal ihr Vater für sie vorgesehen hatte, dem sie knapp entronnen war; Herakleonas, den jüngeren Sohn von Martina, nun dreizehn Jahre alt; und natürlich Kaiserin Martina, die schon ein paar Monate vorher mit ihrem Baby aus dem Osten zurückgekehrt war.
Ob sie sich darum aber viel kümmerte, ist ungewiß, konzentrierte sie doch nun ihre gesamte Energie darauf, die Einsetzung ihres Erstgeborenen Herakleonas als Mit-Kaiser Konstantins, des Sohnes von Herakleios' erster Frau Eudokia, sicherzustellen. Das Vorhaben schien nicht allzu schwierig; der junge Konstantin war trotz der Kühnheit, die er während der Belagerung Konstantinopels im Jahre 626 bewiesen hatte, zu einem kränkelnden jungen Mann herangewachsen und litt vermutlich an Schwindsucht. Zwar besteht kein Grund zur Annahme, dass er geistig zurückgeblieben war, doch soll er nicht ohne ständige Betreuung ausgekommen sein. Auch verfügte Herakleios nicht mehr über die Kraft, sich seiner Frau zu widersetzen, selbst wenn er dies gewünscht hätte. So setzte er am 4. Juni 638 im Palast am Bosporus, in Martinas und Konstantins Anwesenheit, Herakleonas mit zitternden Händen das kaiserliche Diadem auf. Die beiden Söhne, mittlerweile dreiundzwanzig und sechsundzwanzig Jahre alt, herrschten von nun an gemeinsam mit ihrem Vater, standen ihm bei offiziellen Feierlichkeiten zur Seite, wenn er überhaupt in Erscheinung trat, und vertraten ihn immer häufiger ganz.
Obwohl Herakleios' Tod schon so lange zu erwarten war, stürzte er Byzanz in ein Chaos. Ein Grund des Übels war Martinas Ehrgeiz. Sie hatte sich nicht damit begnügt, ihren Mann zur Einsetzung ihres Sohnes Herakleonas als Mit-Kaiser zu überreden, sondern ihn zusätzlich dazu gedrängt, ein entsprechendes Testament zu verfassen, nach dem die Regierung des Reichs an seinen ältesten Sohn und eigentlichen Erben Konstantin III., an Herakleonas und an sie gemeinsam übergehen solle. Eine ihrer ersten Amtshandlungen als Witwe war die Veranstaltung eines öffentlichen Rennens im Hippodrom, bei dem sie das Testament verkündete und gleichzeitig allen Anwesenden vor Augen führte, dass sie die eigentliche Macht zu übernehmen gedachte.
Im Sommer 641 wurde der kleine Herakleios unter wachsendem Druck von der Straße zum Kaiser gekrönt und nahm - vermutlich um eine Verwechslung mit seinem Großvater auszuschließen - den Namen Konstantin an. Im September desselben Jahres offenbarte sich der Machtkampf hinter den Kulissen endgültig. Auf Befehl des Senats wurden Martina und Herakleonas überraschend verhaftet. Ihr riß man die Zunge heraus, ihm schnitt man die Nase ab. Dann wurden die beiden auf die Insel Rhodos verbannt, ohne jemals wieder in ihre Heimat Konstantinopel zurückzukehren. War Ehrgeiz das einzige Vergehen der Kaiserin, dann hat sie schwer dafür bezahlt. Sollten sie und ihr Sohn den Kaiser tatsächlich ermordet haben, wären sie eher glimpflich davongekommen.

Thiess Frank: Seite 435,513,540,553
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."

Beim griechischen Heere befand sich ein Säugling, den es als kostbarsten Besitz hütete: die Kaiserin hatte in Lazika einen Sohn geboren, der den Namen seines Vaters erhielt, aber Heraklonas (kleiner Herakleios) genannt wurde.
Dem sollte nun für immer ein Riegel vorgeschoben werden, und die Vorgänge der formalen Inthronisation seines Sohnes Konstantin aus erster Ehe im Jahre 613 und seines Sohnes Heraklonas aus der Ehe mit Martina am 4. Juli 638 sind unverkennbare Zeichen seines Willens zur Sicherung der Dynastie.
