Tochter des Patricius Eutropos und der Maria,
Schwester von Kaiser
Herakleios
I.
Norwich John Julius: Band I Seite 368-373
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Kaiserin Eudokia
war 612 nach der Geburt ihres zweiten Kindes an einem epileptischen Anfall
gestorben, und ihr Mann hatte bald darauf seine Nichte Martina
geheiratet, was in kirchlichen Kreisen einen Riesenskandal ausgelöst
hatte.
Im Jahre 628 sah er im Palast seine Familie wieder: den
16-jährigen ältesten Sohn Konstantin,
der sich bereits während der Belagerung mutig hervorgetan hatte; die
Tochter Epiphania, die hoffentlich
niemals vernommen hat, was für ein Schicksal ihr Vater für sie
vorgesehen hatte, dem sie knapp entronnen war; Herakleonas,
den jüngeren Sohn von Martina,
nun 13 Jahre alt; und natürlich Kaiserin
Martina, die schon ein paar Monate vorher mit ihrem Baby aus
dem Osten zurückgekehrt war.
So machte sich Kaiser
Herakleios zu Beginn des Frühjahres 629 mit Martina
und dem ältesten Sohn Konstantin
über Anatolien auf nach Syrien und Palästina.
Um diese Zeit war allen klar, dass er dem Tod geweiht
war. Seine abergläubischen Untertanen zögerten nicht, nach Erklärungen
für seinen Niedergang zu forschen. Ganz klar, tuschelte man, habe
er durch seine inzestuöse Heirat mit seiner Nichte Gottes Zorn
auf sich gezogen. Waren von den neun Kindern, die Kaiserin
Martina geboren hatte, nicht vier schon als Kinder gestorben?
Hatte nicht eines von ihnen einen schiefen Hals, und war nicht ein weiteres,
nämlich Theodosios, taubstumm?
Konnte es deutlichere Anzeichen göttlichen Mißfallens geben?
Der stetige geistige und körperliche Verfall des Kaisers war nur noch
eine weitere Bestätigung dafür. Kaiserin
Martina, in Konstantinopel ohnehin nie besonders beliebt, sah
sich nun Haß und öffentlichen Schmähungen ausgesetzt.
Ob sie sich darum aber viel kümmerte, ist ungewiß,
konzentrierte sie doch nun ihre gesamte Energie darauf, die Einsetzung
ihres Erstgeborenen Herakleonas als
Mit-Kaiser Konstantins, des Sohnes
von Herakleios'
erster Frau
Eudokia, sicherzustellen. Das Vorhaben
schien nicht allzu schwierig; der junge Konstantin
war trotz der Kühnheit, die er während der Belagerung Konstantinopels
im Jahre 626 bewiesen hatte, zu einem kränkelnden jungen Mann herangewachsen
und litt vermutlich an Schwindsucht. Zwar besteht kein Grund zur Annahme,
dass er geistig zurückgeblieben war, doch soll er nicht ohne ständige
Betreuung ausgekommen sein. Auch verfügte
Herakleios nicht mehr über die Kraft, sich seiner Frau
zu widersetzen, selbst wenn er dies gewünscht hätte. So setzte
er am 4. Juni 638 im Palast am Bosporus, in Martinas
und Konstantins Anwesenheit, Herakleonas
mit zitternden Händen das kaiserliche Diadem auf.
Obwohl Herakleios'
Tod schon so lange zu erwarten war, stürzte er Byzanz in ein Chaos.
Ein Grund des Übels war Martinas Ehrgeiz.
Sie hatte sich nicht damit begnügt, ihren Mann zur Einsetzung ihres
Sohnes Herakleonas als Mit-Kaiser zu überreden,
sondern ihn zusätzlich dazu gedrängt, ein entsprechendes Testament
zu verfassen, nach dem die Regierung des Reichs an seinen ältesten
Sohn und eigentlichen Erben Konstantin III.,
an Herakleonas und an sie gemeinsam
übergehen solle. Eine ihrer ersten Amtshandlungen als Witwe war die
Veranstaltung eines öffentlichen Rennens im Hippodrom, bei dem sie
das Testament verkündete und gleichzeitig allen Anwesenden vor Augen
führte, dass sie die eigentliche Macht zu übernehmen gedachte.