Am 1. Januar 639 wurde des Heraklonas achtjähriger Bruder David zum Caesar ernannt. Das alles ging in den feierlichsten Formen vor sich; der kleine Heraklonas schritt an der Hand seines Bruders Konstantin im königlichen Gewand durch die riesigen Säle des Heiligen Palastes und empfing vom greisen Patriarchen das Diadem.
Damit hatte aber Philagrius nur den ersten Schritt getan. Es folgte nun der zweite. Er wußte, daß Konstanins Tage gezählt waren und daß dann Heraklonas, das heißt in Wirklichkeit Martina, das Reich unangefochten regieren würde. Das mußte verhindert werden. Konstantin hatte zwei Söhne, Herakleios und Theodosios, und Philagrius überzeugte den Kaiser davon, daß die Gefahr bestünde, die beiden Kinder könnten nach seinem Tode einem Anschlag der bösen Stiefmutter zum Opfer fallen.
Was sollte nach Konstantins Tod geschehen. Wer sollte das Reich regieren? Es wäre der reine Selbstmord gewesen, wenn Martina ihren unmündigen Sohn der Verbrecherclique überlassen hätte, die Konstantin und die Bevölkerung gegen sie aufgehetzt und Heraklonas als einen aus Inzest geborenen Knaben erklärt hatte. Die Anhänger Konstantins verlangten gegen das Testament des Herakleios, daß die Macht auf Konstantins ältesten Sohn, den damals zehnjährigen Herakleios Konstantinos, übertragen werde. Martina verweigerte die Annullierung des Testaments und die Krönung ihres Stiefenkels mit dem Hinweis darauf, daß ihr zweiter Sohn David Tiberios als Cäsar Anspruch auf die Regentschaft hatte.
Mit der Krönung des ältesten Sohnes Konstantins III. war eine neue und recht verrückte Situation entstanden, weil angesichts der legitimen Thronrechte Davids als möglichen Nachfolger des Heraklonas jetzt drei Kinder auf dem Thron von Byzanz saßen, die nun gemeinsam das Weltreich regieren sollten.
Das Gesicht zu wahren schien nicht mehr nötig, nachdem auch der Senat seine Zustimmung zur Absetzung des Kaisers gegeben hatte. Valentinos, der Rebellenführer Theodoros und wahrscheinlich auch ein gewisser Dometianos, der seinerseits die Krönung des Konstans betrieben hatte, drangen in den Palast ein, schnitten Heraklonas die Nase, seiner Mutter die Zunge ab und ließen den kleinen David Tiberios, der wegen seiner Cäsar-Würde gefährlich werden konnte, wahrscheinlich gleich an Ort und Stelle umbringen [3 Theophanes und Sebenos berichten vom Abschneiden der Zunge und der Verstümmelung des Heraklonas. Sebeos schreibt, Martina sei mit ihren Söhnen getötet worden, womit nicht gesagt ist, daß dies sofort geschehen sei, was immerhin einen gewissen Grad an Humanismus bewiesen hätte. Daß Heraklonas an seiner furchtbaren Verletzung gestorben ist, berichtet Johann von Nikiu, auch daß sie Theodosios wegen seiner Taubheit für ungefährlich hielten und darum am Leben ließen. Letzte Mitteilung findet sich auch bei Nikephoros, der wissen will, daß die Verschwörer nach dem Verbrechen an Martina und ihren Söhnen das Testament für ungültig erklärten, was nicht recht glaubhaft erscheint, obwohl es zugleich mit der zweiten Ausrufung des Konstans zum Basileus (Nikephoros 24, 18f.) geschehen sein könnte. Georgios Kedrenos berichtet, daß man die Verstümmmelten in ein Kloster verbannt habe.]. Dem jüngsten Sohne Martinas, Theodosios, der taub war, schenkte man das Leben. Die Verstümmelten wurden nach Rhodos verbannt, wo Heraklonas an seiner schweren Wunde bald gestorben ist. Von Martina hört man nichts mehr, sie wird schwerlich das Verbrechen an ihren Söhnen und an sich lange überlebt haben.
Der Senat und Valentinos konnten zufrieden sein. Die verhaßte Gemahlin des großen Kaisers war zu ewigem Schweigen verurteilt, Heraklonas starb an der Blutvergiftung und den Patriarchen schickte man in die Verbannung.
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 373,375 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite 435,513,538,540, 553 -