Aber die byzantinische Bevölkerung wollte nichts
dergleichen hören. Schon lange mißtraute man Martinas
zielstrebigem
Ehrgeiz; viele machten sie sogar zum Sündenbock und legten ihr, reichlich
widersinnig, den Verfall und Tod ihres Mannes zur Last. Und nun schienen
sich die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen. Überhaupt,
hieß es, wie sollte eine Frau denn imstande sein, ausländische
Gesandte zu empfangen oder ihnen Rede und Antwort zu stehen, geschweige
denn ein Reich zu regieren? Schon der bloße Gedanke sei ja absurd.
Sie würden ihr gerne den Respekt erweisen, den man der Mutter eines
Kaisers zollte, aber unterordnen würden sie sich nur ihrem Sohn und
Stiefsohn. Martina war bestürzt
und zornig, aber sie hatte keine andere Wahl, als sich in den Palast zurückzuziehen.
Noch gab sie sich jedoch nicht geschlagen. Kurz darauf erkrankte der ältere
amtierende Kaiser
Konstantintin. Möglicherweise um einer Luftveränderung
willen, doch wahrscheinlicher, um Distanz von seiner Stiefmutter zu gewinnen,
begab er sich über den Bosporus in den Palast von Chalkedon. Es brachte
ihm aber keinen Nutzen; er starb am 25. Mai 641 nach nur dreieinhalbmonatiger
Regierungszeit.
Ob Martina ihn umbringen
ließ, ist alles andere als gewiß. Es liegen keine zeitgenössischen
Berichte vor, und so bleibt nur die Möglichkeit, sich auf die dürftigen
Informationen vor allem von Nikephoros und Theophanes zu
stützen, die beide zu Beginn des 9. Jahrhunderts schrieben. Und Nikephoros,
dessen Bericht detaillierter ist, äußert keinerlei Verdacht.
Konstantin war in der Tat schon lange
kränklich und kann sehr wohl auf natürlicher Weise gestorben
sein. Andererseits können einem die Umstände und vor allem der
Zeitpunkt seines Todes zumindest verdächtig vorkommen. Auch hatte,
wie noch zu hören sein wird, sein Sohn und Nachfolger keine Skrupel,
die Kaiserin ganz eindeutig des Mordes zu beschuldigen.
Die Bevölkerung Konstantinopels, deren Gunst ohnehin
bereits der älteren Linie der Familie zuneigte, reagierte zornentbrannt,
als die undipolmatische Martina noch
fast vor Eintritt der Totenstarre ihres Stiefsohnes in aller Offenheit
all seine Bearter in die Verbannung schickte und, über ihren eigenen
Sohn hinweggehend, die kaiserliche Gewalt ganz an sich zog. Noch
mehr aber empörte man sich über ihre begeisterte Unterstützung
des einst von Kaiser
Herakleios verkündeten Monotheletismus, einer inzwischen
völlig abgeschmetterten Lehre, die nie populär geworden war und
die Konstantin
nachhaltig auszurotten
versucht hatte. Im Sommer 641 wurde der kleine Herakleios
unter wachsendem Druck von der Straße zum Kaiser gekrönt und
nahm - vermutlich um eine Verwechslung mit seinem Großvater auszuschließen
- den Namen Konstantin an. Im September
desselben Jahres offenbarte sich der Machtkampf hinter den Kulissen endgültig.
Auf Befehl des Senats wurden Martina und
Herakleonas überraschend verhaftet. Ihr riß man
die Zunge heraus, ihm schnitt man die Nase ab. Dann wurden die beiden
auf
die Insel Rhodos verbannt, ohne jemals wieder in ihre Heimat Konstantinopel
zurückzukehren. War Ehrgeiz das einzige Vergehen der Kaiserin, dann
hat sie schwer dafür bezahlt. Sollten sie und ihr Sohn den Kaiser
tatsächlich ermordet haben, wären sie eher glimpflich davongekommen.
613
oo 2. Herakleios I. Kaiser von Byzanz
575 † 11.2.641
9 Kinder:
Herakleios II. Herakleonas
615 † Ende
September 641
Theodosios
†
Eudokia
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David Tiberios
631 † 641
Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 368-373 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser.
Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959
Seite 357,415,422,426,459,500, 502,513,530,538,546,552,585 -